Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1935)
- Date
- 1935-06-06
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 23 Ü Israelit 6. Juni 1935 Die Frankfurter Woche. r Ii Ein Besuch der Grabstätten in Worms. Wie schon an dieser Stelle berichtet, veranstaltet der Jugendausschuß der Israelitischen Religionsgesellschaft, im Anschluß an die von Herrn S. Schachnowitz gehaltenen Geöchichtsvorträge (je am Mittwoch, den 12. und 19. Juni, abends 9 Uhr im Hörsaal Friedberger Anlage) einen gemeinsamen Ausflug nach Worms, um dort die historischen Denkmäler der jüdischen Geschichte unter Führung des Referenten zu besichtigen. Für die gemeinsame Fahrt in bequemem Autobus ist Sonntag, der 3 0. Juni, vorgesehen. Der Preis wird ungefähr Mk, 4.50 pro Person betragen. Um die Zahl der Teilnehmer rechtzeitig festzustellen, sind jetzt schon Anmeldungen an den Jugendausschuß der, I. R. G., Hanauerlandstr. 27 erbeten. Agudas Jisioel-Ortsgruppe. (Thora und Mussa r.j! Die Vormittags - Schiurim des Herrn Rabbiner Dr, Mannes für Kohanim fallen diesen Sabbat aus, ebenso die Schiurim des Herrn Rabbiner. Der Mesillas Jeschorim-Schiur des Herrn Jacob Rosenheim findet Freitag (nicht Sabbat) um 6 Uhr, Fichtestraße 5, statt. Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Wir bitten unsere Mitglieder und sonstige Ausleiher unserer Bibliothek, bei der nächsten Bibliotheksstunde am Mittwoch, den 12. Juni, 20.30 Uhr, sämtliche noch entliehenen Bücher zurück2ugeben, da Neuordnung der Bibliothek erfolgen soll, Gleichzeitig' bitten wir unsere Freunde um Bücherstiftungen zur Ausfüllung unserer Jugendbibliothek. Eine Gedenkfeier für Marschall Pilsudski in Frankfurt. Am Montag, den 20. Mai, versammelten .sich di jüdischen Mitglieder des Verbandes polni scher Staatsbürger dn der Synagoge, Hans Handwerkstr. 31 zu einer Trauer- und Gedenkfeier für M ä r s c hall Josef P i 1 s;üd s k i , zu 'der auch das polnische K o n s u 1 a t mit seinem ganzen Stabe erschienen war. Das umflorte Bild des Marschalls 'und die vielen brennenden Lichter schüfen die weihevolle Stimmung für die Feier,'die Herr Herzo g mit dem klangreichen Vortrag entsprechender Psalmen einrahmte. Herr Rosenwasser, Vorsitzender des Verbandes, feierte in einer ausführlichen, gut aufgebauten Gedenkrede Marschall Pilsudski, den G'tt dem Polenvolk als Retter und Erlöser in—schwerer Zeit geschenkt hatte, auch in seinen menschlichen Eigenschaften. Er war gegen die Juden seines Landes gerecht, was mehr besagen will, als „Freund"- oder „Gönner", denn Freundschaft kann sich in FeiricU Schaft wandeln, wer aber gerecht ist, wird gerecht" bleiben. Es folgte eine Rede in polnischer Spräche von Herrn Kraus, in der Einzelzüge aus der Bior' gfäphie und. dem Leben Pilsudskrs -wirkungsvoll hervorgehoben wurden. Zum Schluß ergriff der Generalkonsul das Wort, um der Gemeinde für die Trauer und Teilnahme zu danken und die Versicherung zu geben, daß der von Pilsudski eingeschlagene Kurs in Polen weiter eingehalten werden wird, zum Segen auch für die jüdische Bevölkerung in Polen, die zu jeder Zeit in Wort- und Tat ihre Vaterlandstreue bekundet hat. Den Vorstehern des Verbandes und der Synagoge gebührt für die vortreffliche Organisation der Feier Dank und Anerkennung. Channa. Uraufführung des Schauspiels von Martha Wertheimer durch den Jüdischen Kulturbund, Rhein- Main in Frankfurt a. M. am 27. Mai 1935. „Denn nicht durch Kraft siegt der Mann," so lesen wirs im Dankgebet der . Channa im Buche Samuel. Und von diesem Gedanken, einem Kerngedanken des Judentums, ist auch dieses Schauspiel „Channa" durchdrungen. — Channa, des Elkana Frau, hat auch einmal geglaubt, Kraft und Heldentat und Sieg, wie sie die anderen Völker preisen, könnten auch Israel retten. Heldenlieder ihres Volkes, Lieder