Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-12-28 · Heft 52 (28.12.1934) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 52 (28.12.1934)
Date
1934-12-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450857--80959-2538804
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

28. Dezember 1934 Der Israelit Nr. 52 Seite 11 Die Frankfurter Woche. Der „große Sijum". Der große Sijum des Schaßvereins ist bereits eine, stabile Institution im Geistesleben unserer Gemeinde. Die Feierlichkeit fand dieses Mal aus technischen Gründen erst am Sabbatausgang 'TT! 'S statt, und zwar in der Aula der S. R. Hirsch-Schule. In seinem Hadran bot unser Gemeindedajan, Herr * Dr. Schlesinger, in fast gemeinverständlicher Weise ein wahres und umfassendes Meisterstück halachischer Gedankenarbeit. Die Zeit erforderte in allem eine gewisse Einschränkung und gerade das verlieh dem Abend eine gestraffte, konzentrierte Ein heitHohkeit, die die Harmonie erhöhte. Nach dem Hadran saßen in der Aula etwa 200 Menschen, darunter die Elite unserer Thoragelehrten, an gedeckten Tischen, für die sich wieder die Frauen der Vorstandsmitglieder in dankenswerter Weise verdient machten. Herr Rachelsohn, der Mitbegründer des Schaßvereins, leitete den gemütlichen, oder wie er sagte, den agadischen Teil des Abends, mit einer wirkungsvollen Ansprache und einer originellen Erklärung des Talmudwortes D'awnJsa »Vaa imbn n 'la'Win. wonach hier der babylonische Talmud nicht als finster, sondern umgekehrt als das Licht in der Finsternis bezeichnet werde. Er begrüßte dann die Gäste und die einzelnen Institutionen und Lernvereine, die ihre Delegierte zum Feste geschickt haben. Der 18. Sijum des Schaßvereins bedeute '"n daß der Verein lebt und noch ferner lebenschaffend und geistig befruchtend in unserer Kehilla wirken wird, heute, in Tagen vielfacher Not, mehr denn je. Nach religiösen Gesängen des Herrn Herzog, der im Laufe des Abends noch mehr Proben seiner reinen Gesangskunst bot, erfreute unser Gemeinderabbiner, Herr Rabb. H o r o w i t z , mit einer Ansprache voll geistvoller Agadadeutungen und zündender Mussarworte, zur Weckung von Liebe und Interesse für das Lernen. In launiger Rede begrüßte Herr Dr. S, Ehrmann im Namen von Vorstand und Gemeinderat der Israelitischen Religionsgesellschaft, worauf Herr Dajan Dr. Posen mit einer kurzen und prägnanten Begrüßung für die Thoralehranstalt Jeschiwa folgte. Zum Schluß frischte noch Herr Redakteur S. Schachnowitz in seiner heiterernsten Art die Geister auf. Neben Herrn Herzog trug auch Herr Luel Jargonlieder vor. Gegen Mitternacht nahm das harmonische Fest mit dem Tischgebet ein ebenso harmonisches Ende, nachdem die Listen für die Verteilung der Traktate ausgefüllt und wieder stark überzeichnet waren. —r. Zur Jahrzeit von Rabbiner S. R. Hirsch ^"JJT- Aus Anlaß des Jahrzeitstages von Rabbiner Hirsch b'Xl, findet, wie bereits mitgeteilt, am Donnerstag, den 3. Januar 1935, abends 8.30 Uhr, im Vereinshaus Eschersheimerlandstr. 27, ein Vortrag von Herrn Dr. Isaac Breuer über das Thema: „Rabbiner Hirsch als Wegweiser in die jüdische Geschichte" statt. Reservierte Plätze Mk. 1.