Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1935)
- Date
- 1935-01-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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10. Januar 1935 Der Israelit Nr. 2 Seite 11 Personalien-. Groß -Krotzenburg, 3. Jan, Die Herren M. Hirsch mann, der am 31. Dezember 1934 seinen 82. Ge burtstag in körperlicher und geistiger Frische beging, und H. Löbenberg hatten nach 26jähriger treuer und gewissenhafter Tätigheit ihr Amt als Vorsteher der Gemeinde Groß-Krotzenburg niedergelegt und an ihre Stelle waren die Herren S. Levi und N. Kaufmann gewählt und von der Behörde bestätigt und vereidigt worden. Dieser Wechsel wurde unter Beteiligung der gesamten Gemeinde und in Gegenwart des Kreisvorstehers, Herrn Sichel, Hanau feier liehst in der Synagoge vollzogen. Nach dem ^.bend gebete legte Herr Löbenberg in kurzer, inhaltsreicher Ansprache sein und seines Kollegen Amt in die Hände des Kreisvorstehers Herrn Sichel, der den zu rückgetretenen Herren für ihre selbstlose und hinge "bungsvolle Arbeit für die Gemeinde dankte und den neugewählten Herren ihren Aufgabenkreis in klaren und warmen Worten umriß. Lehrer Schuster sprach Grundsätzliches über Bedeutung, Aufgabe und Führung einer jüdischen Gemeinde und deren Institutionen im Sinne und Geiste des Thoragesetzes. Die neugewählten Vorsteher dankten für das ihnen entgegengebrachte Vertrauen und versprachen, ihr Amt im Dienste G'ttes, der Gemeinde und des Vaterlandes zu führen. Vermischtes. Berlin, 3. Jan. Wie die deutsche Prasse meldet, ist vom „Volksbund", der nationalsozialistischen Bewegung der Schweiz, eine Strafanzeige wegen Meineid bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern eingereicht worden. Die Anzeige richtet sich gegen Professor Dr. Chaim Weizmann, Sloisberg, Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis, Meyer Ebner, Dr; Bodenheimer, Dr. Farbstein, Miljukoff, Rabbiner Swiatnikoff und Nikolajewski. De angeführten Personen, die bekanntlich in der nunmehr auf Ende Januar oder Anfang Februar-vertagten Verhandlung vor dem Berner Gericht als Zeugen aufgetreten sind, sollen nach Angabe des Volksbundes falsche Aussagen gemacht haben. Der Volksbund hat auch ein Haftverfahren gegen die Genannten beantragt. Bocholt, 3. Jan. Am 20. Januar tagt die Arbeitsgemeinschaft jüdischer Lehrer vom Niederrhein im Gemeindehause in Mülheim (Ruhr). Lernen und Vortrag werden fortgesetzt: rvn"0 und aramäische Grammatik und Formenlehre. Beginn 16 Uhr. Kleinheubach, 2. Jan. Eine Geschichte der Jüdischen Gemeinde zu Kleinheubach wurde vom hiesigen Pfarrer i. R. Gottlieb Wagner zusammengestellt und in hübscher Ausstattung herausgegeben. (Verlag Dr. S. Sichel, Kleinheubach). In- , terressenten, besonders Familien, die aus Kleinheubach abstammen, können die Broschüre vom genannten Verlage zum Preise von Mk. 2.— beziehen. Die Frankfurter Woche. Vortrag von Dr. Isaak Breuer zur Jahrzeit von S. R. Hirsch "?"XT- Der Jahrzeitstag von Rabbiner S. R. Hirsch?