Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1935)
- Date
- 1935-07-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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:t Frankfürt a. M. _4. Juli 1935_ 3. Tammus 5695 Nummer 27 für den religiösen Aufbau Die Erkenntnis, daß die systematische Förderung der Alijah nach Erez Jisroel ein lebenswicbr iiges Interesse der deutschen Juden, insbesondere ihrer Jugend; darstellt, ist heute zum Gemeingut aller jüdischen Gruppen geworden. . Daß aber diese ganze Alijah nur dann zu •einer wahren „ A l i j a h " , zu einer wahrhaftigen A u f w ä r t s e n t w i c k 1 u n g jüdischen Gemeinschaftslebens werden kann, wenn sie sich auf bewußt und eindeutig religio s e r Grundlage •entwickelt, das wird vielfach verkannt. Steht ja die große zionistische Organisation dem religiösen Wesensgründ des jüdischen Volkes „neutral" gegenüber und überläßt es einer um Subventionen ringenden Fraktion, mit größerem oder geringerem Erfolge für die „Sonder-Interes* sen" der alten Thora einzutreten," für die unsere Väter und Mütter gelebt und geblutet haben, und ■die .für sie-den eigentlichen Sinn ^unseres ganzen nationalen Daseins erschöpfte. Die Thora, religiöses Denken und Tun, in den Mittelpu n k t der neuen nationalen Wirklichkeiten F-rez, Jisroel zu stellen, ist das Ziel des „ K e f e'ri'Ha j i s c h u w " der Agudas Jisroel. ' Als erfreuliches Symptom wachsenden Verständnisse^* für diesen tiefsten Sinn des P a l ä s t i n a - A u f b a u s darf es begrüßt werden,„ daß sich nun in B e r 1 i n und anderwärts auf Initiative des „Keren Hajischuw" ein „Komitee für den r e ligiösen Aufbau P a 1 ä s t i n a s " gebildet hat, dem nicht nur agudistische Mitglieder angehören, sondern auch führende Persönlichkeiten aus den Kreisen des Centraivereins und des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Das praktische Interesse an der Förderung «des vom ,,Keren Hajischuw" betriebenen Siedlungs- und Erziehungswerkes, das tausenden vpn jüdischen Seelen im heiligen Lande zugutekommt und die' Wahrung der geschichtlichen religiösen. Eigenart des Judentums erstrebt, hat hier "Männer verschiedenster Weltanschauung zum Zwecke gemeinsamer Arbeit zusammengeführt, und wir sind überzeugt, daß — jenseits aller parteipolitischen Interessen -.— auch die einsichtigeren zionistischen Kreise sich freuen werden, wenn durch das neue Komitee um so reichlichere Mittel m den Dienst der Mizwas Jischuw Erez Jisroel gestellt werden. . Arierparagraph im Gesetz über den Reichsarbeitsdienst f * 1 * i ■ * Berlin, 27. - Juni, u ■ Die Reichsregierung hat durch die: Verkün-; *dung des Gesetzes über den Reichsarbeitsdienst dieallgemeine Arbeitsdienstpflicht > eingeführt. Entsprechend dem Wehrgesetz ist auch in dem Arbeitsdienstgesetz eine Bestimmung enthalten, die die Zulassung zum Arbeitsdienst von der arischen Abstammung abhängig macht. Dies wird im § 7 des Gesetzes festgelegt, der folgenden Wortlaut hat: (1) Zum Reichsarbeitsdienst kann nicht zugelassen werden, wer nichtarischer Abstammung ist oder mit einer Person nichtarischer Abstammung verheiratet ist. Wer als Person nichtarischer Abstammung-zu gelten hat, bestimmen die Richtlinien des Reichsministers des Innern vom 8. August 1933 zum § la Abs. 3 des, Reichsbeamtengesetzes (Reichsgesetzbl. I S. 573). (2) Nichtarier, die nach § 15 Abs. 2 des Wehrgesetzes für wehrwürdig erklärt werden, können auch zum Reichsarbeitsdienst zugelassen werden. Sie können jedoch nicht Vorgesetzte im Reichsarbeitsdienst werden. (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Der Arierparagraph im Arbeitsdienstgesetz Seite 2 Juden im polnischen Sejm......Seite 2 Einschränkung der Rabbinereinwanderung in Palästina...........Seite 2 Einwanderung nach Kanada ..... Seite 2 Auswüchse ............. Seite 3 Der Tod des ,„Apikoires"......Seite 3 Ein Kampfruf gegen Franz Rosenzweig Seite 4 Die Wehrfrage und der RjF......Seite 6 Die Wilnaer Kehilla aufgelöst .... Seite 7 Palästinaberichte .......Seite 8 und 9 Kinderecke............ Seite 12 NOT LEHRT BETEN. (Nach Hirsch zu Lev. 23, 24.) Von B, Cohen* tii :• 1. Die schwere Gegenwart hat''uns vielen Segen geraubt, aber sie hat auch manchen Un-' segen sorgloserer Tage fortgeschwemmt. Einst scheuten sich Viele von uns, ein ini'eht tief " mitempfundenes Wort des; Gebetes ^auszusprechen oder ein nicht tief miterlebtes G'ttesgebot zu befolgen; bei Vielen artete die in .«gu^ter Absicht hochgespannte Andachtsforderung ' zu;;einer Geringschätzung täglichen G'ttgehorsamsi!uiid Betens aus. Man konnte sich idkmals nicht;i;güt; eine Zeit > ■ f s ■ '.: ■ *' denken; in der die angelernten Worte Nachträglich einen erlösenden unSdj aufrührenden Sinn gewinnen, und in der die Gebotsübung .sich als veredelnd in einer Welt der Verkeriniüng!, erweist. — Solche Zeiten_aber erleben wir, trotz allem Traurigen, eben heute. Mit den Geboten verhielt es sich wohl schon in glücklicheren Zeiten ähnlich. Man bemerkte es nicht und konnte es. sich nicht denken, daß undin welcher Art die Gebtjte G'ttes* geeignet sind, uns zu veredeln; doch, sobald die Jahre des Lebenskampfes begannen, in denen ./insbesondere Reinheit und Sitte oft, den Begierden;zu; wider-. stehen haben<- dann erwies sich schon in; früheren Zeitaltern dem kämpfenden Jugendlichen der Segen der im G'ttesgesetze anerzogenen Zucht. Iii " ■ / ' " "; t. .2. Die Worte des5 ' Gebetes jedbc'h!; erfreuten sich damals selbst bei manchen Ge'sefzestreuen nicht der ihnen schuldigen Hingabe; Auch aus der Beschäftigung mit Tharäftvissen erstand^ gelegentlich ein Trieb der Abneigung gegen das tägliche, gar zu täglich erscheinende Gebet. Wo Thorawissen gar zu geläufig, zu glatt vorgetragen erschien, da benannte man einen solchen Vortrag „hergesprochen wie ein Aschre-Gebet'; — also „Gebet" als Spottname uingründlicher Thora! Hätten diese Thorabefolger und -erforscher das Beten unterlassen oder, wie Rabbi Akiba, Ber. 4, 3 meint, stetig in kurzen Auszügen sprechen sollen?— Auch die Amoraim bekennen, daß sie nicht immer im Gebete andächtig waren, ja geradezu die „Steine des/Bodens'dabei zählten." Bekennen sie das, um uns zu ähnlicher Gedankenlosigkeit anzuregen oder uns gänzlich vor dem Gebete zu warnen, wenn die Andacht nicht kommen will? Wer die Amoraim kennt, wird ihnen weder das Eine noch das Andere als Meinung unterstellen, Eher dürfen wir: aus ihrer Selbstanklage dies lernen: Wir sollen auch dann unser tägliches Gebet zur festgesetzten Zeit sprechen, wenn für den Augenblick eine wahre Andacht nicht zu erzielen ist; vorausgesetzt ist dabei, daß wir vom Kindesalter an den Sinn des Gebetes wörtlich und sprachlich und dem Geiste nach zu verstehen erzogen sind; für den Augenblick geht scheinbar wohl nur die Lippe oder der „zu D'Hia sich bückende Kopf" den Weg der Geläufigkeit; ein Stückchen der Seele ist aber auch hierbei nicht unbeteiligt; „ich schlafe und mein Herz ist wach"; und wenn einmal die Stürme der Ablenkung schweigen, die Erfahrung eines sorgenschweren Lebens keinen Ausweg ohne die Hilfe des All - (Fortsetzung siehe Seite 3.)