—, Eintrittspreis Mk. 0.50. Vorverkauf: Büro der Rabbiner Hirsch-Gesellschaft, Frankfurt, Hanauerlandstraße 15, 1. Vorträge des Gemeinderabbiners. Die Agada-Vorträge des Gemeinderabbiners werden ab Sonntag, den 30. Dezember wieder aufgenommen. Sie finden unmittelbar nach dem Mincho- und Maariw-G'ttesdienst im Hörsaal statt, Der im Rahmen der Veranstaltungen der Jugendkommission der Israelitischen Religionsgesellschaft eingerichtete Gemoro-Schiur findet nunmehr dreimal wöchentlich statt und zwar: S c h a b b o s , Sonntag und Donnerstag, jeweils von "20.30 bis 21.30 Uhr, im Hause des Herrn Gemeinderabbiners Fichtestraße 5. Freitagabendveranstaltungen der Israelitischen Religionsgesellschaft. . Diesen Freitagabend, den 28. Dez., 20,15 Uhr, sprechen: Herr Louis K a h n, Herr Dr. Ernst B o - denheimer und Albert Brinkmann, Außerdem singt eine Gruppe jugendlicher Sänger. Der zweite Rambam-Vortrag. Im Mekor Chajim findet diesen Samstag abend der zweite Rambam -Vortrag statt. Herr S, Schachnowitz spricht über ,Die Sendschreiben von Maimonides und was sie uns heute sagen". Von den Sendschreiben ist am bekanntesten sein niss Tavn an die jüdischen Scheinmohammedaner in Jemen. Aber auch die Responsen Maimonides', sowohl die bekannten wie die jüngsthin an. den Tag gekommenen, enthalten genug der Momente, die auch für unsere Zeit bedeutsam sind. Der Vortrag beginnt im Vereinslokale Hans Handwerkstraße 8.30 Uhr und ist für Herren und Damen bestimmt. Amalie Rosenthaler yj»y. Am Freitag, den 22; Dezember, geleiteten wir auf dem Friedhofe der Israelitischen Religionsgesellschaft Frau Amalie Rosenthaler zur ewigen Ruhe. Frau Rosenthaler entstammte einer altangesehenen Lehrerfamilie in Bayern und hatte ihr ganzes Leben, so lange ihre Kraft dafür ausreichte, dem Lehr- und Erziehungswerke geweiht. Sie wirkte bis - zu ihrer Verheiratung an der Israelitischen Volksschule. Ihr früh eingetretenes Witwendasein war ausgefüllt mit zielbewußter und erfolgreicher Arbeit. War sie schon in jungen Jahren Lehrerin von Beruf und Berufung, so war sie es jetzt ganz, als sie das bekannte Mädchenpensionat von Dr. Heinemann in der Theobaldstraße übernahm und in diesem Institute, musterhaft von ihr geleitet, jüdische Töchter aus aller Herren Ländern mit Wissen und Bildung ausstattete, für das Leben ertüchtigte und für das Judentum der Tat erzog. In den fernsten Gegenden Europas und Amerikas wird die Kunde von ihrem Tode tiefe Trauer in den Herzen vieler auslösen, die in Frau Rosenthaler ihre Führerin durch entscheidende Phasen ihres jungen Lebens sahen und verehrten. Leid und Enttäuschung gingen nicht an der Türe dieser tapferen und aufrechten Frau vorbei. Vorzeitig war ihre Kraft gelähmt, bis sie am Donnerstag in Bad Homburg, wo sie in den letzten Jahren ihr verfrühtes Ruheleben verbrachte, zur ewigen Ruhe abberufen wurde. Möge '"Wi der Familie, vorab den Söhnen, von denen der Aelteste eine führende Stellung in der Landwirtschaft Palästinas einnimmt, seinen wahren Trost angedeihen lassen. •ivaxjri Aus der Israelitischen Gemeinde. In der letzten öffentlichen Sitzung der Gemeindevertretung wurden auf Antrag Dr, Mainzer im Namen aller Fraktionen die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder Prof. Dr. Freimann, Prof. Dr. Weil, Willy M a i h z , Dr. K 1 e i n und Dr. Warmbrunn mitsämtlichen 28 Stimmen der Gemeindevertretung wiedergewählt. Der C. V. und das Handwerk. Die Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hatte die jüdischen Handelsvertreter zu einer Versammlung ins Goethe-Cafe geladen, < bei welcher über wichtige Berufsfragen der Handelsvertreter gesprochen wurde. So machte Herr Rechtsanwalt Dr, Otto Hecht interessante Darlegungen über das Recht des Handelsvertreters, die Frage seiner Eintragung in das Handelsregister und über wichtige neue Entscheidungen. Herr Otto Kaufmann legte die Grundzüge "der neuen Steuergesetzgebung dar, soweit sie für den Handelsvertreter von Bedeutung sind. Schließlich referierte der Syndikus des Landesverbandes des Centraivereins, Dr. Wolfgang S. Matzdorff, Frankfurt a. M., über Wirtschaftsfragen des