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Der Israelit · 1935-08-01 · Heft 31 (1.8.1935) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 31 (1.8.1935)
Date
1935-08-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurt a. M. 1, August 1935 2. Ab 5695 Nummer 31 Um die i V Jerusalem, 29. Juli. Die arabische Zeitung „Falestin" will in der Lage sein, die Gründe mitteilen zu können, weshalb der^ Hochkommissar von Syrien, Graf de Martell, das Projekt einer jüdischen Gesellschaft, die Sümpfe eines Bodenkomplexes in Syrien auszutrocknen, verworfen hat. Die betreffenden In-; ■ .. " ■ f ormationen des „Falestin" sollen von dem Kreis-, kommissar von Antiochien stammen, der sie auf eiüer Re^ierungsberatung mitgeteilt haben soll. Danach hat die jüdische Kolonisationsgesellschaft mehrere Projekte vorgelegt. Der erste Plan soll eine Bestimmung enthaltend haben, wonach Juden sich auf einem Teil der ausgetrockneten Sümpfe hätten niederlassen sollen. Darauf habe der Oberkommissar nicht eingehen wollen. Die Gesellschaft habe dann einen zweiten Plan ^vorgelegt, in dem sie den Plan einer jüdischen Kolonisation habe fallen lassen, gleichzeitig damit aber den Voranschlag für die Austrocknungsarbeiten "vorr .170 Millionen Franken; auf 60 Millionen herabgesetzt habe. Auch darauf habe der Oberkommissar nicht eingehen wollen, so daß schließlich beschlossen worden sei, die Austrocknungsarbeiten nach einem Plan vorzunehmen, der nur Kosten in Höhe von 12 Millionen Franken vorsehe. Diese Summe soll durch die Kreisregierung von-Antiochien aufgebracht werden. Di esje .Mitteilungen klingen einigermaßen t ä t s^rLhia. f t; wenn eine jüdische Gesellschaft -die syrischen Sümpfe austrocknen,will, $0 ist es. doch selbstverständlich, daß sie dabei j ü d i s c h e- Kolonisation im Auge hat. Eine, authentische Aufklärung von französischer Seite darf wohl ■erwartet werden. Kolonisation in Syrien. Jerusalem, 29. Juli. Die zuständigen Instanzen der Verwaltung des iranzqsischen Mandatsgebietes Syrienühaben es. bekanntlich abgelehnt, - einer : jüdischen Gesellschaft' die "Erlaubnis für die Kolonisation in der. Gegend vbn El Omek im Kreise Alexandretta zu' erteilen.' Wie'gemeldet wird, soll sich unter den"] Arabern dieser Gegend eine Opposition gegenn den Regierungsbeschluß bemerkbar machen. ü1 Der Kreiskommissar von Alexandretta hat den Beschluß veröffentlicht, daß der Bodenkomplex, auf dem die jüdische Gesellschaft kolonisieren sollte, jetzt für die Kolonisation von Armeniern und Assyriern zur Verfügung stehe. Dieser Beschluß -ist jedoch endgültig noch nicht bestätigt worden, da sich die Regierung durch die oppositionelle Bewegung unter den Arabern gezwungen, sieht, die Lage nochmals zu überprüfen. Die Araber in Syrien bestehen in ihrer Mehrheit auf der Forderung, daß die Konzession an Juden vergeben werde. Eine jüdische Kolonisation werde dem Lande keinen Schaden bringen, sondern nur Nutzen, anders als eine Konzession, die an Armenier vergeben werden würde. Aus dem Inhalt: Entwicklungen im palästinensischen Schulwesen . .........Seite 3 Warnungen an jüd. Frauen.....Seite 4 Die Freiland-Bewegung.......Seite 5 Die Ziele des Berliner Beth-Chinuch. Seite 5 Bedrohung der palästinensischen Indusirre Seite 2 u. 6 Der Kampf gegen die Mischehen Seite 2 u. 6 Ost und West in der Slovakei . . . Seite 8 Poale Agudas Jisroel........Seite 9 Erziehung und Lehre.....Seite 11 u- 12 G 01u s- S c h i c k sah Eine Tisch'o-beaw-Betrachtung. _ Nicht wann die „Blätter fallen in des Jahres Kreise", nicht wann die Schneedecke alles blühende Leben auf Erden in ein Leichentuch einhüllt — sondern mitten im Sommer auf der Sonnenhöhe des irdischen Jahreskreislaufs trifft den Juden das düstere Glockengeläute seiner nationalen Trauer, die ihn zur Erde niederzieht, die Lichter in den G'tteshäusern erlöschen, die Freude in den Herzen ersterben läßfc und ihm wochenlang vorher schon, als beweine er seine nächsten Angehörigen, schwere Verzichte auferlegt auf Genuß und äußere Lebensgemächlichkeit, gerade dann, wenn die Jahreszeit die . höchste Freude am Leben predigt. Schon diese Dissonanz zwischen jahreszeitlicher und geschichtlicher Stimmung, die im schärfsten Gegensatz^ steht zu der natürlich-geschichtlichen Harmonie der jüdischen Frühlings-, Sommer- und Herbstfestzeiten, deutet an, wie sehr das jüdische Bewußtsein das Goluss e h.ick s a 1 des .jüdischen Volkes als etwas .durchaus An o r m a 1 e s , Kr i s enhaftes im Gesamtverlauf des nationalen Daseins empfindet. Der Weltenkönig!hat uns weder zu Händlern '[und .Asphalt-Intellektuellen, noch —-um die Teriminoliogie unserer Gegner anzuwenden —; zum;, ,;Nomadendasein oder zu „Parasiten" fremder WirtsVölker erschaffen :und kein geschichtlicher! Tatbestand gibt den' Völkern der Welt das objektive Recht, dem jüdischen;:Volke seine große Wanderung über den Erdball mit allen daraus folgenden Verstrickungen für beide Teile als Ausfluß f r ei en Wollens oder gar bösen Willens vorzuhalten. Auf eigenem Boden zu sitzen, in der Scholle verwurzelt, unter Weinstock und Feigenbaum, und durch ein darauf sich gründendes reichgegliedertes Volksleben als wV7j? 'III tTirD .na^ZSÖ den Namen des einen einzigen G'ttes inmitten aller Nationen zu heiligen — das allein schwebt von Anbeginn an als nationales Ideal über der Urgeschichte des jüdischen Volkes und es gibt wahrlich keine zweite Gemeinschaft auf Erden, die diese ihre urgeschichtlichen Ideale mit solcher Zähigkeit und Unberührtheit sich als ewige Gegenwart festzuhalten verstanden hätte wie die jüdische. _^ Als Strafe, als furchtbarste, letzte Konsequenz der eigenen sittlich-religiösen Unzulänglichkeit, haben Thora und Propheten, haben unsre Weisen und ihre Jünger durch alle Zeiten hindurch das G o 1 u s , den Aufenthalt jüdischer Gemeinschaften im Schöße fremder Nationen, empfunden, und uns dieses Gefühl des Gestraf tseinSj der Golus-B i 11 e r k e i t und - Verlassenheit lebendig zu erhalten, -sobald es verloren zu gehen droht, das war und ist ja die eigentliche Aufgabe, all der Fast- und Trauerzeiten, die unsre Weisen in den Kreislauf (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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