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Der Israelit · 1934-12-06 · Heft 49 (6.12.1934) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 49 (6.12.1934)
Date
1934-12-06
Page
– (sequence 24)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 49 Oer 1 s r a e 1 i t 6. Dezember 1934 und zur Verteidigung des Vaterlandes eben so schwere Opfer an Gut und Blut wie jeder andere Volksteil gebracht hat. Treitschke allerdings hat nur einen einzigen gleichberechtigten deutschen Juden gekannt, Gabriel Riesser, „einen edlen, vaterländisch gesinnten Mann, in dem das Recht Gemüt geworden war." Im Hinblick auf diesen sagt er (II 574): „wären ale deutschen Juden wirklich so gesinnt gewesen wie dieser begeisterte Patriot, dann hätte ihre Gleichberechtigung keinen Widersland in unserem weitherzigen Volke gefunden." Leider hat sich in unseren Tagen auch dieses als ein Fehlurteil auf Seiten Treitschkes erwiesen. Druck und Ausstattung des angezeigten Werkes und der niedrig bemessene Preis verdienen rückhaltlose Anerkennung. Kalifeins. Gesetz im Koran. Kultus und Ritus. Von Joseph J. Rivlin. Jerusalem. Verlag Bamberger u. Wahrmann. 124 S. Preis Mk. 6.—. Ein Gelehrter schreibt dieses Buch für Gelehrte. Ausschließliches Ziel ist die Darstellung dessen, was der Koran selbst über alle in Kultus und Ritus einschlägigen Gebiete sagt. Von fein spürender Psychologie zeugt der Versuch, nachzuweisen, wie die Stellungnahme Mohammeds, wechselnd von Periode zu Periode, in dessen Charakter und unentwegt im Auge behaltenen politischem Endziel begründet ist. Insofern ist das Buch auch für Laien hochinteressant. Verf. will nie zu viel beweisen und so läßt er in vielen Punkten die Frage unentschieden, ob Mohammed dies oder jenes dem altarabischan Heidentum, Christentum oder Judentum entlehnt hat. Dem jüdischen Leser bietet das Buch besonders viele Anregungen. Es sei zunächst auf zwei allgemeine Sätze aufmerksam gemacht. S. 101 . . . wie es schlechterdings kein Religionssystem gibt, das nicht schon von Anfang an eine mündliche Lehre neben einer schriftlichen Urkunde besetzt. S. 106. Sie (sei diese Tatsache) zeigt, wie sehr die Tradition geprüft werden muß, nicht nur, bevor sie anerkannt wird, sondern auch, bevor sie als tendenziöse Erfindung zurückgewiesen wird. Selbstverständlich sind Berührungen mit jüdischem Kultus und Ritus außerordentlich oft herangezogen. Vielleicht hätte Seite 12 auf uft Jfan p (Ber. I, 2) hingewiesen werden können. Hier scheint ein Gv dächtnisfehler Mohammeds vorzuliegen. Welche Tatsache hat Verf. im Auge, wenn er von Gazelle als pnp bei den Juden spricht? (S. 32.) Wenn man bedenkt, wie trotz des Aufhörens des Tempeldienstes die wissenschaftliche Pflege der Opferkunde in der Judenheit lebendig geblieben war, so konnte M. auch den Gedanken des Festopfers aus dem Judentum entlehnt haben. (Vg. S. 35.) Die Erklärung von Tii3in av (S. 47) ist nur dann richtig, wenn man nicht als Träger der ivnT den Allmächtigen annimmt, so wie es in der Liturgie zum Ausdruck kommt. Zu S. 52 könnte man die talmudischen Ausführungen zu ->nn "WK aio (Koh. V. 4) heranziehen. Das Buch behandelt also sozusagen nur die o'pn Bei der gewissenhaften Arbeitsweise des Verfassers sehen wir den Fortsetzungen mit Spannung entgegen. K. Grundriß der Rassenkunde. Von Hermann Mukkermann. Paderborn. 193 4. Verlag Ferdinand Schöning h. Mit 3 Bildtafeln. 