Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1935)
- Date
- 1935-05-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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^5^g®5^S^W?^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^iw^^S^^^^^^^^^ Frankfurt a. M. 23. Mai 1935 20. Ij'ar 5695 Nummer 21 Das neue deutsche Wehrgesetz und die Juden. Das von der Reichsregierung am Dienstag dieser Woche veröffentlichte Wehrgesetz regelt die Rechtsstellung der Nichtarier in mehreren Paragraphen, Zunächst wird in § 1 bestimmt, daß Wehrpflicht i g jeder d eu t s ch e Mann ist, worüber hinaus Männer- und Frauen im Kriege zur „Dienstleistung für das Vaterland" herangezogen werden können. ■ „Deutschem" im Sinne des Wehrgesetzes ist, wie es in - § 18 ausdrücklich heißt, jeder «Reichsangehörige", worunter dem Sinne der geltenden — und wohl auch der künftigen -— Gesetzgebung nach auch Nichtarier verstanden werden. Das. gilt aber nur für die grundsätzliche Wehrpflicht. . Die aktive einjährige Dienstpflicht nebst der daran sich'knüpfenden Zugehörigkeit zu Reserve, Landwehr und Ländsturm setzt gemäß § 15 arische Abstammung voraus. Juden sind also von der militärischen Ausbildung ausgeschlossen. Indessen wird in Absatz 2 folgendes bestimmt:; „Ob und in welchem Umfange A u s n a h m e n — d. h. also aktive Dienstleistung von Juden — -zugelassen werden können, bestimmt ein Prüfungsausschuß nach Richtlinien, die der Reichsminister des Innern im Einvernehmen mit dem Reichskriegsminister aufstellt." . Auf alle Fälle können gemäß Absatz 3 Vorbesetz t ß> in der Wehrmacht nur Personen & r i s c hi e r A b s t a ntm u n g werden. In dieser Hinsicht kann also auch der Prüfungsausschuß keine Ausnahmen — woran etwa bei den früheren jüdischen Offizieren hätte gedacht werden können — zugelassen, Diese ganze Regelung gilt nur für Friedenszeiten. Die D i e n s 11 ei s tung d er N ichtarier i m K r i e g e bleibt — gemäß Absatz 5 des § -15 — besonderer Regelung. vorbehalten. Da, wie oben bemerkt, die W e h r p f L i cht als solche auch auf Nichtarier Anwendung findet, dürften für sie auch diejenigen ^Bestimmungen der §§ 17 und 18 Platz greifen} [ die sich auf Aus lands a u f e n t h a 11 und iE n t las s u n g aus d er R e i c h s a n g e h ö.r i gk ed t beziehen. . , '*, -i Der Wahlausgang in der Tschechoslowakei- Die Wahlen für das tschechoslovakische Parlament endeten, wie durch die Tagespresse bekannt, mit einem Siege der Sudetendeutschen und der Sozialisten. Die J ü - dische Partei konnte nach der neuen Wahlordnung, die" eine Stimmenzersplitterung durch Listen kleiner Gruppen unterbindet, dieses Mal keine eigenen Kandidaten aufstellen*. So schloß die Jüdische Partei ein technisches Abkommen mit den Sozialisten, das, nach wiederholter Versicherung, keinerlei ideologische oder politisch-taktische Bindung bedeuten soll. Auf diese Weise gelang es, zwei jüdische Kandidaten im Rahmen der sozialdemokratischen Liste durchzubringen. Es sind dies die bisherigen (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Verhandlungen in Jerusalem . . Seite 2 und 8 Bes Jaakauw-Bewegung in Palästina . Seite 2 Jüdische Wirtschartssituation in Deutschland Seite 2 Jüdische Rundiunkgesellschaft ... Seite 2 Ein Heiligtum der jüdischen Gemeinschaft bedroht .........Seite 4 