Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1935)
- Date
- 1935-05-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a« M. 2. Mai 1935 29. Nissan 5695 Nummer 18 Der Berner Prozeß um die „Protokolle" wiederaufgenommen. j< -B e r n , 29. April. Am Montag, den 29. April, wurde im überfüllten! iBerner Schwurgerichtssaal der Prozeß •||jü:,,dle;!5i',Prp^ojkolleii4jBr-: Weisen von Zion" wieder aufgenommen. Zur Vorgeschichte des Prozesses sei kurz daran erinnert, daß - der I s'r a e - Ii ti s che G e m e i n d eb u nd d e r S c h w e i z In- Gemeinschaft mit der J ü d i,s c h e n K ul t u s g e!m e in d e z u B;e r n seinerzeit gegenfunf Angehörige1 d?s inzwischen aufgelösten „Vereins Nationalsozialistischer Eidgenossen" und der Nationalen^Frpnt in Bern wegen eines von dieser verbreiteten Flugblattes über die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion" Klage angestrengt haben. Nach längerer Verhandlung mußte im Oktober 1934 der Prozeß zum Zwecke der Einholung neuer Gutachten vertagt werden. Zu der neuen Verhandlung sind neben den früheren als weitere Sachverständige Professor Bau mgart e n , Basel und Oberstleutnant F I e i s c h h a u e r , Erfurt,, erschienen. Der Ver^ teidiger der Angeklagten beantragte zu Beginn der Verhandlung eine nochmalige Vertagung, bis dem Sachverständigen Fleischhauer Einsicht . in die inzwischen von der Sowjetregierung . ,zur Verfügung gestellten Akten gewährt wurde. Außerdem hätten die Angeklagten gegen einige Zeugen in der ersten Verhandlung Strafanzeige erstattet - und man müßte den Ausgang dieser Strafanzeige abwarten. Der Vertagungsantrag wurde vom Gericht abgelehnt, dem Sachverständigen Fleischhauer aber das Recht zugesprochen, Einsicht in die russischen Akten zu nehmen. Der, Gerichtspräsident erklärte, daß nach den gründlichen Verhandlungen im Oktober eine weitere Zeugenvernehmung sowie ein Verhör der Kläger und Beklagtennicht mehr stattfinden soll. Es handelt sich bei* dieser Verhandlung nur um idie /mündliche Erstattung von Gutachten durch die drei Sachverständigen. Der Vertreter der Kläger, Prof. Dr. rl; Matt i, bezweifelt die Objektivität des Sachverständigen Fleischhauer, ohne aber einen bestimmten Antrag zu stellen. Darauf erstattet als erster Sachverständiger Professor B a u m g arten sein Gutachten. Er bezeichnet die Protokolle nicht nur als Märchen, sondern auch als eine grobe Fälschung. Es sei nicht der - geringste Anhaltspunkt dafür vorhanden, daß sie auf dem Basler Zionistenkongreß 1897, in Geheimsitzungen verfaß worden seien. Er ^laubt,( die Frage, ob die Protokolle unter den Begriff,1 der Schundliteratur fielen,; b' e j a h e n zu müssen. In der Verhandlung am Dienstag erstattete "Oberstleutnant a. D. Fleischhauer "sein Gutachtens,; Er verbreite^sich, zunächst über den ■ ^aknudi:'imdv:SezeiQhneiIiäie. von: Baumgarten benutzten Hebers etzungen als „einseitig jüdisch-~ apologetisch'*. Es komme nicht auf die wenigen Zitate, sondern auf die große Linie des Talmuds an. Er legt dem Gerichte eine jiddische^ Zeitung im Urtext vor, aus dem hervorgehe, daß sowohl das englisch-französische Abkommen wie der Kellog-Pakt von jüdischen Händen entworfen sei. Die Juden sollten auf irgend einer Insel ihr Eigenleben, aufrichten, dann würde man sie in Ruhe lassen. Die zionistische Jüdische Colonialbank .habe Bestechungen einflußreicher Persönlichkeiten gedient, was aus ihren Statuten herauszulesen sei. Auf die; Protokolle übergehendt gibt der Sachversändige zu, daß sie in der Grundr fassung, von Maurice J o l y stammen können, dieser aber müsse Jude oder mindestens Taufjude gewesen sein und seine Grundgedanken hätten dem Verfasser der Protokolle auf dem Zionistenkongreß als Unterlage gedient. Das Dogma der jüdischen Weltherrschaft beherrsche die Juden seit der Gesetzgebung am Sinai und beherrsche heute noch die Grundzüge der jüdischen Politik, (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Das kommende Staatsbürgerrecht . . Seite 2 . Seite 2 Agudas Jisroel in Deutschland::;:. . . Seite 5 Die hebräische Sprache und das gesetzestreue Austritt der Revisionisten aus der zionistischen Organisation ..........Seite 8 . Seite 8 . Seite 8 Ein Nachwort zur Rambamfeier . . . Seite 10 E r e z Jisroel -Prob lern e- Von Dr. Isaac Breuer. II. Wer als Agudist auch nur kurze Zeit sich im Heiligen Lande aufhält, bemerkt alsbald mit schmerzlichem Befremden, daß1 eine wirklich lebendige agudistische Landesorganisation überhaupt nicht vorhanden, eine agudistische Bewegung, von den verheißungsvollen Ansätzen; unter den agudistischen Arbeitern abgesehen, überhaupt nicht spürbar, und daß selbst der agudistische Name bis tief in die Reihen der Thoratreuen in hohem Maße unpopulär ist. Selbst solche Thoratreuen, die über jeden Verdacht erhaben sind, Zionisten oder auch nur Misrachisten zu sein, legen vielfach großen Wert darauf, mit der palästinensischen Aguda nicht verwechselt zu werden, ob sie gleich kein Hehl daraus machen, daß sie durchaus agudistisch gesinnt sind und sich als Agudisten erachten. Perönlichkeiten,' die in der Gola hingebungsvolle Arbeit für die Aguda leisteten, halten sich von der palästinensischen Aguda völlig fern und sind darauf .bedacht, Schritte, die sie im Heiligen Lande für 'die Stärkung der Thoratreue unternehmen, keinesfalls mit der 'agudistischen Marke zu verse'hen. Anerkannte Thoragrößen im Heiligen Lande, selbst'wenn sie dem Rabbinisphen Rat der agudistischen Organisation angenören, selbst wenn sie iiurchaus Gegner der ', heutigen Kenesseth-Jißrael sind und die Gesamthaltung des offiziellen' palästinensischen Oberrabbinats von Grund aus mißbilligen, sind nicht1dazu zu bewegen, sich offen zur palästinensischen Aguda zu bekennen und für sie mit der Autorität ihres Namens einzutreten. Nicht einmal die aus Kenesseth- Jißrael Ausgetretenen kann und darf die palästinensische Aguda ohne weiteres zu den Ihren. rechnen. Namentlich in Jeruscholajim dürfte es Tausende Ausgetretener geben, die sich, ernstlich dagegen verwahren würden, möchte man sie als Mitglieder der palästinensischen Aguda ansprechen. Eine Zählung der Thoratreuen des Heiligen Landes würde mit größter Wahrscheinlichkeit zu der Feststellung führen, daß ihr bei weitem überwiegender Teil sich weder dem palästinensischen Misrachi noch der palästinensischen Aguda zurechnet, also völlig — unorganisiert ist. Was dies in einem Lande zu bedeuten hat, in dem die Organisation alles und der Einzelne nichts gilt, braucht nicht erst dargelegt zu werden, Die Thoratreue stellt im Heiligen Lande der Gegenwart keine organisierte Macht dar. Die Gegner der Thora und die Thoraentfremdeten brauchen mit der Thoratreue nicht zu rechnen. In die Herzen der Thoratreuen in ihrer kläglichen Vereinzelung dringt mehr und mehr der Geist der Mutlosigkeit, der Verzagtheit- und der hoffnungslosen Resignation; Langsam auch nähert sich ihnen ein Gespenst, das schon einmal, in Deutschland, die Katastrophe der alten Orthodoxie besiegelte: das Gespenst der — Lächerlichkeit. Lächerlichkeit, entsteht zumeist bei einem geradezu ins Auge springenden Mißverhältnis zwischen Aufgabe und zu ihrer (Fortsetzung siehe Seite 3.)