Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Pessach 5695. Pessach zwingt unseren Blick in die Vergangenheit zurück, bannt ihn an die Gegenwart und läßt ihn in die Zukunft schweifen. Zurück schauen wir an diesem Feste nach? Mizrajim, wo, zur Begründung unseres Volksseins, das Wunderwerk der Erlösung vollbracht wurde- - Frühlings Erwachen läßt uns das Wunder des Hohenliedes in der Gegenwart erleben und weck.t mit den Zahlen des Omer alle guten Triebe und neue jüdische, Impulse in uns. In die Zukunf t läßt uns aber das Fest mit Jesajas und Jecheskel schauen, bis ans Ende der Zeiten, da» den Menschen der ersehnte Friede1 und der Erde die Erkenntnis G'ttes wird. Dieses Jahr läßt uns Pessach auch nach dem Mi zrajim des 12, Jahrhunderts zurückblicken; wo vor 800 Jähren im Werke des zweiten Mosche Israel wiederum geistige Erlösung geworden ist. Rambam mit seiner „Starken Hand" beherrscht aber auch unsere trübe Gegenwart, den jüdischen Tag, und führt'* uns im Geiste mit seinen hohen Perspektiven am Ende seiner Hauptwerke auch zu jenem goldenen Uf er hin, das uns die Propheten vor Augen gezaubert haben. Wir haben davon Abstand genommen, eine eigentliche „Rambam-Festnummer" herauszugeben, weil wir nach wie vor der. von uns wiederholt ausgedrückten'Ansicht sind,1 daß man Rambam am besten durch das Studium seiner' Werke feiert und daß wir im thoratreuen Kreis damit nicht erst 800 Jähre gewartet haben. Es •ergab sich aber von selbst, daß neben der an leitender Stelle zu Ende, geführten Artikelserie über Mosche bar Maimun, einige unserer verehrten Mitarbeiter, die zu Rambam und seinem Gedenken etwas zu sagen haben, dri dieser Nummer zu Worte kommen.',, daß auch unsere Jllüstrierte Beilage zu dieser Ausgabe vorwiegend ^on feuilletonistischen Aufsätzen über JVläimönides und Bildmäterial aus dem Lebens- £aBmej in dem sich sein phänomenales ewiges* Wirken be^dgt bat, ausgefüllt ist. So steht denn Unsere Pessacbhümmerj ohne eine eigentliche .Jubiläumsfestnummer zu'.sein, im Zeichen R a mb am s. . "\" "" ~ .'.V■" ., Rabbi Mosche bar Maimun. Maimonddes* Wege zu G'tt. Maimonides suchte in seinen letzten Lebensjahren G ' t1. Nicht weil er ihn nicht in allen Poren, in allen Fasern seines Herzens fühlte, sondern gerade darum/weil er ihn, wie kein Anderer, wissend erlebt, soll er auch den Andern, auch den Irrenden, nahegebracht werden. Glauben ist Wissen, G'tt lieben ist gleichbedeutend mit G'tt erkennen! So schreibt er zuletzt, eigentlich mehr zum Zwecke der privaten Belehrung eines jungen ringenden Schülers, sein, philosophisches Werk in arabischer Sprache, das wir in der hebräischen Uebersetzung als „ M or e h Nebuchim" kennen. Ein neuer Kampf beginnt, wütender und unversöhnlicher als ihn je die jüdische Geisteswelt erlebt hat, Auch in seinen grundlegenden talmudischen und halachischen Werken ist genug von den Wegen, die von G'tt zu Welt und Mensch und von uns zu G'tt führen, enthalten. Man denke an die schon genannten Einleitungen zum Mischnakommentar, an das $nan ISO an der Spitze des ,, Jad Hachasakah". Allein dieses philosophische Buch, der „Moreh", will nur die Wege zu G'tt weisen, die Gesetze und Vorschriften sind nur Zeichen und Blumen auf diesem Wege. Eige.ne Wege, wie Viele empfinden, und der wilde Kampf tobt noch gut dreißig Jahre über sein Grab hinaus. Erst als die Dominikaner und Franziskaner sich der Sache bemächtigten und als 1242 auf dem Markte zu Paris die Maimonideswerke, aber auch Talmudfölianten, dem Scheiterhaufen übergeben werden, löscht endlich dieses Reiserfeuer den anderen, noch schlimmeren Brand, die Flammen der Zwietracht in den jüdischen Herzeh. Ein ergreifendes Klagelied von Rabbi Meier von Rothenburg unter dem Titel t&Knnöi^ty^Hß/zeugt von jenem erschütternden Vorgang. 