Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-12-13 · Heft 50 (13.12.1934) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 50 (13.12.1934)
Date
1934-12-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450855--80931-2538774
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Feuilleton- Beilage Nummer 50 1934 Josef von Sevilla. Erzählung aus der Zeit der Inquisition. (Fortsetzung.) Keiner antwortete. So lag der Schreck über das eben Vernommene auf ihnen. Das hätten sie von Juda :nicht geglaubt. ,,Er muß hierher," rief endlich einer. „Das soll er," riefen alle, ,,Er wird sterben," entschied jetzt Josef. ,,Ich weiß, wo er zu treffen ist. Morgen gegen die zehnte Stunde kommt er in das Haus Manuels, aus welchem Grunde, das werde ich Euch später mitteilen; da werden vier von Euch in dem vordersten Zimmer versteckt sein, und ihn, sobald er kommt, gefangen nehmen. Ihr bindet ihn und bringt ihn hierher. Wir werden zu Gericht über ihn sitzen. Wehe dem aber, der ihn vorher verletzt, meine Hand wird das vergossene Blut sühnen." „Ich werde dabei sein, Josef, verlasse Dich auf mich," entgegnete ihm Elieser. ,,Der; Hauptpunkt unserer Versammlung," nahm Josef wieder das Wort, „ist, wie Ihr wißt, ein Mittel zu finden, Don Manuel zu befreien. Ich werde es zunächst allein versuchen, und wenn das nicht gelingt, und wenn es überhaupt unmöglich ist, ihn aus dem Gefängnis zu bringen, müssen wir selbst das Aeußerste versuchen und, wenn sonst kein Weg zur Rettung offen steht, so werden wir .ihn aus den Flammen herausreißen; doch sind wir ja noch nicht so weit. Ich werde also morgen versuchen, unter einer Verkleidung in das Gefängnis einzudringen und Don Manuel zu befreien. Sollte dies mißlingen, so werden wir wieder gemeinschaftlich darüber beraten, und ich bitte Euch deshalb, liebe Freunde, morgen Nacht zu der' gleichen Stunde hier zii sein. Wir werden auch dann über den Verräter Juda zu Gericht sitzen. Seid Ihr damit einverstanden?" : „Wir werdenkommen." „Also auf Wiedersehen.' morgen, und. hoffent-' lieh kann ich Euch eine frohe Mitteilung überbringen. Jetzt ist es aber Zeit zum Aufbruch/' Mit. diesen Worten verließ-Josef, gefolgt von seinen Genossen, die Ruine und bald waren die dunkleri! Gestalten nach allen' Richtungen hin averschwunden. ,; , ., , , f:\i.\'^ .; "'Vffl...^ . . <;;;* Pünktlich am' änderen Tä^e'^zür veräbredeten ■ Stunde, stellte sich Elieser mii drjeii'seiner Freunde 211 im verlassenen ■ Hause Don- Manuls ein:- .'Gut 'geeignete Verstecke waren genug Vorhanden - und-wohlverborgen warteteü' sie hier auf Juda./ Sie brauchten nicht allzulange zu warten, die Ungeduld hatte den Verräter frühe hierhergetrieben. Ahnungslos trat er auf Einladung der einzigen zurückgebliebenen Dienerin in das Zimmef;.; Erwartungsvoll' ließ er sich auf den ersten Sesselfallen,-um die Tochter;.des Hauses zu erwarten. Er -War seiner Sache . sicher. , Qa stürzten, plötzlich von vier verschiedenen Sei- ■ •■•-.