Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1935)
- Date
- 1935-04-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 14 Nr. 14 Der,, 1 » r a ts<l"i~t * *^4. Apfil 1935 Verirrt zwischen Sodom und Gomorrha. Von M. Y. Ben-gavriel. „Wie heißt du und wie heißt dein Vater", Diese Frage wird an jeden der wenigen. Menschen gerichtet, welche , die Jordanbrücke nach Transjordanien hinüber passieren. Es ist durchaus nicht wichtig, was man dem bemerkenswert gut bewaffneten Jüngling darauf antwortet, der auf einem Eisenbett unter der Flagge des. Emirs von Transjordanien in der Wüstensonne bratet, da er die Namen ja sowieso arabisch einschreibt. Eine Rückübersetzung dieser Namen würde daher die merkwürdigsten Ergebnisse zeitigen. Da der Engländer, mit dem ich die Reise machte, aus unerfindlichen Gründen den Namen seines Vaters nicht angeben wollte — wiewohl er, allem Anschein nach kein Selfmademan, einen solchen hatte —■ legte ich dem Transjordanier eine Reihe von englischen Namen zur gefälligen Auswahl vor. Nachdem er sich zwei ausgewählt hatte, lehnten wir es entschieden ab, Besitzer von größeren Tabakmengen zu sein, gaben zu, daß das Wetter schön, aber sehr heiß sei und fuhren hierauf in die Wüste jenseits des Jordans hinein, um die vor kurzem. ausgegrabene Stadt Abrahams, Sodom und Gomorrha —. welche es ist, weiß man nicht genau — zu sehen und zu fotografieren. Zuerst ging alles glatt; Wir fuhren, sträßenlos' natürlich und sehr langsam, nach Südosten, weil der Engländer behauptete, daß dort der Tell-er-ghasul liege, wo man die Ruinenstadt — übrigens durch einen Zufall — gefunden hat. Es sei höchstens eine kalbe Stunde Weges. Als wir aber nach eineinhalb Stunden, ohne auch nur einen einzigen Beduinen, aber statt dessen eine ganze Anzahl für Autos nicht sehr zuträgliche Waditäler angetroffen zu haben, noch immer das gleiche Wüstenpahorama um uns'sahen, be- _ schlössen wir, Kr'iegsrat "abzuhalten/"Weit Tffld'BTelt war die Steppe um uns, gelegentliche' Stachelsträucher, wie aus Draht angefertigt, und der übermannshohe . Sodomsapjel.*' d^F, wenn irian ihn anschneidet, giftige Milch ausschwitzt. Alles sehr romantisch, aber um^stl hoffnungsloser, da der Chauffeur fröhlich mitteilt, daß das Benzin zu Ende gehe. Als ich darauf hin begann, sehr kursorisch alle Arten von ungemütlichen Tieren aufzuzählen, die an Versuchen von «Reisenden unserer Art, in der Wüste zu übernachten, sehr interessiert sind, war der Engländer einverstanden, das Auto zurückzulassen und zu Fuß auf das Tote Meer zuzugehen. Wir sperrten also den Wagen ab und machten uns auf. Es ist kein besonderes Gefühl, in der Hitze des Alltags in der Wüste spazieren zu gehen, besonders wenn Einem mit dem nächsten Brunnen nur schöne Gedanken verbinden und wenn man von seiner geographischen Situation■■ nicht viel mehr weiß, als daß man sich irgendwo zwischen dem Jordan und der heiligen Stadt Mekka befindet, aber für Leute, die verurteilt sind, aus ihren Abenteuern Zeitungsartikel zu machen, ist es immerhin eine Sache. Schließlich'stießen. wir auf einen Beduinenjungen mit zwei Kamelen. Dieser beantwortete unsere Frage nach dem Tell-er-ghasul sehr detailliert, wobei er aber schließlich erwähnte, daß er aus einer ganz andern Gegend stamme und gleich uns zum ersten Mal hierher gekommen sei. Ich wünschte dem traumverloren in der Nase bohrenden Jüngling einige Annehmlichkeiten für sein weiteres Leben, worauf wir ihn verließen. Bald aber fanden wir einen andern Beduinen, der, in Anbetracht unserer Ueberzahl, sehr freundlich tat und uns mitteilte, daß der gesuchte Teil gleich nebenan zu finden sei. „Bloß zwei Zigaretten Wegzeit". Der Engländer, der die etwas vagen Zeitbegriffe der Beduinen nicht kannte, war darüber sehr erfreut, während ich ohne rechte Begeisterung dem Beduinen