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Der Israelit · 1935-05-23 · Heft 21 (23.5.1935) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 21 (23.5.1935)
Date
1935-05-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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23. Mai 1935 De r, Israelit Nr. 21 Seite 5 tionen, von Rambam bis Chatham Sofer und von diesem bis zu den letzten Responsen unserer Zeit, noch nicht fertig brachte, die Autoritäten aus dem J ewish The ol ogicalSerainary in Philadelphia (es ist dies die geistige Heimat und Nährmutter der American Rabbinical Assembly) bringen es spielend fertig, auf einfachste Art, gut amerikanisch. Es ist leider nicht zu leugnen, daß die Aguuothfrage eine Schicksalsfrage für unzählige Frauen in den Ostländern ist, und daß in diesem Punkte die Golushot ihre Fäden über den Ozean nach Amerika hinüberspinnt. Die meisten verlassenen Frauen vegetieren mit ihren schutzlosen Kindern in Polen, die meisten pflichtvergessenen oder verschollenen Männer weilen irgendwo in Amerika. Das Warschauer Rabbinat und der Polnische R ab bine r v e r b a n d haben sich wiederholt ernstlich mit diesem ganzen Fragenkomplex befaßt und es wurde von diesen Stellen auch einige Abhilfe geschaffen. Ein Auskunftsdienst in Amerika steht in steter Fühlung mit der von den polnischen Rabbinern geschaffenen Stelle, und es ist auf diese Weise schon vielfach gelungen, zerstörte Familiengemeinschaft wieder herzustellen oder reinliche Scheidung herbeizuführen. Liegt den amerikanischen Rabbinern des genannten Verbandes die Not der verlassenen jüdischen Frauen wirklich am Herzen, so könnten sie nichts besseres iun, als sich in den Dienst jener Auskunftei zu stellen und Hand in Hand mit den polnischen Rabbinern zu arbeiten. Mit Maßnahmen von der Art, wie sie sie trafen, werden sie zwar niemals eine religionsgesetzliche Scheidung zwischen Mann und Frauzustandebringen, dafür aber für ihre eigene Person und die auf sie hörenden Gemeinden eine definitive Scheidung vom Gesetze Mosis Und Israels durchführen. Es wäre höchste Zeit, daß die maßgebenden rabbinischen Stellen der Welt die unternehmungslustigen jüdischen Theologen in Amerika in die Schranken weisen._. Nach dem Berner UrteiL Ohne Leidenschaft haben wir den Gang der Berner Verhandlungen verfolgt, ohne besondere Ueberraschung auch das Urteil entgegengenommen. Es konnte nicht anders ausfallen. Die „Protokolle" sind eine Fälschung, und man könnte beinahe den großen kostspieligen Apparat bedauern, der erst in Bewegung gesetzt werden mußte, um ein Plagiat, das sich von vornherein worden, das bleibt das Gebot der Stunde. Wir werden nicht damit volle Juden, daß wir uns etwa den Abfall von G'tt und seiner Lehre sanktionieren lassen und Begriffe formen, die schon ihren vollen Widerspruch in sich tragen. „Neujüdisch", „neukoscher", diese Worte sind im Sprachschatze des Judentums ganz gewiß nicht zu finden. Wo sie gesprochen und ins Leben eingeführt werden, da blüht nach wie vor der Abfall und ist der Weg zu einer durch Lehre und Ueberlieferung geheiligten Lebensführung noch nicht gefunden. Wir kennen keine neue Himmelsbotschaft. Entziehen wir uns nicht der Fürsorge G'ttes, der uns verheißen, uns zu schützen und zu hüten, wenn wir uns ihm weihen und seinem erhabenen Willen uns beugen. Scharen wir uns ganz und ungeteilt um unser Sinaibanner, dann bleibt uns der Herr mit seiner Liebe und Gnade nahe und gibt uns Kraft zum Tragen und Ueberwinden, bis wir geläutert und geheiligt den Sieg unserer Lehre schauen .'. . Kleines Feuilleton. Zeitschriften-Literatur. In der neuesten Nummer des „Morgen" fPhilo- Verlag) wird der beachtenswerte Gedanke entwickelt, daß angesichts der Ausschaltung der Juden Deutschlands aus dem Wissenschafts-, und Forschungsbetrieb der Hochschulen und der andererseits immer mehr jedem unbefangenen Blicke als solches darstellt, erst, beim richtigen Namen zu nennen. Es dürfte heute nach jenen Verhandlungen und jener Urteilsfällung noch kaum einen geben,, der die „Protokolle" als historische Dokumente ernst nimmt. Der Glaube 'an den Geist der Protokolle, d. h. am die Weltherrschaft des Judentums ist aber leider durch den Prozeß und seinen Ausgang nicht zerstört. Dieser Glaube findet seinen Ausdruck in allen Tonarten in Reden und Aufsätzen, die auf Niederhalten der jüdischen Weltherrschaft hinausgehen. Historisch gesehen, ist dieser Glaube mit der Tatsache fundiert, daß im Jahrhundert der Emanzipation einzelne. Juden, die in der blendenden Frühsonne der Freiheit alle Schranken übersahen und verhaltenen Lebensdrang von Jahrhunderten nicht dämmen zu können-glaubten, sich zu weit an die Oberfläche vorwagten und auf manchen Gebieten einen Einfluß gewannen, den man dann den „jüdischen Einfluß" nannte. Uebersehen wurde und wird aber, daß jene Männer auf Vorposten der Kunst, der Politik, der Wirtschaft und Wissenschaft fast samt und sonders mit dem Judentum gebrochen, zum weitaus größter Teil sogar äußerlich alle Bande mit der Judenheit gelöst hatten. Daß Taufe und Halbtaufe den jüdi- .sehen Geburtsfehler nicht abwaschen, konnten sie natürlich nicht ahnen, ist eine Erkenntnis, die ihnen spät, zu spät, kam. Sprechen wir van einer „jüdischen Weltherr- Von Pinchas Wollmann in Frankfurt a, M, {Fortsetzung.] B. Die Sprach form. Mittel und Methoden zur Erweiterung der Sprachform. 1. Erweiterung der Binjanim des Verbums, um alle Zeiten der Tätigkeit und ihre Nuancen zum Ausdruck zu bringen. 2, Erforschung, Festsetzung und Aufbau der Substantive. Ihre Ableitung und Abwandlung usw. Viele Dinge sind aus unserer Sprache im Laufe der Golusnacht, in der wir uns ihrer nicht bedienten, in Vergessenheit geraten und verloren gegangen und jetzt muß man, um die Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft zu verknüpfen, die Sprache wieder neu schaffen und sie derjenigen anähheln, die unsere Väter einst fortschreitenden Konzentration der vorhandenen jüdischen Wissenschaftler auf die Verbreitung mehr oder minder elementaren Wissens unter den Massen, die Gefahr der Abschnürung von den lebendigen Quellen der wissenschaftlichen Forschung jeden Tag größer werde. Es sei also die Gründung einer jüdischen wissenschaftlichen Gesellschaft erforderlich, die, nach Art der Akademien in verschiedene Klassen gegliedert, nicht nur judaistische Gegenstände behandeln, sondern allgemein wissenschaftliche Arbeiten in Angriff nehmen solle, um die Verbindung der jüdischen Geistesarbeiter mit der europäischen Kultur aufrechtzuerhalten. Wir halten die Ausführung der Idee schon aus rein materiellen Gründen keineswegs für leicht, aber ihre innere Berechtigung kann man kaum bestreiten. Unseres Erachtens wären die Rabbiner-Seminare der gegebene Kern, um den sich noch relativ am leichtesten ein Kreis wissenschaftlicher Forscher gruppieren ließe, der sich der Arbeit auf den verschiedenen allgemeinen Kultur gebieten — immer sub specie der jüdischen Weltanschauung als Einheit gebenden Fermentes — zu widmen hätte. — Im' Januar-Heft der Je wish Quarterly Review (Herausgeg. v. Cyrus Adler) finden wir einen wertvollen Aufsatz von Dr. Isidora Epstein, London über „Judah halevi als Philosoph", Epstein weist im Gegensatz zu den Uebertreibungen, deren sich Kaufmann, Guttmann, Wolfson und auf der anderen Seite Neumark schuldig gemacht haben, überzeugend nach, daß Jüdah halevi eigentlich die vollendetste Synthese philosophisch-rationaiistiseher Denkmethoden bei der Behandlung der Glaubenswahrheiten mit der Festhältung des Primats der