Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1935)
- Date
- 1935-07-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 14 Nr. 30 Der Israelit 25 .Juli 1935 möglich war. Eine jüdische Landhochzeit auf eigenem Boden, wie sie einmal vielleicht ein Boas nicht viel anders gefeiert hatte, als er Ruth heimführte. ' . , Alle waren sie hergeeilt, die alten Freunde, so weit sie sich im Heimatlande befanden. Rabbi Schmuhl Karpfenteich, Rabbi Nathan Eilgut, der natürlich wieder was ausgelernt hatte und mit diesem Hochzeitsfeste einen Sijum verband, und selbstverständlich Rabbi Nachum Chabad. Herr Jakob Berches, der schon seit Monaten im Lande weilte, war mit Frau und beiden ältesten Söhnen, die mit bestem Erfolge Zement und anderes Baumaterial am Jordan herstellten und vertrieben, erschienen. Herr Berches schien in dem Jahre jünger geworden zu sein, das Gesicht, vom schlohweißen schönen Bart umrahmt, strahlte förmlich. Es fiel auf, daß er wenig sprach, seitdem er im Lande war. Er hatte keine Worte für das Glück der Erfüllung, das ihm geworden war. Selbstverständlich war auch der gepflegte Herr Jackson mit herübergekommen. Zuletzt erschien auch, in glänzendem Atlaschalat, den riesigen Zobelstreimel auf dem Haupte, jener ostungarische Rabbi, der auf dem Schiffe so oft vorlernte und in Gleichnissen zu den Leuten sprach. Der Trauungsakt ging unter freiem Himmel mit Anbruch der Nacht, da oben die Sterne und unten die Kerzen in den Händen sämtlicher weiblicher Mitglieder der Farm aufleuchteten, in aller Einfachheit vor sich. Keine Traurede,, keine abgezirkelten Worte gaben dem Namenlosen Wort und Ausdruck. Rabbi Karpfenteich sprach die ersten Segengformeln, der ungarische Rabbi und Rabbi Eilgut sangen die weiteren Gebete. Das MDu bist mir geheiligt", das zwischendurch Jakob zu der mit einfachem Tuch verhüllten Hanna sprach, hatte hier unter dem Sternenhimmel in Israels Land eine andere, die ursprüngliche Bedeutung. Geheiligt und geweiht war der Bund, geheiligt und geweiht aber auch das kleine jüdische Reich durch das Hinzukommen eines neuen jüdischen Hauses. (Schluß folgt.) Interessante Notizen. Redigiert von Saly Geis» Als 1492 die Juden aus Sizilien vertrieben werden sollten, ersuchte der Hohe Rat der Insel den Landesherrn Ferdinand den Katholischen von Aragonien, das Vorhaben zu unterlassen, da mit der Vertreibung der Juden, der einzigen Schiffbauer, der Schiffbau eingestellt werden müßte. S, Schechter, Studies in Judaism (London, 1908) verzeichnet über Safeth in Erez Israel folgendes; Diese Stadt hat weder biblische noch talmudische Vergangenheit. Ihre erste Erwähnung geschieht erst zu Beginn des 13. Jahrhunderts, 1522 zählte die Stadt drei Synagogen und wohl nur das Lehrhaus des aus Sizilien eingewanderten Joseph Saragossi, jedoch 1603 bereits 21 Synagogen, 18 talmudische Lehrhäuser und eine Anzahl Armenschulen mit 20 Lehrern und. 400 Schülern. Joseph Caro, Verfasser von Beth Joseph, Schulchan Aruch und Maggid Mescharim — und Isaac Luria geben der Safether Judenheit ein mystisches Gepräge. Damals bestand, wie Schechter schildert, unter den Safether Juden .Wohlstand und blühende Industrie, ein Gegensatz zu heute. * Die Septuaginta, die griechische Uebersetzung des Tenach, für die des Hebräischen unkundigen Alexandriner Juden der griechischen, vorchristlichen Zeit, übersetzt die dritte der Plagen: o'ia mit Stechmücken. — Wer Haifa besucht, kann in einer einzigen Nacht an seinem eigenen Körper erfahren, was diese Plage bedeutete. Im Jahre 1873 beschäftigte sich eine Kommission der Berliner Jüdischen Gemeinde mit der Revision des Gebetbuches der Neuen Synagoge. Der Kommission gehörten auch die Rabbinen Aub. Geiger und Ungerleider und der berühmte Völkerpsycholog Professor Lazarus an. Von den Beschlüssen dieser Kommission sind heute besonders, folgende interessant: Alle Stellen, die die Hoffnungen auf die Rückkehr nach Jerusalem, auf das Erscheinen