sagte, daß er uns führeq; müsse, worauf ich ihm zwei Zigaretten gab. Er war einverstanden und wir gingen los. Nach ein paar Schritten aber löschte er die Zigarette aus und steckte sie hinters Ohr, was in dem Engländer allmählich eine Ahnung von der Art der Zeitberechnung der Beduinen hervorrief, Schließlich aber kamen wir doch zum Tell-er-ghasul und was wir hier sahen, war wahrlich der Anstrengungen wert. Man stelle sich vor: eine wahrhafte Stadt mitten in einer wüsten Steppe. Häusermauern, Treppen, Zis-: ternen, Vorratskammern . und nirgends ein Mensch. Was hier der Pater Ma 11 on. und nach ihm der deutsche Jesuit Professor Koppel aus mehr als viertausend Jahre alter .Asche herausgekratzt hat, ist mehr als erstaunlich, denn diese Ergebnisse wissenschaftlicher. Suche bestätigen wieder einmal ein Stück des ^biblischen Berichtes. Das Sodom und Gomqrrha Abrahams, und Lots, das die Wissenschaft bis-jetzt auf der andern Seite des Toten Meeres gesucht hatte, liegt nun nördlich .dieses Meeres dem.^Beschauer aufgetan, ' glänzend• erhalten und voll von .Zeugnissen jener Zeit. Alle . Kleinfunde, die hier gemacht, wurden, deuten darauf hin, daß hier in der ersten Bronzezeit und im Anfang der Weiten, also, zur.-Zeit des Urvaters Abraham, eine große Stadt existierte,- die « durch eine gigantische^ Eeuersbrunst— es wurden .zwölf Brand-? £erde feststellt.— zerstört,., von def Asche völlig zugedeckt, nie wieder aufgebaut worden war. -Tönscherben zu Tausenden liegen herum, Schleudersieine,: Handmühlen, .Feuerstein- und Tongeräte und überdies wurden sechs Tonkrüge mit Kinderleichen gefunden; wie sie die nichtisraelitische Bevölkerung dieser Zeit ihren Göttern opferte . und, , was besonders - wichtig, ist, Zeichen, die auf den Beginn einer Art Schrift hinweisen. Ich steige etwa fünf Meter tief über eine glänzend erhaltene gebogene Treppe hinab und stehe im Hof eines Hauses, das sganz-gut das Haus jenes ~Lot gewesen sein kann, das '„umringten die Leute von. So-. dorn, so jung, wie alt, das ganze Volk von allen Enden." Rechter Handerhebt sich ein Ofen, auf dessen Räuchfang ein noch ziemlich gut erhaltener Tonteller . liegt, nebenan steht eine Vorratskammer aus Tohziegeln. und . vor mir. ist. .das. Loch einer Zisterne* Und wie dieses Haus, so Haus bei Haus, ineinander verschachtelt. . Ein großer Teil der Stadt ist wieder zugeschüttet worden, um sie vor den Unbilden der Witterung und wohl auch vor den unkontrollierbaren Einfällen der Beduinen zu schützen und bald wird, wie viertausend Jahre lang, nichts, als eine kleine Bodenerhebung andeuten, daß hier einmal. Menschen i— Menschen übrigens nicht, des besten Leumunds — gelebt haben, deren Andenken mit dem historischen Augenblick jener Israelitenbeduinen verknüpft ist, die eben wieder das Land zu besiedeln beginnen. Ein einsamer Adler schwebt über dem Ruinenfeld. Ein zweiter Beduine ist irgendwoher aufgetaucht und wir hocken auf einer . Hausmauer,. in deren Schatten einst vielleicht Lots- Kinder mit; Murmeln gespielt haben. Der eine Beduine sagt: „lila fat, mat: was gewesen ist, ist tot." Aber wir glauben ihm nicht und gehen in Gedanken verloren durch die unbändige Hitze der Wüste nach dem Osten zurück. Wehn wir Glück haben, finden wir. unser Auto und. dürfen dann wieder unsre und unsrer Väter Namen an der merkwürdigen Jordanbrücke angeben, wo es mehr Stacheldraht und Revolver gibt, als man sonst auf Brücken zu finden gewohnt ist. Kinderecke, Israel in Aegypten; Dem Sefer Hajaschar nacherzählt von Rabbiner Dr. Robert Zion. Dreißig Jahre war Josef alt, als er vor Pharao stand. Josefs Traumdeutung und-sein Rat gefielen Pharao sehr gut. Dennoch fragte er ihn: „Woran erkenne ich die Wahrheit deiner Worte?" Josef antwortete: „Dies sei Dir zum Zeichen! Heute wird Dir ein Sohn geboren weredn, den Du schon