Uebergriff© amerikanischer Rabbiner . Seite 4 Nach dem Berner Urteil ......Seite 5 Die hebräische Sprache und * das gesetzestreue Judentum ........... Seite 5 Schutz für die Religion in Ungarn . . Seite 7 Jüdische Trauer um Pilsudski . Seite 7 und 8 Das europäische Flüchtlingsproblem . Seite 8 Palästinaberichte . . . . . . Seite 8 und 9 Erez J i s r o e 1 -Pro b lerne« Von Dr. Isaac Breuer. V. Mehr als ein Jahr ist verstrichen, seit ich zum zweiten Male im Heiligen Lande weilte. Von einer tiefen inneren Unruhe getrieben, hatte ich mich kurzerhand entschlossen, auf eigene Faust, ohne Mandat, hinüberzugehen, um die jüdischen Verhältnisse, wie sie sich seit meiner letzten Anwesenheit gestaltet hatten, zu studieren. Ueber drei Monate habe ich dazu verwandt; Monate unvergeßlicher Erlebnisse, Monate schwerster Erschütterungen;1* Monate, in denen ich mit der Weltorthodoxie Heimlich haderte, die ich fast zwei Jahrzehnte vergeblich zur' Bereitstellung des jüdischen1 Volkes und des jüdischen Landes für ihre Wiedervereinigung unter der Herrschaft der Thora aufzurütteln mich bemüht hatte. Dann riß ich mich los, um die neu gewonnenen Eindrücke und Erkenntnisse der. Weltorthodoxie zu übermitteln und die Arbeit der Aufrüttelung nochmals zu beginnen. Aber fast ein Jahr brauchte ich, um Eindrücke 'und Erkenntnisse derart seelisch zu verarbeiten, daß ich Abstand gewinnen und zu einer gewissen Objektivität der Darstellung'gelangen konnte. Das Ergebnis liegt nunmehr in den vier Aufsätzen über Erez Jisroel- Probleme, sowie in den ergänzenden zwei Aufsätzen über Kenesseth Jißrael, die in der Monatsschrift N a c h 1 a t h Z w i erschienen sind, im wesentlichen vor. Ich habe mich bemüht, die Wahrheit zu sagen,,'auch wenn sie dem Agudismus im Parteisinn des Worts abträglich zu sein schien. Mir deucht, daß die Offenlegung der Wahrheit niemals ein Zeichen der Schwäche, sondern im Gegenteil ein Zeichen der Stärke ist. Nur dem Kranken muß man zuweilen die Wahrheit verheimlichen. Den Gesunden spornt sie, sei sie auch noch so schmerzlich, zur doppelten Energie der bessernden Tat an. Nichts anderes bezweckte ich. Mir war die Wahrheit selber schmerzlich genug. Noch aus den Zeiten Rabbi Chaijim SonnenfeldsV"j?iXt standen mir die führenden Männer des Waad Hair Asehkenasi in Jeruscholajim ungemein nahe. Ihrem heroischen Kampf gegen die zionistische Alleinherrschaft in Erez Jisroel, gegen die Bagatellisierung der Thora im öffentlichen Leben war ich mit ganzer Seele gefolgt und hatte mich glücklich geschätzt, ihnen hier und da nützlich sein zu können. Noch heute bin ich der' Ueberzeugung, daß die Verdienste dieser Männer lim die Weltorthodoxrie nicht gering zu veranschlagen sind. Ohne sie hätte die Weltorthodoxie in Erez Jisroel gegenüber der Regierung überhaupt keinen Stützpunkt gehabt, und ohne sie hätte die Weltorthodoxie den Weg zum Völkerbund niemals gefunden. Auch hat das Bündnis der agudistischen Organisation mit ihnen nicht wenig dazu beigetragen, die agudistische Ideologie zu entwickeln und zu fördern und damit der Organisation eine prinzipiell klare und eindeutige Grundlage zu schaffen. Es hat ihnen freilich auch die agudistische Organisation den Zoll des Dankes geleistet, indem sie ihnen, gegenüber der Regierung sowie gegenüber dem Völkerbund, Welt- (Fortsetzung siehe Seite 3.)