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Der Israelit · 1935-07-25 · Heft 30 (25.7.1935) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 30 (25.7.1935)
Date
1935-07-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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',! ' I i - - - L. 1110 ^cJ^S Ein Centraiorgan för das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains Frankfurt a. M. 25. Juü_1935 : 24. Tammus 5695 Nummer 30 Ein Artikelinder„Times"überden L o n d o n , 23. Juli. Ein Korrespondent der „Times" veröffentlicht einen längeren Artikel über die Eindrücke, die er bei einem Besuch in Palästina über den Aufbau des Landes, über seine Gestaltung und Wesenheit empfangen hat. Seit dem Jahre 1919, so schreibt er, sei er nicht in Palästina gewesen. In. der Zwischenzeit bis heute habe man wohl viel über Palästina und seine Probleme gehört,;aber man habe sich doch nur oberflächlich damit beschäftigt. Als er jedoch jetzt das Land betreten habe, habe er...-ganz plötzlich das Gefühl gehabt, •daß er sich an einem der wichtigsten Punkte in aind für die ganze Welt befände. Zuerst iiabe er gefühlt, daß die Luft mit einem jüdischen Nationalismus, geladen sei, der aber sich von jedem anderen Nationalismus in der Welt unterscheide. Gleichzeitig damit habe er die überraschende Tatsache gefühlt, daß ein kleines Land sich von einem armen Territorium in eines der reichesten verwandele; Schließlich frabjö), er gefühlt, wie in Palästina eine: neue Gesellschaft Üm Entstehen sei. Sie hat. ihre Wurzeln, im Boden. Ihre Stadtbewohner seien sonnenverbrannt und athletisch. Sie ist' eine junge Gesellschaft, was durchaus deutlich/yrfody sie ist voll von Energien aind Ideen. Die jungen Frauen scheinen mit den Männern vollkommen gleichberechtigt zu sein. / Der Korrespondent geht weiter auf die Entwicklung lyon Haifa ein. Er findet sie erstaunlich. Vor 16 Jahren noch habe es nur 25,000 Einwohner gezählt und sei ein armer Seehafen ge- -wesen. Heute hat es über 100.000 Einwohner, und Hian kann es wachsen sehen. Ohne Zweifel wird Ilaifa bald mit Alexandrien in Wettbewerb treten. In anerkennenden Worten bespricht der Korrespondent die Haltung der Menschen, die in dem-.jüdischen Haifa leben. Sie seien ifeh alle bewußt, daß sie an einem Jüdischen Nationalheim *bau©n.- Die Araber sperrten den Mund auf vor Erstaunen über all das, was um sie wachse. Sie glaubten, bei allem ins Hintertreffen zu-kommen. Sie hätten jedoch an der; allgemeinen Prosperity, die die Juden geschaffen hätten, teilgenommen. Und die Juden seien nicht sorglos gegenüber dem; Wohlergehen der Araber. Es bestehen Gesellschaften, um gute Beziehungen zwischen Juden •und Arabern zu pflegen. Jüngere Juden hofften, daß "die Araber in Palästina dazu geführt werden Tcönnen, eingedenk zu sein, daß sie und die Juden gemeinsame Kinder des Stammvaters Abraham seien. "Gründung einer Zentralbank der Finanzinstitutionen des polnischen Judentums. \ Warschau, 23. Juli. Ini(Warschau, fand unter dem Vorsitz des gewesenen Senators Bankier Raphael Szereszewski eine Tagung von Vertretern aller Finanzinstitutionen des polnischen Judentums statt. Der ehemalige Deputierte Wischlitzki hielt ein Referat, in dein er die Notwendigkeit betonte, ein zentrales Finanzinstitut für das polnische Judentum zu schaffen. Es wurde beschlossen, unter dem Namen „Kreditzentrale'* eine Bank zu gründen. Ihm schlössen sich sofort alle drei bestehenden jüdischen Genossenschaftsbanken an, nämlich die Zentrale für die jüdischen Geriössenschaften in KleinrPolen, die Volksbank in Wilna und die zentrale Genossenschaftsbank der Aguda in Warschau. Außerdem sagten ihre Mitwirkung eine Reihe großer Genossenschaftsbanken, die Zentrale der Gemilus Chesed-Kassen, sowie der zentrale Käufmannsverein und andere