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Der Israelit · 1935-07-18 · Heft 29 (18.7.1935) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 29 (18.7.1935)
Date
1935-07-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 29 Der Israelit 18. Juli 1935 „Nein, Jakob heiße ich schon seit langem. Und ich glaubte wirklich nicht, euch, Mutter und Vater, hier zu sprechen," stammelte der Sohn verwirrt. „Und dein Bruder Baruch weiß nicht, daß du hier bist?" „Auch er ist hier? Ich bin jetzt ein halbes Jahr im Lande und hatte bis jetzt allerdings keine Zeit, mich auf Forschungsreisen zu begeben." Es war das erste leicht hingeworfene Wort, an dem sie ihren alten Jungen erkannten. Frau Ida drohte vor Erregung zusammenzubrechen. Es sammelten sich viele Menschen um sie herum, und es kamen immer neue aus allen Ecken hinzu, die von den Festwagen genüg hatten und sich nun' lieber an einem Familienromane weiden wollten, wie ihn nur das Leben so unwahrscheinlich dichten dürfte. Ein kleines Familientheater auf Freilichtbühne, das sich bei-, nahe zur ernsten Konkurrenz für den großen noch in voller Bewegung befindlichen-Festzug zu entwickeln schien. „Warum gafft ihr, ihr Narren?" suchte ein älterer Mann dem Menschenauflauf abzuwehren. „Pah, ist schon was, Eltern, haben ihren Sohn hier gefunden. Was das schon ist? Daf\ir ist es ja Erez Israel, daß sich Jung und Alt und alle Söhne Israels hier treffen. Kommt an der Köthel alle Tage vor, Gestern erst , , ." (Fortsetzung folgt.) Ein Thorafest in Arosa. Auf Achtzehnhundertmeterhöhe sind wir im „Tale", - weil rings um uns herum eine Höhenkette mit ihren tiefgrünen Tannenreihen am Hange und den weißen Spitzen noch' höher, über die Wolken hinaus weist. Hinab sehen wir auf einen See, in dem ßich die ganze bunte Pracht der Alpenwelt spiegelt. Frühmorgens ist das Ganze in einen feinen Seidenschleier eingehüllt. Wenn er sich gehoben hat, enthüllt sich das Wunder in Grün, Weiß und Sonnengold, das Arosa genannt wird. Auf sanfter Höhe, mitten in dieses Wunder hineingebaut, steht das Hotel „Metropol", das seit einigen Jahren in bestimmten Sommer- und Wintermonaten Treffpunkt jüdischer Menschen ist, die sich für ein paar Wochen aus des Lebens Tretmühle in die Berge flüchten, wo sie am schönsten sind, und wo die Schneedecke nodh blendend leuchtet, wenn unten bereits die Alpenrosen blühen. Und in diesem Hause wurde am Sonntag (7. Juli) die Sommersaison mit einem Fest eingeleitet, das den ersten Gästen, die dabei sein durften,, wohl als das schönste Ferienerlebnis im Gedächtnis bleiben wird. Der Hotelier, Herr B. L e w i n , der keine Mühe scheut, das Haus bei allem Comfort zu einem jüdischen Hause-zu gestalten, ließ eine Thorarolle schreiben und gab damit dem Minjan der Saison Inhalt und Weihe. Der Anlaß wurde von den Kurgästen, zu denen noch eine Anzahl geladener Gäste aus Zürich kamen, nachmittags mit einer akademischen Feier und abends mit einer .Festtafel begangen, bei denen die Freude an der Thora mit der an der! Natur so harmonisch ineinanderklangen, daß man — wie es im Psalm 19 heißt — „den Himmel G'ttes Preis" und zugleich „die Thora G'ttes Wahrheit" in Lob und Lied, Wort und" Weise künden hörte . . .