1!' Was ist es aber in diesem ominösen Buche, 'das die Gemüter so erregte und gewiß, nicht;die Geringsten gegen ihn auf den Plan gerufen 'hatte? Vielleicht der Versuch an (sich, das jüdische Gesetz philosophisch zu erfassen, eine Brücke von Aristoteles zum Sinai zu schlagen. Es war doch aber in erster Reihe der Inhalt des Buches, der, Vielen eiiie neue Offenbarung, anderen als große Gefahr erschien. Wo lauerte die Gefahr? i, Wir lesen Iii' dies.em vielumstrittenen Bliche jein ' Kapitel' über ättfl tltlV die Einheit u n d E i h z i ge iniig k e it G'ttes, und finden darin nichts Anderes und mehr, als auch die anderen philosophischen und Morälschriften, einschließlich, der kabbalistischen, uns über den •iG'ttesbegriff lehren. Es folgt die Lehre desnpmn ijhVQ^n' der R e i n g e i s t i g k e i t G'ttes, wöBei; gesagt wird, daß alle Stellen, die' von gütlichen Organen sprechen, nur bildlich, zur Erleichterung unseres Verständnisses, aufzufassen seien. Es ist nichts anderes, als was auch im dritten der „dreizehn Glaubensartikel" zum Ausdruck kommt. Die kabbalistische Schule hat eine andere Auffassung von diesen Dingen, aber zu einem Kampfe konnte auch diese Anschauung nicht führen. Noch weniger das folgende Kapitel über, richtiger gegen Q^isrnn *!ö*7p' „die U r e w i gkeit der Welt", in dem Mnimomdes den von Aristoteles erkannten „einzigen und reinen G'tt in den Höhen" ins Jüdische versetzt, vom Himmel auch zur Erde herunterholt, auf daß zu „dem Herrn der Welt, der regiert hat, bevor noch ein Geschöpf geschaffen war," der erhaben ist über Zeit und Raum, jeder Einzelne wie zu seinem G'tt herantreten kann mit den Worten: 'bum Tll 'K Nim ,fes ist mein G'tt und mein lebendiger Erlöser." Folgt er Aristoteles in vielem, so tritt er ihm doch scharf, allda entgegen, wo er mit seiner Theorie des „ewigen Alters der Welt" den Glauben andieWunderinderThora erschüttert. Diese Abhandlung konnte nur dazu dienen, die Jugend im Glauben zu verankern. Was er in den folgenden Teilen über nTnm njPT»' das Verhältnis der g'ttlichen Allwissenheit zum menschli c h en freien Willen oder über dag Problem des im p^TX im Anschluß an die Leidensgeschichte H i o b s schreibt, konnte akzeptiert oder abgelehnt werden, Zündstoff war es nicht. Es sind die ewigen Probleme der Menschheit, auf die Antwort zu geben, wir auf diese oder jene Art versuchen, ohne uns anmaßen zu dürfen, die Rätsel restlos zu lösen. All diese Teile standen auch kaum zur Diskussion beim wilden Kampfe um den „Moreh". Es sind aber die 23 Kapitel über die Gründe der g'ttlichen Ge- und Verbote, die allein den furchtbaren Sturm entfachten, die den Glauben an die bestehende Kluft zwischen Rambam (Fortsetzung siehe Seite 3J Aus dem Inhalt: Rabbi Mosche ben Maimon . 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