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Der Israelit · 1935-07-18 · Heft 29 (18.7.1935) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 29 (18.7.1935)
Date
1935-07-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 29 Der Israelit 18. Juli 1935 Palästina. Jerusalemer Briefe. Stadtratswahlen in Tel Awiw. — Einwanderungsfragen/ — Erziehungssteuern in den Kommunen. — Zeiire Agudas Jisroel. — Wiederum ein Sabbat- Skandal. Jerusalem, 4. Juli. Die Vorbereitungen zu den herannahenden Stadtratswahlen in Tel Awiw nehmen die jüdische Qeffentlichkeit Stark in Anspruch. Auch in den agudistischen Kreisen Tel Awiws wird darüber diskutiert, in welcher Weise diesesmal der orthodox-jüdischen Bevölkerung eine entsprechende Vertretung in den städtischen Körperschaften gesichert werden könnte. Vorige und diese Woche fanden Beratungen über den Gegenstand im Kreise der Poale Agudas Jisroel und Zeiire Agudas Jisroel in Tel Awiw statt. Man möchte eine Einheitsfront aller gesetzestreuen Kreise Tel Awiws zustande bringen und bemüht sich auch um einen Black mit dem Misrachi. Am letzten Freitag fand eine ausführliche Aussprache Rabbi Mosche Blaus mit dem Direktor der Einwanderungsabteilung Mr. Mills statt, die sich zunächst auf die zur Zeit bestehenden Schwierigkeiten bei der Einwanderung von Rabbinen und Jeschiwo- Bachurim erstreckte und alsdann die ganze Lage der Zertifikatverteilung und den Anteil der Agudas Jisroel daran einer Erörterung unterzog. Direktor Mills brachte den Wünschen der Agudas Jisroel volles Verständnis entgegen und erklärte sich in mehreren Einzelheiten bereit, diesen Wünschen Rechnung zu tragen. Auf Grund der Aussprache wurden alsdann die einzelnen in Betracht kommenden technischen Fra- —gen mit den höheren Beamten der Einwanderungsabteilung und alsdann auch mit den Einwanderungsämtern in Jaffa und Haifa erörtert. Nach dem neuen Stadtverwaltungsgesetz haben die Kommunen das Recht, eine Erziehungssteuer auf die Stadtbewohner umzulegen, aus deren Erträgnis die Schulen subventioniert Werden. Die Frage der Einführung dieser Erziehungssteuer steht jetzt für Jerusalem zur Diskussion. Vom orthodoxen Standpunkt aus stehen der Durchführung schwere Bedenken entgegen, denn es ist anzunehmen, daß auf Grund des geltenden Erziehungsgesetzes lediglich die freien Schulen der Unterstützung teilhaftig werden, während die Talmud Thora-Anstalten und orthodoxen Schulen leer ausgehen würden. Die orthodox-jüdische Bevölkerung hätte hier also eine neue Steuerlast auf - sich zu nehmen, deren Erträgnis lediglich der Förderung einer unjüdischen, von ihr als untragbar betrachteten Weltanschauung zugute käme, Bevor daher die agudistischen Vertreter der Einführung der Steuer zustimmen können, müßte Vorsorge getroffen werden, daß auch die dem Gewissen der Charedim entsprechenden Erziehungsanstalten, vor allem die alten Talmud Thora-Schulen und -die nett gegründeten Beth Jacob-Anstalten aus dem städtischen Erziehungsfond gleichmäßig bedacht werden. Die Zeiire Agudas Jisroel-Gruppe in Jerusalem, die eine umfassende Selbstbildungsarbeit betreibt und außerdem die Kinderorganisationen „Chanoch lenaar" und „Thora w'Jirah" betreut, bereitet eine größere Propaganda zur Erweiterung ihres Mitgliedbestandes vor. In einer allgemeinen öffentlichen Versammlung, die dieser Tage stattfinden soll, werden auch die Vertreter der Agentur der Welt-Agudo und die Führer der Landeszentrale das Wort ergreifen. In der Nähe der Slobodka-Chebroner Jeschiwo in Jerusalem ereignete sich am letzten Sabbat wieder einmal ein bedaaierlicher Zwischenfall. Einer der „jüdischen" Nachbarn der Jeschiwa hatte es darauf abgesehen, durch musikalische Radiovorführungen am Sabbat die Jeschiwa-Bachurim zu ärgern. Einige junge Leute, dl© den Chillul Sehabbos nicht ruhig mitanhören zu dürfen glaubten, forderten den musikalischen Nachbarn auf, seine Darbietungen einzustellen. Dieser antwortete darauf mit Faustschlägen und sonstigen Mißhandlungen, rief dann die Polizei, die, prompt wie immer, die Verteidiger des Sabbats verhaftete. Am darauffolgenden Tag führte man die jugendlichen „Verbrecher" einer der Damen des Waad leumi vor, deren besondere Aufgabe es ist, jugendliche Delinquenten zu „bessern" und für das soziale Leben reif zu machen. Sie hielt den jungen Die Woche. Jerusalem. Die Regierung hat der Jeru- . salemer Stadtverwaltung Lst. 15.000 zur Deckung des städtischen Defizits zur Verfügung gestellt. Das Gesamtbudget belief sich auf Lst. 144.000. Dortmund. Nach einer Meldung der westfälischen Landeszeitüng ist auch in Bad Sülze von einam mecklenburgischen Standesbeamten das Aufgebot für die Eheschließung eines Juden mit einem um etwa 20 Jahre jüngeren nichtjüdischen Mädchen aus sittlichen Gründen verweigert Worden. Berlin. Im Wintersemester 1933/34 hat es unter den die Hochschulen besuchenden 87.000 männlichen Studierenden noch 590 Juden und unter 15.000 Studentinnen 223 nichtarische gegeben. Jreusalem. Der Palästina-Rundfunk wird seine Sendungen im November 1935 aufnehmen. Die Regierung veröffentlichte eine Aufforderung an das Publikum, Vorschläge zur Gestaltung des Programms zu machen. Budapest. In einer Konferenz neologer jüdischer Gemeinden in Mako wurde eine Sympathieerklärung für den Aufbau Palästinas im nichtzionistisch en Sinne beschlossen. Die Rabbiner werden aufgefordert, sich jeder politischen Tätigkeit zu enthalten. Warschau. Der Leiter des Einwanderungsdepartements der Jewish Agency erklärte, daß von April .1936 ab niemand mehr ein Zertifikat_ bekommen werde, der nicht die hebräische Sprache beherrscht. London. Der neue Kolonialminister Maccolm Macdonald antwortete auf eine Anfrage, daß anfangs Juni sich 85 illegale jüdische Einwanderer in den Gefängnissen Palästinas befunden hatten. — Der Polizei sind die Namen von mehr als 100 Agenten bekannt geworden, die sich mit der Einschmuggelung illegaler Einwanderer über die «yriseh-palästinensische-Grenze befassen. Paris. Die Baronin Adelheid von Rothschild hat dem Louvre 2000 seltene Drucke und Kupferstiche, darunter solche von Dürer und Rembrandt, vermacht. Jerusalem. Unterm 10. Juli wird gemeldet, daß das Befinden des erkrankten Oberrabbiners Kuk unverändert sei., Der Distrlktskommis« sar besuchte im Auftrage der Regierung den Kranken und übermittelte ihm die besten Wünsche für seine Wiederherstellung. Straßburg. In Anwesenheit führender jüdischer Persönlichkeiten und Vertretern von Behörden ist das neue Krankenheim des Jüdischen Frauenbundes „Hadassah" hier eingeweiht worden. Aus Staatsmitteln wurde für die Errichtung des Hauses eine halbe Million Franken zur Verfügung gestellt. Paris. Das Pariser Komitee der „Ose" hat in einer Villa in Enghien ein Kinderheim errichtet, das die Unterbringung von mehreren hundert meist aus Flüchtlingskreisen stammenden jüdischen Kindern und eine umfassende Kinderfürsorge innerhalb der Familien vorsieht. Die Gesellschaft ist im Begriffe, in Paris eine Poliklinik für nervöse und schwer erziehbare Kinder zu errichten. London. Im Juli findet an der Londoner Universität unter Vorsitz von Sir Herbert Samuel eine offizielle Maimonides-Feier statt. Amsterdam. Auf der Jahresversammlung der Gesellschaft für jüdische Wssensehafl in Holland wurde Prof. Dr. D. Cohen zum Vorsitzenden gewählt. Rabbiner Dr. Hirschel hielt einen Vortrag über „Zehn Jahre jüdische Geschichtsschreibung in den Niederlanden". Jerusalem. Der Verwaltungsrat des judaistischen Instituts der hebräischen Universität tagt am 5. September in Luzern unter Vorsitz von Chiefrabbi Dr. Hertz. Wien. Der ursprünglich auf Dezember in Aussicht genommene revisionistische Kongreß soll auf den September vorverlegt und nach Wien einberufen werden. Lodz. Sechszehn Abgeordnet« des aufgelösten Lodzer Stadtrates sind wegen der Tätlichkeiten, die sie sich zuschulden kommen ließen, in Anklagezustand versetzt worden, darunter sind 111 Nationaldemokraten, 3 Mitglieder andere Parteien und 2 Juden. Jerusalem. Der Hauptpostdirektor von Jerusalem empfing eine Delegation der Haifaer Handelskammer, die sich über die Mißstände im palästinensischen Post-, Telegraphen- und Telefonwesen beschwerten. Der Direktor erklärte, es fehle anqualifizierten Kräften, weil die Regierung .nicht die gleichen Gehälter wie die Privatwirtschaft zahlen könne. Bei dem hohen Budgetüberschuß ist diese Haltung der Regierung höchst verwunderlich. Leuten eine höchst unangebrachte moralische Stand- : rede; Die Polizei nahm alsdann zur Feier des Tages den Missetätern Fingerabdrücke ab und registrierte sie als jugendliche Verbrecher. Das ganze Verhalten der Polizeibehörde wie der-jüdischen Polizisten selbst hat lebhafte Entrüstung bei all denen hervorgerufen, die von dem Vorfall Kenntnis erhielten. Die Agudas Jisroel-Zentrale wandte sich beschwerdeführend an den Obersekretär der PalästinarRegierung. Man wird das Gefühl nicht los, als ob die Polizei gerade gegenüber den in der letzten Zeit ergangenen richterlichen Entscheidungen, die für die Situation der um den Sabbat kämpfenden Bevölkerungskreise volles Ver-" ständnis zeigten, ihrerseits sich in die Reihen der Kämpfer gegen den Sabbat stellen möchte. Nächsten Dienstag wird die Fortsetzung der Beratung des erweiterten Landesrates der Agudas ' Jisroel, die jüngst vertagt wüfde, tsattfinden. Pethach Tikwa und die „Agudas Jisroel". — Subventionen. ■— Die Erziehungssteuer im Stadtrat. — Marmaroscher Ali ja. Jerusalem, 8. Juli. Das diese Woche veröffentlichte Jahresbudget der Kolonie Pethach Tikwa enthält zum ersten Male eine Unterstützung von? Lst, 100,— für die a g u d i s t i - sehe Talmud Thora „Scheeris Jisroel" und von Lst. 50.— für die Beth Jacob-Schule in Pethach Tikwa. Diesen an sich selbstverständlich scheinenden städischen Bewilligungen sind langwierige Verhandlungen vorangegangen. Von zionistischer und misrachistischer Seite hatte man alles aufgeboten, um die Bewilligung zu verhindern. Schließlich griff unter unbekannten Einflüssen sogar der Distriktskommissar ein und strich den Posten! Indessen - gelang es den Bemühungen der Agudo-Leitung, in Jerusalem beim Obersekretär der Regierung diesen sonderbaren amtlichen Widerstand zu brechen, so daß den Anstalten der Agduas Jisroel in Pethach Tikwa nunmehr Gerechtigkeit widerfahren ist. Die jüdische Leihbank in Jerusalem, die aus ihren Ueberschüssen jedes Jahr Subventionen an verschiedene jüdische Institute zu gewähren pflegt, hat diesmal auch die Jeschiwa Bejs Josef Zwi von Oberrabbiner Duschinski, die Poale Agudas Jisroel-Gruppe in Jerusalem und eine Reihe von Talmud Thora-Anstalten und Zdoko-Institutionen der Orthodoxie in Jerusalem bedacht. , In der Sitzung des Jerusalemer Stadtrates von vorigen Mittwoch gelang auf Grund einer Aufforderung der Regierung die Frage der kommunalen Erziehungssteuer zur Erörterung. Die agudistischen Vertreter erklärten, daß sie der Einführung der Erziehungssteuer nur dann zustimmen würden, wenn bei der Verteilung der städtischen Beihilfe die agudistischen und sonstigen Talmud Thora-Anstalten als gleichberechtigt betrachtet, oder aber wenn die Steuer, sofern sie nur zionistischen Anstalten zugute komme, auch nur von solchen jüdischen Einwohnern erhoben würde, die nicht der Orthodoxie angehören. Es wurde eine Kommission, bestehend aus zwei Arabern, darunter dem Bürgermeister, und zwei Juden, je einem Vertreter der Agudas Israel und der Kneses Israel, gebildet, die eine Verständigung herbeizuführen suchen soll. Zu der letzten Sitzung der Agentur der Welt- Agudo war Rabbiner Isaksohn, der Führer der Marmaroscher O I i m , die durch die „Hitachduth Haikarim" hierher gebracht wurden, eingeladen. Es wurden 'Mittel und Wege erörtert, um diesen streng orthodoxen und zum größten- Teil agudistisch gesinnten wertvollen Arbeiterfamilien bei ihrer Ansiedlung sowohl, wie insbesondere bei der Erziehung ihrer Kinder zuhilfe zu kommen. Es muß als eine wichtige Aufgabe der Gesamtorthodoxie gelten, zu verhüten, daß die Marmaroscher Einwanderer nicht gegen ihren Willen n i c h t r.e Ii g i ö s e n Einflüssen zum O p f e r f a 11 e n , was schwer vermeidbar wäre, wenn sie in ihrer wirtschaftlichen Existenz gänzlich von den Unterstützungen dieser Seite abhängig blieben. Das agudistische Büro in Tel Awiw, insbesondere einer der beiden Leiter dieses Büros, Benjamin M i n z , hat sich den Einwanderern sofort mit Rat und Tat zur Verfügung gestellt.

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