Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1935)
- Date
- 1935-03-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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^smmmm tiutims M ^^^^^^K^H^^H^^^^^^^^IiH^^H^^^^^^^BHHHHHII^^I^^II^I^HHI^I^BHHHHHHHiiH^^HBHHHi PDer Israelit ^^^^^L Ein Centralorgan für das orthodoxe Jadentain / Begründet von Dr. Lehmann in Mains |K^H»\hhhhhbm^ Frankfurt a. M. r 21. Marz 1935 16. Adar H 5695 I Nummer 12 Antwort des High Commissioner in Sachen der „illegalen" i-Einwanderer. Jerusalem, 15. März. High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat die ihm vor einigen Tagen von dem Komitee der jüdischen Anwälte Palästinas überreichte Forderung, die noch in Haft befindlichen illegalen Einwanderer, die ihre Strafe bereits verbüßt haben, freizulassen, mündlich dahin beantwortet, daß die vier Frauen im Gefängnis von Bethlehem freigelassea werden können, wenn für sie Kautionen in derselben Höhe wie für die Gefangenen, die in den Hungerstreik getreten waren, hinterlegt werden. Die Anwälte hatten ihre Forderung in dem dem High Comissioner überreichten Memorandum ausführlich juristisch begründet. Im Gefängnis von Akko befindet sich noch immer eine große Zahl illegaler Einwanderer, für die die geforderten Kautionen bisher nicht aufgebracht werden konnten. (Siehe auch Wochenrundschau.) Nach der Niederschlagung der Revolte in Griechenland. Saloniki, 17. März. " Kriegsminister General K o n d y 1 i s , der die Operationen der Regierungstruppen gegen die Aufständischen in Mazedonien und Thrazien geleitet hat, empfing während seines Aufenthaltes in Kavalla den Rabbiner der dortigen jüdischen Gemeinde, den er der freundschaftlichen Gefühle versicherte, die die Regierung gegenüber der jüdischen Bevölkerung hegt. Der Kriegsminister sprach mit besonderer Anerkennung von ■der patriotischen Haltung der Juden Salonikis und der übrigen jüdischen Gemeinden Nordgriechenlands, die sich in besonderem Maße während der letzten Unruhen gezeigt habe. Die Aufstandsbewegung in Thrazien und Ostmazedonien hatte auch einen antisemitischen Charakter getragen. Den Freiwilligen, die in den Ortschaften dieses Gebiets für die revolutionäre Armee geworben wurden, stellten die Agitatoren in Aussicht, daß man nach der Erober u n gSalonikis die Häuser und Geschäfte der dortigen Juden den" Truppen zur Plünderungüberlas seh würde. In Kavalla entnähmen die Aufständischen von den jüdischen Geschäften Waren, ohne sie zu bezahlen. Als eine Abordnung der jüdischen Gemeinde sich darüber beim Führer der. Aufständischen, General K amenos, "beschwerte, erklärte dieser, man müsse sich an die von den "Republikanern gehaßten Juden Salonikis halten. Die Synagoge der Stadt wurde während des Feuergefechtes zwischen der Flotte und den Batterien auf den Anhöhen hinter der.Stadt von einer Granae getroffen. Die jüdischen Einwohner von Serres, Drama und Kavalla haben während der Revolte schrekkensvolle Tage durchlebt. Der Sieg der Regierung und der Einzug der regulären Truppen wurde von ihnen mit stürmischem Jubel begrüßt. Von den jüdischen Freiwilligen, die sich auf den Aufruf der Regierung hin neben über 2000 jüdischen Reservisten zur Abwehr der Rebellen zur Verfügung gestellt haben, ist ein großer Teil bereits demobilisiert. Weiter wird gemeldet: Neben anderen oppositionellen Zeitungen sind in Saloniki nach der Niederschlagung der Revolte auch die extrem-antisemitischen Blätter „Makedonia" und „Eleutheros Typos" verboten worden. Die Herausgeber der Oppositionsblätter wurden verhaftet oder verbannt, unter ihnen der Hauptschriftleiter der ,,Makedonia" und veni2elistische Abgeordnete Peter Levandis, einer der erbittertsten Judengegner Salonikis. Verhaftet wurde auch der damalige Chefredakteur der (Fortsetzung siehe Seite 2.) Ans dem Inhalt: Seite 2 Der neotoge LandeskongieB in Budapest Seite 2 „Dlegal" ............. Seite 3 Seite 4 Seite 4 Frau Sara Schenirer zum Gedächtnis Seite 4 Die Lage der Juden in Rumänien . . Seite 5 Zum Problem „Awoda iwrith" . . . Seite 6 Von Rabb. M. Findling Beth Chinnnch der Aguda in Berlin Seite 7 Palästinaberichte .....Seite 7, 10 und 11 Juden in öffentlichen Lokalen . . . Seite 8 Auswandererfürsorge in Frankreich . Seite 9 Die Flucht vor G'tt. Von Dr. Maximilian Landau. Der Mensch der Gegenwart steht ratlos im rasenden Wirbel der Zeit. Eine überschaubare, eindeutige Welt, wie sie frühere geruhsame Zeiten zu haben glaubten, gibt es nicht mehr. Feste, von Kind an vertraute Begriffe, lösen sich zusehends auf, für unverrückbar gehaltene Werte und Ordnungen brechen auseinander. Im bunten Kaleidoskop der Weltgeschichte tauchen, täglich wechselnd, immer wieder überraschend neue Bilder auf. Ganz neue Ideenwelten treten kämpfend auf den Plan, die, scheinbar ohne jeden Zusammenhang miteinander, wie von unbekannten Sternen auf diese Erde gekommen sind. Ueber den Menschen von heute stürzen plötzlich Ereignisse her, deren Herkunft er nicht zu ergründen vermag, und die scheinbar jedes deutlichen * Kausalnexus entbehren. Dieser ungeordneten, verwirrenden Vielfalt der Erscheinungen, die ihn unaufhörlich überfällt, steht der Mensch unserer Zeit hilflos gegenüber; er findet sich in ihr beim besten Willen nicht zurecht und gibt schließlich das vergebliche Bemühen auf, aus diesem Wirrsal von Tatsachen , und Meinungen irgend einen Sinn herauszudeuten Nun hat doch einer den Versuch einer Deutung unternommen. Max Picard, rühmlichst bekannt durch sein erstaunliches Buch vom Menschengesicht, bringt das verwirrend mannigfaltige Geschehen unserer Zeit auf einen gemeinsamen Nenner.*) Alle die scheinbar so verschiedenartigen Bewegungen und Ereignisse der Zeit sind im Grunde nur Teile und Etappen einer einzigen gewaltigen Erscheinung, von der die heutige Menschheit beherrscht wird: der Flucht vor G'tt. Alle diese so sensationell neuartigen Gebilde sind nichts anderes als äußerlich wechselnde Formen für einen immer gleichbleibenden Vorgang: für die Flucht au» dem Glauben zum Chaos hin. Zu allen Zeiten ist der Mensch vor G'tt geflohen, sagt Picard. Aber früher spielte sich diese Flucht nur im einzelnen Menschen ab; sie kam erst dadurch zustande, daß der Einzelne sich durch einen Akt der Entscheidung von der objektiven Welt des Glaubens löste. Heqte ist es umgekehrt: der Glaube als objektive äußere Welt ist zerstört; denn die Flucht, nicht mehr der Glaube, ist heute als eine objektive Welt da. Es istkein besonderer Akt mehr notwendig, daß der Mensch vor G'tt flieht;. die Flucht ist dauernd da und so selbstverständlich wie die Luft. Mit scharfem kritischem Spürsinn untersucht Picard alle Gebiete des Lebens, alle noch so harmlos und neutral erscheinenden Formen unserer Erscheinungswelt und zeigt auf, wie sie alle zutiefst von dem Phänomen der Flucht beherrscht *) Max Picard: Die Flucht vor Gott, Eugen Rentsch Verlag, Zürich-Erlenbach und Leipzig. (Fortsetzung siehe Seite 3.)