mit Ungeduld erwartest. Zur gleichen Zeit aber wird Dein Aeltester sterben. Doch Du wirst Dich mit dem Säugling trösten." Josefs Prophezeiung ging in Erfüllung. Wenige Minuten nach der Geburt des Prinzen Magron fiel der zweijährige Kronprinz hin und starb. Da wußte der König, daß Josefs Worte auf Wahrheit beruhten, und so tröstete er sich über den Tod seines Erstgeborenen. Pharao teilte seinen Dienern mit, er beabsichtige, Josef zum Vizekönig zu ernennen, damit dieser das Land rette. Doch die Hofleute wandten ein: „Ein unaufhebbares Staatsgesetz verlangt, daß nur Derjenige König oder Vizekönig werden darf, der alle 70 menschlichen Sprachen beherrscht. Dieser Hebräer aber kann nur hebräisch sprechen, und wie soll Jemand unser Vizekönig sein, der nicht einmalunsere Sprache kennt! Lasse ihn noch einmal vor Dich kommen und prüfe ihn; dann tue, was Du für richtig hältst!" Der König willigte ein. In der Nacht erschien ein Engel dem Josefr weckte ihn, lehrte ihn alle Sprachen der Menschen und verschwand. Josef wußte für diese wundersame Erscheinung keine Begründung. Am anderen Morgen r wurde Josef . wiederum vor Pharao gerufen. Zum Throne Pharaos aber führten 70 Stufen. Der gewöhnliche Untertan trat auf die dritte Stufe; Pharao stieg von seinem Throne herab und sprach mit ihm. von dervierten Stufe\ aus. iEinlPürst durite , bis zur-4reiün.ddreißigsten Stufe emporsteigen, undJ?haraö sprach von der .achtunddreißigsten.Stufe aus,.zu ihm,vEin'.. Sprachenkundiger, durfte. so-„viel', Stuten ...empöre steigen, als er Sprachen beherrschte. Beherrschte 'jemancl alle, siebzig Sprachen, so durfte. er. neben dem Könige Platz nehmen! ■ Als: Josef eintrat, sprach der -König mit ihm nacheinander in allen 70 Sprachen; Josef antwortete stets in der richtigen Sprache und stiege so. -von ,%ufe zu Stufe, bis. er vor den König gelängte und, sich neben ihn hinsetzte. So wurden ^se^ We^sheit't und gewaltigen Sprachkenntnisse allgemein bekähnt, Und Pharao ernannte mit. Zustimmung aller Fürsten Josef zum Vize-König. Das Verhältnis, zwischen König, und-Vizekönig war außergewöhnlich herzlich. Als der Prinz Magron, der am Tage der Erhöhung des Josef geboren wurde, 41 Jahre alt war, starb der König. Vor seinem Tode hatte er Josef gebeten, seinem Sohn Magron alle Zeit wie ein Vater zur Seite z-u stehen, und Magron hatte er befohlen, Josef weiterhin, die Führung sämtlicher Staatsgeschäfte anzuvertrauen und sich seinem Rate zu unterwerfen. " ':" * v v . : . <:- , Magron nahm dem Gesetze Aegyptens gemäß den Titel Pharao an. Das ägyptische: Vqlkj .das Josef liebte und verehrte, hätte, ihn am liebsten zum Könige ernannt; aber manche.'wollten nicht, daß ein Fremder über sie herrsche;So wurde Magron Pharao und Josef blieb Vizekönig. . ' (Fortsetzung folgt.) rvnttfn nö^s osr T - -*;■ _ ■ -? ' *]DK XV 715? Dl'H inis-irm :n«r /Höh -äs rm\ 1 - - - T X T - I . ■ ♦ifcTiöTÖ!l n|l^ TT T — ^ian? orx vijy'no •Vftn'mktj 'ianrn tfan XTip "D'TtfHTtfi ♦ ♦^arjiin^^? •Dvvj;sn riTW : - I '• ' T /"mir -nautt* tVs t j t t : X 'HÄK7H pnfrfc TT-; - I T s ■ HW2JH'aK.HJS) . T -nm h:pdh TT— T ' " an* nfens-TM'-.. —r T I " TS nrnnV k&x; ' dw'h niii •nnfc-Kvi naV nvi TT T ■ V I >xm bu? nsfra /'nrxTi nrav^sfr T ■ I T T —! H/MAH HSfrH •♦•itt?1!Tiy 'Ö 2pT Y"T Auflösung der beiden- Rätsel aus Nr; 10 und 11. . i. . I, Heuschrecken; II. Algebra; III. L ehar — Rahel;IV. Kamin — Kain. / -.;-,-..„; U Mordochai und Esther -r- Adam — Ruth---Dore — Östende — Chasan -^ Aaron — Jericho — Urias — Noah--Drache r^r. Eden —• Simson--Thora — Haman — Eiche — Richard,. _ -. ... -, < Richtige Auflösungen der .Rätsel; aus Nr. 10. und .11 sandten. ein;. Helene Lidzbarski; »Nathan und Edith Carlebach, Frankfurt a..M.; E. ü. Ph. Pfeffer, Dresden; Ilse Lewin, :iTilsit; David Wilder, Dresden; Herbert Rosemann,-Berlin.