128 Seiten. Der Begriff Rasse und andere mit ihm zusammenhängende, wie Erbbiologie und Eugenik, sind bei uns in Deutschland gegenwärtig so sehr im Schwange, daß man mit ihnen vertraut sein muß, um gewisse Erscheinungen im öffentlichen Leben verstehen zu können. Der hier angezeigte Grundriß gibt in leicht faßlicher Sprache eine bei aller Kürze doch vollkommen ausreichende Uebersicht über den gegenwärtigen Stand der Rassenkunde. Wir möchten dieses Buch unseren Lesern ganz besonders auch deshalb empfehlen, weil sein Verf. sich einer in der Jetztzeit nicht hoch genug zu bewertenden Objektivität in der Darstellung der wahren Sachlage befleißigt. Die Rassenkunde, die die Menschheit gegenwärtigin Europäiden, Mongoliden und Negriden einteilt, befaßt sich bis heute hauptsächlich mit den körper-. liehen Eigenschaften der verschiedenen Rassen und deren Unterabteilungen. Aber, auch bei Beschränkung auf diese eine Seite des Problems der Rassenkunde „darf man den Satz aufstellen, daß schon in frühesten historischen Zeiten wirklich reine Rassen in ganz Europa, also auch in Deutschland, nicht mehr anzutreffen sind." (S. 82.) Versucht man aber eine Einteilung der Menschheit hinsichtlich der seelischen Eigenschaften, deren Bedeutung doch viel weitergreifend ist, so kommt man zu dem Ergebnis, daß „es leider unmöglich ist, schon heute Kriterien aufzustellen, die Rassenunterschiede auf seelischem Gebiete mit Sicherheit dartun." (S. 102.) Gegenüber dahin zielenden Versuchen, wie sie Victor Carus im vorigen Jahrhundert unternommen hat, läßt Verl, die Frage offen: wissen wir denn, ob mitbestimmten körperlichen Rassenmerkmalen seelische erblich gegebene verbunden sind? Auch einer der besten modernen Kenner der Rassenkunde, v. Eickstedt, bekennt, daß die rassenpsychologischen Methoden erst wenig ausgearbeitet sind. „Und wenn man nach genialen Köpfen sucht, wird man durchweg Mischformen finden, die mehr oder weniger vorwiegend die eine oder die andere, oder gar mehrere Rassen in gleicher Ausprägung zeigen." Nciht besser steht es um die Erbbiologie. Der Züricher Internist, Professor Naegeli, hat erst kürzlich bei einem Vortrage vor der Senckenbergischan Naturforschandsn Gesellschaft in Frankfurt a. M.. erklärt — laut Bericht der „Frankf. Ztg." vom 11. Nov. 1934 —: „Die Ergebnisse der Erbbiologie sind sehr bescheiden. Die Ursache des Vererbungsganges bleibt dem Menschen verborgen. Das Warum ist Geheimnis der Nat^ur. Wir müssen ehrlich und offen gestehen, daß wir gerade über Erbkrankheiten im Grunde nur sehr wenig wissen." Mit erfreulicher Entschiedenheit wehrt sich Verf. gegen den Verdacht, als ob er das jüdische Volk oder irgendein anderes als minderwertig hingestellt wissen möchte. Er hebt mit Nachdruck hervor; „daß manche Fremdrassan im deutschen Volks Bedeutentes geleistet haben, das man nicht mit einer ungerechten Gebärde abtun sollte. Im besonderen sind jene Juden, die in inniger Verbindung mit ihrer Religion ihr eigenes Leben und das Leben ihrer Familie gestalten, nachahmenswerte Beispiele einer großen Treue zur Natur und zu G'tt, dem Vater aller Menschen. (S. 120.) Kalifeins. Leitfaden für den Selbstunterricht in der arabischen Sprache. Von St. H. Stephan. Jerusalem. 193 5. Steimatsky Publishing C o m p a n y L t d. 152 S. 150 mils M. 1.85. Der Leitfaden will deutschsprechenden Palästinaeinwanderern und -touristen gleichzeitig Sprachführer und Hilfsmittel für den ersten Selbstunterricht sein. Bei der großen Zahl der aus Deutschland kommenden Einwanderer liegt zweifellos ein Bedürfnis vor, dem der gefällig ausgestattete und nicht teure Leitfaden in hohem Maße entgegenkommt. Der Sprachführer ist z. T. nach Begriffen, nicht rein alphabetisch geordnet. Wenn man das arabische Wort für „Post" sucht, kann man es unter „Post" und unter „Behörde" finden. Es dürfte genügen, jedes Wort in rein alphabetischer Ordnung anzuführen. Andererseits findet man „Gold" nur unter „Geld". Der Leitfaden soll auch das Lesen arabischer Buchstaben lehren. Da wäre es angebracht, die Schriftzeichen aus S. VI größer und deutlicher zu drucken und auch eine Uebersicht über die Vokale zu geben. Dann möchten wir für eine neue Auflage, kleine Uebungsstücke empfehlen. M. A. Die Anfänge der Religion bei Ariern und Israeliten. Von A. Titius, O.-Pr. an der Universität Leiden. Göttingen. 193 4. Vandenhoeck u. Ruprecht. (Titius - Wobbermin'sche Schriftenreihe Heft 16.) kl. 4°, 84. Titius bemüht sich, die religionsgesetzliche Stellung der israelitischen Frühzeit objektiv und vorurteilslos zu erfassen. Irgendwelche verallgemeinernde Rassenvergleichung kommt hier nicht zu Worte. Selbst von dem Irrtum, der jüdischen Bibel den Unsterblichkeitsglauben nicht oder nur unvollkommen zuzusprechen, ist diese Schrift frei. Viele Vorzüge des Germanen- und Inderglaubens findet Titius im A. T. wieder, — viele angebliche Schattenseiten des jüdischen Volkwerdens im indogermanischen Religionsleben. Trotz alledem eine wenig befriedigende Studie. Festgehalten ist an der historisch-kritischen Grundauffassung, nach welcher auch unsere Religion erst in späterer Zeit (S. 25/6) die Ablösung des Menschenopfers durch das Tieropfer, oder die der angeblichen Blutrache in' Todesstrafe erfolgt sei. Die ethische Erziehung durch das Gesetz (40/1) verkennt Titius nicht, doch sind Ansätze ethischer Deutung gerade des Reinheitskults nicht versucht. Als Gewährsmann für eine ganz unannehmbare Deutung des heiligsten G'ttesnamens figuriert hier — Buber (81.) Der Unterschied zwischen verbotenem und gesetzlichem Kult verschwimmt öfters. Wann wird auch das Thoragesetz einen unvoreingenommenen Beurteiler finden? C. L'torath b'ne Alijah", Von Emanuel Hirschberg. Danzig. Selbstverlag. 14 Seiten, 8°. ■ , Die erste Fortsetzung der mit vielem Fleiß ausgearbeiteten hebräischen Schrift zeigt aufs neue die Belesenheit des Verfassers in Talmud, Sohar und dem übrigen jüdischen Schrifttum. Das kleine Heft bildet einen weiteren Beitrag zum Verständnis .des Lebens und der geistigen Größe des Rabbi Schimon ben Jochai und seines Sohnes Rabbi Eleasar. Wer sich der Mühe unterziehen will, die geistigen Erzeugnisse dieser beiden Großen in Israel in Vergleich zu bringen mit den anderen früheren Zeitabschnitten, dem sei die Lektüre dieses Heftchens empfohlen. Die Verbreitung dieser Schrift kann den Verfasser in den Stand setzen, recht bald das ganze Werk dem Druck zu übergeben. Kenner des Talmud werden an dem ganzen Werke ihre Freude haben. —r.— Von jüdischen Bräuchen und jüdischem G'ttesdienst. Von S. Müller. Frankfurt a. M. 1 9 3 4J J. K auf f mann Verlag. Preis' br. Mk, 2.85, geb. Mk. 4.—. Das Büchlein ist offenbar für Juden bestimmt, die schon lange keinen Hauch mehr von jüdischem Leben und jüdischer Lehre verspürt haben. Für sie muß man manches vorsichtiger formulieren, manches auch etwas verschleiern, manches wieder in den Vordergrund rücken, was wegen seiner ästhetischen Wirkung, und weil es kein großes Opfer fordert, von vornherein auf Annahme rechnen darf. So werden als Riten für den Alltag neben, oder vielmehr zwischen Mesusa und Tefilla der Misrach, d. h. „das Bild an der Ostwand" zur Pflicht gemacht! Dafür sind Tefillin und Zizith vorsichtigerweise nur beim Barmizwa, und auch da nur in einer Fußnote erwähnt. Es ist die Rede von Sabbateingang und -Ausgang, von Schacharith und Mincha und Maariw, aber nicht vom Sabbathalten selbst. Für das moderne Palästina und die Reichsvertretung wird Interesse zu wecken versucht. Von den Speisegesetzen aber sagt der Verfasser; „Die Speisegesetze, die durch Erziehung zur Enthaltsamkeit und Entsagung den Menschen dem Dienst am G'ttlichen näherbringen sollen, . . . haben der christlichen Umwelt oft den Anlaß zur gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Abkehr von den Juden gegeben." Das dürfte manchem Leser unverständlich sein, auf jeden Fall wird er sich durch diesen Hinweis nicht sehr ermutigt fühlen, die Speisegesetze zu halten. Dafür ist oben im Text ausdrücklich darauf hingewiesen, daß „nach deutschem Reichsgesetz dem Schächten die Betäubung des Schlachttieres vorausgehen muß." E. Die Krankheit der Zivilisation. Ein Beitrag zur Erziehungsfrage. Von Prof. Dr. Erich Benjamin. München. 193 4. Verlag Rudolph u. S t e i n i c k e. Preis Mk. 2.80. Der bekannte Kinderarzt spricht in diesem Buch sehr klar und anregend über die Sturm- und Drangperiode des Kindes und die grundlegenden Reaktionen in dieser Zeit, wie Auflehnung, Abwendung und Regression. Fehlerziehung und Schwererziehbarkeit werden in Zusammenhang mit den Einflüssen der Zivilisation behandelt, und dabei über die Inflation der Bildung, das einzige Kind, das frühreife Kind, Ueberbürdung, Frauenemanzipation, Geburtenrückgang und über die ganze großstädtische Entwicklung und ihren gesunden Ausgleich beachtliche Ausführungen gemacht, die in dem letzten Kapitel eindrucksvoll zusammengefaßt werden. Die Europäisierung des Orients. Von Hans Kohn. Berlin. 193 4. Schocken-Verlag. Mk. 6.—. Kohn ist heute anerkanntermaßen der beste und scharfsichtigste Kenner des vorderen Orients. Er hat in diesem seinem neuesten Werke in tiefschürfender und feinsinniger Darstellung dem Werdenden den Puls gefühlt und die teils noch ganz embryonischen, teils schon deutlich erkennbaren Entwicklugnstendenzen in den orientalischen Ländern, auf wirtschaftlichem, kulturellem, politischem Gebiete in fesselnden Untersuchungen als Ganzes erschaut. Ausgehend von den äußeren Faktoren, der geographischen Raumgestaltung, von Klima, Flora und Fauna, wendet sich der Verfasser alsdann der geschichtlichen Entwicklung, der Religions- und Staatenbildung zu, um schließlich zum eigentlichen Thema, dem Wandel des orientalischen Menschen im 20. Jahrhundert, überzugehen. Die Europäisierung der ganzen Menschheit ist das Charakteristikum dieser Periode und diejenige des Orients nur eine Teilerscheinung, die allerdings mit besonders schmerzlichen Begleitumständen verbunden ist. Die politischen Spannungen, unter denen sich der Modernisierungsprozeß vollzieht, werden anschaulich geschildert, insbesondere der Einfluß des Weltkrieges auf die Beschleunigung der Entwicklung. Der Verfasser teilt in einem Nachwort mit, daß er nach zwanzigjährigen Studien den Orient verlasse und beabsichtige, gemeinsam mit Professor William Ernst Hocking von der Harvard-Universität ein Jahrbuch „East and West" herauszugeben. Das Buch sei jedem, der das Palästina-Problem nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit der gesamten orientalischen Problematik erfassen will, angelegentlich zum Studium empfohlen. —m. Josef und seine Brüder. Ein altjüdischer Roman. Herausgegeben von Micha Josef bin Gorjon. Berlin. .1 93 3. Bücherei des Schocken-Verlags, Bd. 3. Berlin, Schocken-Verlag. Das schlichte Gewand, in dem die Darstellung des Sefer hajaschar erscheint, paßt gut zu der schlichten Sprache und zu dem ruhigen Rhythmus der Erzählung. Hier finden wir nichts von der gesuchten Gelehrsamkeit, der findigen Phantasie und raffinierten Technik, die uns in Manns Geschichten um Jakob stört. Doch spricht sehr viel gebändigte Kraft, gedämpftes Leid, zurückgehaltene Leidenschaft aus den Menschen, wie sie der Midrasch und die Bibel vor uns hinstellen. Die vorliegende Darstellung spricht uns um so natürlicher an, als sie sich näher an jene heiligen Quellen hält. Auf den Untertitel: „Altjüdischer Roman" möchte man freilich verzichten.

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