Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1934)
- Date
- 1934-12-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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QEZ.193S ' Frankfurt a. M* 28, Dezember 1934 22. Tebet 5695 Nummer 52 jang ^us gang fhr Min. 5 15 4 44 5 10 5 20 5 20 4 37 5; 08 4; 52 5 ' 15 o. die jüdischen Auswanderer aus Paris, 19. Dezember. Der europäische Direktor des American Joint Distribution Committee, Dr. Bernhard Kahn, erklärte vor seiner Abreise nach Amerika, wohin er sich soeben zu Verhandlungen über Auswandererhilfe begeben hat, in einem Gespräch mit dem Pariser, ITA-Vertreter, es sei unrichtig, daß die französischen Behörden den jüdischen Auswanderern aus Deutschland gegenüber eine unfreundliche Haltung einnehmen. Mir wurde, sagte Dr. Kahn, von offizieller Seie versichert, daß die Auswanderer großes Entgegenkommen finden. Ferner erklärte Dr, Kahn, das Joint Distribution Committee sei bereit, mit jeder jüdischen Körperschaft an konstruktiven Aufgaben für die Judenheit Osteuropas zusammenzuarbeiten, damit das ungeheure Elend unier den osteuropäischen Juden gemildert werde. Im Organ der Pariser Jüdischen Gemeinde „L'Univers Israelite" schildert Raymond Raoul Lambert die äußerst schwierige Lage der jüdischen Atiswanderer in Frankreich, die unter dem französischen Fremdengesetz schwer zu leiden haben, und weist darauf hin, daß von einer Gruppe von Parlamentariern gerade an einem Gesetzentwurf betreffend das Aufenthaltsrecht der Ausländer in Frankreich gearbeitet wird. „Bietet sich nicht hier," schreibt der Verfasser, „eine günstige Gelegenheit für die Alliance Israelite und das Zentralkonsistorium, den eingewanderten Juden zu beweisen, daß das französische Judentum sich keineswegs einer gebieterischen Pflicht entzieht, der Lehre Cremieux's treu bleibt und auch im Geiste Edmond de Rothschilds handelt, der sich während des Krieges nicnt gescheut hat, in diesem Sinne mit Raymond Poincare zu sprechen?" Ministerpräsident Fl and in hat eine Abordnung des Komitees für die Verteidigung der jüdischen Rechte in Ost- und Mitteleuropa empfangen. Die Abordnung dankte dem Ministerpräsidenten für die Haltung der leitenden französischen Kreise in der Judenfrage und ihr Eintreten für den Grundsatz der Gleichberechtigung der verschiedenen Rassen. Sie lenkte jedoch die Aufmerksamkeit des Ministerpräsidenten darauf, daß in letzter Zeit administrative Maßnahmen gegen jüdische Einwanderer getroffen und Ausweisungen vorgenommen wurden, die sich auf die Lage der jüdischen Einwanderer in Frankreich katastrophal auswirken und der jüdischen öffentlichen Meinung anderer Länder Anlaß zu schweren Besorgnissen gegeben haben. Die Tatsache, daß in Unternehmungen jüdischer Einawnderer zahlreiche Einheimische Arbeit gefunden haben, würde es rechtfertigen, daß einer gleichen Anzahl eingewanderter Arbeitskräfte Arbeitserlaubnis erteilt werde. Ferner verlangte die Abordnung, daß die Sorge um die überzähligen Einwanderer den jüdischen Organisationen anvertraut werde, die ihnen Sichtvermerke beschaffen und Auswanderungsmöglichkeiten für sie finden würden. Ministerpräsident F 1 a n d i n sprach die Hoffnung auf ein gedeihliches Zusammenarbeiten mit den jüdischen Kreisen im Interesse des moralischen und wirtschaftlichen Wiederaufbaus aus. Er erklärte, er werde sich bemühen, die von dem Komitee vorgebrachten Wünsche weitgehendst zu berücksichtigen. Aus dem Inhalt: Das Recht der Nichtarier......Seite 2 Oesterreichische Bischöfe über religiösen Frieden ............Seite 2 Ansiedlung auf Cypern .......Seite 2 Zertüikatverlosung für orthodoxe Olim Seite 2 Maimonidesfeiern .......Seite 2 und 4 Das Kolonisationswerk am Hulehsee . Seite 5 Jüdische Einwanderung nach Syrien und Libanon ..........Seite 5 R. T. Herford und S. R. Hirsch . . . Seite 4 Schächtverbotgefahr in Polen .... Seite 6 Jüdisches Leben in Spanien.....Seite 7 Palästinaberichte ......Seite 7 und 8 Reminiszenzen an S. R. Hirsch . . . Seite 14 Von Dr. Maximilian Landau. IL Die Behandlung des Sabbatproblems wäre nicht erschöpfend zum Abschluß gebracht und würde der notwendigen Klarheit entbehren, wenn sie nicht weiterführte zu einer sich eigentlich von selbst ergebenden grundsätzlichen Betrachtung auch der weiterreichenden kulturellen Zu-" sammenhänge, in die es eingebettet ist. Wir meinen damit vor allem eine bemerkenswerte Erscheinung in unserem gesamten jüdischen Kulturbereich, jenes interessante Phänomen im jüdischen Leben der letzten Jahre (oder Jahrzehnte), das man etwa mit der Bezeichnung: ,, Religiöse Heimkehr" umschreiben könnte. Infolge der letzten Ereignisse und noch früher unter dem Einfluß der allgemeinen europäischen Geisteslage ist in breiten jüdischen Schichten, und speziell unter den deutschen Juden, eine gewisse Rückkehrbewegung zum Glauben aufgetreten, ein Suchen nach echten jüdischen Werten, ein aufrichtiges Streben, den Quellen des Judentums näher zu kommen. Viele jüdische Menschen, besonders unter der Jugend, sind erfüllt von einem unklaren Drang zum Religiösen, von einer starken Sehnsucht nach Formen und Inhalten jüdischer Gläubigkeit, die sich manchmal in rührender Weise äußert. Die jüdische Gesellschaft blieb dieser elementaren Bewegung gegenüber nicht untätig. Sie reagierte schnell und zielbewußt auf die neu erwachten Bedürfnisse, und die Verwalter des jüdischen Kulturlebens taten ihr Bestes, um den Heimkehrern hilfreich entgegenzugehen, sie nicht allein und ratlos die dornigen Pfade zum Judentum beschreiten zu lassen, sondern ihnen die Wege zu ebnen und sie ünter sachverständiger Führung zu ihrem Ziele zu geleiten. Eine Reihe von Einrichtungen wurden ad hoc geschaffen, um den Strom der Suchenden aufzufangen, und immer neue mannigfaltige Formen werden für diese schöne Hilfsbereitschaft gefunden: Jugendünd Erwachsenenbildung, Lehrvorträge, Einführungskurse, Artikel und Publikationen, religiöse Feiern, Liederabende, kulturelle Veranstaltungen aller Art, kurzum, jener ganze, mit schönem Schwung, eifrig und systematisch betriebene Apparat, jenes Oneg Schabbat-Wesen, — um es der Kürze halber einmal so zu bezeichnen — das jetzt allerorten in so hoher Blüte steht. Nicht nur bei den deutschen Juden, an denen sie besonders exemplifiziert wird, ist die geschilderte Erscheinung zu beobachten, auch in anderen Teilen der Judenheit, insbesondere in Erez Israel, lassen sich ein gewisser Zug zum Religiösen und bestimmte Formen seiner Befriedigung unschwer feststellen. Immer wieder wird uns erzählt, daß auch in Kreisen, die früher von solchen Dingen nichts wissen wollten, manche Bräuche wieder eingeführt, gewisse Vor- (Fortsetzung auf Seite 3.)