jüdischen Menschen. Hierbei ging er auf die Organisationsfrage ein, erörterte dann die neuen Gesetze in Bezug auf ihre arbeitsrechtliche Bedeutung, und schilderte schließlich die Tätigkeit des Centraivereins auf verschiedenen Gebieten. Zum Schluß betonte er, daß so, wie auch die Existenz erhalten sei, für die der C. V. sich einsetze, so müsse doch über allem als oberster Leitsatz der Gedanke stehen, daß Ehre und Würde die Grenzen sind, die jedem deutschen Juden die Richtlinien seines Handelns bedeuten. Die Referate, an die sich eine rege Aussprache anschloß, wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Aus der Arbeit des Iseinburger Heimes. Einen umfangreichen Bericht erstattet Berta Papp e n h e i m über ihr Lebens- und Lieblingswerk, das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Isenburg. Da es nicht möglich ist, den ganzen Inhalt der umfangreichen Schrift hier wiederzugeben, s'o empfehlen wir den Lesern, den Bericht, der als Sonderdruck aus den „Blättern des Jüdischen Frauenbundes" erschienen und im Heime erhältlich ist, im Original zu lesen. Ueber den religiösen Charakter des Heimes ist im Berichte folgendes zu lesen: „Die religiöse Lebenshaltung im Heim ist seit seiner Gründung die gleiche streng orthodoxe geblieben, und wir sind bemüht, die Kinder sowie auch die Erwachsenen, die in unserer Gemeinschaft leben, von dem Sinn und der Schönheit der jüdischen Lebensformen zu überzeugen, wozu die feierliche Gestaltung der Feste, vorzüglich des Freitag Abend nicht zum wenigsten beiträgt. Leider ist es unseren vielfachen Bemühungen noch nicht gelungen, am schul- und arbeitsfreien Samstag für die Vormittage durch eine häusliche Feier die religiöse Gestaltung zu finden, die die Sabbat-Idee verlangt. [Warum nicht? Red.) Wir müssen uns mit dem normalen schulmäßigen Religionsunterricht begnügen, der zwar gut ist, aber nicht allen heutigen Anforderungen entsprechen kann, schon deshalb nicht, weil er an einige Wochentage gebunden ist. Die hohen Feiertage versammeln sich alle Juden des Ortes bei uns zu einem schönen weihevollen G'ttesdienst, dessen Schofarblasen auch die Kleinen sehr beeindruckt." Warnung, Die Jüdische Wohlfahrtspflege und Jüdische Notstandsküche Königswarterstr. 26 schreiben uns: Wir weisen wiederholt nachdrücklich darauf hin, daß die von der Jüdischen Wohlfahrtspflege und der Jüdischen Notstandsküche mit der Einziehung von Geldern betrauten Personen einen auf den Namen lautenden Ausweis mit sich führen. Die Sammler sind verpflichtet, bei Entgegennahme des Geldes ordnungsgemäß ausgestellte Quittungen oder auf den Geldbetrag lautende Beitragsmarken auszuhändigen. In Zweifelsfällen wird um schriftliche Benachrichtigung oder Anruf (42079 Abt. Propaganda) gebeten. Jüdische Musik. Am Samstag, den 5. Januar, 20.15 Uhr, findet in der Frankfurt-Loge ein Konzert „Jüdische Musik" statt. Neben anderen singt Heinrich Bornstein (Baß) unbekanntere jüdische Lieder. Theo Rat n er (Violine), Rudolf Döblin (Cello) und Dr. Willy S a 1 o m o n spielen das Trio von Rosowsky, Ruth Weil bringt Klaviersoli von J. Engel. Dr. Willy S a 1 o m o n begleitet. Das jüdisch-religiöse Kulturwerk in Hessen und Hessein-Nassau. Das vor einem halben Jahr in Frankfurt gegründete jüdisch-religiöse Kulturwerk für Hessen und Hessen-Nassau hat, wie sein Geschäftsführer Dr. Hermann Weil auf einer Tagung des Provinzialverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege für Hessen- Nassau in Hanau berichtete, bereits gute Erfolge aufzuweisen. Sein Zweck ist es bekanntlich, den kleinen und mittleren Gemeinden auf dem Lande zur Verliefung und zur Erhaltung ihres