Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1935)
- Date
- 1935-01-31
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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s^'jä^~:z£Z&&£~¥Jf-^ 31. Januar 1935 Der Israelit Nr. 5 Seite 11 -uiii: ' ■:>,- < Vermischteis« Berlin, 30. Jan. ' Im Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums findet im Rahmen eines.Maimonides-Zyklus ain 5; Februar, abends 8.30 Uhr, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Freimann' über:;,?Maimonides als Gesetzeslehrer" statt. Die Veran-; staltung findet gemeinsam mit dem Synagogen-Verein Kaisersfräße in der Aula der Knabenschule, Kaiser- Straß e; 29/30,' statt. ' : ' ' Mannheim^ 27. Jan, ,, Herr Rabbiner Dr.'Unna schreibt *' üns'i' Im Auszuge aus meinem . Referat über die Lage ges gesetzestreuen Judentums in Deutschland könnte ein Passus zu Mißverständnissen Anlaß geben. Wenn auch in Berlin die Konservativen in der Vertretung der Gemeinde mehr und mehr zurückgedrängt worden sind, so sind doch in P r e ü ß e n und im Landesverband die konservativen Forderungen durch die konservative Fraktion vertreten und durchgesetzt worden. Manenbad, 20. Jan. Die Firma „Hotel National", Inhaber David Leitner, in Marienbad teilt uns mit, daß sie der Aufsicht des von der orthodoxen Landeskanzlei in Bratislava bestellten Herrn Rabbiners S. Schickler aus Kosice untersteht. Hamburg, 24. Jan. Ueber „Jüdische Psyche und deutsche Schauspielkunst" sprach in der Jüdischen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft Dr. E l - oesser, der ehem. Berliner Theaterkritiker. Schauspielkunst beruht auf Empfindsamkeit und Bewußtheit. Sie stammt vondort, wo noch urwüchsiges* kernhäftes Leben gelebt wird. Nicht Beobachtung und Nachahmung, sondern das eigene Leben und Erleben formt den Schauspieler. Nicht die Anpassungsfähigkeit und die. Fähigkeit des Einfühlens ist es nach Eloesser, was den jüdischen Schauspieler besonders kennzeichnet, sondern sein eigenes jüdisches Herz, seine innere Verbundenheit mit Patriarchalischem, sein messianischer Zukunftsglaube. Dies alles versuchte E. in leichtem. Plauderton an Erlebnissen mit ihm bekannten Schauspielern verschiedener Epochen nachzuweisen.; In einem Vortrag möchte man allerdings mehr als hur unterhalten sein, möchte einen geistig-menschlichen Gewinn mit nach , Hause neh- . men, da man Zeit und Aufwand nützen muß,- um sich zu weiten und zu vertiefen. B, Sprechsaal- Heiliges Land oder Palästina? Eine Entgegnung auf den Artikel von B. Cohen in Nr. 2 des „Israelit". Wiewohl die Redaktion des „Israelit" sich gegen jede Identifizierung mit den (auch für den thoratreuen Juden.'] höchst problematischen Gedankengängen des Verfassers durch eine gleichsam isolierende Vorbemerkung gedeckt hat, darf Herrn Cohens originelle Idee vom G'ttesstaat nicht unwidersprochen bleiben. Ich will hier nicht die Frage Theokratie oder modernes StaatSgefÜge anschneiden — dieses Problem, so wichtig es sein niag, ist momentan in keiner Weise relevant und für den Kreis, an den sich der „Israelit" wendet, gar nicht diskutabel. Aber ich will den Begriff der „Heiligkeit" wie ihn Herr Cohen faßt, einer kurzen Betrachtung unterziehen. Es gibt ein sehr bekanntes jüdisches Sprichwort, mit dem dem Verfasser zunächst geantwortet sein soll: „Anmut ist keine Schande, aber auch , keine Ehre". - So gesund reagiert das judische VÖlk, im Gegensatz; ZU: Herrn: Coherij der eine•: Glorifizierung jder Armut: vornimmt, die ich auf ' seine Besch.äÖigung mit der katholischen Preise zurückführe, . j j : Die Gjedanken, 'diei:;Herr Cohen ausspricht, sind r— ich sage dies.im Vollbewußtsein der. Schwere.meines Urteils und ich .sage es als Einer, der sich mit katholischer- Literatur seit Jahren befaßt nicht jüdisch, sondern entsprechen dem katholischen Weltbild, vor allem dem des Franziskus von Assisi, der die „fröhliche Armut" predigte und seinen Jüngern den Besitz als etwas Sündiges lehrte. Die Anachoreten und der junge Ignatius von Loyola sind weitere Beispiele für die Heiligkeit der Armut im katholischen Geistesraum.; Das Judentum kennt derlei nicht. Wir haben keinen Satz, wie den des Evangeliums: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher ins Himmelreich", Wir sind gehalten, Reichtum