eines politischen Messias und die Wiederherstellung eines jüdischen Reiches betreffen, zu streichen; ebenso jede auch nur scheinbar auf eine nationale Absonderung hindeutende Stelle auszumerzen. * Die Frage genügender Wasserzuführung war in Jerusalem stets aktuell. Der edle Sir Moses Montefiore suchte das Problem zu lösen, indem er eine Wasserleitung bauen ließ, — doch sie zerfiel infolge -der damaligen türkischen. Mißwirtschaft bald. . Dasselbe Schicksal erfuhr später eine von Nachif Pascha errichtete Wasserleitung. Zu Beginn der 70er Jahre interessierte sich ein Engländermit Namen Henry Lumleyr und eine Engländerin wollte die damals nur erforderlichen 20.000 Lst. geben. Doch die Erlaubnis der Regierung war nicht zu erreichen. Lumley schrieb eine Broschüre, um die Mächte zu interessieren. Die Schrift erschien auch in deutscher Uebersetzung. von Martin Jaffe („Betrachtungen und Briefe zur Förderung des Baues einer Wasserleitung", Leipzig 1873, Joh. Friedr. Hartknoch). Bis zum 20. September 1870, dem Ende des Kirchenstaats, durften die Juden in Rom ihre Synagogen nur in einem einzigen Hause haben, da die Inquisition nicht mehr als eine Synagoge erlaubte. Mit großen Geldopfern war die Erlaubnis erkauft worden, die seit alten Zeiten bestehenden fünf Synagogen in diesem einen Hause halten zu dürfen. -r. Am 5. bis 8. Mai 1842 suchte Hamburg ein riesenhafter Brand heim. Auch die hauptsächlich von Juden bewohnten Häuser am Altwall und Mönkendamm wurden ein Raub der Flammen. Von öffentlichen jüdischen Gebäuden brannten die portugiesische Synagoge, die deutsche Altstädter Synagoge,. die Levin-, Salomonsche Klaus und die AHstädter. Mikwah nieder. i * ' , Eine jetzt hundert Jahre alte Korrespondenz über die Juden in Konstantinopel schreibt u. a.: Neben jeder Synagoge befindet sich eine Schule. In einem völlig leeren, weiß getünchten Zimmer sitzt an dem einen Ende der Lehrer mit untergeschlagenen Beinen auf einem Wollsack, und um ihn hocken 50—60 Kinder. Sie lernen nur hebräisch lesen, dieses aber mit höchster Korrektheit. Der Junge besucht die Schule bis zum achten Jahre, treibt von da ab Geschäfte und heiratet meist mit dreizehn Jahren. Nur eine kleine Zahl tritt von der Schule ins Beth-Hamidrasch über, um Chacham (Rabbiner) zu werden. Die sefardischen Juden kennen keinen Pilpul, sie übersetzen die Kommentare des Talmud trocken Wort für Wort, lernen aber mehr Tenach. Kinderecke, In den „neun Tagen", Von Heinrich Einstädter. Die „neun Tage" am Anfang des Monats Ab sind eine Zeit tiefster Trauer für ganz Israel, das einst zu dieser Zeit sein Heiligtum und sein Land verlören hat. Die vielen Jahre, die seitdem verflossen sind, haben das Leid nicht tilgen können. Noch heute fühlt jeder Jude das schwere Schicksal, das seine Voreltern erlitten haben, und den herben Verlust, an dem seitdem Geschlecht um Geschlecht mitzutragen hatte. Aber die Kinder? Ihr Sinn ist der Trauer schwer zugänglich, und daß es so ist, haben wir der Allweisheit des Schöpfers zu verdanken gleich allem Guten, das die Welt umschließt. Die Kindheit glücklich zu. gestalten, gehört zu den Hauptaufgaben der Eltern, und nichts berührt, uns so furchtbar, als wenn ein Kind sich unglücklich fühlt. Auch fehlt es den Kleinen noch an Einsicht in geschichtliche Vorgänge. Die überlieferten äußeren Zeichen der Trauer können sie in ihrer Bedeutung noch nicht erfassen. Auch von ihnen erblicken sie oft nur eine fröhliche Seite, um unwillkürlich die ernste zu übersehen. So waren den kleinen Schimmelchen, wie man allgemein im Bekanntenkreise die fünf Blondköpfe der Familie Schimmel nannte, die „neun Tage" eine willkommene Zeit, in der es mehr Kuchen und andre süße Backwaren gab als sonst. Fleisch genossen sie auch im allgemeinen wenig, Wein gar nicht. Daß. also Fleisch und Wein nicht auf den Tisch kamen, entbehrten die Kinder nicht, und daß die Mutter während der ganzen Wodhe außer am Schabbos ein