- •Unter den/Gesängen einer jugendlichen Sängerschar aus Zürich wurde die Thorarolle nach dem Fertigschreiben durch den Saal und rund um das Pult getragen. Herr Redakteur S. Schachnowitz, Frankfurt, a. M,, sprach in seiner Festrede von den Höhen uhd Tiefen in der jüdischen Geschichte und der sie überbrückenden Thora; von Generationen, die, gleich Korach, Mosche die Treue brechen und anderen, die wie Korachs Nachkommen (nach R. b.b. Ghana im Talmud) im Wanken der .Erde bekennen: „Mosche ist die Wahrheit und seine Thora ist wahr! . ..." Von den drei Dingen sprach er, auf denen nach dem Väter sprach die Welt steht — bei denen aber die Welt, bei allem Vorwärtstreiben, auch stehen gebliebenist und stillhalten muß. Der Thora heilige Zeichen sind hingeschrieben, auf Pergament — wie zur Zeit von Mosche und Esra ... Im Speisesaal setzte sich die Feier bei erlesenen Speisen und gehobenen Worten fort. Gesänge, Rezitationen, jüdische Volkslieder, ausgezeichnete Tischreden, geda'nkentief oder humorvoll, hielten die Tafelrunde bis in die späte Abendstunde beisammen. Herr Lewin selbst begrüßte und dankte in einer halachischen Abhandlung, die einen Tischredner verattlaßte, anschließend von Abraham, dem Eschel-Wirt im Haine Mamres, zu sprechen, von dem unser Metropol-Wirt das übernommen und gelernt hat, neben 'wi n^as» Speis und Trank, auch Tin'S L e h r e, seinen Gästen zu bieten ... In diesem „Eschel" von Arosa steht nun der kleine Thoraschrank - mit seinem heiligen Inhalt im Mittelpunkte — nicht allein bei den täglichen G'ttesdiensten, sondern auch wenn sich die Gäste bei der Tafel finden, wenn sie abends, e i n e Familie, ,im Vestibül in schöner Geistigkeit und Gemütlichkeit den Tag ausklingen lassen. „Arosa, die Perle der Alpenwelt" ist in den farbigen Prospekten zu lesen. „Metropol"- aber ist eine Perle in der Perle, die ihren erhöhten Glanz aus dem Schränkchen bezieht, in das wir am Sonntag die Rolle hineingestellt haben und aus der'uns in allen Höhen- und Tieflagen Kraft und Licht erstrahlen ... Marienbader Badebrief. Marienbad, 15. Juli. Es ist das alte, schöne M a ri ettb a d. An den und um die Quellen, sowie in den nahen Bergwäldefn, die alten Naturschönheiten, die alte Behaglichkeit, die alte Zufriedenheit, wie man sie nur in einem g'ttgesegnete'n Erdwinkel, wie es die „Perle aller Bäder Böhmens" ist, mit dankerfülltem Herzen genießen kann. Kalendermäßig haben wir bereits Hauptsaison. Was aber die „hohen Zimmerpreise" betrifft, wird es eine eigentliche Hauptsaison in diesem Jahre nicht mehr geben. Die Wohnungen sind auch in der Hauptsaison um ca. 30—40 Proz. billiger. Die wirtschaftlichen Kalamitäten, insbesondere aber die strengen Devisenbestimmungen in den Nachbarstaaten, sind daran schuld. Sowohl im Interesse des herrlichen Kurortes, als auch im Interesse der 'Kurbedürftigen aus aller Herren Länder, wäre es wünschenswert,'daß die Prosperität dieser Kurstadt nicht unterbrochen werde. Das Groß der jüdischen Kurgäste gehört der gesetzestreuen Richtung an. Es ist bezeichnend, daß mit Ausnahme eines einzigen Hotel-Restaurants sämtliche jüdischen Restaurants dem Hamburger Speiseverein bezw. der orthodoxen Landeskanzlei in Bratislava unterstellt sind. Die religiösen Kurgäste richten sich gewöhnlich, ihren persönlichen Beziehungen entsprechend, nach den Rabbinen, die in den einzeln nen Restaurants ihre Mahlzeiten einnehmen. Rabbi- - ner und Vorsteher führender orthodoxer Gemeinden sind hier in ansehnlicher Zahl vertreten. Unter diesen die Rabbiner Dr. Esra Münk, Berlin, Jonathan H o - rowicz, Jerusalem, der Altstädter Gaon aus Wien, der Rosch Jeschiwah Rabbi E, Wassermann rfüs Baranow u. a. m. Es sind vorangemeldet der G e r e r Rabbi, Oberrabbiner Duschinsky aus Jerusalem, der z, Zt. in Karlsbad weilt, Oberrabbiner Wesel, Turda und noch andere Thoragrößen aus der Slovakei und Polen. Für regelmäßige G'ttesdienste früh ..und abends -, in herkömmlicher Weise, ist