religiösen Besitzslandes zu verhelfen. In den in Betracht kommenden Gemeinden fanden Vorträge und Veranstaltungen religiösen und wissenschaftlichen Inhalts statt. So wurden bis jetzt die um Frankfurt herum liegenden Gemeinden wie Kassel, Eschwege, Darmstadt, Bad Ems, Bad Wildungen, Bebra, Offenbach a. M., Bad Nauheim, Hanau, Worms, Marburg, Friedberg usw. mit religiös-kulturellen Veranstaltungen versorgt. Die Rabbiner der, größeren Gemeinden unterstützten diese Bestrebungen durch aufopfernde Mitarbeit als Referenten. Im Mittelpunkt der Sommerarbeit stand vor allem die geistige und religiöse Vorbereitung der hohen Feiertage in Weihestunden usw. Die nächsten Aufgaben des „Kulturwerkes" sehen die Ausgestaltung von Chanukahfeiern in kleinen Gemeinden, sodann eine intensive religiöse Betreuung während der Wintermonate vor allem in den kleinsten, jetzt oft lehrerlosen Gemeinden durch Abhaltung von G'ttesdiensten und Lernstunden am Sabbat, Belieferung mit Zeitungen und Zeitschriften u. a. vor. Das „Kulturwerk" ist jetzt eine den Behörden gemeldete selbständige Organisation, deren Vorsitz Rabbiner Dr. J. Horovitz (Frankfurt) führt, dem ein siebenköpfiger Vorstand zur Seite steht; die Geschäftsführung liegt in den Händen von Dr, Hermann Weil (Frankfurt), Die verschiedensten jüdischen Großorganisationen, wie die „Reichsvertretung", der „Preußische Landesverband", die Zentralwohlfahrtsstelle, der Hessische Logenverband, die Mittelstelle für Erwachsenenbildung, der C. V., die Zionistische Vereinigung, die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums u. a., unterstützen dieses vor allem die Landgemeinden angehende Werk materiell und ideell. Die Konfessionen in Frankfurt. Von besonderem Interesse sind im amtlichen Material über die deutschen Konfessionen die Zahlen über die Religionsgliederung in Frankfurt. Bei einer Wohnbevölkerung von 555 857 Einwohnern wurden in Frankfurt insgesamt 317 589 (57,2 v. H.) evangelische Christen gezählt. Von diesen evangelischen Christen waren 310 248 Angehörige evangelischer (unierter, lutherischer, reformierter) Landes- oder Freikirchen. Es wurden gezählt Angehörige sonstiger evangelischer Religionsgemeinschaften 7341. Weiter wurden gezählt römisch-katholische Christen 184 194 (33,1 v. HJ. Als andere Christen wurden von der Wohnbevölkerung ermittelt 502. Davon waren 132 orthodoxe und andere morgenländische Christen 370 Altkatholiken und verwandte Christen. An Israeliten wurden 26 158 (4,7 v. H.) gezählt. Die jüdische Bevölkerung ist somit in den letzten Jahren mindestens um 5000 Seelen zurückgegangen. Im Regierungsbezirk Wiesbaden wurden bei einer Wohnbevölkerung von 1 435 936 Einwohnern insgesamt gezählt Angehörige evangelischer (unierter, lutherischer, reformierter) Landes- oder Freikirchen 847 794 (59,1 v. H.), römisch-katholische Christen 515 678 (35,9 v. H.), andere Christen 1893, Israeliten 33 334 gezählt. Die Zahl der „Sonstigen" beträgt 38 037. Die Friedhofsschänder von Homburg werden gesucht. In der „Frankf. Ztg," wird folgende Aufforderung an die Bevölkerung veröffentlicht: Nach Mitteilungen der Polizei konnten bisher die Täter, die am 28. Oktober den Friedhof der Israelitischen Gemeinde in Homburg v. d. H. heimgesucht und dabei zahlreiche Grabsteine beschädigt hatten, bisher noch nicht ermittelt werden. Aus diesem Grunde wird an die Bevölkerung die Aufforderung gerichtet, im Interesse einer restlosen Aufklärung der Tat etwaige Anhaltspunkte über die Täter der Polizeiverwaltung in Bad Homburg oder der Landeskriminalpolizei in Frankfurt a. M. mitzuteilen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.