Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1935)
- Date
- 1935-02-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Mentioned entities
- Haifa 2× ep/1047930
- Amman 1× ep/1044017
- Lod 1× ep/1045074
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|P@5Ü^^B^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ Sturmflut u„d Überschwemmungen in Palästina Keine Menschenopfer und kein großer Sachschaden in den jüd. Siedlungen. Jerusalem, 6. Februar. In den letzten drei Tagen war Palästina wieder von schwerem Unwetter, heimgesucht. Woi- Jkenbrüche und Hagelstürme gingen über das Land nieder. Die Straße. Jerusalem—-Haifa ist infolge des Unwetters unpassierbar geworden. Mehrere Brücken wurden unterwaschen und sind ■eingestürzt, der telefonische und telegraphische Verkehr zwischen Haifa und Jaffa und dem Süden ist unterbrochen. Nur zwischen Jerusalem und Haifa funktioniert eine Telegraph'enlinie. Der an der Citrusernte angerichtete Schaden ist nur gering. Die in Jerusalem niedergegangene Regenmenge entspricht der halben Quote der Wasserversorgung der Stadt. . Einem amtlichen Communique zufolge wurden beide Ufer des Jordans überflutet. Die Verbindung mit der transjordanischen Hauptstadt Amman ist unterbrochen. Emir Abdullah war genötigt, sich nach Jericho zu begeben, da . A m m a n schwer gelitten hat. Der Verkehr zwischen der Stadt und der Umgebung ist brachgelegt, die Telefon-Verbindung gestört. Der •englische Resident hat seine Büros räumen lassen. Schweren Schaden hat auch Nablus genommen, wo das Wasser stellenweise meterhoch .stand. Dort hat das Unwetter angeblich auch Menschenopfer gefordert, deren Zahl sich jedoch vorläufig nicht feststellen läßt, da das Postamt überschwemmt ist und Telefon und Telegraph nicht funktionieren. Auch die Bahnverbindung Jaffa — Jerusalem ist unterbrochen. Die Eisenbahnlinie H a i f a — Lydda ist an drei Stellen unterwaschen, bei C h e d e r a ist ein Güterzug im tiefen Wasser stecken geblieben. Der Hapag-Dampfer „Resolute", der 300 Touristen an Bord hat, konnte in Haifa nicht landen. Drei andere Dampfer jedoch, mit denen 200 j ü - d i s che Einwanderer gekommen waren, konnten mit großer Mühe ausgeladen werden. Infolge der Zerstörung der Eisenbahnlinien und Straßen konnten die Einwanderer jedoch nicht nach Tel Awiw und Jerusalem Weiterreisen; sie wurden vorübergehend im Einwandererheim untergebracht. Weiter wird gemeldet: In Kalkilie-h bei Nablus wurde ein arabisches. Haus unterwaschen und ist eingestürzt. 13 Einwohner sollen ertrunken sein. 7 Leichen ^könnten bereits geborgen werden. Aus Nablus werden drei Tote gemeldet. Rettungsäbteilüngen arbeiten in den noch immer meterhoch stehenden Fluten. Der Sturm hat sich gelegt, doch werden weitere Wolkenbrüche vorausgesagt. Mittelpalästina ist vom Küstengebiet vollkommen abgeschlossen. f , Nach amtlichen Angaben sind bei der letzten Unwetterkatastrophe insgesamt 16 Araber ums Leben gekommen, davon 3 in Nab- 1 u s und 2 in I s t a n . bei Tulkarem. Privaten Schätzungen zufolge sind die Verluste bedeutend höher. Der High Commissioner hat sich ins Ueberschwemmüngsgebiet begebet!. In die Salomonischen Teiche bei Bethlehem sind durch die Wolkenbrüche in den letzten 24 Stunden 25 Millionen Gallonen Wasser eingeflossen.. Das sind drei Viertel des Wasserbedarfs Jerusalems. Nach den Wolkenbrüchen und Ueberflutungen der letzten Tage herrscht heute in g a n z Palästina