farbiges Tischtuch auflegte, wie man es nur für Milchspeisen verwandte, -war ihnen schon etwas Neues » und — Anziehendes. Und als der T i schob'oav (der 9. Ab) kam und sie dem Vater das niedere Fußschemelchen in die dürftig beleuchtete. Synagoge tragen durften, als sie unterwegs mit anderen Kindern, die den gleichen Liebesdienst ..verrichteten, zusammentrafen und mit all den Männern, die so still in ihren Hausschuhen dahihwandelten, da waren sie weit davon entfernt, darin ein Zeichen der Trauer zu erblicken, Das Ungewohnte barg vielmehr in sich einen gewissen Reiz. Doch rasch vergehen die Jahre. Die Aelteste, die feinsinnige Bertha, lernte jetzt in. der Schule die Bedeutung der Festtage kennen, und als am Vorabend des Tischo boav ihre Geschwister bereits in den Betten lagen, durfte sie noch bei der Mutter, im Wohnzimmer bleiben. Wie still war es da! Wohl standen die Fenster offen, denn der Tag war heiß gewesen. Aber auch von außen drang kein Laut in das Zimmer. Es war ja Erntezeit, Da mußte der Bauer schon bald das Bett aufsuchen, um anderen Tages wieder vor der Sonne aufstehen zu können. Auf dem Tische stand die Petroleumlampe.; In ihren Lichtkreis schob die Mutter, nachdem sie das Abendgebet verrichtet hatte, das Fußschemelchen und ließ sich darauf nieder, um das Klagelied des Propheten Jirmijahu zu lesen. Bertha nahm ein zweites Schemelcken und setzte sich rieben die Mutter. Sie blickte von der Seite in/das Buch und las einzelne Sätze der deutschen Uebertragung. „Ach, wie sitzt sie da, so einsam.— Sie weint in" der Nacht, ihre Träne auf der Wange. All ihre Freunde sind ihr untreu geworden, würden ihr zu Feinden. — Zions Straßen trauern, weil niemand mehr zum Feste kommt. — Gesündigt hat Jerusalem." Bertha schaut zur Mutter auf, und wirklich! — Ueber ihre Wange rollt eine. Träne. Da läßt das Kind sein Köpfchen hängen. Die Erzählungen von Israels Leiden, die es in der Schule gehört hat, fallen ihm wieder ein. Leise steht es auf und blickt aus dem Fenster. Es ängstigt sich nach dem Vater und lauscht vergeblich auf seinen Tritt. Wieder kommen ihm trübe. Gedanken in den Sinn. Es träumt von vereinsamten Kindern, die ihre Eltern suchen. Da steht plötzlich der Vater vor Bertha. Diesmal hat sie seinen Schritt nicht gehört; denn er hat ja keine Lederschuhe an. Sie seufzt leis auf und geht zu Bett. Wortlos. Zum ersten Male empfindet sie die Trauer des neunten Ab. Eine biblische Anfrage* Wer von den älteren Jungen, die die Kinderecke lesen, kann angeben, wie sich die Stammesregister im Wochenabschnitt Pinchas von denjenigen im Wochenabschnitt Wajigasch unterscheiden? Wenn Ihr die 'Unterschiede festgestellt habt, könnt Ihr Euch vielleicht auch vom Lehrer oder Vater die Ursachen für diese Verschiedenheiten angeben lassen und sie im „Israelit" mitteilen, ' Wilhelm Wolff, Aurich. Silbenrätsel, Aus nachstehenden Silben sind Worte zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide7 von oben nach unten gelesen/ efne Weisheit aus den „Sprüchen Salomos" ergeben. a — ab — ard — ba — bäum — be bo — bra — bro — cu — dau -rde — den — doc — du — e — e — fer — frank — ge — ka — lands — les — lin — mi — me —> mo — mot -rmud — na — ne — ne — o — oel — pitz — ra —rah — rob — reich — ret — roll — sau — aes— sta — tal ter — ti — tib — to — tu — un — ur — vet wa zie. 1.Gefäß; 2. Sohn Isaacs; 3. Deutsches Land; 4. Männlicher Vorname; 5. Gegenstand aus der Phototechnik; 6. Vorspruch; 7. Insekten und kleine Säugetiere (Schädlinge); 8. Sammelwerk der hebräischen Lehre (schriftl. und mündl.); 9. Reisegesellschaft im Orient; 10. Biblischer Baum; 11. Religionsstifter der Juden; 12. Orientalischer Turm; 13. Bekannter" Politiker (rumän.J; 14. Verwandter; 15.^.Deutscher Dichter;, 16. Meeressäugetiere; 17. Biblische Frauengestalt; 18. Fluß in Spanien; 19, ein französischer Wein; 20. Europäisches Land; 21. Erzvater; 22. Stadt am Bodensee; 23. Hauptstadt von Niederbayern.