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Der Israelit · 1935-05-09 · Heft 19 (9.5.1935) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 19 (9.5.1935)
Date
1935-05-09
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 19 Der ls>ra «Iii 9. Mai 1935 Belehrung und Mahnung. Aus nachgelassenen Schriften von Rabbiner Dr. Salomon Breuer. Dritter Teil. Leviticus.*) Besprochen von Rabbiner Ph. Fischer in Sarospatak. Vor allem sollen hier einige Bemerkungen über die Bedeutung und Bedeutsamkeit des Gesamtwerkes folgen, bevor wir in eine ausführliche Besprechung des uns vorliegenden dritten Teiles: Leviticus eingehen. Ueber dieses Werk kann man keinesfalls mit der schablonenhaften Bemerkung: „Nachgelassene Reden und homiletische Vorträge" zur Tagesordnung übergehen, weil eben auch das Werk des hochgefeierten Frankfurter Raws b"XT nicht zu den schablonenhaften, kunstgerechten, schul- und gewohnheitsmäßigen Predigtsammlungen gehört. Es ist im vorzüglichsten Sinne des Wortes ein: mty »asa'!'»* Vor allem ist es in keiner abstrakten, dem Persönlichen völlig abgewandten Weise geschrieben. Vielmehr widerspiegelt es das allen heiligen jüdischen Idealen zugewandte Sinnen und Sehnen eines tiefempfundenen Gemütes und nicht alltäglichen Geistes. Was zunächst die äußere Form der in diesem Buche veröffentlichten Arbeiten betrifft, so ist dieselbe ein seltenes glücklichgeartetes Gemisch der Methoden der früheren Darschanim der allerbesten Richtung und des modernen Kanzelredners. In den homiletischen Vorträgen überwiegt, mehr die Methode erwähnter Darschanim. Da zeigt sich uns wahrhaftig kunstvolle Mosaikarbeit der agadischen Auslegung. Es reiht sich eine geistvolle Deutung an die andere an, langsam und planvoll fügt sich der eine Baustein an den anderen an, bis dann am Schlüsse der mehr oder weniger komplizierte Gedankengang als ein kunstvoll in sich geschlossenes Ganzes vor unseren bewundernden Blicken dasteht. Doch muß gesagt werden, daß, wenn auch die ganze Herrlichkeit eines derartig aufgeführten gedanklichen und rhetorischen Kunstbaues nur von Sachverständigen voll und ganz erfaßt und gewürdigt werden kann, so sind dennoch die einzelnen Bestandteile des erwähnten Kunstbaues von einer solchen sprachlichen und gedanklichen Fassung, daß Sie auch für den Leser verständlich sind und die größte Wirkung auf denselben ausüben müssen. Von bedeutend einfacherer Disposition und mehr den modernen Anforderungen Rechnung tragend sind allermeist die mitgeteilten Predigten. Und wenn auch bei denselben die Methode der früheren Darschanim nie gänzlich fehlt, so sind sie in ihrem künstlichen Aufbau und in ihrer abgerundeten Ganzheit doch viel leichter erfaßlich für die große Menge der Zuhörer. Die Predigten wie die Vorträge sind von einer einfachen, markigen Diktion getragen, die allem Phrasenhaften und Ueberschwänglichen abhold, es dennoch versteht, jeden markanteren Satz, der für den Redner von besonderem Gewichte war, in eigener durchsichtiger Klarheit und Deutlichkeit vor den Hörer oder Leser hinzustellen. Dabei aber hat die Sprache dennoch an vielen Stellen Schwunghaftes an sich. Ja, dort, wo die Irrtümer und Fehler des Zeitalters mit rücksichtsloser Offenherzigkeit gegeißelt werden, klingt das mächtig Pathetische oft ans Prophetische an. Die beherrschende Ideenwelt in diesen Reden und Vorträgen sind aber aufs allerstärkste beeinflußt von dem großen Vorgänger auf der Kanzel und im Amte: S. R. Hirsch. Wohl herrscht in der äußeren Form der Beredsamkeit ein großer Unterschied zwischen dem Vorgänger und dem Nachfolger. Die Betrachtungen und Reden S. R. Hirschs brausten wie ein reißender Strom über die atemlos lauschenden Zuhörer dahin, sie mit ihren, in gewaltigen Satzgefügen dahinrollenden tiefsinnigen Gedanken ganz überwältigend, während sein würdiger Nachfolger mehr in ^mosaikartiger Zusammenstellung seine Gedankengänge und Lehren entwickelte. Aber diesem äußeren Zustande zutrotze hört der Kenner nicht nur dort, wo S. R. Hirsch ausdrücklich zitiert oder auf ihn hingewiesen wird, sondern allüberall den Widerhall der Ideenwelt des großen Vorgängers in kristallener Reinheit erklingen und forttönen. Ja, . unser Autor fühlt sich vollkommen als Schüler des großen Vorgängers. In einer Beziehung steht derselbe in einzigartiger Originalität da. Wir meinen nämlich die unübertroffene Methode, womit unser Autor es versteht, Hirsch'sche Ideen in die Prachtkleider von herrlichsten Midrasch-Erklärungen einzuhüllen, Ja, solche geradezu zu Trägern derselben zu »machen . . . Dies zur allgemeinen Charakteristik des Werkes. Nun aber Wollen wir zur eingehenden Besprechung des jettz erschienenen dritten Teiles zu W a j i k r o , , der 'gleichfalls alle van uns in obigen Ausführungen klargestellten Merkmale an sich trägt, schreiten. Der Vortrag zu 8-ip'l handelt über die Lehre, der nliaip. Zum Abschnitt rs wird dargelegt, wie die?iV>i*' das „Emporopfer" nur die Lehre der Akedoh .wiederholt. Im Rahmen dieser Ausführungen werden über die Bedeutung der Akedoh herrliche Midrascherklärungen und tiefe Gedanken mitgeteilt. " Und so geht es weiter,. Woche für Woche, Abschnitt um Abschnitt, jede Homilie eine Perle für *) Verlag der Rabbiner-Hirsch-Gesellschaft. Hermon-Druckerei. sich und das Ganze eine Perlenschnur, an der ' sich die kostbaren Steine leuchtend reihen. So die na 7 ^un-Predigt zu rwrir so die -Mazzöthfest-Gedanken zu?ins»/ die Klärung des ficmp» -Begriffs zu o'emj» die Erziehungsmaximen zu' TiöK' die tiefergreifenden Mussarworte zur „Tauchocho" in wipma-i Den Abschluß dieses; Teiles bildet die am Pessachd. J. 5650, einige Tage nach 'der Amtseinführung in Frankfurt a. M, gehaltene ,, P r o g r ä m m r e d e " des Vfrs. Es ist das_ Programm des geistigen Führers einer jüdischen Gemeinde schlechthin. Nur flüchtig wird in der Einleitung das Aktuelle berührt. Mit an das Pessachfest angelehnten trefflichen Midrascherklärurigen wird der berufene Führer als o*nh naiTi *Vfvi rpaiö dargestellt. Dann wird Rabbiner Hirsch ^"XI als ein Solcher angerufen, „der rücksichtslos gegen die Zerklüftung des jüdischen Lebens im Familien- und Gemeindeleben den heroischen Kampf führte, der die Halbheit haßte, weil er sein eigenes Leben im Zeichen des ma'n/i vollendete." Und sodann gelobt der Redner feierlichst, den Spuren zu folgen, „auf denen dieser von G'tt gesandte Lebenshirte sin Volk geführt hat." * Es ist eine kleine Blütenlese, die wir hier, dem Publikum vorlegen, die aber ahnen läßt, was für ein unednlicher Reichtum an herrlichsten Gedanken und Erklärungen in dem besprochenen Werke bewahrt ist. Daher bleibt uns nur der Wunsch übrig, daß dieses wirklich epochemachende, in deutscher Sprache einzigartige Werk recht bald vollendet vor uns erscheine, Dann erst wird es in seiner vollen Bedeutsamkeit erkannt und gewürdigt werden. Und nun ganz zum Schlüsse noch eine Bemerkung. Die äußere Ausstattung