nicht als das Oberste im Leben zu betrachten, wir sind ferner verpflichtet, unsere Wohlhabenheit dazu zu verwenden, dem Armen, sein „Recht" (Zedaka ist nicht „Wohltätigkeit") werden zu lassen, aber nirgendwo steht, daß wir die Armut (wie der Hl. Franziskus) um ihrer selbst willen lieben sollen. Desgleichen ist es unjüdisch, zu sagen: „Nur so lange man zu den Verfolgten und Verspotteten dieser Welt gehört ... hat man ein Recht, im Namen des Thorävolkes zu sprechen." Wieder verficht Cohen einen rein christlichen Standpunkt, der seine lapidare Formulierung in der Bergpredigt findet; „Selig sind die, die Verfolgung leiden, denn ihrer ist das Himmelreich".-Wir tragen das Leid als Fügung des. Ewigen, aber wir postulieren es nicht. Hier sei auf den ausgezeichneten Aufsatz von Alfred Löwy „Vom Unglück in jüdischer Auffassung" in der „Ruf" Nr. 21 (Dez. 34, Rotterdam) verwiesen. Gerade ein Sprecher des orthodoxen Judentums, wie B. Cohen, sollte erst vorsichtigst wägen, ob seine höchstpersönlichensicher ehrlich, fromm gemeinten Ratschläge der jüdischen Sache zu dienen vermögen, oder ob sie durch Heiligsprechung fremdreligiösen Geistesgutes die Verwirrung in unseren Reihen noch steigern, Ben Chor in. (Der Verfasser wird auf das Thema noch eingehender zurückkommen. Red.). Die Frankfurter Woche,. Veranstaltung de^r Samson Raphael Hirsch-Schule und Israelitischen Volksschule. Die Lehranstalten der Israelitischen Religionsgesellschaft planen für den 24, Februar (Sonntag) eine künstlerische Veranstaltung. Nachdem frühere Veranstaltungen großen Anklang gefunden haben, wird in diesem Jahre das Programm eine wesentliche Erweiterung und Bereicherung finden und soll werbend für die Schulanstalten wirken. Die Veranstaltung findet im Saalbau unter der Leitung des'Herrn Max N e u m a n n statt. Für ein auserlesenes künstlerisches Programm ist Vorsorge getroffen. Der Kartenverkauf hat begonnen und es empfiehlt sich, sich rechtzeitig mit Karten zu versorgen. 'Lehrkurse für Tauroh "-und Mussar.' Am Mauzoe Schabbos rmiin 's 'p 6. Adar t I. 5695 (9, Februar 1935) spricht Herr Gemeinderabbiner Jos. J. Horo vitz über „Tauroh und Mussar zur Zeit der Propheten". Am Mauzoe Schabbos msn 's y 12. Adar I. 5695 (16. Februar 1935) wird Herr Rabbinatsassessor Dr. Elieser Posen über „Purim-Koton" sprechen. Beide Vorträge finden um 8.30 Uhr in der Aula der Realschule, Am Tiergarten 8, statt. Die Agadavorträge des Herrn Rabbiners finden weiterhin Sonntag Nachmittag im Anschluß an den G'ttesdienst statt. Freitagabendveranstaltungen der Israelitischen Religionsgesellschaft. An diesem Freitagabend, O'DDfca 'S» sprechen im Hörsaal, Friedbergeranlage 5,' Herr Dajan Dr. M. Schlesinger und Herr Willi Wolf, Auch Nichtgemeindemitglieder sind herzlich willkommen, Schulkinder sind nicht zu den Veranstaltungen zugelassen. Verbilligte Mazzos. Die Achduth, Ortsgruppe Frankfurt a, M. (Vorsitzender Rechtsanwalt Dr. Schönberg, Frankfurt a. M., Allerheiligenstr. 83} wird auch in diesem Jahre — wie in den Vorjahren —r. Mazzos zu verbilligten Preisen in den Verkehr bringen. Näheres wegen der Bezugsbedingungen und der Preise wird; rechtzeitig bekanntgegeben werdenV- Chamischo ossor-Feier. Der Schabbos bot der „Gesellschaft für jüdische1 Volksbildung" erhöhten Anlaß, ihre alljährlich am Chamischp ossor bi-Sch'wat, inj; erster Linie für die Kinder der nichtjüdischeh Volksschulen veranstaltete Feier in entsprechender Weise> ^abzuhalten. Hauptträger der Darbietungen war diesmal Dr. Ehrenreichs neuer Kinderchor, der Nachwuchs-Chor der großen von demselben Dirigenten geleiteten Jüdischen Chorvereinigung E. V. Das Scholaum Alechem-Lied, von den Chorkindern angestimmt und den geladenen Kindern rasch im „Gemeinschaftsgesang" beigebracht, stellte den ersten Konnex zwischen den kleinen Künstlern und ihrem Publikum her. Die Zeit bis Nacht wurde dann weiter ausgefüllt durch eine Ansprache Herrn Dr. W e i 1 s , welche, nicht ohne des Woqhenabschnitts zu gedenken, die Bedeuutng des Tages würdigte, sowie durch die Verlesung der deutschen Texte der später gebrachten hebräischen Lieder. Ruhig und ernst lauschte die Kinderschar .dann dem von einem Knaben des Synagogenchors vorgetragenen Maariw-Gebets und verfolgte gespannt alle Vorgänge des Hawdoloh-Machens. Dann aber gab es Raum für die reine kindliche Festesfreude. Mit einem hebräischen Marschlied stramm aufziehend, führten die kleinen Choristen dann ein rechtes Chamischo ossor-Spiel auf, in welchem Mandel-, Feigen-, Dattel- und Johannisbrotbaum, jeder mit seinen Attributen geschmückt, in neuhebräischen Liedern — Herbert Fromm hatte sie schlicht und leicht eingänglich :Y«rtont — angesungen wurden. Alles freute sich so des .