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Der Israelit · 1935-05-29 · Heft 22 (29.5.1935) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 22 (29.5.1935)
Date
1935-05-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^Jjf'^ T7 Frankfurt a, M- 29, Mai 1935 26. Ijar 5695 Nummer 22 des Zentralrates in Polen ' Warschau, 27. Mai. - Im überfüllten* Saal des Theaters Nowosci wurde in Anwesenheit von Vertretern der Regierung die Tagung des Zentralrats der Agudas Jisroel für ganz Polen eröffnet, Die Tagung wurde mit einer eindrucksvollen Gedenkfeier :iür Marschall Pilsudski eingeleitet. Nach Rezitierung des El mole rachamim hielt der agudistische Sejmdeputierte und Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Lodz; Minzberg, eine Ansprache, in der er erklärte, die Aguda werde ihre bisherige Kooperation mit der Regierung auch nach dem Tode Pilsudskis mit seinen Nachfolgern fortsetzen. Besonderes, Interesse fand auf der Tagung-der Bericht der nach Palästina entsandten Abordnung der Aguda. Die Mitglieder der Abordnung verlangten, daß die Aguda die begonnene Palästinaarbeit in verstärktem Umfang fortsetze und dahin wirken solle, daß ihr am Palästinaaufbau ein größerer Anteil zufalle. Eine Petition, Danziger Juden an den Völkerbundsrat; ....... Genf, 26. Mai. Dem Völkerbundsrat ist vom General- Sekretariat des Völkerbundes eine Petition Danziger Juden samt den Bemerkungen des D anziger Senats dazu überreicht worden. Ueber den Inhalt der Petition wird mitgeteilt, daß sie eine , Darstellung des in letzterer Zeit in Danzig gegen die Juden geführten Kämpfes enthält, der sich in Maßnahmen äußere, die der Danziger Verfassung widersprächen. In der Verfassung wie in der Polnisch-D a n z iger Konvention vom 9. November 1920 werde allen Einwohnern ohne Rücksicht auf Rasse, Sprache und Religion die gleiche Stellung vor dem Gesetz, sowie der Vollgenuß aller bürgerlichen und politischen Rechte zugesichert. Es werden eine Reihe von Einzelfällen und grundsätzlichen Bestimmungen angeführt, die die Anklage belegen. Die Beschwerdeführer, heißt es dann weiter, hätten sich erst dazu entschlossen, Klage zu führen, als die Zurücksetzung unerträglich geworden sei. Der Völkerbund wird gebeten, den Senat der Freien Stadt Danzig zu veranlassen, alle Gesetze . und Verordnungen rückgängig zu machen, die nach den Darlegungen der Petition der Verfassung widersprächen, Zurücksetzungen von Juden für die Zukunft einzustellen und auch den Juden'einen genügenden Schutz gegen jegliche Diffamierung zuteil werden zu lassen. Schließlich möge der Senat den gegen die Juden geführten Boykott,, wen«k nötig auf Grund gesetzlicher Bestimmungen, verhindern. In den Bemerkungen des Senates zu dieser Petition werden die einzeln angeführten Fälle als legal und mit der Verfassung übereinstimmend dargestellt. Die nicht zu leugnende Verschlimmerung der Lage der Juden in Danzig sei nicht die Folge einer Verletzung der Verfassung, sondern sei auf die Einstellung der Bevölkerung zurückzuführen, die sich aus ihrer neuen moralischen und politischen Weltanschauung heraus vom jüdischen Elemente abwende, und es sei nicht Sache der Regierung, diese Einstellung zu beeinflussen oder zu bekämpfen. Die Petition sei kaum dazu angetan, jene -Einstellung der Bevölkerung zu bessern und müsse daher vom Senate bedauert werden. Die Forderung nach Aufhebung von Gesetzen und Verordnungen wegen ihres angeblichen verfassungswidrigen Charakters sei nicht ge- (Fortsetzung siehe Seite 2») Aus dem Inhalt: Seite 2 Wahl in Algier.......... Seite 2 Seite 2 Man diskutiert über den Sabbat . . Seite 3 Das Ende einer jüdischen Siedlung Seite 3 Seite 3 WarnungsschUd und Kunstwerk . Seite 6 Seite 7 Eine spanische Ansprache in London. Seite 8 Palästinaberichte .......... Seite 8 Werte der thoratreuen Hachschara - Gemeinschaft. Von Isaak Wolf in Düsseldorf. Keine Erscheinung bezeichnet besser den Wandel im Charakter der Zeit als die Institution der Hachschara. Die Hachschara ist der konkreteste Ausdruck für die grundlegende Veränderung in der Aufgabe des jüdischen Volkes, die durch die politischen Ereignisse zutage getreten ist. In ihr dokumentiert sich die Zeitenwende und erweist sich die neue, der Lösung harrende Aufgabe: Erez Jisroel. Aus dem Ziel ermißt sich die Bedeutung. Die Hachschara ist keine Zweckvereinigung. Ihre Aufgabe erschöpft sich nicht in der Anpassung junger Menschen an die veränderte wirtschaftliche und soziologische Lage. Eben so wenig besteht sie — wenngleich auch _ diese Aufgabe ein der. Hachschara wohl würdiges Ziel wäre — in der Vorbereitung zur Anteilnahme am Aufbau des jüdischen Landes, ohne Richtung und Ziel ihres künftigen Weges anzugeben. Eine Idee erfaßt die Menschen .und schließt sie zur Gemeinschaft zusammen. Sie schwebt über der Gemeinschaft und : erzeugt jenes stark pulsierende, froh bewegte Leben; das den Beschauer so sehr in Bann schlägt. Und diese Idee heißt; Schaffung eines politischen Gemeinwesens mit einem nach Verfassung der Thora geregelten staatlichen Leben unter der, Herrschaft der Rabbonim, in deren Händen die Ausübung aller sich auf die Innenlenkung des Staatswesens beziehenden Gewalten liegt. Zunächst äußert sich diese Idee in einer verpflichtenderen Auffassung vom Wesen der Gemeinschaft. Die Gemeinschaft, d. i. ein' von ihren Trägern abstrahiertes geistiges Gebilde mit eben jener Idee als Inhalt, zu der sich die Gemeinschaft bekennt — fordert vom Individuum die Bereitstellung seiner Kräfte in ihren Dienst. Bei all seinen Handlungen ist die Rücksichtnahme auf die Gemeinschaft erforderlich. Gewiß werden die Interessen des Individuums als berechtigt anerkannt. Doch zielt die Bemühung der Gemeinschaft auf eine Vereinigung beider Interessen, unter Hinnahme der Möglichkeit, daß beiderlei Wünsche nicht voll zur Geltung kommen. Die praktische Verwirklichung dieser Idee erfordert einen sich über Generationen erstreckenden Zeitraum, Rein äußerlich gesehen, macht sie die Zusammenfassung der Menschen in Gruppen vonnöten. Somit wird die Hachschara die Vorbereitung zur Lebensgemeinschaft. Das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit stellt die gemeinsame Plattform heraus, auf der sich das Zusammenleben der ihrem Bildungsgange nach verschiedenen Menschen gestaltet: das religiös-sittliche Wollen und die Arbeit. (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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