von Simson und Barak, singt sie dem tatendurstigen Knaben Elihu vor, dein Sohn der Peninna. Sie-, die Kinderlose, liebt diesen Elihu, nicht aus der Verwandtschaft des Blutes, sondern aus der des Geistes. — Wir erleben die geschichtliche Situation: die Pe- . Iis chtim sind die Herren im Land, sie verlangen Tribut, ihrer Willkür ist das Volk ausgeliefert. Aber mehr noch als das: die. Heiligtümer ihrer Götzen stehen im Land, ihr G'tt Dagon fordert seine Menschenopfer; und schlimmer als äußere Sklaverei ist die seelische Versklavung, die Israel dem Dagon und seinen Priestern hörig macht, — Channa kennt die geschichtliche Berufung ,des G'ttesvolkes Israel. Aber sie ist jung: mit Feuer und Schwert will sie den Ungeist bekämpft sehen. Und nun folgen die Ereignisse, die aus Channa die formen, die sie sein soll. Elihu, der Knabe, Wirft die Brandfackel in den Tempel des Dagon. Der junge Philisterfürst Gasan, der Channa liebt, und der in ihr nieht nur das Weib sieht, sondern auch die Inkarnation, einer gewaltlosen, besseren Welt, der er angehören möchte, ohne e§ zu dürfen, rettet den Knaben vor dem Tod, "dem er zur Versöhnung des beleidigten Götzen verfallen war. Da war Liebe und nicht Gewalt, die den Knaben rettete. Peninna geht den anderen Weg, den falschen Weg und bringt ihr jüngstes Kind dem Dagon zum Opfer, um ihr Aeltestes dadurch zu retten. Blut gegen Blut. Ist das ein Weg? Nein! Nein! Däs sieht Channa, sieht Peninna, sieht der Knabe am Ende ein. Nicht der Eiferer, mit dem Schwert wird Israel retten, der Eiferer mit dem Geist und mit der Liebe wird es sein müssen, nicht^ der Zerstörende, sondern dre Aufbauende. — Channa aber, diese reifere Channa, mit dem ihr jetzt neuen und ach, so alten Wissen ihres Volkes wird jetzt von G'tt erhört werden. Sie wird dem Volk den Mann schenken — Schemuel — der ihm hilft, den rechten 'Weg wie-- derzüfinden und dadurch wahrhaft frei zu werden. -r- Das waren die Gedankengänge, die ich aus dem Stück herauslas. In schöner äußerer Form läßt Martha Wertheimers Stück jüdische Gedanken lebendig werden. Leni Steinberg war eine innige, mutige und seherische Channa, die sich dem Geist der Rolle entsprechend, im letzten Akt am schönsten entfaltete. Heinz Friedeberg als Elihu war wirklich der Knabe mit dem heißen Herzen und dem mutigen unbedachten Tatendrang der Jugend. Norbert Schiller gab der Rolle des Philisterfürsten Gasan überzeugende Gestalt. — Max Koninsky war schon mehr als nur Priester des bösen G'ttes Dagan, er verkörperte das böse Prinzip selbst. Die Peninna der Magda Lenz-Habermehl war uns menschlich nahe; man litt mit ihr die Notder „Unbegnadeten", der die Gnade des Kinderreichtums sogar aus eigner Verblendung zum Unheil gereicht. Rudolf Ganz war ein väterlicher Oheim und ein weiser und eifervoller Priester. Auch die anderen Darsteller fügten sich dem Spiel gut ein. Der Regisseur Franz Oppenheimer durfte sich mit der Verfasserin und den Darstellern viele Male vor dem, Vorhang verneigen. Man sah auch, wie dankbar das Publikum heute für Stücke jüdischen Inhalts ist. Susi Oppenheiraer. Das jüdische Lehrlingsheim. Dieser Tage wurde das Jüdische Lehrlingsheim in der Rückertstraße in Gegenwart von Vertretern des Vorstandes der Israelitischen Gemeinde, der Bera-, tungsstelle für-' Wirtschaftshilfe, des Vorstandes des Vereins selbst und einzelner besonderer Freunde, feierlich von Herrn Rabbiner Dr. Jacob H b r o v i t z „eingelernt". Das Heim wurde in seinen ausgezedeh-> netn Einrichtungen besichtigt. Nach Verrichtung des Abendgebetes versammelte man sich zu einer schlichten Feier, dn deren Verlauf neben dem Vorsitzenden des Vereins die Vertreter der erwähnten Organisation, Freunde des Vereins und der Leiter, des Heims, Herr Lehrer und Kantor H e s , zu Worte kamen. Es kann die Hoffnung ausgesprochen werden, daß die Handwerkslehrlinge und die kaufmännischen Lehr- % linge, die in dem Heim Aufnahme gefunden haben, dort einen Ersatz für das Elternhaus und Förderung auf allen Gebieten finden. Die noch freien Plätze sollen demnächst besetzt werden. * Meldungen sind an Herrn Rechtsanwalt und Notar Dr. Meyer, Frankfurt a/M.( Kaiserstr, 14 zu richten. Einkauf von Pflanzenfett, Aus unserem Leserkreise wird uns geschrieben: . „Es .besteht Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß beim Einkauf von allen Arten Pflanzenfett streng darauf zu achten ist, daß jede Packung die Verschlußmarke einer zuverlässigen Rabbmatsaufsicht trägt. Im andern Falle besteht heute mehr noch als früher die dringende Befürchtung, daß es sich um tierische Produkte handelt, deren Genuß die Uebertretung schwerster Thoraverbote darstellt. Dies, gilt insbesondere bei Hartfett. Es wird heutzutage: Hartfett, das aus Schweineschmalz hergestellt wird, in derselben Aufmachung wie koscheres Kokosfett in den Handel gebracht." _ Jüdische Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen und Jugendleiterinnera. Die im Jüdischen Frauenbund zu einer Fachgruppe zusammengeschlossenen staatlich geprüften jüdischen Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen und Jugendleiterinnen haben gemeinsam Bestimmungen . ausgearbeitet, die für a 11 e Mitglieder , der Fachgruppe v e r b i hdl i ch sind. Diese Bestimmungen betreffen die An- und Abmeldung, Aufnahme, Gebühren- und Ferienordhung für die jüdischen Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen und .Jügendleiterinnen und regeln insbesondere die Frage der Rückerstattung von Honoraren in gewissen Fällen von Versäumnissen. — Interessenten erhalten die Bestimmungen bei den -der Fachgruppe angeschlossenen Leiterinnen. Landesausschuß der jüdischen Jugendverbände in Hessen und Hessen-Nassau.. Der Landesausschuß der jüdischen Jugendverbähde: in Hessen und Hessen-Nassau, dem sämtliche jüdische Jugendbünde des Bezirks angehören, bittet um Aufgabe der Adressen von Familien, die bereit sind, wandernden jüdischen Jugendlichen vorübergehend ein? Uebernachtungsmöglichkedt zu bieten. Um der jüdK sehen Jugend die Möglichkeit zu Wanderfahrten zu geben, ist es wünschenswert, daß zahlreiche Meldun- . gen eingehen. . In Frage. kommen sowohl Einzelquartiere, als auch anspruchslose Üntefkünftsstätten für kleine Gruppen. Benachrichtigungen, werden erbeten an die Adresse des Landesausschusses der jüdischen Jugendverbände in Hessen und Hessen-Na&säUj Heinz Gochsheimer, Frankfurt a, M„ Hauffst* %; r Eindrücke von der Max Liebermann Gedächtnis^ . Ausstellung in Frankfurt a. M. „In diese Straße möchte ich hineinlaufen," sagte mein Sjähriges Mädelchen, als sie die „Straße in Zandvoort" in der Liebermann-Ausstellung sah. Und man möchte wirklichhineinlaufen -in diese heitere, holländische Straße mit den roten Dächern, mit dem Himmel, der das Meer dicht hinter, der Straße verspricht, und die gemalt sein könnte von_ einem holländischen Maler des' 17. Jahrhunderts. — Esv ist: eine feine, kleine Schau, die "der Jüdische Kulturbund Rhein-Main zusammen mit den drei Bne Brithlögen, der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer JKunstdenkmäler und dem Centraiverein veranstaltet hat; obwohl fast ausschließlich zusammengestellt aus Werken' .aus Frankfurter Privatbesitz, vermittelt sie uns doch einen schönen Einblick in das Schaffen des großen deutschjüdischen Malers, der mit seiner Mälweise richtunggebend für den deutschen Impressionismus geworden ist. — Es waren Bilder da wie „Vor dem Waschhaus", vor denen man, wie das kleine Mädchen, vergaß, ein Bild zu sehen und mit dabei zu sein glaubte, in dem grünen, von Sonne durchzuckten, von Wind durchwehten Garten und den' frischen