*• )»i >: , ■ .;. .' i ■ ten vier vermummte i Gestalten auf ihn. Jeder Widerstand war vergeblich und im Nu. lag er gefesselt am Boden. ■!i „So da liege, Verräter, bis wir Dich holen," rief ihm'Elieser zu, und ohne jedes weitere Wort; verließen sie das Haus, nachdem sie vorher; alle Türen sorgfältig zugeschlossen und die Dienerin entlassen hatten. Juda hatte seine Gegner trotz der Vermummung erkannt. Er wußte, was er zu erwarten hatte, und wie ein gefesselter Stier raste er, um sich der Fesseln zu entledigen, doch umsonst, sie hielten seinen Anstrengungen stand. Rufen konnte er auch nicht, der Knebel in seinem Munde war zu gut angebrächt. Erschöpft von der Anstrengung fiel er wie betäubt zurück. Endlich erwachte er wieder aus seiner Betäubung. Die Sonne stand schon sehr tief, er mußte also lange bewußtlos gewesen sein. Er spürte Hunger, seine Glieder schmerzten ihn von den Fesseln. Was hatte man eigentlich mit ihm vor? Wie war das alles gekommen? Waren die Bewohner des Hauses entflohen und hatte man ihn allein zurückgelassen? Sollte er liegen bleiben, bis er verhungerte? Mit allen diesen Fragen zermarterte er sein Gehirn, onne jedoch irgendwelchen Aufschluß darüber zu finden. Noch einmal versuchte er die Fesseln zu sprengen und ein Hilferuf auszustoßen. Umsonst. Geduldig ergab er sich endlich in sein Schicksal. Sollte da kommen, was wollte; verdient hatte er sein Schicksal, wie er sich in seinem Innern eingestand. Dunkle Nacht; heulend blies der Sturm um das Haus. Von heftigem Durst gequält, erwachte Juda aus seinem unruhigen Schlafe. Es war ihm alles wie ein Traum, doch die Fassein und die Unfähigkeit, ein Wort herauszubringen, überzeugten ihn bald von der schrecklichen Wirklichkeit. Er horchte auf. Ertönten da nicht Tritte im Hause, die sich ihm immer mehr näherten. Rettung! Das war seih erster Gedanke. Aber konnten es nicht jene sein, die ihn in diese Lage gebracht hatten? Es war ihm jetzt alles gleich. Nur hinweg von hier und nicht verhungern! das war sein Gedanke; Seine Vermutung bestätigte sich. Alsbald öffnete sich die Türe und Elieser mit einem seiner Genossen traten ins Zimmer. Er konnte sie ganz deutlich beim Scheine ihrer Fackeln erkennen; „Stehe auf, Verräter, Du sollst nun Deinen verdienten Lohn erhalten, zwar nicht in klingender Münze, doch — — —" Die letzten Worte wurden vom Heulen des Windes übertönt. Ohne jedes weitere Wort banden sie seine Fesseln los, führten ihn hinaus und banden ihn auf eines, der, bereitstehenden Pferde. Niemand bemerkte-..etwas; von ..diesam nächtlichen Vor-r •gangö und'bald-hatte .Elieser mit seinem Gefan-. geiien die 'RüihW'-'erffeic'ht,- wo;er ''allseitig freudig begrüßt iwurde?-',,. " ri; r;,!JJ,P;l; j :<; i ' i. " Ü , -t::» : j „Da 'Bringen' 'wir ihn/' rief-Elieser seinen Freunden, von w'e^tjemrzd. ,:\Sui' ' Grimmige 'Blicke richteten^ sich auf den . mit gesenktem Haupte dastehenden Juda, die Jünglinge vermochten kaum ihren Ingrimm zu bemeistern. Elieser konnte sie kaum vor Tätlichkeiten zurückhalten. li,Josef fehlt noch,", rief einer der!.Anwesenden! . ,'•'''• ■ - > ♦ '. :;i; ''„Josef wird heute. Abend auch, nicht kommen,'er'beauftragte mich, es Euch zu sagen. Er will versuchen, durch irgend ein Mittel in das Gefängnis zu dringen und Don Manuel zu befreien. Wenn es ihm gelingt, wird er ihn alsbald zu seiher Familie