*ST wird seit Bestehen der „Rabbiner Hirsch-Gesellschaft" zum Anlaß genommen, mittels eines großen öffentlichen Vortrages die Hirschische Gedankenwelt einem möglichst großen Kreise zu erschließen. Der Zweck war, schon rein äußerlich genommen, auch dieses Jahr erreicht, da dem Rufe mehr Leute gefolgt waren, als der große Saal des Vereinshauses (Frankfurt-Loge) fassen konnte. Das Referat hatte Herr Dr. Isaak Breuer. Ein Meister des Wortes, der er ist, gelang es ihm, auch all diejenigen fast eineinhalb Stunden im Banne zu halten, die in einigen Punkten nicht ganz mit ihm gehen. Von dem Worte >ims aipi uns ausgehend, zeichnete Redner das Volk, das zwischen Vergangenheit und Zukunft nur als „Volk der Geschichte" mit dem Rückblick .auf die Vergangenheit und Hinblick auf die Zukunft die Gegenwart, die Golus bedeutet, ertragen konnte und kann. Die geschichtliche Sendung eines Menschen steht immer im Gegensatze zur Gegenwart. In der . außerjüdischen Geschichte schafft die Revolution aus dem anfänglichen Rechtsbruche das neue Recht. In unserer Geschichte konnte es eine Revolution gegen das Recht, das G'ttesrecht ist, so wenig geben, wie gegen das Naturgesetz. Wenn es bei uns dennoch Revolutionäre gab, so muß man unterscheiden zwischen legitimen und illegitimen Revolutionären. Als. letztere sind all die Abtrünnigen zu betrachten, von Jerobeam I. bis zu den Reformern des vorigen Jahrhunderts. Die legitimen Revolutionäre richteten sich nicht gegen das G'ttesgesetz, sondern gegen gewisse Tatbestände jenseits des G'tteswortes und sie ruhten nicht eher, als bis diesem thoragemäß wurden. Zu diesen gehörten die Begründer des Chassddismus und zuletzt auch S. R. Hirsch, zwischen denen Redner, in Anlehnung an eines der letzten Worte des Aschaffenburger Raw, Rabb. Dr. Raphael Breuer b'Sir gewisse Zusammenhänge findet. Moses Mendelssohn war kein Revolu tionär, sondern ein kleiner Evolutionär nur, der 2war das Treiben der Reformer nicht gewollt hat, von dem aber ein direkter Weg zu der illegitimen Re volution jener führte. S. R. Hirsch aber wagte mit dem ewigen G'tteswort den Sprung in die neuen Tatbestände, indem er alle Strömungen der Zeit erfaßte und sie an die Flammen der Thora führte, wo sie sich zu erproben oder zu vergehen hatten. Darin unterschied er sich auch von den Alten, die sich krampfhaft an die alten Tatbestände klammerten, so daß die Spannung zwischen Thora und Zeit immer größer wurde. Die Parole?18 yn 09 nYfi stellte er in dem Bewußtsein auf, daß die Thora ewig und unver änderlich bleibt, während der flR yn zeitgebunden und auswechselbar ist. Dabei aber suchte er schon in seiner ersten Jugendschrift, den „Neunzehn Briefen", den p« in als Basis für den G'ttesstaat festzulegen, „Jerusalem", das für ihn den weltlichen Aufbau bedeutet, „Zion", der Thora, dem G'ttesstaate, zu unterordnen. Inhalt und Abordnung des Pentateuch-Kommentars, von denen Redner ein packendes Bild entwirft, sind ihm Belege dafür, wie S. R. Hirsch, bevor es ein Nationaljudentum gab, als erster Nationaljude bestrebt ist, den Bürgerdes nationalen Staates, der freilich für ihn . der G ' 11 e s s t a a t ist, zu erziehen. Also heißt es für uns: Hirsch oder Herzl, Aufstieg zum G'ttesstaate oder Abstieg in die allgemeine Völkergeschichte — solange der Judenstaat nicht Basis für den G'ttesstaat ist, solange wir das von den rein Nationalen erbaute „Jerusalem" "nicht Zion ZU Füßen gelegt haben. Dahin muß heute unser Streben gehen und die Hirschische Synthese muß heute heißen: b&w pK -pi 09 min- Redner setzt sich scharf und sachlich mit einigen gegnerischen Presseveröffentlichungen der letzten Zeit auseinander, die nur aus Unkenntnis und Verkennung von S. R. Hirsch geboren sein können. In unseren