Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Maimonides in der Legende Gesammelt von Frau Rabbiner Roseawasser in Berlin. Die Volkstradition hat, was erklärlich ist, einen blühenden Kranz von Sagen und Legenden um das Haupt von Maimonides gewunden, die mit geschichtlicher Wahrheit natürlich wenig zu tun haben, aber doch zeigen, wie hoch dieser geistige Volksheros in der Achtung und Liebe des Volkes stand und steht. Aus einer Zusammenstellung der Frau Sarah Rosenwasser bringen wir hier zur Ergänzung der sachlichen und populär-wissenschaftlichen Abhandlung an leitender Stelle zwei Legenden, die sich auf die ärztliche Wirksamkeit des Maimonides beziehen. I. Maimonides wird vergiftet, aber durch ein von ihm bereitetes Gegengift wieder gerettet. Der Dajan Mainion verläßt mit seiner Familie Cordoba. Er ist nicht gewillt, wie so viele seiner Glaubensbrüder, unter der Maske eines Moslim ein Leben der Verstellung zu führen. Jahrelang ist er auf der Suche nach einer Ruhestätte, im christlichen und arabischen Spanien hält er sich kurze Zeit auf. Endlich gelangt er über Akko nach Alexandrien in Aegypten. Er ist glücklich, eine Ruhestätte gefunden zu haben, an der der begabte Sohn seine angefangenen wissenschaftlichen Arbeiten vollenden kann. Das Judenviertel von Toledo Mit nie rastendem Fleiß betreibt Mosche ben Maimon fast alle Disziplinen des Wissens. Nach kurzer Zeit ist er Meister der Schewa Chochmot, der sieben Weisheitsgebiete, die damals jeder wahre Gelehrte beherrschen mußte, der etwas gelten wollte. Am Hofe Saladins, des regierenden Sultans, war es damals Brauch, alljährlich an seienm Geburtstage alle berühmten Gelehrten des Landes um sich zu versammeln. Für die Gelehrten waren besondere Thronsessel hergerichtet, und je größer der Gelehrte, desto näher stand der Thronsessel des Gelehrten dem Thron des Sultans. Als der Sultan von der überragenden Gelehrsamkeit des jungen Maimonides hörte, lud er auch ihn ein und bot ihm gleich den ihm am nächsten stehenden Thronsessel an. Maimonides lehnte bescheiden ab, da er den Neid der anderen versammelten Gelehrten nicht erwecken wollte. Maimonides veröffentlichte zahlreiche Schriften aus dem Gebiete der Heilkunde. Aufs neue wird das Interesse des Sultans für ihn geweckt. Der Sultan bestellt ihn zu seinem Hofarzt. Andere bekannte Heilkundige des Landes fühlten sich durch die Berufung Maimonides' an den Hof des Sultans zurückgesetzt. Sie tun sich zusammen und erwägen, in welcher Weise der jüdische Hofarzt unschädlich gemacht werden kann. Endlich sind sie einig. Sie erbitten vom Sultan die Erlaubnis, eine Disputation über todbringende Gifte mit dem jüdischen Hofarzt in seiner Gegenwart abzuhalten. Der Sultan stimmte zu. Nachdem die gelehrten Heilkundigen des Landes ihre umfassenden Kenntnisse in der Medizin' mit Eifer dargetan haben, erklärten sie sich bereit, ein von Maimonides bereitetes Gift zu trinken, wenn Maimonides das von ihnen bereitete zuerst einnehme. Maimonides war mit diesem Vorschlag einverstanden. Mosche ben Maimon hatte damals bereits zahlreiche Schüler um sich geschart, die Tag und Nacht aus seinem Munde Belehrung und Unterweisung empfingen. Als Mosche ben Maimon nach Hause kam und seinen Schülern von den kommenden Ereignissen erzählte, waren die Schüler um das Leben ihres Meisters sehr besorgt. In lebhaften Farben schilderten sie ihm die Gefahr, in die er sich mit diesem Schritt begebe. Maimonides aber bestand darauf, das einmal gegebene Wort einzulösen. Voll G'ttvertrauen und ohne die geringste Furcht, bereitete er sich auf den Tag vor, an dem er das todbringende Gift zu nehmen hatte. Seinen Schülern gab er genaue Anweisungen, wie sie ihn nach dem eingenommenen Gift zu behandeln hätten. Der Tag der Gefahr kam heran, die Schüler machten den Tag zu einem Fast- und Bettag und erwarteten voller Angst ihren Meister. Nach langen bangen Stunden kehrte der Meister heim. Sofort begab er sich zu Bett und seine Schüler brachten die Gegenmittel, die der Meister vorher bereitet hatte. Nach seiner genauen Angabe reichten sie ihm das Getränk. Am dritten Tage fühlte sich Maimonides kräftig genug, um sich dem Sultan und den Aerzten wieder vorzustellen. Der Sultan und noch mehr die Aerzte waren vor Staunen wie versteinert, als sie Maimonides wieder gesund daher kommen sahen. Nun befahl der Sultan auch ihnen, ihr gegebenes Versprechen einzulösen und das Gift zu nehmen, das Maimonides für sie bereitet hatte. Sie nahmen das Gift und zehn von ihnen starben auf der Stelle. — Dieses Ereignis machte solchen Eindruck auf ihn, daß er gleich eine wichtige Abhandlung über todbringende Gifte schrieb. (Schalschelet Hakkabbala). II. Der Neid sinnt auf neues Verderben gegen Maimonides. Noch war das letzte Ereignis nicht vergessen, als die berühmten Aerzte Alexandriens neue- Mittel suchten, um Maimonides zu verderben. Der gütige und humane Sultan war schwer erkrankt, er laßt seinen bewährten und treuen Hofarzt kommen. Maimo- Heiligenächrein in der alten Synagoge zu Toledo