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Der Israelit · 1934-12-06 · Heft 49 (6.12.1934) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 49 (6.12.1934)
Date
1934-12-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurt a. M. 6^Dezcmber 1934 29. Kislew 5695 Nummer 49 ie Juden aaraebiet. Bei den Verhandlungen des Saarkomitees in Rom wurden am 3. Dezember Vereinbarungen unterzeichnet, die sich u. a. auch auf die Behandlung der Einwohner des Saargebiets nach durchgeführter Abstimmung beziehen. Die Vereinbarungen sollen in der nächsten Woche durch dan Völkerbundsrat ratifiziert werden. Ueber ihren Inhalt wird der ITA. von dem Mitglied der Abstimmungskommission Lopez 0 11 iv a n mitgeteilt, daß die Rechte aller.Ei n- "wohner, ohn(e Unterschied von Konfession und Rasse für die Dauer eines Jahres gewahrt werden sollen. Ein Antrag, die Geltungsdauer dieser Bestimmung auszudehnen, konnte' die einstimmige Annahme nicht finden. Herr Ollivan äußerte die Ansicht, daß in Bezug auf das künftige Schicksal der jüdischen Bevölkerung des Saargebiets übertriebene Befürchtungen, wie sie von mancher Seite laut wurden, nicht gerechtfertigt seien. Die „Frankfurter Zeitung" veröffentlicht einen ausführlichen Bericht über das Ergebnis der Verhandlungen in Rom, in dem es u. a. heißt: „Die Vereinbarungen gliedern sich nach politischen und finanziell-wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Was die politischen angeht, so hat man im wesentlichen die Schutzbestimmungen, zu welchen sich Deutschland in dem Wahlabkom-' men vom Juni, das auch das Abstimmungsobergericht einsetzte, bereit erklärt hat, auf die nichtabstimmungsberechtigte Bevölkerung ausgedehnt mit der Einschränkung, daß die betreffenden Einwohner seit mindestens drei Wahren vor dem Abstimmimgsterrnin ihren Wohnsitz im Saargebiet haben. Außerdem wurden Übergangsbestimmungen vereinbart, welche die Interessen aller Kreise der Saarbevölkerung für die Dauer eines. Jahres nach dem Uebergang des Saargebiets an Deutschland sicherstellen. Während dieses Jahres erfolgen keine Diskriminierungen nach Religion, Sprache oder Rasse. Innerhalb dieses Jahres sind Saarbewohner berechtigt, auszuwandern unter Liquidierung ihres Vermögens." Aus dem Inhalt: Der „Völkische Beobachter" und die jüdische Weltpolitik ......Seite 2 Kriegsbrieie gefallener Juden .... Seite 2 Forderungen der Fürther Aerzteversammlung Seite 2 Eine neue Etappe der Palästina-Kolonisation Seite 2 Zum 130 jährigen Jubiläum des Philantropin Seite 3 Das mißverstandene Chanukahfest . ■ Seite 4 Als Juden wollen wir ihn lesen Von Rabb. Dr. Klein, Berlin . . . Seite 5 Wirtschaftsnachrichten und Berichte aus Erez Jisroel.....Seite 7 und 10 Konsequenzen des Schächtverbotes . Seite 8 Jüdische Religiosität in Sowjetrußland Seite 9 Berichte aus Amerika, Mexiko und Kanada Seite 10 Beilagen: „Aus Welt und Leben" „Literarische Warte". fcEjStj^ AfiSSfi Der Tag Für kommenden Samstag, den 8. Dezember, ist von der Reichsregierung unter dem Motto Tag der nationalen Solidarität eine große Sammelaktion für das Winterhilfswerk vorgesehen. Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, wie sehr wir es auch als jüdische Pflicht erachten müssen, am Winterhilf swerk, das auch Juden von der Unterstützung nicht ausschließt, kräftig mitzuarbeiten. Da die Straßensammlung auf die Zeit von 4 bis 7.30 Uhr abends festgesetzt ist, so(ist es auch gesetzestreuen Juden gegeben, sich nach Sabbatausgang von 5.15 Uhr ab mit ihrem Obolus am Sammelwerke zu beteiligen. Man schreibt uns: I. Unter diesem Thema hielt der C. V. in Berlin eine überaus stark besuchte Kundgebung ab, bei der Dr. Bruno Weil Ausführungen prinzipieller Natur machte, über die die C. V.-Zeitung Nr, 45 vom 8. November 1934 ausführlich referiert. Obgleich Sie über die Veranstaltung schon kurz berichtet haben, bergen die nach mancher Richtung wertvollen Ausführungen des Henrn Dr. Weil auch für uns soviel Probleme in sich, daß wir nochmals auf sie zurückkommen müssen. „Ist die Emanzipation zusammengebrochen?" Dies war die große Frage, diedort gestellt wurde und auf die in einer immerhin bemerkenswerten Art eine Antwort gegeben wurde. Vor allem dürfte uns einmal die Fragestellung interessieren. „Rechenschaft und Ausblick" betitelt sich diese Kundgebung. Ob die Emanzipation nicht ein „großer historischer Fehler war", ob man „eine Schuldfrage untereinander" aufwerfen kann, darüber macht man sich heute in Groß-Berlin Sorge. Das allein genügt schon, uns zu interessieren. Als der sogenannte „Umbruch" kam, da war es vielen von uns, die wir aus unserer g'ttbezogenen Weltauffassung heraus das Geschehen deuteten, als müßte eine große Teschuwowelle durch das Land gehen. Optimisten unter uns erwarteten, daß all das, was eine liberalistische Auffassung im allgemeinpolitischen Denken in religiöser Beziehung und individueller Einstellung zu jüdischen Belangen in Deutschland im letzten Jahrhundert hervorgebracht hat, sozusagen übsr Nacht sich ändern müßte. Von all dem geschah recht wenig. Wir erlebten Folgendes. Die Kreise, die sich schon vorher dissimiliert hatten, fanden in dem Zeitgeschehen eine Stütze für ihre Anschauung. Waren sie vorher jüdischnationalistisch eingestellt, so wurde ihr Nationalismus noch um etwas gesteigert. Diejenigen Kreise aber, denen die Assimilation vorher noch nicht stark genug war, suchten gerade in der zu wenig assimilatorisch betonten Haltung der Anderen die Ursache ihres Unglücks. Die große Masse aber derer, die den Weg des Bindestrichjuden gegangen waren, die sich mit Stolz immer in erster Linie als Deutsche bezeichneten, andererseits aber immerhin in vager Weise eine Bindung an ein irgendwiegeartetes Judentum ahnten, beschäftigten sich zunächst einmal ausschließlich mit der wirtschaftlichen Seite der neuen Zeit. Das nächste, was geschah, entsprang vielleicht ebenfalls zunächst wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Diejenigen Träger deutschen Kulturlebens, denen die. Möglichkeit der Berufsausübung genommen war, versuchten nun jüdischen, besser gesagt aber, nichtarischen Kreisen das Kulturgut weiter zu vermitteln, das sie vorher einer größeren Oeffentlichkeit dargeboten haben. (Fortsetzung auf Seite 3.)

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