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Der Israelit · 1935-01-24 · Heft 4 (24.1.1935) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 4 (24.1.1935)
Date
1935-01-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
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24. Januar -1935 Der 1 st a e I i t Nr. 4 Seite 15 Die Frankfurter Woche; |Ein Fest des Synagogenchores der Israelitischen r^eligiorisgesellschaft. Der Synagogenchor, der unter der bewährten Lei- Jtung seines Dirigenten Max Neumann Woche für Woche zur Verschönerung unseres G'ttesdienstes bei [trägt und durch größere Veranstaltungen hier und luswärts den Ruhm der Gemeinde auch in die Welt hinausträgt, durfte sich letzten Samstag abend ein paar gesellige und gemütliche Stunden leisten. Das F e s t e s s e n verdiente, um es ganz kurz zu sagen, diesen Namen sowohl" nach dem ersten, wie nach dem zweiten Wort-2 vollauf; es war ein Fest und ein Essen. Für das erstere sorgten die in dieser Corona so zahlreich vertretenen kunstbegabten älteren, jungen und jüngsten Mitglieder, für das letztere in fachmännischer und treuer Bewährung Herr Ries. Zu den Mitgliedern des Synagogenchores waren im Hotel Ulmann auch Vertreter des Vorstandes und des Synagogenkomitees,, die Herren Kantoren und einige Freunde des Synagogenchores erschienen. Herr Julius Strauß als Vorsitzender begrüßte mit herzlichen Worten die Erschienenen und dankte dem Vorstand, auch Herrn Erteschik, Wiesbaden, der in bekannter Großzügigkeit zum Zustandekommen des Festes beigetragen hatte, worauf Herr Hugo Bondi mit würzigen Thoraworten den Chor der Sympathie von Vorstand und Verwaltung versicherte. Einer der Knaben begann den Reigen der jugendlichen Darbietungen mit einer kernigen Ansprache, in der er den bescheidenen Wunsch aussprach, daß nun alljährlich um die Zeit von nbvi 'D ein solches Fest stattfinde, wurmt er den frenetischen Beifall all seiner sangesfrohen Altersgenossen fand. Nun traten die jugendlichen Sänger und Darsteller einzeln und in kleinen Gruppen, mit Gesängen und Kuplets, Gedichten, Jargonliedern und Sketchs auf, die Alt und Jung in gleichern Maße erfreuten. Sie alle bei Namen zu nennen, geht aus pädagogischen und räumlichen Gründen nicht an. Von den älteren Mitgliedern brachten g'anz vortreffliche Gesangsvorträge die Herren T e p - litzki, Schereschewski, Staschewski und mit bekannt geschulter und gepflegter Kunst Herr Borns t e in. Von den weiteren Rednern sprach Herr Kantor Steinberger in formgerechter Rede über die Kunst, auch die Gesangskunst im Judentum, und Herr Redakteur S. Schachnowitz setzte sich sachlich und launig für die alten und weniger alten Nigunim ein, auf ihren historischen Ursprung eingehend, und feierte Max Neumann als Meister und Regenerator des altneuen Synagogengesanges. Die freudige Stimmung wuchs mit jeder Minute und fand ihren Abschluß mit der obligatorischen photographischen Aufnahme durch Arno Katz. Ein Lichtblitz war der Schlußeffekt. Wie ein Lichtblitz in dunkler Zeit wirkte das ganze schöne Fest auf die Teilnehmer. Freitagabendveranstaltungen der Israelitischen Religionsgesellschaft. An diesem Freitagabend, nn? 's» 20.15 Uhr, spricht im Hörsaal Friedbergeranlage 6, Herr Jacob Rosenheim. Auch Nichtmitglieder unsrer Gemeinde sind herzlich willkommen. Agada-Schiur des Gemeinderabbiners. Sonntags unmittelbar nach Beendigung des Abendg'ttesdienstes, findet der Agada-Schiur des Herrn Gemeinderabbiners statt. Anschließend ynys •n»Ta - Mittwoch-Konzerte der Jüdischen Tonkünstler. Um den konzertierenden Künstlern die bisher fehlende Gelegenheit geregelten beruflichen Wirkens zu ermöglichen und um andrerseits einer kunstliebenden Hörerschaft Gelegenheit zu geben, hochwertige Kunst in stilvollen Programmen zu für Jedermann erschwinglichen Kosten zu hören, haben die Jüdischen Tonkünstler Frankfurts eine Vielen sicherlich willkommene Einrichtung geschaffen. Ab Mittwoch, den 6. Februar 1935, abends 20.15 Uhr, finden jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat „Mittwoch-Konzerte" statt. Der Vorstand der Arnold Lazarus-Halle, Königswartärstr. 26, hat liebenswürdigerweise seinen 250 Personen fassenden Vortragssaal zur Verfügung gestellt und die künstlerische Leitung in die Hände der Herren Benno Ziegler, Hans Assenheim und Dr. Willy Salomon gelegt. Der erste Abend ist ein Heine- Abend mit Hans Assenheim (Bariton), Sofie Selig m a n n (Rezitation) und Dr. Willy Salomon (am Flügel) als Solisten. Zur Aufführung gelangt der Liederzyklus „Dichterliebe" von Schumann sowie Gedichte von Heinrich Heine. Das genaue Programm dieses sowie aller folgenden Mittwoch-Konzerte wird durch Aushang in den öffentlichen jüdischen Gebäuden (Schulen, Heimen, Logen. Vorverkaufsstellen) bekanntgegeben'. Das Programm kostet 20 Pfg. Außerdem wird ein Unkostenbeitrag von nur 20 Pfg. pro Person Und Abend erhoben. Vorverkauf bei: Buchhandlung Schatzki, Drogerie Schneemann, Cafe Falk, Cafe Freimark. Semester-Eröffnung im Frankfurter Jüdischen Lehrhaus. Anläßlich der Semester-Eröffnung im Jüdischen Lehrhaus zu Frankfurt a. M. hielt Martin B u b e r, der Leiter des Lehrhauses, eine Ansprache über „Bildung und Weltanschauung". Diese Lehrhausreden, so führte Buber aus, sollen einen gemeinsamen Weg der Einsichtnahme in die Problematik der Stunde aufzeigen. Darum müßten auch Gegenstände behandelt werden, die allgemein Sorgen und Schwierigkeiten bereiten und uns nicht allein als Juden bewegen. Ein großer Teil der Weltjugend sei in einer Art von Aufstand der Weltanschauungen gegen die Bildung begriffen. Die einzelnen Weltanschauungsgruppen melden einen Protest dagegen a,n daß man sie durch Verabreichung von Bildung von dem erstpabten Tempo ihrer Realisierungsarbeit ablenke. Dieser Protestbewegung sprach Buber ein gewisses Maß von Berechtigung zu. Kritik an dem Begriff der Bildung als allgemeiner Konzeption des Wissenswerten mit überlieferten Kriterien sei ebenso richtig wie die Ablehnung des anderen Bildungsbegriffes, der Persönlichkeitsbildung. Bei dem zeitechten Bildungsbegriff gehe es um den Aufbau der Person, die nicht Selbstzweck ist. Der Begriff des „Lernens" sei nicht Zuführung jüdischen Bildungsstoffes allein, sondern bedeute die Eröffnung des Zugangs zu einem jüdischen Weltbild und Erschließung neuer Kräfte. Jede weltanschauliche Stellungnahme zum Volkstum sei fiktiv, wenn sie nicht auf einem wirklichen Zusammenhang mit ihm basiere. Für die Produktivität des Volkstums sei nur die gewachsene Totalität, nicht aber Totalisierung wertvoll. Bildungsarbeit erstrebe, Menschen verschiedener Weltanschauung zu gemeinsamem Zugang zu den Kräften des Volkstums zu vereinigen. Echte Gemeinschaft sei das Zusammenleben verschieden Gesinnter. Nipht Toleranz, sondern Vergegenwärtigung des anders Gewachsenen bis zur Wurzelgemeinsamkeit, rechtmäßiges Wissen um das Wahrheitsverhältnis des anderen, nicht Neutralität, sondern Solidarität, das sei die erste Aufgabe der Bildung gegenüber der Weltanschauung. Dabei gelte das Propagierte hur, wenn es auch getan werde. Es gehe um die Entwicklung des Weltanschauungsgewissens. Darum müsse man zwischen Real- und Fiktivgesinnung unterscheiden. Bildungsarbeit wolle Führung sein zu Wirklichkeit und Verwirklichung. Der Mensch sei zu bilden, der zwischen Schein und Wirklichkeit Scheidet. Die Ansprache Bubers wurde durch Kammermusik der Jüdischen Streichervereinigung