des- Buches entspricht ganz dem Inhalte. Sie reicht ganz zum Ruhme für die Hermon-Druckerei in Frankfurt a. M. Zum Thronjubiläum in England. Ueber -die Einstellung des Königs Georg zur. Judenfrage geben einige «einer persönlichen Handlungen Auskunft. Nach Kriegsbegihn hatten die chauvinistischen Kreise ges Landes ihren besonderen Haß gegen einige hochgestiegene jüdische Wirtschaftler gekehrt, denen man ihre -deutsche Abkunft als „Verbrechen" anrechnete. Vor allem gegen Sir Ernest Cassel, der noch 1912 Haldanes Berliner Besuch vermittelt hatte, und Sir Edgar Speyer richteten sich die böswilligen Verdächtigungen. Margot A s q u i t h , die Frau des liberalen Ministerpräsidenten, hat später erzählt, sie sei damals zum König gegangen, um ihn zu fragen, ob sie wirklich ihre Beziehungen zu diesem ehemals deutschen Freundeskreis abbrechen müßte. Darauf habe ihr der Monarch geantwortet; „Erstens habe ich noch nie im Leben eine Freundschaft gebrochen — and then, I am German too." Es wäre denkbar, daß Lady Asquiths Gedächtnis nicht jedes einzelne Wort des Königs genau aufbewahrt hat. Dagegen steht fest, daß ihr Gatte in seiner amtlichen Eigenschaft den Verzicht Speyers auf Adelsprädikat und Geheimratswürde mit einer Erklärung zurückgewiesen hat, die den Premierminister und seinen fürstlichen Auftraggeber gleichermaßen ehrt: „Ich kenne Sie lange und wohl genug, um diese grundlosen, bösartigen Unterstellungen hinsichtlich Ihrer Loyalität gegen die britische Krone nach ihrem wahren Werte einzuschätzen. Der König ist nicht bereit, irgendeinen Schritt in der von Ihnen vorgeschlagenen Richtung bezüglich der Auszeichnungen zu tun, die Sie in Anerkennung öffentlicher Dienste und menschenfreundlicher Großzügigkeit empfangen haben." - Das war in jener Zeit ein mutiges /Wort, möchte es auch nicht ausreichen, Speyer vor der Unbill der nächsten- Jahre zu bewahren. — Ein zweites Symptom seiner Gesinnung sehen wir darin, daß König Georg die große offizielle Biographie seines Vaters einem Juden, Sir Sidney Lee, übertrug, den er bei seiner Arbeit auf jede Weise unterstützte, ohne ihn in seiner Selbständigkeit zu beengen. Und ein dritter Beweis: die Fülle der Auszeichnungen, mit denen der dankbare Herrscher den einstigen Schiffsjungen R ufus Isaacs überschüttete; selbst ein Disraeli hat nicht die Marqueß-Würde und das stolze alte Ehrenamt des L o r d -War de n of the Cinque Ports erlangt, die beide R e a d i n g zufielen. . Betrachten wir nach diesen lehrreichen Details einmal die Gesamtlage der englischen Juden. Nicht nur in der Wirtschaft und der Wissenschaft, auch in der Politik haben englische Juden im letzten Menschenalter eine hervorragende Rolle gespielt, gewiß nicht zum Schaden des Empire. Sie waren und* sind — anders als in vielen kontinentalen Ländern — nicht nur auf der Linken willkommen,- sondern mindestens ebenso auf der Rechten. Von deja verdienten Juden in England müssen wir vor allem Sir Herbert Samuel nennen, der unter den - aktiven Politikern Englands seit Jahrzehnten eine bedeutende Stellung einnimmt und wiederholt Ministerposten bekleiclei hat- Erlenkte, schon. 