Geruch der trocknenden Wäsche förmlich atmete, Oder man saß mit dabei in dem schattigen „Kaffeegarten in Overveen" und fühlte sich wohl in der bürgerlichen Ruhe und Beschaulichkeit einer Zeit (gemalt 1895), deren Menschen ein kampfloses, gesichertes Leben führen konnten. Es war die so anschaulich gemalte „Schreinerwerkstatt" da, mit dem Rembrandt'sehen Helldunkel. Und-man sah das „Bildnis eines. alten Juden", sah einen Kopf, wie man ihm etwa in der Amsterdämar portugiesischen Synagoge begegnet, einen Kopf, derbhne jede Theatralik Jüdenschicksal, ewig altes, ewig neues Judenschicksal spiegelt. Trauernd schaut dieser. Alte in die Welt und doch mit jener inneren Festigkeit, die wahres Judesein verleiht. — Die Ausstellung, die etwa 70 Werke brachte (äußer- Gemälden auch Graphik und Studien), war lebendiges - Gedächtnis für den großen Künstler. Cello-Abend. Professor Felix Robert M-end eis söhn gab in Gemeinschaft mit Dr. Willy S a 1 o m o n einen „eigenen" Abend, im großen Saal des Vereinshauses.- Wie bei - solch ausgezeichneten Musikern . nicht anders zu erwarten war, wurde' der Ahe Erfolg. Das Programm begann mit der crmoll-Sonate Von -Brahms, die -— obwohl seitens des -Cellistenetwas versüßlicht in der Auffassung und dadurch von der „orthodoxen" -Brahms-Ihterpretatibn «erheblich abweichend — doch starke ^Eindrücke hmtefHeß.- Es folgte „Konzertstück in D-dur" -von -Döhnauzi, das als Komposition nicht so unmittelbar ilMpiriert ist,7wie die anschließend gespielte Sonate F^dur, op. 6 von JRichard .Strauß. Wehn" man bedenkt, daß Strauß dieses Werk als 18jähriger Konservatorist geschrieben hat, muß man staunen ob der Erfindungsgabe* und Gestaltungskraft des spateren Meisters. — War der erste Programmteil gewissermaßen" ein Sonatenabend, so gab es im zweiten Teil kleinere Stücke;;.Dönbons'' für das breite Publikum zu hören; '-"Mit;, wehihem Charme Mendelssohn .diese Stücke/ „hinlegte",. war ein Genuß für sich und zeugte vönj.def^emihenteri Vielseitigkeit des Künstlers. Das Publikum dankte den beiden Künstlern begeistert für diesen auf beacht^nsxveri hohem Niveau stehenden Abend- •:; M. N>v Fotographische Austeilung im Vereinshaüs. Vom 16. bis 23. Juni veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft jüdischer Amäteurfotografen,.,Ffankfurt •■ M. im Vereinshaüs, Eschersheimeriandstr.;-2?l 'eine Ausstellung /künstlerischer Fotos. Diese Ausstellung, die UrprÜnglich von der Arbeitsgemeinschaft'- Männheim zusammengestellt und dort, sowie in '•verschiedenen anderen Städten mit großem Erfolg gezeigt wurde, besteht aus fünf Abteilungen: 1, Landschaften;' 2. Porträts; 3, Jüdische Motive; 4. .Palästinaaufnahmen;' 5. Sportbilder. Die Ausstellung wird in reichstem Maße auch von Bildern Frankfurter jüdischen Lichtbildnern beschickt. Sie wird sicher nicht nur bei allen Amateurfotografen, sondern in. weitesten" Kreisen größtes Interesse finden". Besuchszeit: 10—13 und 15—19.30 Uhr./ Eintritt 25 Pfg., für JugendlicheErmäßigung. Während der Ausstellung"> werden' wieder^ gen unter sachkundiger Leitung stattfinden. " Jüdische Körperbehinderte. Die Ortsgruppe für _ jüdische Körperbehinderte Frankfurt a. M. hatte ihren gemütlichen Aoend zum ersten Male jm Hause der neuen Geschäftsstelle. Die junge Künstlerin Leni Steinberg erfreute durch eine fein zusammengestellte und klangschön vorgetragene Auswahl . in Vers und Prosa von Li-Tai-Pe Über Goethe zur Klüber'schen Tiefgeschichte, Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chafim E. V. Lehrplan.fürnijnaff 569§, 1. Tag Dhnherstagäbend 11 Uhrim Vereinslokal: niyw^-Lernen (Kostenbeitrag wird nicht erhoben) . ~ Freitag nachmittags 5 Uhr im Hörsaal (auch Damen) „Symbole und Bräuche des Schewuauth-Festes'VHerr ' Redakteur S. Schachnowitz. * : _ ■ * -, .yff^ä&Sfelggfa