unter Leitung von Arthur Holde umrahmt. Waisenhilfe und Thorastudium. Zu der unter dieser Ueberschrift in der jüngsten Nummer erschienenen Notiz sei noch den Freunden des Diskin'schen Waisenhauses und der Jeschiwa „Torath Chajim" in Jerusalem mitgeteilt, daß die Adresse des ersteren für Briefe und Geldsendungen Jerusalem, Postfach 18, die für die Jeschiwa Jerusalem Postfach 45 ist. In Zürich, Schweiz nimmt Spenden für das Waisenhaus und die Jeschiwa die Firma Ortlieb, Söhne, Steinmüllerstraße entgegen. Jüdische Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe. Interessenten für einen Dekorationskurs a werden aufgefordert, sich umgehend an die Jüdische Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe, Königswarterstraße 24, Tel. 46 967 zu wenden. Es ist beabsichtigt, einen Kurs zur Erlernung des Dekorierens einzurichten, wenn sich genügend Teilnehmer finden. „Eine Antwort aui die Greuel- und Boykotthetze der Juden im Ausland". Wie bereits an dieser Stelle berichtet, ist vor kurzem eine Broschüre erschienen, in der als „Antwort auf die Greuel- und Boykotthetze" eine Reihe von jüdischen Namen und Firmen in Frankfurt a. M. aufgeführt werden, um zu beweisen, daß es den Juden in Deutschland und in Frankfurt noch gut ergehe. Da in der Broschüre eine große Anzahl von Namen genannt werden, deren Träger Arier sind, so mußten die Angaben wiederholt im „Frankfurter Volksblatt" öffentlich berichtigt werden, und schließlich wurde mit Verfügung dem Herausgeber die W e i terverbreitung der Broschüre bis zur Richtigstellung untersagt. Ein hiesiger Professor, der reiner Arier ist und trotzdem in der Broschüre als Jude figuriert, verklagte die Herausgeber, und das Frankfurter Landgericht hatte sich mit der Sache zu befassen. Es kam zu einem Vergleich, wonach sich der Herausgeber wiederum verpflichtete, die Verbreitung der Broschüre bis zur Richtigstellung zu unterlassen und für jeden Fall der Zuwiderhandlung eine Buße von RM. 100.— an das Winterhilfswerk zu zahlen. Die Kosten des Verfahrens hatte der Herausgeber zu tragen. Bis zum 20. Januar soll eine Berichtigung im „Frankfurter Volksblatt" erscheinen. Berichtigung. In dem Berichte über die Aguda-Tagung in Cluy muß der Name des Referenten über die Lage des religiösen Judentums in Transsylvanien richtig Dr. Norm and heißen. Familien-Nachrichten. Geburten: Eine Tochter, Dr. Salomon Adler und FrauFrankfurt a. M-, Röderbergweg 65. B a r m i z w o h : Esra, Sohn des Herrn Bezirksrabbiner Dr. Feinberg, Groß-Strehlitz O.-S.. D'BBtftt nasr. Silberne Hochzeit: Oberlehrer Leop. Godlewsky und Frau, Amberg (Opf.) Goldene Hochzeit: Gemeindeältester Isaak Hess und Frau Fanny geb. Katz, Hüttengesäß, 27. Januar 1935. 8 0. Geburtstag: Sigmund Rindsberg, Neumarkt (Opf.)) 25. Januar 1935 Briefkasten. Dr. Bl. B. bezahlt, S. G. Berlin. Die Veröffentlichung wird erfolgen, sobald es die Platzverhältnisse erlauben. Alter Abonnent. Passend ist das nicht, aber eine nv» kann darin nicht gesehen werden, wenn größere Jungen mit nackten Beinen in die Synagoge zum G'ttesdienste kommen. D. K. in M. Sie dürften die Darstellung mißverstanden haben. Es handelt sich ja in diesem Falle nicht um n'swia, sondern um jüdisch eingestellte Menschen, die nicht dem vi»m angehören. Im übrigen stammen die Angaben aus dem in Warschau unter Leitung der berufenen Führer der polnischen Orthodoxie erscheinenden „Jüdischen Togblatt." Gruß I INVENTUR-VERKAUF Vorteilhafte Angebote Beginn 28. Januar I lOD}*0^ \ I HORN SkinJig INVENTUR-VERKAUF Vorteilhafte Angebote I Beginn 28. Janaar uFTfl -J Sfa^g Sachsens einzige Geflügelgroßhandlung i W J Unt. Aufsicht des Leipzig, orth. 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