Organisationen zu. Achtzehn Mitglieder eines Aufsichtsrates wurden gewählt. Ein Gründungskapital von 200.000 Zloty ist aufgebracht worden. Die Bank wird ihren Betrieb aufnehmen, sobald die Satzungen bei dem zuständigen Kreisgericht eingetragen worden sind. Ans dem Inhalt: Binnenwanderung der deutschen Juden. Seite 3 Poale Agudas Jisroel.........Seite 3 Besinnung — em Wort zur Zeit . . . . Seite 4 Die Zentralratssitzung der Agudas Jisroel Seite 5 Wehrgesetz und Nichtarier ...... Seite 6 Tagungen der holländischen Agudas Jisroel und der polnischen Agudas Jisroel Seite 7 Tagung der Auswanderer in London . . Seite 8 Konferenzen der Bnos Agudas Jisroel und der Poale Agudas Jisroel ..... Seite 9 Amerikanische Agudo-Jugend .... Seite 10 'Kinderecke ............ Seite 14 Von B. Cohen. 1. Wir leiden unter der Geringbewertung unseres altväterlichen Geistesgutes in unseren Tagen. Dieses Leid tragen wir in verschiedenen Ländern in verschiedener Gestalt, aber wir tragen es überall. Im-Sowjetstaate ist alle G'ttesverehrung dem Verdachte des Aufbaufeindlichen ausgesetzt; in deutschen Landen wogt der Kampf ums Alte Testament. In den Weststaaten ist man erschrocken und „bemüht, sich, eihe Besserung oder .*Mäßigung herbeizuführen. Wie;, sehr aber auch der demokratische Westen hijeran seinen Teil der'' Mitschuld trägt, das ebenj: wollen wir im Folgenden zu zeigen versuchen.'.; Nicht um begrabene Sünden in Erinnerung zurufen, sondern um für heute daraus zu lernen und um unter unseren heutigen Freunden sichten zu können. 2. Die maßgeblichen jüdischen Kreise der Kulturländer fühlten sich nicht bedrückt, als Bousset 1903 das Judentum des letzten vorchristlichen Jahrhunderts als äus allen Volkstümern zusammengestohlenes Gesetz dartun wollte. Sie fühlten sich nicht vor den Kopf geschlagen, als noch 1920 Kittel trotz aller inzwischen aus dem Schutte Mesopotamiens erstandenen Gegenbeweise ins gleiche Horn blies und die Epoche des persischen Einflusses, auf die man die Gesetze des Judentums und seine Vergeltungsidee nicht mehr originär zurückführen konnte, als eine solche des Wieder-Erwachens ursemitischer Bräuche bezeichnete. Sie fühlten sich nicht degradiert, als Kittel 1920 die Hauptverhüllung und das Schuld. i. ■ ■ . . . Aschestreuen des Traüerbräuches der Bibel als Vermummungskünste ansah, mit denen sich der Trauernde gegen -den Toten unkenntlich machen wollte, oder den „Rama-Schrei" Raheis über das Exil ihrer Kinder als Totenstimmenglauben bezeichnete; als derselbe „dunkles Tabu" hinter den Speisegesetzen witterte und als die willenbefreiende Symbolik unserer Reinheitsgesetze an den Granitpfosten des Unverständnisses der Außenstehenden zerschellte. Der Außenstehenden überhaupt, nicht etwa nur der Judenfeinde, denn zu diesen zählte sich Kittel 1920 nicht, sondern wußte'damals selbst der reinen Freude des Sabbats ein Loblied zu singen, die er persönlich wahrgenommen hatte. 3. Ohne Rücksicht auf die Tatsache, daß im wahren Gesetzesbefolgerkreise allezeit Freude am Gesetze geherrscht hat, reden diese Forscher heute wie vor Jahrzehnten von der Last des Gesetzes, und ohne Rücksicht auf die Redlichkeit und Menschenliebe, die sie selber allezeit den Gesetzesbefolgern zubilligten, kamen sie zu dem Trugschlüsse: Die Gesetzesfrommheit stelle den Kultus so hoch wie den Moralgehorsam und entwerte damit den Moralgehorsam. 4. Bereitwilligst wurde diese Phrase im Kreise jüdischer Gesetzesverächter dem nichtjüdischen „objektiven" Forscher nachgesprochen, bei dem man ja keinerlei Feindschaft vermutete, ja Anerkennung für einzeihe Vorschriften des Judentums lesen konnte. Aber man sah nicht oder wollte nicht sehen, daß diese Anerkennung das (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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