19#>. die , Augen seiner Kabinettskollegen auf Palästina als das" künftige jüdische Nationalheim. Zunächstfand er für das Projekt, wie wir aus Asquiths Tagebüchern wissen, nur bei Lloyd George Beifall. Als aber dieser Premierminister wurde und B al f o u r ins Foreign Office kam, ward der Traum bald Wirklichkeit; doch wohlgemerkt: die berühmte Deklaration hat: keinen weltbürgerlichen Liberalen, sondern, einen Kon-' servatiyen, einen scholar. politician echt englischen Gepräges, zum Verfasser. Sir Herbert Samuel selbst wurde zum ersten britischen Hohen Kommissar in" Palästina ernannt — eine bezeichnende Geste. So wenig der Antisemitismus zum englischen. Nationalcharakter paßt, so hat es doch auch.-in der Regierüngszeit Königs Georgs nicht an gelegentlichen judenfeindlichen Vorstößen gefehlt. Nach dem Weltkrieg haben dann die „Protokolle der Weisen von Zion" eine Zeitlang die englische-Oeffentlichkeit beschäftigt; sie verschwanden aber in der Versenkung, als ihre Entstehungsgeschichte 1921 durch den Koristantinopler Korrespondenten der „Times" enthüllt wurde. Auch um die antisemitische Schwarzhemden- BeWegung Sir Oswald M osley Si , die zeitweilig Einfluß auf die öffentlich* Meinung zu erobern schien, ist es in den Istzten Monaten ziemlich stiÜ geworden/ Die überwältigende Mehrheit des englischen Volkes empfindet eben wie Lord Birkenhead, der einmal ganz sachlich festgestellt hat: „Großbritannien verdient gute Juden, und. es hat sie auch im großen ganzen, bekommen —. Es war mit großem Nutzen für uns selber möglich — wenngleich mit einem kleinen kompensierenden Nachteil —, die Juden im sozialen und politischen Leben des Landes zu assimilieren." - Bei solchem Stand der Dinge kann es niemanden wundern, daß die englischen Juden ihrem König bei seinem Regierugnsjubiläum mit. der gleichen Dankbarkeit und Verehrung huldigen wie ihre Landsleute anderen Stammes. König Georg V. ist 'für sie ein Sinnbild jenes humanen Geistes, ohne den ihr stetiger Aufstieg im britischen Weltreich undenkbar gewesen wäre. (F. H. in der „C. V.rZeitung"). Israel in Ägypten. Dem Sefer Hajaschar nacherzählt von Rabbiner Dr. Robert Zion, (Fortsetzung.). Als Pharao sah, daß alle seine Unterdrückungsmaßnahmen nutzlos waren, befahl er, daß jeder Israelit, der die vorgeschriebene Arbeitsnieinge nicht leistete, als Strafe seinen kleinen Sohn abliefern müsse. Die Aegypter führten diesen Befehl mit teuflischer Grausamkeit aus; wenn ein Israelit nur einen Ziegel zu wenig ablieferte., so entrissen sie seiner Frau einen Sohn und mauerten ihn in den Bau ein. Möse war drei Jahre alt. Pharao saß mit seiner" Familie und den Würdenträgern beim Mahle. Die Königin saß zu seiner Rechten, Bifhja '-— mi dem kleinen Mose auf dem Schoß;— zu seiner Linken, Bileam, dessen zwei Söhne und alle Fürsten rings um den Tisch. Da streckte der Knabe seine Hand aus, nahm dem Könige die Krone fort und setzte sie sich selbst auf. Der König und die Fürsten sahen, was der Knabegetan hatte, sie erschraken. und wunderten sich sebr. Der König fragte die Fürsten, was das. Ganze nach ihrer Meinung bedeute, und was mit dem hebräischen Knaben geschehen solle. Da antwortete Bileam: „Du erinnerst dich gewiß des Traumes, den du vor Jahren hattest, und der Deutung, die ich dir vortrug. So wisse denn, in diesem hebräischen Knaben ruht g'ttlicher Geist; er ist de r Hebräer, von dem dir Gefahr droht. Glaube nicht, Mose sei noch klein, deshalb habe er das Gänze ohne jede Absicht getan. Denn er ist ein Hebräer, Weisheit und Erkenntnis ist .in ihm, obgleich er noch klein ist. Aus Weisheit hat er di,es getan; er hat sich das ägyptische Königtum erwählt. Denn es ist Sitte bei den Hebräern, die Könige und ihre Groden zu überlisten, um

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