Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1935-03-14 · Heft 11 (14.3.1935) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 11 (14.3.1935)
Date
1935-03-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450858-2450869--81119-2538974
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

<<- Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a« M, 14: März 1935 9. AdarH 5695 Nummer 11 Eine Judenfrage auch in Mamlscliiikuo. Charbin, 10. März. Der japanische Generalkonsul für Mandschukuo, Marischima, hat den Vorsitzenden der Charbiner Jüdischen Gemeinde zu einer Aussprache über die in der Auslandspresse erschienenen Meldungen betreffend antisemitische Propaganda der in Mandschukuo lebenden russischen Emigranten eingeladen. Gleichzeitig wurde von der Mandschukuo-Regierung ein Beamter beauf tragt, sich mit den Wünschen und Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung bekannt zu machen. Der Vorsitzende der Charbiner Jüdischen Gemeinde teilte dem Generalkonsul mit, daß Juden .seit dreißig Jahren in Mandschukuo ansässig sind und sich als die Pioniere für Handel und Industrie in diesem Lande fühlen. In dieser Zeit hätten sie in hohem Maße zur sozialen und kulturellen Ent- .wicklung des Landes beigetragen, sich den Behörden gegenüber stets loyal verhalten und sich niemals politisch betätigt. Seitdem vor nunmehr 33 Jähren Europäer sich in Mandschukuo niedergelassen haben, lebten Juden in Charbin friedlich mit Rüssen, Chinesen und Japanern zusammen. Sie seien mit allen übrigen Nationalitäten gleichberechtigt und niemals politischer oder nationaler Unterdrückung ausgesetzt gewesen. Erst in den beiden letzten Jahren habe ein Teil der russischen Bevölkerung MandscKukuos «ine verstärkte antisemitische Propaganda aufgenommen. .Die russische Zeitung „Nasch Put" befasse sich vornehmlich mit der Hetze. gegen die Juden und verbreite sogar die.Ritualmordbeschüidigung. Gegen diese Angriffe auf einen Teil der Bevölkerung eines Landes, das den Grundsatz der Gleichberechtigung aller Bürger;j jund gleichen Anspruchs auf kulturelle Entwicklung proklamiert hat, hätten'die Juden Beschwer <fe j geführt. Die Jüdische Gemeinde von Charbin habe Wiederholt auf . diese antjiüdische Propaganda auf-. merksam gemacht, und wenn die japanische Regierung, die den Schutz des jungen Staates Mandschukuo übernommen hat, Informationen über die Bedürfhisse-der. jüdischen Bevölkerung einholt, so müsse gesagt werden, daß es einer der dringendsten Bedürfnisse ist, die. Aufmerksamkeit auf diee judenfeindliche Hetze zu lenken. Der Generalkonsul erwiderte, er und seine Regierung wünschten nicht diese antijüdische Propaganda. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde iripge. versichert sein, daß alles geschehen werde, um gute Beziehungen zu den Juden wiederherzustellen und die besorgte jüdische Bevölkeruhg zu beruhigen. Er bitte, den Vorsitzenden der Gemeinde, diese von den .freundschaftlichen Gefühlen zu verständigen, die Japan den Juden entgegenbringt. Wann immer es nötig sein w^rde, mögen Vertreter der Juden ihn aufsuchen und er würde trachten, daß die Interessen der Juden geschützt werden. Trotz dieser Zusicherungen des japanischen Generalkonsuls setzt die Zeitung „Nasch Put" die Judenhetze fort. Soeben hat sie in den Straßen von Charbin ein Plakat anschlagen lassen, in dem behauptet wird, das Weltjudentum führe einen Krieg gegen Mandschukuo, Neuregelung des Ausländer- Verhältnisses in Palästina, , London, 1. März. In Beantwortung einer Anfragendes Abgeordneten Wedgewood stellte der Minister für die Kolonien, Sir Philip Cunliffe-Lister, in der Sitzung des Unterhauses vom 11. März fest, daß die Wahlberechtigung der Einwohner Palästinas