bringen und ihnen bei der Flucht behilflich sein. Mißlingt jedoch sein Versuch,-so wird er heute Aßend noch hierher Kommen. Kommt er nichtt-so ist das schon ein gutes Zeichen." ' '■■ ■ „Kann ihm denn nicht vielleicht etwas passiert sein, daß er nicht kommen kann?" warf einer der Jünglinge dazwischen. „Darüber beruhige Dich. Dazu kenne ich Josef zu gut, er läßt sich so leicht nicht fangen. Was wollen wir aber mit Juda machen? Ich möchte gerne warten, bis Josef kommt, aber was sollen wir inzwischen mit ihm machen?" „Tod dem Verräter!" riefen verschiedene der Versammelten. Juda, der dies alles mit angehört hatte, vernahm mit Entsetzen die letzten Worte. Flehentlich bat er: „Tötet mich doch nicht! Nehmet alles, was ich habe, nur lasset mich leben. Ihr habt recht, ich war der Verräter; doch das tat ich nicht um des Geldes willen. Lasset mich doch am Leben, habt Erbarmen!" „Hattest Du Erbarmen, als Du uns verrietest und alle Deine Brüder dem Scheiterhaufen überliefert hast, die nur durch G'ttes Hilfe gerettet wurden? Hattest Du Erbarmen? Aber siehe, wir vergelten nicht Böses mit Bösem, obgleich man Dich wie einen Hund töten sollte. Du weißt, noch schmachtet Don Manuel im Kerker, und wisse, sollte ihm auch nur ein Haar gekrümmt werden, so hat auch Deine letzte Stunde geschlagen. Das schwöre ich Dir bei G'tt, damit Du aber in dieser Zeit nicht wieder Deine Bosheiten ausführen kannst, werden wir Dich weiter gefangen halten, bis sich Dein Los entschieden hat." Nur ungern stimmten die Versammelten Elieser bei, aber sie sahen ein, daß Elieser Recht hatte. Längere Zeit warteten sie noch auf Josef. Doch der schien Glück gehabt zu haben und Bein Vorhaben schien gelungen zu sein. Nach langem, vergeblichem Warten brachen alle freudigen Herzens auf, um den Rest der Nacht auf ihrem Zufluchtsorte zuzubringen. Elieser begab sich mit seinem Gefangenen nach dem Dorfe, in dem sich die Gattin und Tochter Manuels auf hielten, , um hier Josef zu erwarten. Auch Selma und ihre Mutter, warteten gespannt auf Josef. Freudig sprangen sie auf, als sie Pferdegetrappel hörten, glaubten sie doch, es wäre Josef mit dem geretteten Vater. Die Freude war jedoch umsonst. Es war Elieser, der mit Juda ankam. „Wen bringst Du denn^ da mit?" fragte Selma den jungen Mann, .... - „Er ..dürfte Dir gar nicht so unbekannt sein, sieh 'har, „wer es.fist!" , Bei diesen Worten hielt er Juda die-Fackel vor das Gesicht, und mit Abscheü 'Wjan'dten :sie sich ab, als sie ihn erkannten.! : ' ''' ■<>>■ ' i: '!!••• . .,J!.. „Hast Du keine Nachricht von Josef," wandte sich Selma wieder an Elieser. „Ich glaubte ihn bereits hier zu treffen. Er hat sich scheinbar verspätet." „Oder ist ihm ein Unglück zugestoßen," wandte Selma ängstlich ein. „Das glaube ich nicht," entgegnete Elieser. „Ich halte es für das Beste," fuhr er nach einigen. Minuten fort, „wenn sich die Frauen zur Ruhe begeben, vielleicht muß die Flucht bald fortgesetzt werden. Sobald Jösef kommt, werie ich Euch wecken." Selma war damit einverstanden, und bald war das Haus in tiefes Dunkel gehüllt. ■'>' ■ r ■ , (Fortsetzung folgt.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.