historischen Tradition als Fundament alles jüdischen Glaubens, geglückt sei. Im Zeitalter des Rambam-Jubiläums ist dieser Nachweis schaft" im wahrhaft jüdischen Sinne, so meinten und meinen wir immer die Herrschaft des Geistes, das G'ttesreich, das mit uns und nach uns alle positiven Religionen erwünschen und ersehnen. Eine Weltherrschaft von Juden, im Interesse der jüdischen Nation ausgeübt, kennen wir nicht, kannten die Propheten nicht, die von einem goldenen Zeitalter des Weltfriedens träumten- Wenn in Bern das Wort vom „Zentrum der jüdischen Weltherrschaft auf Zion oder Morijah", gefallen ist, von wo aus „mittels verbindender Funkstationen die Weltgeschicke geleitet werden," so wissen wir nicht, ob die Freimaurer solche Zukunftsvisionen in ihrem Programm haben, denn — auch das ist ja nachgewiesen — wir haben als Juden mit den Freimaurern nicht das Geringste zu tun und kennen weder ihre Ideologie noch ihre . Formen und Bräuche. Was aber uns betrifft, könnte für uns jene Angabe nur den einzigen Sinn haben, daß „von Zion die Thora ausgeht und das Wort G'ttes von Jerusalem" für die ganze Welt; mittels des Flammengesetzes, das G'tt auf Sinai verkündet hat, in der Wüste, die keines Volkes Eigentum ist, also für alle Menschen und alle Völker; des Flammengesetzes, dessen Funkensplitter in den Lehren und sittlichen Forderungen aller positiven Religionen, der Menschheit voranleuchten. Eine andere Weltherrschaft kennt und erstrebt das Judentum nicht. in unserem Lande gesprochen haben und sie zu einer wohlentwickelten Sprache ausgestalten. Zu diesem Zwecke muß man auf wissenschaftliche Weise Forschungen anstellen und die Ausdrücke und Begriffsformen, die verloren gegangen sind, rekonstruieren. 3. Wissenschaftliche Forschungen zu rekonstruieren und festzusetzen: a) Die Gesetze der Grammatik (bis heute haben wir keine vollständige Grammatik), b) Die Morphologie (Formenlehre), c) Orthographie (Rechtschreibung), d) Phonetik (Aussprache der Konsonanten und Vokale). Dazu braucht man Vertiefung in die Erforschung der Transskriptionen in den Schriften der Griechen und Römer. besonders aktuell. — Diesem Rambam-Jubiläum ist eine umfangreiche Nummer der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentunis" (Herausgeg. von J. Heinemann) gewidmet. Die Arbeiten von Elbogen und Bergmann über" Maimons P e rsönlichkeit und Maimonides als Erzieher können naturgemäß nicht -.viel Neues bieten. Bedeutsam ist dagegen der große Aufsatz des Herausgebers über „Maimuni und die arabischen Einheitslehrer". Er enthält manches, was ZU starkem Widerspruch herausfordert und verdiente eingehende kritische Prüfung. In dem wertvollen Beitrag Michael G u 11 - m a n n s zur Quellenkunde des Mischne Thora, der wirklich neue .Erkenntnis bringt, verdient die gleiche kritische Zurückweisung die Behauptung, der Rambam sei — wo auch immer — an einer Stelle „mehr seinem philosophischen Denken und seinen arabischen Vorgängern gefolgt als seinen Traditionsgrundlagen!" Das mag man von einzelnen Gedankengängen des für die „Verirrten" bestimmten More Nebuchim behaupten, für den Mischne Thora kann es unmöglich zutreffen; wo es so scheint, fehlt uns nur die genügende Quellenkenntnis, wovon der ganze Artikel Guttmanns ja selber Zeugnis ablegt. Max Grünewald bietet eine — leider recht schwächlich ausgefallene — Zurückweisung des Miß-, brauchs, den sich Achad haam vor vielen Jahren in seinem Aufsatz Vaffn ]*bv mit und gegenüber dem Rambam erlaubt hat. Diese Zurückweisung ist früher schon durch Wohlgemuth kräftiger erfolgt. Den Schluß macht eine geistvolle Betrachtung Ernst S i - mons über Hermann Cohens Spinoza-Auffassung. Die hebräische Sprache und das geletzestreue Judentum

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