durch die Neufassung des Begriffes „Ausländer", wie sie vor kurzem in Palästina bekanntgemacht wurde, nichtberührt wird. (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Neue Bestimmungen über Zertifikate . Seite 2 Agudaabcrdnung beim High Commissioner Seite 2 Kapitaltransfer und Haawara ..... Seite 3 Hinter den Kulissen der Palästinaämter Seite 4 Triumph und Tragik des jüdischen Liberalismus Von Ben. Chorin.........Seite 4 Der Ruf von Erez Jisroel Von Saly Geis..........Seite 6 Jüdische Bevölkerungsbewegung ■ in Deutschland .........Seite 7 Jüdische Handwerkerkurse ..... Seite 8 Palästiaaberichte . . . . . Seite 8 und 11 G. A.-Sitzung der Agudas Jisroel . . . Seite 9 Der Landeskongreß der ungarischen Neologie Seite 2 und 9 Religiöse Kämpfe in England ..... Seite 10 Purim.............. Seite 13 Kinderecke . Se.ite 14 GEDENKE!... "llDT „Denke daran!" ist in der Sprache und Vörstellungswelt der Juden nie im Sinne einer Drohung nach außen, sondern stets nur als^Ruf nach innen, als Mahnung zur Einkehr und Sammlung gebraucht und verstanden worden. „Denke, der Tage der Vorzeit", — und du kommst zur Erkenntnis, daß „G'ttes Anteil Sein Volk ist." „Gedenke des Sabbattages!" — um mit diesem Gedenken die Arbeit der sechs Werktage zu w^etfie^n, Und;wenn wir Jahr für Jahr jenes ersten grtitid.-: (und sinnlosen feindlichen Ueberfalls auf Israel zu Beginn seiner Wüstenwanderuhg gedenken, sp;.geschieht es, nach Auffassung der Weisen, einzig und allein, um der Urs ac h e jeher erzieherischen Strafwaltung "G'ttes eingedenk zu bleiben. Israel war schütz- und wehrlos den natürlichen Gewalten und menschlicher Bosheit ausgeliefert, als es.in. D'TS") angelangt war, an dem Punkte, da es, d'T — IST glaubte, dje Hand von G'tt, sein Dasein vom Urquell seihej- Kraft, der Thora, lösen zu können. Der erste Kampf war die Antwort auf des Volkes zaghafte Frage B>vi y& DK "7' „Weilt und waltet noch G'tt in unserer. Mitte?'' . ., ." Denke daran! ... Die Gefahr in Israels Geschichte trägt keinen Menschenriamen, sondern einen Ortsnamen, den Namen jedes Ortes, der allzufern von seinem geistigen Heimatboden lag. D'TSH .hieß und heißt alle Zeit die Gefahr. Denke daran! . Ein Judenbuch, nicht für die Welt bestimmt, sondern ganz nach innen gerichtet, ist auch die Estherrolle, ein in Bildern von unerhörter Kraft und Schönheit ausgesprochenes „Denke daran! ..." Auf einer Rabbiaerkonferenz - in Petersburg hielt einmal der russische Minister den Lehrern das Estherbuch vor, um mit diesem „die Rachsucht der Juden" zu beweisen. Darauf der Wortführer der Rabbiner: ,Ihr stöbert nach Beweisen für unsere Handlungsweise in Archiven herum und zieht dreitausendjahrealte Urkunden ans Licht. Um euer Handeln gegen'uns zu beweisen, müssen wir nur die „Nowoja Wremjah" („Neue Zeit", das führende Organ der zaristischen Partei in. Rußland) von heute Morgen aufschlagen." Es wäre dem Rabbi gewiß ein Leichtes gewesen, den Minister zu überzeugen, daß die dreitausendjährige Urkunde mit nichten ein Dokument des Hasses und der Rachsucht sei. Er tat es nicht, weil es ihm wohl widerstrebte, über Heiligstes mit Menschen zu diskutieren, die abseits der heiligen Sphäre der g'ttlichen Offenbarung standen. Er mußte verblüffen, und seine Antwort war allgemein gehalten, aber schlagend und unwiderleglich. Wir heute haben aber zur Aufklärung in den eigenen Reihen zu konstatieren, wie weit entfernt das Estherbuch von dem Heldenepos und den Kriegshymnen des Altertums ist. Keine der in diesem Buche agierenden jüdischen Personen trägt die Heldenkrone. Mordechai ist kein Makkabäer mit Schwert und Lanze, sondern' ein „Jude in Sack (Fortsetzung siehe Seite , 3.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.