eigenen Kreisen möge man sich abgewöhnen, die Thora und ihre Träger mit der Brille der Gegner zu sehen. Deutschlands Juden, die ersten Schüler von S. R. Hirsch, haben zuerst die Verpflichtung, S. ,R. Hirsch in Erez Israel zur Geltung zu bringen, was von der Hirsch- Gesellschaft jetzt schon damit begonnen wird, daß die Gesamtschriften von S. R. Hirsch ins H e b r ä i s c he übertragen werden. Die Agudas Jisroel, aus der Gedankenwelt von S. R. Hirsch entstanden, hat uns die Massen in Polen gerettet und nun haben wir alle daran zu arbeiten, daß uns Erez Jisrael gerettet, daß Jerusalem im Hirschischen Sinne für Zion erhalten und aufgebaut wird. Das große Auditorium, das den Worten des Redners gespannt und stellenweise nicht ohne Ergriffenheit lauschte,, drückte seinen Dank in lebhaftem Beifall aus. Sitzung der Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde. In der gestern Abend stattgehabten Sitzung der Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde kam es zu . einem sehr bemerkenswerten Vorstoß der Zionisten. Der Sprecher der volksparteilichen zionistischen Fraktion, Dr. P o m eranz, verlangte hei der Position „Wahl derKommissionen", daß sowohl in die Ritualkommission wie auch in die liberale Ritualkommisson je ein volksparteilicher Vertreter gewählt werde. Der Vorsitzende, Dr. Merzbach, wies darauf hin, daß, da nur die Gemeindevertretung das Recht habe, je einen Vertreter in diese Kommissionen zu entsenden, der Antrag eine Verfassungsänderung bedeute und jetzt nicht behandelt werden könne. Die konservative Sowohl wie die liberale Fraktion wiesen die Ansprüche der Volkspartei mit aller Entschiedenheit zurück, insbesondere erklärte Dr. Mainzer (liber.), daß solange die Zionisten erklären, sie seien eine nationale und nicht zuerst und ausschließlich eine religiöse Bewegung, die liberale Fraktion niemals die Hand zur Verwirklichung der Pläne von Pomeranz reichen würde. Bei der Abstimmung über die Wahl des von dem Wahlvorschlagsausschuß vorgeschlagenen Vertreters in die Ritualkommission enthielten sich die Volksparteiler dej Abstimmung. Die sonstigen Wahlen in die Kommissionen, sowie die Wiederwahl des Büros erfolgten debattenlos. Neu in die Gemeindevertretung ist Herr Diplom- Ing. Joseph eingetreten. Für die Jüdische Leihkasse wurde für einen aufzunehmenden Kredit von Mk. 30.000 die Bürgschaft von Seiten der Gemeinde übernommen. Dem Jüdischen Kulturbund Rhein-Main wurde eine einmalige Subvention von Mk. 6000.— bewilligt. Freitagabendveranstaltungen der Israelitischen Religionsgesellschaft. Am Freitagabend, den 11. Januar, 20.15 Uhr spricht im Hörsaal, Friedbergeranlage, Herr Rektor Karl Ochsenmann. Auch Nichtmitglieder (Jüngere, sofern schulentlassen), sind herzlich willkommen. Ein Siebenziger. In aller Stille, bereits lange Jahre leider ans Krankenlager gefesselt, beging Dr. med. Salomon R a t n e r am 24. Teweth seinen 7 0. Geburtstag. Als hervorragender Kenner des Talmuds hat sich Dr. R. in seinen über 200 Arbeiten stets bemüht, den Ursprung zahlreicher moderner sozialhygienischer Einrichtungen im Talmud nachzuweisen. Er war u, a. ständiger Mitarbeiter der Zeitschriften „Fortschritte der Medizin" sowie „Hygienische Rundschau". Wir nennen von seinen Publikationen: „Soziale und hygienische Fürsorge im altjüdischen Staate", „Die Kriegshygiene in der altjüdischen Literatur", „Die Statistik in der Bibel" usw. Wir wünschen dem Jubilar Rückkehr zur wissenschaftlichen Arbeit und heiteren Lebensabend an der Seite der Gattin, (einer Enkelin von R. Jokew Ettlinger) und im Kreise seiner im Geiste der Eltern wandelnden Kinder. •sr-ymy Jüdisches Lehrhaus. Die Eröffnung des Wintersemesters des Jüdischen Lehrhauses findet am 12. Januar, 20 Uhr im großen Saale des Vereinshauses, Eschersheimerlandstr. 