ausreichend; gesorgt. Bezüglich des deutschen oder sephardischen Ritus, gibt es keine Meinungsverschiedenheiten. Der, persönliche Ritus des jeweiligen Vorbeters ist ^richtunggebend. In der Synagoge von David Leitners „H o t e 1 National" wird täglich zwischen Minchah und Maariw Mischnajos vorgetragen. Für das Seelenleben des orthodoxen Kurgastes bleibt aber noch manches zu wünschen übrig. Seit mehr als 50 Jahren' gibt es hier auch eine offizielle Kultusgemeinde mit Rabbinat, Synagoge, Friedhof ' und Hospital. Obwohl die Familie bezw. Gründer des Hotel-Restaurants von David Leitner. ihre Synagoge schon vor 70 Jahren eingerichtet: hatten, waren sie doch später — und auch heute noch — Mitglieder der Kultusgemeinde" und bezahlen nach wie vor an dieselbe ihre Beiträge, Erst als die Neuwahl einen neuen Vorstand-ergab, glaubte sich derselbe aus bisher unbekannten Gründen verpflichtet, die orthodoxe- Bet-h-äuser verbieten zu müssen. , Zu diesem Zwecke überreichte die Kultusgemeinde bei der Bezirksbehörde als Aufsichtsbehörde eine - Anzeige, mit der Bitte, die Aufsichtsbehörde möge Herrn David Leitner die weitere Abhältung von Gottesdiensten in seinem Hause, untersagen. Wörtlich schreibt der Vorstand der Kultusgemeinde in,, seiner Eingabe: „Die Andacht, welche nach orthodoxem (!) Ritus , in lauter, beinahe schreiender Weise iverrichtet wird, zum Aergernis (!) der Nachbarschaft -und der Pässanten, bei denen die Art dieser G'ttesdienste vielfach Anstoß (!) erweckte. Dies gab zu Klagen und Anständen Anlaß." " 1 Diese Eingabe der Kultusgemeinde wurde durch eine sachlich gehaltene Gegenäußerung ' des Herrn David'Leitner widerlegt, in welcher vor allem darauf verwiesen wird, daß die Kultusgemeinde seit mehr als. 50 Jahren für die Bedürfnisse der ortsansässigen orthodoxen Juden als auch der ebenso gesinnten Hunderte und Aberhunderte von Kurgästen in k e: - ne:r :Weise Sorge trägt, trotzdem sie gesetzlich hierzu verpflichtet wäre. Es wird in dieser Gegenäußerung gleichzeitig auf die Gefahr aufmerksam gemacht, die eine evtl. Einstellung der orthodoxen Bethäuser mit sich bringen müßte, da ein Großteil der Marienbader Kurgäste in ihrer religiösen tUeberzeugung gehemmt wäre. So weit wir informiert sind, hat die Gegenäußeruhg des Herrn David Leitner "bei der Behörde vollste Würdigung gefunden und Ist damit zu rechnen, daß die Eingabe der Kultusgemeinde Marienbad seitens der Aüfsichtsratsbehörde verworfen wird. Dem gesinnungsfesten Herrn David Leitner rufen wir zu: faxi ptn! Vermischtes- •■-. ....... Einweihungsfeier im Lehrerheim in Bad Ems. Bad Ems, 15. Juli. Eine schöne, schlichte Feier vereinigte die Insassen und Kurgäste des Erholung und Altersheims für jüdische Lehrer und Kantoren in Bad Ems Montag, den 8. Juli in den Räumen des Heims; Vormittags hatte die Generalversammlung unter dem Vorsitz des Herrn Rabbiner - Dr. Jakob Horovitz, Frankfurt a. M., stattgefunden. Herr I. B. Levy erstattete den Bericht für die beiden letzten Jähre und gedachte des Heimgang« der beiden Heim-Auaschußmitglieder, des Herrn Konrektor H i r s c h b e r g und. des Herrn Oberkantors Scheuermann in ehrender Weise. Herzlichen Dank sprach er Herrn Emil H. Lehmann, der aus dem Vorstand ausgeschieden ist, für seine Mitarbeit aus. Der Besuch des Heims sei in erfreulichem Wachstum begriffen, sowohl was die Kurgäste als auch die Dauerinsassen betreffe. Weniger erfreulich sei die Zahl der Mitglieder und die Erfüllung ihrer Pflicht, den Beitra g p ü n k 11 i eh., zu zahl e'n. Da das "Heim allen Rabbinern und Beamten offen stehe, so müssen im Sinne der Solidarität