„Neujahrsfestes der Bäume" und seiner Verheißung, daß es „doch Frühling werden" müsse. Lebhafter Beifall lohnte der jugendlichen Spielschar ihren Fleiß und Eifer, besonders als am Schluß ein kleines Bäumchen in eine Blumenschale gepflanzt wurde. Und als die über 500 Kinder zählende Versammlung beglückt mit ihren Obstdüten das Haus verließ, konnten die Erwachsenen befriedigt erkennen, welch schönen Ersatz wir unseren, in mancher Hinsicht doch verarmten Kindern verschaffen können, wenn wir sie den Sinn und Wert unserer Festtage lebendig erkennen lehren. Ton uind Wort. Die Aufführungen unter diesem: Titel genießen bei uns schon eine gewisse Popularität. Die Veranstaltung am Samstag abend im wiederum vollbesetzten großen Saal des Saalbaus brachte klassische Orchestermusik von Offenbach, Tschaikowsky usw. unter der bewährten Leitung von Max N e u m a n n. Ob es ratsam war, diese ernsten und ausgezeichneten Kunstdarbietungen gewaltsam in einen heiteren, fast karnevalistischen Rahmen hineinzuzwängen, darüber kann man verschiedener Meinung sein. Der Rahmen selbst war aber von Alfred Auerbach (einem bekannten Namen im Kunstleben Frankfurts) gut gespannt und alle Mitwirkenden waren voll bei der Sache. Aus dem reichen Programm gefielen ganz besonders die tänzerischen Vorführungen eines neunjährigen Mädels (Margot Hirsch). Die Hauptattraktion, Camilla S p i r a , fehlte infolge plötzlicher Erkrankung und fand einen vollwertigen Ersatz durch eine Künstlerin von " Fach und Format, ' die großen Beifall erntete. •' . Man schreibt uns: Am 9, Februar findet die „Ton und Wort"-Veranstaltung mit Dela Lipinskaja statt. Auf ihrer. großen Europatournee errang Dela Lipinskaja beispiellose Erfolge bei Publikum und Presse und die Künstlerin wurde vom englischen König zu einem Sonderkonzert im königlichen Palast eingeladen. Viertes Orchesterkonzert des Kulturbundes. In diesem Konzert hatte Hans Wilhelm Steinberg als Kernstück die deutsche Uraufführung von Ernst Tochs Sinfonie Nr. 2 für Klavier und Orchester herausgestellt. Ernst Toch (geb. 1885 in Wien) ist wohl einer der bedeutendsten und hervorragendsten Vertreter der Moderne. Sein viersätziges Werk bezeugt uns, daß man in demselben es mit einer der bedeutendsten Neuschöpfungen zu tun hat. Er zeichnet sich aus durch» den klaren, geistig-konstruktiven Aufbau, der absolut einer eigenen Inspiration entspringt. Dazu gesellt sich hervorragendes handwerkliches Können. Die Interpretin des Werkes war die begabte Pianistin Heida Holde-Hermanns, die das Werk trotz seiner technischen Schwierigkeiten meisterte. Die Solistin verstand es auch voll und ganz, die geistigen Intetnionen Tochs zu erfassen. Sie schuf also eine Meisterleistung, die ihr sowohl, als auch dem Werke alle Ehre machte. Der Uraufführung Tochs ging die Suite zu „Tischlein deck dich" der bekannten hiesigen Komponistin Rosy Geiger-Kullmann voraus. Das Werk besteht aus fünf kleinen Genrebildchen, die gutes kompositorisches Können verraten. Zum Schluß bot Steinberg eine schöne Wiedergabe der Sinfonie Nr. 6 in c-dur von Schubert und stellte mit derselben sein und des Orchesters Können erneut unter Beweis. A. K. Die Judischen Tonkünstler Frankfurts. '.. Die erste für diese Saison geplante Konzert-Veranstaltung der Jüdischen Tonkünstler findet nächsten Samstag, den 2. Februar, 8 Uhr abends im großen Saal des Vereinshauses, Eschersheimerländstr. 27, statt. Kunstausstellung. Wie im Februar-Programm des „Kulturbundes deutscher Juden" angezeigt ist, findet vom 27. Januar bis zum 10. Februar eine Kunstausstellung statt, in der. der bekannte Frankfurter Kunstmaler Fritz Scham es seine Werke in seinem Atelier Weißfrauenstraße 8, täglich von 10 bis 1'und 4 bis 7 Uhr zeigt. — Eintritt frei. ^OD}SC*1| wn \ 1 W R N Skinto>jeg 9 wasatm Vorteilhafte Angebote V£: