Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1935)
- Date
- 1935-07-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a. M- 18. JuK 1935 17. Tammus 5695 Nummer 29 Regelung des Auswandererproblems durch den Völkerbund? Ein Brief des Volksbundskommissars Macdonald än die „Times". .;. , L o n.d o n , 16. Juli. ■ - " ' : ■ " V'j* ' , Iii einem Briefe an die „Times" nimmt der Völkerbundskommissar für Auswanderer, James iG. M a c D ö n a,l d , zum gegenwärtigen Stande •des Auswandererproblems Stellung. In ihm schreibt er u. a., daß angesichts der Wirtschaftskrise es immer mehr und mehr klar werde, daß das Problem der Unterbringung 'von Tausenden Menschen nur durch ein internationales Organ gelöst werden könne. MacDonald glaubt, es her stehe die Hoffnung, daß die nächste Völkerbundsversammlung sich mit einem Vorschlag beschäftigen werde, der die Schaffung einer Zentralo r g an i s ä t i o n * für A u s w an d er e r - fragen zum Gegenstand habe. Diese neue Organisation soll unter oder doch im Zusammenhange mit dem Völkerbunde arbeiten. Ihre Aufgabe wird es sein, Konsulatsdienste für alle Gruppen von Auswanderern zu leisten, denen Hilfe zu gewähren vom Völkerbund für notwendig gehalten worden ist oder für erforderlich gehalten werde. Außerdem-soll drese neue Organisation den philanthropischen Institutionen _ behilflich sein, eine Lösung des ganzen Problems zu finden. Agudo-Konferenzen im heiligen Lande. Jerusalem, 14, Juli. Die am letzten Dienstag zu Ende gegangene zweite Session; des erweiterten Zentralrates' der palästinensischen Agudas Jisroel hat eine Reihe bedeutungsvoller Beschlüsse auf dem Gebiete der Politik, der Organisation und des Erziehungswesens gefaßte Die politischen Beschlüsse sprechen sich für eine bewußte Verständigungspolitik gegenüber den Arabern, jedoch gegen die Schaffungeines Legislative Council im gegenwärtigen Stadium dieser Beziehungen und für die Bereitstellung von Staatsböden zu Zwecken der jüdischen Kolonisation aus. Die Konferenz protestierte gegen die Beschränkung der Einwanderung von Rabbinen, Thorastudenten und religiösen Funktionären und trat für eine verstärkte Einwanderung der gesetzestreuen jüdischen Kreise ein. Beschlüsse zum Ausbau und zur Stärkung des Keren Hajischuw wurden gefaßt. Ausführlicher Bericht nebst dem Wortlaut der Beschlüsse iolgt in der nächsten Nummer. In Tel Awiw wurde in Anwesenheit von mehreren hundert Delegierten und Gästen die erste Konferenz der Bnos Agudas Jisroel in Erez Jisr roel in Anwesenheitvdes Bnos-Führers Frydensohn aus Lodz eröffnet. - Es wurde die Gründung eines palästinensischen- Landesverbandes agudistischer Frauen beschlossen. In Gedera trat amSonntage Nachmittag, die •erste Landeskonferenz der Poale Agudas Jisroel zusammen, an der 50 gewählte Delegierte der Ortsgruppen nebst zahlreichen Gästen teilnahmen. Bericht folgt. Konferenz der westeuropäischen Landesorganisationen derA. JV Um einen engeren Kontakt zwischen den einzelnen Landesorganisationen in Westeuropa herzustellen und die Arbeit für die agudistische Idee in diesen Ländern zu intensivieren, hat die belgische Landesorganisation auf die Tage vom 1 0. b i s 13. Au g u st eine K o n ferenz der westeuropäischen Landesorganisationen nach Antwerpen einberufen. Den Delegierten soll die Möglichkeit gegeben werden, die Weltausstellung in Brüssel (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Das Schicksal der Staatenlosen und der Zu den Verhandlungen um das palästinensische Gemeindegesetz . Seite 4 Zur Auswanderungsfrage. Von. Dr. Arthur Prinz .... . Seite 4 Ein Aufruf zum Mussarlernen. Von Rabb. Rogosnitzki .... . Seite 5 Auf der Reise nach Palästina . . . . Seite 5 Oberstleutnant Alfred Dreyfus s. A. Seite 7 Jerusalemer Briefe . ....... . Seite 8 Seite 10 Abschied Rabb. Dr. Unnas von Mannheim Seite 11 Selbsthüfeaktion in Polen . . . Seite 2 Um die Oeifnung Transjordaniens . Seite 2 Die abgelaufene Woche hat in der Fülle der Berichte und Meldungen, die auf den Zeitungsleser jeden Tag einstürmen, dem jüdischen Zeitbepbachter zwei in keinerlei äußerer Verbindung stehende Nachrichten gebracht, die nachdenklich stimmen und zum Sinnen über ge-i schichtliche Zusammenhänge anregen; es ist der Tod des. französischen Hauptmanns Alfred D r. e y f ,U;s i% seinem!! 76. Lebensjahre und die Red e , sdje Sir Herbert S a m u e 1 in London auf einem Guijdhall-Bankett zur Eröffnung der Aktion für den ,'König Geörg-Jubiläumswald gehalten hat. Die jüngere Generation vermag sich keine Vorstellung zu machen von der fieberhaften Erregung, mit der um die Jahrhundertwende die Tragödie des Hauptmanns Dreyfus, des unschuldigen Opfers eines verbohrten, chauvinistisch unterbauten Judenhasses in der Metropole der „Aufklärung" von der gesamten Kulturwelt verfolgt wurde, von der atemlosen Spannung, mit der man das große Ringen der Humanität und Gerechtigkeit mitjder IjJarbarei einer nur aufs Rechtbehalten .eingeteilten Staatsraison begleitete, und von dem Jubel der Besten und Edelsten" aller Natio^ nen, als die Bastionen des blinden Hassens g e - s t ü r m t und;Emil Zolas Donnerruf des„J'accuse" nach jahrelangem opferreichen Kampfe mit einer Welt von Gegnern seine reinigende Wirkung endlich ausgeübt hatte! Es war aber dieses Dreyfus-Erlebnis, das,, weil es unter Donner und Blitz di% fürchterliche Golus-Tragödie des J u d e n , auch des scheinbar völlig emanzipierten Juden in dem „fortgeschrittensten" Lande der zivilisierten Welt, enthüllt hatte, es war dieses Dreyfus-Erlebnis, das in dem empfindsamen Gemüte des Salon- Journalisten Theo d.o r Her z 1 den folgereichen'.Gedanken der bewußten Negation dieses unerträglichen Go lus zustand e s auslöste und in seiner Seele die Idee der künstlichen Aufrichtung eines Judenstaates mit diplomatischen Mitteln aufkeimen ließ. Grade weil es für den religiös völlig indifferenten Herzl kein von der Wölkensäule g'ttlicher Geschichtswaltung gelenktes Golusgeschick der Juden gab, mußte ihm die ganze Furchtbarkeit der bodenlosen, rechtlosen, jeder Bosheit preisgegebenen Golus-Existenz geradezu als unerträglich erscheinen, und mit der Aktivität des Genies gestaltete er den dem europäischen Denken abgelauschten Gedanken der systematischen Nörmalisi e r u n g der jüdischen Volksexistenz zum Keimpunkt einer politischen Bewegung. Wer weiß, wie lange diese Bewegung trotz aller Aktivität und trotz des Zustromes östlicher Vplkhaftigkeit, ohne das sichtbare Eingreifen eben jener ungekannten g'ttlichen Geschichtswaltung zum kümmerlichen, fast unterirdischen Vegetieren verurteilt geblieben wäre! (Fortsetzung siehe Seite 3.)