27, statt. Jüdische Musik. Unter diesem Motto hatte Heinrich Bornstein ein ausgewähltes und geschmackvolles Programm zusammengestellt. Bornstein sang mit kraftvoller, aber kultivierter, disziplinierter Stimme das Traumland yon J. Engel und Beim Thillim von A. Rosen. Die bekannte Pianistin Ruth Weil spielte technisch einwandfrei und stilgerecht ein Volkslied und Tanz von J. Engel. Käthe Ettlinger brachte mehrere Volksweisen. Die Künstlerin verstand es, durch ihre reife Vortragskunst auch den geistigen Inhalt der Lieder voll und ganz zu erfassen. Theo R a t n e r (Violine;), Rud. Döblin (Cello) und Willy Salomon, bei dem die Klavierbegleitung des Abends in besten Händen lag, spielten den Fantastischen Tanz von Rosowsky. Einen Sondererfolg holte sich Bornstein mit der Wiedergabe von „A Brief zum Rebbe" und ,,A Chason auf Schabbes". A. K. Tom und Wort. Am Samstag, den 26. Januar, findet der zweite „Ton und Wort"-Abend dieser Saison im Saalbau statt. Hauptsolistin ist Camilla S p i r a , der berühmte Filmstar der UFA. Mit der künstlerischen Leitung ist Max N e u m a n n beauftragt worden. Familien-Nachrichten. Barmizwoh: Fritz, Sohn des Herrn Konrektors i. R. Steinberger, Röderbergweg 32, Synagoge Friedberger Anlage, nVcn naizr, Kein Empfang. Vermählte: Lilli Eschwege, Ffm., Harry Reper, Amersfoort, Hotel Drukker, Hilversum, 16. 1. 35- Silberne Hochzeit: David Bleicher und Frau Ottilie, Schwabach bei Nürnberg, Königstr. 12, 8- Schwat, Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim E. V. Freitag abend nach Schul: Mikrovortrag, Herr Studien rat J. Kaufmann. (Alles andere wie üblich.) Jahrzeitsstiitungen. Schabbos. 12. Januar; Wally Präger-Stiftung- Schabbos, 12. Januar: Benjamin Kallmanr-Stiftung. Schabbosj 12. Januar: Sanitätsrat Dr. Wolf Hirsch- Stiftung. Dienstag, 15. Januar: Anna Eschwege geb. Schießinger- Stiftung. Donnerstag, 17- Januar : Elise Heß geb. Schloß-Stiftung. Donnerstag, 17. Januar: Berta Löwenstein-Stiftung. Liwjat Chen. Samstag nach Mincho 4.15 Uhr im Hörsaale, Vortrag des Herrn S- Schachnowitz über: „Was ist Schwowim Tat?" Judische Frauen-Vereinigung und Agadistische Frauen-Ortsgruppe. Am Montag, den 14. Januar, 8,45 Uhr abends wird Frau Frieda Bondi, Mainz über das Thema „Jüdische Frauen" im Hörsaal Friedb. Anlage 5 sprechen. Gäste, Damen' willkommen. Bes Hamidrasch, Ostendstr. 18 ji'T) Geaalt?« Jeden Donnerstag werden vor nrnn» diesmal 4 Uhr nirvVo gesagt und wenn "pan fastet Srm geleient- Zahlreiche Beteiligung ist erwünscht. Jüdischer Turnerbund E. V. Nach Beendigung der Schulferien haben die Turnkurse in allen Abteicungen wieder begonnen. In Anbetracht eines geplanten Schauturnens bitten wir alle Mitglieder die Kurse eifrig und regelmäßig zu besuchen, Gebetzeiten. xn nnw Freitag abend 4.20 Samstag nnapn 7.10 Samstag morg. 8.00 Predigt Samstag nachm. 1.00 und 4.00 Samstag abend 5.40 Wochengottesdienst: Morgens 7-10 Nachmittags 4.30 Tefillinlegen am Morgen 7.17