Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1935)
- Date
- 1935-06-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a. M. 27. Jnni 1935 26. Siwan 5695 Nummer 26 -Gebiet. Jerusalem, 21. Juni. Es wird mitgeteilt, daß die Palestine Land Development Company mit der Errichtung des ersten Gebäudes in dem. zu ent- .sumpf.ehden Hrü 1 e - G e b i e t begonnen hat. —Die Konzession für das Hule-Sumpfgebiet, das 1914 von der türkischen Regierung einer Gruppe syrisch-arabischer Bodenbesitzer erteilt worden war, wurde bekanntlich im Oktober 1934 von der Palestine Land Development Company erworben. Die Konzession umfaßt etwa 40.000 Dunam,' auf den Hule-See selbst entfallen 1.7.000' Dunam. Da die ursprünglichen Konzessionäre während der zwanzig Jahre, in denen sie über das Gebiet verfügten, fast nichts zu seiner Urbarmachung getan haben, blieb es ein für dauernde Besiedlung ungeeigneter Malariaherd. 'Die Palestine Land Development Company hat die den früheren Konzessionären von der türkischen Regierung unentgeltlich zugesprochenen Rechte für den Betrag von 192.000 Pfund abgelöst. Außerdem hat sich dje Gesellschaft verpflichtet, von ■dem Gesamtgebiet 15.000 Dunam nach vollständiger Ameliorierüng den gegenwärtig im Hule- Gebiet lebenden Fellachen .gegen spätere Rück-, erstattung der Arneliorationsküsten zu überlassen. Nach den'' ursprünglichen Konzessionsbedingungen, die den früheren Besitzern auferlegt waren, sollten die Fellachen bloß 10.000 türkicshe Dunam (9200 metrische Dunam) erhalten. Nichtarier und Wehrdienst* / Der Geheime Kriegsrat und Abteilungschef im Reichskriegsministerium Paul Semler und der Oberregierungsrat im gleichen Ministerium, Dr. Otto S enf.tl e b en haben (im Verlag Georg Stilke, Berlin) den Text des neuen We'hrgesetzes herausgegeben. Tm Vorwort äußern sich die Referenten auch zur Frage der Nichfcarier: ,,R e i nr a s.s i g e J ü d en d ü r f en k ei neh Wehrd.i e n s t leisten. I m K r i e g e k o mm e n •s i e *f ü r' d i e V e r w en d u n g i n A r b e i t sf o rmatiön en in Betrac.h t. Auch alle Nichtarier unterliegen der militärischen Meldepflicht und der W e h r ü b e r - wacK^ung." * Wichtige jüristische JRichtigstellungen- In Nr. 17 vom ApriL l935 hatte der „Stürmer" über einen bei einem Amtsgericht .gestellten. Antrag eines D a v i d I s a k auf Aenderung seines Namens in „Rudolf Fritsch" berichtet, und die Veröffentlichung, mit der Uebersphrift „Warum; •der Jude seinen Namen ändern will, Jud David. Isak verhöhnt den Antisemiten Fritsch" versehen. In den Ausführungen des „Stürmer" war gesagt, der „Stürmer" habe die Schändung eines Namens, der ungezählten Tausenden neilig sei, vereitelt und gegen die Namensänderung des Talmudjuden David Isak telegraphisch beim Amtsgericht Protest eingelegt. Demgegenüber stellt Oberregierungsrat Dr. Do e r n e r , der Pressereferent im Reichsministerium, in der „Deutschen Justiz" vom 21. Juni fest, daß der betreffende David Isak aus einem seit Menschenalt er n in Südbaden ansässigenbod en.st ändigenBauerngeschlecht entstammt, daß er den Antrag auf Ermächtigung zur Namensänderung gestellt hat, weil sein jetzt jüdisch klingender Name ihm einen Wechsel der Arbeitsstelle und später einmal auch die Gründung eines eigenen Geschäfts erschwere, und daß er den Namen „Fritsch" in Anlehnung an den Mädchennamen der Mutter gewählt hat. (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Ärztliche Versorgung . Seite 2 Baronin Adelheid v. Rothschild S.A. Seite 2 Reform der Jewish Agency .... . Seite 2 Schutz des Asylrechtes in Amerika . Seite 2 Das revisionistische / Glaubensbekenntnis ...... . Seite 6 . Seite 6 Kibbuz Choiez Chajim ...... . Seite 6 Der Kampf um die Zertifikate . . . Seite 8 Tagung, der Mandatskommission . Seite 9 Zeiire Agudas Jisroel in Polen . . . Seite 9 Palästinaberichte ..... . . Seite 9 u- 14 Kinderecke .......... Seite 13 I. \ . Die palästinensische Presse veröffentlicht nachfolgenden Bericht über eine vom Oberrabbinat Kuk einberufene Rabbinerve r s a m miung, die am 1. Siwan im Büro des Oberrabbinats stattfand und an der 60 Rabbiner aus Jerusalem, Tel Awiw, Haifa, Petaeh Tikwah und anderen' Kolonien teilnahmen. Die' Rabbiner von Zfas und Twarjo hätten aus verschiedenen Ursachen nicht zur festgesetzten Zeit■ , erscheinen können. Die Versammlung dauerte >6 Stunden. Die Rabbiner berieten über "die verschiedenen Vorschläge, die zur Zeit innerhalb der von. der Regierung gebildeten Verständigungskommission, bestehend aus Vertretern der Agudas Israel und der Krieses Israel, vorliegen. Nach der langen Diskussion wurden folgende Beschlüsse j gefaßt: „Die Versammlung von Rabbinen Erez Jisroels, die in, Jerusalem am 1. Siwan stattfand, hat nach Anhörung der Forderungen der Agudas Jisroel in Jerusalem, die sich unausgesetzt ah die Regierung und an die. Mandatkommission im Namen des iFeligiösen Gewissens mit der Forderung wendet, „das:Haus' Israels in Stücke zu zerreißen" und zwei getrennte Gemeinden und zwei Bothe Dinim in Erez Jisroel zu schaffen, die Frage von all ihren halach'ischen Seiten aus betrachtet und nach halachischen Diskussionen die nachfolgenden Beschlüsse gefaßt: 1. Die Versammlung der . Rabbinen Erez Jisroels erklärt offen vor der Regierung' von Erez Jisroel, vor der Regierung von Großbritannien und vor der Mandatkommission -des Völkerbundes, daß die Lehre Israels in ihren Grundlagen und in ihren -Rechtsordnungen einheitlich ist für ganz Israel, in Erez Jisroel und in allen Ländern der Zerstreuung. Die Einheit der Thora allein ist es, die die Einheit des Volkes bewahrt hat in all seiher Zerstreuung bis auf den heutigen Tag. 2. Die Versammlung der Rabbinen Erez Jisroels erklärt aus der tiefen Erkenntnis heraus, daß zwischen der Agudas Jisroel und zwischen der ganzen Gemeinschaft der Treugebliebenen Israels in Erez Jisroel und in allen Ländern der Zerstreuung keinerlei Unterschied besteht hinsichtlich» der Halacha und hinsichtlich der Gebräuche, der eine Scheidewand bedeuten könnte.. Es liegt keine religiöse Veranlassung und keine gewissensmäßige Veranlassung vor, die die Forderung der Trennung rechtfertigen könnte. 3. Die Versammlung der Rabbinen Erez Jisroels verkündet offen, daß die Schaffung zweier Bothe Dinim und zweier Kehilloth in Israel eine religiöse und nationale Versündigung ist und wer dies tut oder wer sich daran beteiligt, strauchelt an dem Verbote der Thora: vmann sh, was nach . der Erklärung unserer Weisen bedeutet: „Spaltet Euch nicht in einzelne Gruppen" und eine wichtige Lehre hat uns der Rambam erteilt, indem er sagte: „Wir alle sind, das ganze Haus, das sich den Namen Jakauw beilegen kann und das festhält an der Religion unseres Lehrers Mosche, verpflichtet eine einheitliche jüdische Gemeinschaft zu bilden und es darf zwischen ihnen keine Meinungsverschiedenheit sein in irgend einer Sache." (Responsen inn isq Nr. 126). (Fortsetzung siehe Seite 3.)