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Der Israelit · 1934-12-13 · Heft 50 (13.12.1934) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 50 (13.12.1934)
Date
1934-12-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr.. 50 Der Israelit 13. Dezember 1934 kenhäusern in die Pflege- und Siechenanstalten verlegt werden. Gehen wir nnu durch ein sol ches Siechenhaus und sehen dort u. a. einen gelähmten Jungen von 14 Jahren, junge Männer und junge Mädchen mit schweren organischen Erkrankungen, Patienten mit amputierten Gliedmaßen, die alle mehr oder weniger durchaus krankenhausmäßiger Pflege und Behandlung be dürfen und deren Unterbringung auch nur in solchen Räumen erfolgen kann, die krankenhausmäßig eingerichtet sind, dann, wird es uns erst klar, daß Altersfürsorge nicht mit Siechenfür so-ge identisch ist. Und wenn wir erst in solchen Häusern erfahren haben, daß Siechtum überhaupt kein feststehender Begriff ist, sondern daß es durch den jetzigen Stand der Wissenschaft mög lieh ist, gewisse schwere organische Erkrankun gen durch langjährige Pflege und Behandlung zu bessern und solche Kranke wieder lebens- und zum Tail erwerbsfähig zu machen, so empfinden wir die besonderen Anforderungen, die für Unterbringung der mit schweren Leiden Behafteten notwendig sind. Es kommt hinzu, daß in Altersheimen, wo es sich nur um gesunde alte Personen handelt, verhältnismäßig wenig Helfer beansprucht werden, während chronisch Kranke und Sieche Tag und Nacht pflegerisch, versorgt und die zur Linderung und Besserung ihres Leidens ärztlicherseits verordneten Medikamente und medizinischen Bedarfsartikel erhalten müssen. Da die vorhandenen Siechenhäuser nun dauernd mit solchen schweren Fällen belegt sind, wäre es wohl die beste und idealste Lösung, die ja auch Herr Dr. Michel in Vorschlag bringt, wenn die jüdischen Krankenhäuser sich entschließen würden, wenigstens einen Saal für chronisch Kranke oder für Patienten, die mit langdauernden Leiden behaftet sind, zur Verfügung zu stellen. Daß dies bis jetzt noch nicht geschehen ist, dürfte wohl darauf zurückzuführen sein, daß der Pflegesatz für chronisch Kranke von den Fürsorgestellen nur auf höchstens Mk. 2.— pro Kopf und Tag festgesetzt ist, in dem alle obengenannten Leistungen inbegriffen sind. Während die Siechenhäuser versuchen müssen, den Rest der Selbstkosten auf wohltätigem Wege aufzubringen, müßten eben die Krankenhäuser zusehen, den Ausgleich von den für sie zuständigen Stellen zu erhalten. Es ist anzunehmen, daß eine Verwirklichung in dieser Hinsicht zweckmäßiger — auch in finanzieller Hinsicht sein dürfte als Neuerstellung von für Krankenunterbringung geeigneten Räumen, womit allein es ja noch gar nicht getan ist. Das alte Wort: „Wo ein Wille ist, da ist ein Weg!", es wird sich bewahrheiten, wenn alle in Betracht kommenden jüdischen Kreise zusammenhalten, und diese Zusammenarbeit möge segenspendend wirken für unsere Alten und für unsere Siechen! Korrespondenzen- Deutsches Reich. Jüdische Schiffahrtslinie nach Palästina. Berlin, 7. Dez;;>; Unter dem Namen „Palestine Shipping Co, Ltd." ist mit Unterstützung der Arnold Bernstein-Linie in, Hamburg eine jüdische Schiffahrtslinie mit dem Sitz in Haifa gegründet worden. Die erste Fahrt; des' 10.000 Tons umfassenden Schiffs „Tel Awiw", die anläßlich der Eröffnung der Linie stattfindet, beginnt ab Hamburg am ,26. Januar 1935. In Genua wird am 13. Februar der Flaggenwechsel dieses Schiffes und die Uebernahme des Schiffes durch die Palestine Shipping Co. erfolgen. Der Dampfer wird regelmäßig zwischen Triest und Haifa zweimal monatlich" verkehren. Er hat nur eine. Einheitskabinenklasse und ist soeben vollständig umgebaut und für die Erfordernisse des allergrößten Komforts eingerichtet. Die Berliner Vertretung der Schiffahrtslinie befindet sich in Charlottenburg, Fasanenstr. 18. : Der fahrplanmäßige Verkehr wird am 13. März von Triest, am 21. März von Haifa aus aufgenommen. Die Dauer der Ueberfahrt beträgt fünf Tage. ', 5l 1 ' '■' ' ' ■ ' -_— =-' < ~\; . "-T .. ' Pfarrer Münchmeyer über die Judenfrage. Nürnberg, 7. Dez. Die „Fränkische Tageszeitung" berichtet über die von Pfarrer Münchmeyer in einer Nürnberger Massenversammlung gehaltene Rede u. a. folgendes: „Und dann kam Pfarrer Münchmeyer auf ein Thema zu sprechen, das durch die Vorarbeit des Frankenführers Julius Streicher gerade in Mit'telfranken den besten und verständnisvollsten Widerhall im Volke findet — die Judenfrage. Er wies nach, wie in allen Ländern die Völker auf das verhängnisvolle Treiben des Judentums aufmerksam werden und wie mehr und mehr auch außerhalb Deutschlands der Jude abgelehnt werde. In diesem Zusammenhang gedachte Pfarrer Münchmeyer auch des „Stürmers", jener Wochenschrift, die, von Mittelfranken ausgehend, das wahre Gesicht des Weltjuden aufzeigt und dem, der Augen hat und sehen will, die Gefahr, die das Judentum für die ganze Menschheit bedeutet, .aufzeigt Wörtlich führte hier der Redner folgendes an: „Das ist das hohe Verdienst des „Stürmers" und des Gauleiters Julius Streicher, daß er die Judenfrage rechtzeitig erkannt hat und daß er auch zeigt, was mit dem Juden los ist. Die Aufgabe, auf das Treiben des Judentums hinzuweisen, löst keiner in Deutschland besser als der „Stürmer". Das Volk wird durch ihn aufgerüttelt und darum ist diese Zeitung überhaupt nicht und von niemandem zu entbehren und wer dieser Meinung nicht ist, der hat die Judenfrage noch nicht begriffen." Oesterreich. Mangel an Zertifikaten hemmt die jüdische Auswanderung aus Oesterreich nach Palästina. Wien, 7. Dez. Wie das Wiener Palästina-Amt der ITA. mitteilt, konnten im Monat November von diesem Amt bloß 46 Personen nach Palästina abgefertigt werden. Davon waren 19 landwirtschaftlich oder handwerklich ausgebildete Chaluzim, 22 Personen, die von ihren in Palästina lebenden Familien angefordert worden waren, 2 Studenten und 3 Angehörige anderer Kategorien. Die Notwendigkeit, immer wieder die hochqualifizierten jüdischen Handwerker Wiens, die nach Palästina auswandern wollen, abweisen zu müssen, wrid von den verantwortlichen Persönlichkeiten des Wiener Palästina-Amtes besonders schwer empfunden. In vielen Fällen warten die Bewerber schon so lange auf ein Zertifikat, daß sie überhaupt daran verzweifeln, jemals wirklich an die Reihe zu kommen. Dabei handelt es sich um Menschen^ die in Palästina dringend gebraucht werden. Derj?Zertifikatemangel in .Wien ist andauernd kätäst'rotifiäl. ' " " ' ^{fj . .. (Aus dieser Mitteilung werden vielleicht ji$ch die Beschwerde^ verständlich, die von Seiten der/öster-' ieichischen ^Landesorganisatiori der „Ägüdas * Jisrpel" in.' Zertifikatangelegenheiten seit. langem;^rtiaberi werden. Die' fest bewilligten. Zertifikate ^werdet!' nicht ausgefolgt, so daß die peinlichsten Situationen entstehen. Abhilfe ist dringend geboten. Red.) Un& •ms! h::I D arn. Agudas Jisroel in Ungarn. ■' ■<■'■-" Budapest, 5J!Dez. Tnfolge .eines Briefwechsels, den Oberrabbiner uschinskyin Jerusalem mit führenden-Persönlichkeiten der ungarischen Orthodoxie, insbesondere' mit seinen ehemaligen Schülern gepflogen hat und in dem er die Bedeutung des Aufbaus einer agudistischen. Organisation auch für, Ungarn in,,über-: zeugender Weise darzulegen Gelegenheit.,fandij'haben die ehemaligen Schüler Oberrabbiner Duschinskys in Budapest beschlossen, unter Leitung des Vorsitzenden der orthodoxen Chewra Kadischa in Budapest, Herrn Marcus-K1 e in, die Schaffung einer umfassenden agudistischen Landesorganisation in Ungarn in die Hand zu nehmen und zunächst zu versuchen, die psychologischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Der bekannte Budapester Rabbiner Süß mann begünstigt die Bestrebungen und hat seine Unterstützung zugesagt. Sitzung des orthodoxen Zentralkomitees. Budapest, 5. Dez. Das Zentralkomitee der ungarischen Orthodoxie beschäftigt sich in seiner soeben stattgehabten Tagung mit der neuen Satzung der neologen Konfession, wobei festgestellt wurde, daß mehrere in die Satzungen aufgenommenen Bestimmungen gegen die Rechte der orthodoxen Organisation verstoßen. Das Zentralkomitee hofft, daß es auf Grund des bisherigen guten Einvernehmens mit der Leitung der Neologie auf friedlichem Wege gelingen wird, Remedur zu schaffen. Die über die Sitzung des Zentralkomitees ausgegebene offizielle Mitteilung besagt, daß die Orthodoxie von ihrer religiösen und prinzipiellen Stellungnahme nicht um einen Schritt abweichen kann. Die Warnung erschien notwendig angesichts der Aeußerungen der neologen Presse, die offen den wiedererwachten '. Wunsch nach Durchführung einer zwangsweisen Unifikation erkennen lassen. Das Zentralkomitee beschäftigte sich weiter mit der wirtschaftlichen Lage der Jeschiwos und Talmud Thora-Institutionen und derjenigen der Gemeinde- Beamten. Nicht zur Erörterung gelangte die Frage der Erez Jisroel-Arbeit, die auf der Tagesordnung stand, sowie die Errichtung einer öffentlichen Rabbinerschule. Budapester Brief. Budapest, 7. Dez. Zu welch günstigen Wirkungen im gemeindepolitischen Leben die konsequent durchgeführte Organisierung der oftbeschimpften „Austrittsorthodoxie" führen kann, zeigt ein Fall, der unlängst in Ungarn vorkam. In diesem Lande verfügt bekannterweise das glaubenstreue Judentum über eine" selbständige, staatlich anerkannte Organisation, deren Spitze, die Orthodoxe Landeskanzlei in Budapest, in gewisser Hinsicht mit Hoheitsrechten ausgestattet ist. Zu dieser Kanzlei nun kamen in letzterer Zeit befremdende Meldungen über das Verhalten des Präsidenten einer Gemeinde. Dieser, zugleich Metzger seiner Gemeinde, schien von den Ame-haarez uralten Schlages zu sein, von denen uns der Talmud berichtet, daß sie einen unendlichen Haß den i Talmide- Chachomim gegenüber hegten. So ließ er den Schiur eines Talmid-Chochom behördlich ' auflösen, wobei der Vortragende auf 50 Pengö bestraft wurde. Er löste die Volksschule auf, da ihm der Lehrer zu fromm war. Er hat sich über einen dörtweilenden Raw, der in einem Fall sein halachisches Urteil aussprach^ abfällig geäußert,; usw.-' - ...;! ' AH1 das' veranlaßte den Präsidenten der Kanzlei, Herrn KähahiFrankl, den Herrn Oberrabbiner einer benachbarten Gemeinde mit der Untersuchung der Vorkommnisse zu beauftragen; Nacheingegangener, verurteilender Meldung, wurde der Vorsitzende mit Zustimmung des Herrn- Kultusministers infolge religiöser und materieller Unverträglichkeit seines Amtes enthoben. Es werden unter Leitung eines durch die Kanzlei ernannten Kommissärs neue Wahlen veranstaltet, bei denen, der ehemalige Vorsitzende für kein einziges „Pöstchen" kandidieren kariii. Der energische Vorgang des Herrn Kahan-Frankl wird in der orthodoxen „Zsido' Ujsag" wief'aüch in der gesamten Orthodoxie mit Anerkennung aufgenommen.;.;•...■); ., . Reichsverweser Nikolaus v. Ho'r'thy, der "anläßlch seines 15jährigen RegierUrigsjubiläums von der Orthodoxen Landeskanzlei begrüßt wurde, dankte in einer. Hohen Zuschrift für die herzliche Begrüßung.

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