strahlendes Frühlings - wetter, Die Aufräumungsarbeiten sind überall in vollem Gange, Aus dem Inhalt: Ein Ritualmordmärchen des „Stürmer" erledigt ............Seite 2 Antijüdische Ausschreitungen in Algerien Seite 2 Das Auswandererproblem . . Seite 2 Ist die Thora nur für das heilige Land? Seite 3 Veranstaltungen und deren Ankündigungen Seite 4 Deutsche Geschäfte und jüdische Angestellte Seite 4 Bürgermeisterwahl in Jerusalem . . . Seite 5 Als Juden wollen wir ihn lesen Von Rabb, Dr. Klein, Berlin ... Seite 6 Cypern, Griechen und jüdische Einwanderung Seite 7 Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Sachsen.......... Seite 8 Delegiertentag der schweizerischen Landesorganisation der Agudas Jisroel . Seite 9 Palästinaberichte . . .Seite 10 und 11 Neue Aufgaben des organischen aaodismus. Die Schöpfung oder genauer gesagt, die geschaffene Natur, scheint in ihrer zeitlichen Dauer ein Organisationsproblem zu sein — alles natürliche Geschehen tendiert auf die Herstellung der rechten Organisation, ihre Störung bedeutet Krankheit und T o d. Die Weltgeschichte ist ein Organisationsproblem; in Raum und Zeit ringen die geschaffenen Nationen um ihre rechte Nebeneinanderordnung und um ihre Unterordnung unter den einheitlichen, überzeitlichen Mittelpunkt des geschichtlichen 'Geschehens; Krieg und Revolution sind die Symptome dafür, daß das Ringen noch weit vom Ziele ist. Der Inhalt der Geschichte des jüdischen Volkes, das auf die Bühne der Kulturwelt gesandt wurde, um dort als Herold oder Opfer, für das Walten des WiOö nnnn iHlj? zu zeugen, ent: schieiert sich dem Auge des Tieferblickenden nicht minder als reines Organisationsprobleni. Dieses erlangt seine höchste Komplikation dadurch, daß die Verknüpftheit des G'tteszeugen-Volkes mit den geschichtlichen Zielen der Menschheit und die Unzulänglichkeit seines eigenen Organismus im eigenen Lande, dieses Volk von dem territorialen Mittelpunkt ssiner Organisation losgerissen haben, und es nun gilt, den echten Organismus des G'ttesvolkes wieder aufzubauen über alle Erdteile und Zonen, alle Kulturen und Staatsformen hinweg in höchster Mannigfaltigkeit und desto konzentriert er er Einheit. Das ist das Ziel der „Agudas Jisroel". Sie ist so der ins Bewußtsein getretene Sinn der jüdischen Geschichte. Beginnen konnte „Agudas Jisroel" das Werk der Wiedergeburt nur aus dem Zentrum derjenigen Kreise des zerrissenen jüdischen Volkes, die den bewußten Zusammenhang mit dem beherrschenden, seelischen Mittelpunkte des Volksorganismus, dem Thora-Willen, nicht verloren haben. Deshalb gilt sie fälschlich als „Partei" oder als Interessenvertretung; sie ist aber nichts anderes als ein werdender Organismus, der werdende Organismus der Knesses Jisroel. Jeder lebendige Organismus besitzt die Kraft, aktiver Assimilation; ist er nur im Kerne gesund und lebensfähig, so vermag er bis zu einer gewissen Grenze sogar giftige, an sich assimilierbare Stoffe in brauchbare Zellsubstanz zu verwandeln. Rechts und links von „Agudas Jisroel" befinden sich leider heute noch immer viele Tausende von thorabewußten Juden, die entweder die Wahrheit und Größe der geschichtlichen Sendung der „Agudas Jisroel" noch, nicht erfaßt haben, oder aber von dieser — d. h. von den an ihrer Spitze stehenden Menschen — mit Recht oder Unrecht, aus Gewissenhaftigkeit oder aus Kleingläubigkeit, für nicht assimilierbar gehalten werden. (Fortsetzung siehe Seite 3.)/