der ganzen jüdischen Beamtenschaft Deutschlands aus diesen Kreisen mehr Mitglieder gewonnen werden. Man hofft, auf einemneuen Weg privater, Propaganda mehr Mitglieder und pünktlichere Zahler zu gewinnen. Auf der. anderen Seite wird die Spendenzuwendung von Seiten Einzelner als auch von Gemeinden, die namentlich hervorgehoben werden, gebührend gerühmt. Herzlicher Dank wird der bewahrten Kraft der Leiterin des Heims, Frl. H a m b u rge r , ausgesprochen, die sich unermüdlich dem Heim als_ solchem wie auch jedem einzelnen Insassen in liebevoller Weise widmet. Nachdem Kassenbericht des Schatzmeisters, Herrn D. Rosenwald, Frankfurt a. M. und dem Entlastungsantrag der Revisoren, Konrektor M. Goldschmidt und Herrn ■ W. S t ra u ß , Frankfurt a. M., der sofort angenommen wird, schließt der Vorsitzende der Versammlung, nachdem er das mühevolle Wirken der. Herren I. B. Levy und D. Rosenwald in dankbaren Worten hervorgehoben. Am Nachmittag begann das „Einlernen" des Anbaus, indem Herr Dr. Horovitz aus Cheskas Habattim und aus dem letzten . Perek in Brochaus die einschlägigen Mischnajoth vorlernte und in geistvoller Weise einige Gedanken ausführte, die der besondere Anlaß der Feier nahelegte. Er hob u. a. hervor, daß für den Zweck der Schaffung einer Stätte der Ruhe für altgediente jüdische Lehrer und Beamte ein Erweiterungsbau auch in dieser Zeit allgemeine Billigung finden könne, Alsdann wurde Herr I. B, Levy als Hauptleiter des Heims mit dem " Anschlagen der Mesusoth und der Birkas Schehechejonu betraut. Herr Oberkantor H o r n - stein aus Hamburg, der als Kurgast anwesend war, umrahmte das Fest mit seiner herrlichen Stimme durch hebräische Gesänge. Der Altersinsasse, Herr Strauß, gab dem Festakt durch" künstlerisch vollendete musikalische Darbietungen eine erhöhte Weihe, Alsdann wurde bei gemütlichem Kaffee manches ernste und heitere Wort gesprochen. Herr Bezirksrabbiner Dr. L au p heiiner, Ems, der kürzlich von Erez Jisroel zurückgekehrt" war, lenkte unsere Gedanken dorthin.- Herr Marx, Frankfurt a. M. sprach im Namen des - Verbandes der Erziehungsanstalten. Herr Rans enb er g im-Namen der Kurgäste und Herr S frei n h a r d fr im Namen der Altersinsassen. So klang die Feier aus in dem Bewußtsein," dem Herr Dr. Horovitz mit den Worten des Propheten Ausdruck verlieh: na iD^rp 7n "»ipi »: Trankfurt a. - M., 17. Juli. Die . Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, Frankfurt a. Mj.,i Schwanenstr. 12, schreibt uns folgendes: Unter Leitung von Frau Our Arie wurdein Tel Äwiw eine -Näh- und Handarbeitsschule 'für etwa 20 agudistische Mädchen eingerichtet.. Es fehlt noch/an Nähmaschinen. Wir bitten Besitzerinnen von gebrauchten,; aber .noch gut . erhaltenen Nähmaschinen, welche sie für diesen,Zweck': fcur. Verfügung stellen wollen,- lins, ihre Adresse mitzuteilen;» Berlin, 11. Juli. Die Pressestelle der Regierung Arnsberg teilt, wie in den Tageszeitungen des Regierungsbezirks gemeldet wird, mit: „Der Regierungspräsident hat die Landräte und Oberbürgermeister des Bezirks in Anbetracht der in verschiedenen Orten zutage getretenen. Mißstände in jüdisch.eh Fleischereien ersucht*. zur Beruhigung der Bevölkerung sofort eine außerplanmäßige, eingehende Besichtigung aller privaten Schlachthäuser, Metzgereien und übrigen Geschäfte, die frische Fleischwaren feilhalten, vornehmen zu lassen. Dabei sollen die Ger Schäfte nichtarischer Inhaber einer besonders genauen Kontrolle/ unterzogen werden. Die Besichtigungen werden von den amtlichen Organen vorgenommen."

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