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Der Israelit · 1934-10-18 · Heft 42 (18.10.1934) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 42 (18.10.1934)
Date
1934-10-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr- 42 Der Israelit 18. Oktober 1934 litische und geistige Krise hat das jüdische Volk in seinen Grundfesten erschüttert. In einer solchen Zeit ist Agudas Jisroel mit der Aufgabe erstanden, den Weg zur endlichen Erlösung des jüdischen Volkes zu verkürzen. Nur inneres und tiefes G'ttvertrauen, nur der Glaube an Seine Allmacht kann dem jüdischen Volke in dieser schweren Zeit Mut und Stärke geben. Und nur Agudas Jisroel kann dieses G'ttvertrauen und diesen Glauben an Seine Allmacht im Herzen des jüdischen Volkes erhalten und stärken. Agudas Jisroel ist nicht Neues, sondern eine Erneuerung des jüdischen Volkes. Agudas Jisroel hat jeder ihrer Landesorganisationen vollkommene Freiheit hinsichtlich der Regelung ihrer inner-jüdischen Fragen gelassen. Aber noch nie so sehr wie gerade jetzt war die Proklamierung und Manifestierung der Einheit der gesamten glaubenstreuen Judenheit eine unbedingte Lebensnotwendigkeit. Die Zerklüftung der zionisti sehen Organisation in unzählige Teile und Teilchen, dem Dor-Haflogo ähnlich, beweist, daß das jüdische Volk nur mit und in seiner Thora erhalten bleiben kann. Agudas Jisroel will nicht nur die Menschen, sondern auch die verschiedenen Geistesrichtungen, die innerhalb der orthodoxen Judenheit vorhanden sind, harmonisch miteinander verschmelzen. Auf das Problem der Erez-Jisroel-Arbeit übergehend, setzte der Redner die bisherige Tätigkeit der Agudas Jisroel auf diesem Gebiete auseinander und erläuterte die absolute Notwendigkeit, sich mit ganzen, wenn auch nicht allen Kräften für den thora treuen Aufbau von Erez Jisroel einzusetzen. „Als ich vor 4 Jahren" — erzählt Rabbi J. M. Lewin „hier in Preßburg mit dem damaligen Chuster und jetzigen Jerusalemer Oberrabbiner Josef Zwi D u - s c h i n s k y bei einer Aguda-Konferenz zusammen war, sagte dieser zu mir: „Jetzt will ich Ihnen noch die schwerste Frage in bezug auf Agudas Jisroel stellen: Warum ist Agudas Jisroel nicht schon vor fünfzig Jahren gegründet worden?" So wie der Ein zelmensch, so hat auch der jüdische Klall sein Tun und Lassen zu überprüfen. Agudas Jisroel hat an ihrem Programm und an ihrer Grundeinstellung zu jüdischen Fragen und speziell zum Erez-Jisroel-ProblenV keine Aenderung vorgenommen, sie hat auch keine Aenderung vornehmen brauchen. Aber wir fragen: Warum haben wir nicht schon viel früher den Weg zur intensiven Erez-Jisroel-Arbeit betreten?" ,,Wir können" — sagt Rabbi J. M. Lewin — „in Erez Jisroel unser Ziel, die Heiligung des dortigen jüdischen Lebens, erreichen, wenn wir unsere ganzen Kräfte in den Dienst dieser Aufgabe stellen und in erster Linie für die religiöse Erziehung der Jugend im heiligen Lande Sorge tragen. Wahre jüdische Kultur ist nur die Kultur der Thora und Jiroh. Retten wir die Heiligkeit unseres Landes!" Die Arbeitstagung begann Montag früh mit einem von Jacob Joel Braun erstatteten Tätigkeitsbericht, der an die betrübenden Folgen des Heimgangs von Oberrabbiner Ahron K a t z , Nitra, des langjährigen Präsidenten der Landesorganisation anknüpfte. Agudo- Gruppen bestehen in nahezu allen Gemeinden der Republik, wenn auch leider große Teile der Gesinnungsgenossen den Weg noch nicht in diese Ortsgruppen gefunden haben. Die Agudo-Landesorganisation habe eine fördernde Wirkung auf die Arbeiten der orthodoxen Gemeinden gehabt und müßten überall ihre Autorität dafür einsetzen, daß die vielfach bestehenden Zwistigkeiten in den Gemeinden ein Ende nehmen. Die Tagung müsse den Weg ebnen für eine durchgreifende Reaktivierung der agudistischen Landesorganisation in der Slovakei. In der Diskussion verlangte zunächst ein Vertreter der Ostsiovakei, daß die nächste Delegiertenversammlung an einem Orte des karpathorussischen Gebietes staltfinde. Ueber den weiteren Verlauf der Diskussion folgt Bericht. auf etwa 350 zurückgegangen. Von diesen 350 beanspruchen etwa 100 Unterstützung. Gegenwärtig werden aber hur 50 ständig unterstützt, der Rest nur von Fall zu Fall. Von den 50 Unterstützten sind 30 erwerbsfähig, so daß nur 20 künftig auf soziale Fürsorge angewiesen sein werden. Das jüdische Auswanderer-Hilfswerk ist im wesentlichen beendet. Die Prager Israelitische Kultusgemeinde hat es übernommen, die noch Unterstützungsbedürftigen nach Möglichkeit zu betreuen. Die Berufsumschichtung der jüngeren Auswanderer wird vom tschechoslovakischen Hechaluz durchgeführt. 260 Auswanderer werden jetzt in der praktischen Landwirtschaft in den Fachschulen ausgebildet. Etwa 470 Auswanderer hat das Komitee in die verschiedenen Siedlungsländer gebracht; die Mehrzahl von ihnen ging nach Palästina. Da die Existenz und Zukunft einer nicht unbeträchtlichen Zahl von Auswanderern in Frage gestellt sei, so meinte Frau Schmolka, könne von einer endgültigen Liquidierung des Hilfswerks aber noch nicht gesprochen werden. Die Fürsorge für1 deutsch-jüdische AuS-wanderer in der Tschechoslovakei. Prag, 12. Oktober. Ueber den gegenwärtigen Stand des Auswandererhilfswerks in der Tschechoslowak e i weiß die ITA. folgendes zu berichten: Die Zahl der jüdischen Auswanderer; so führte Frau Schmolka aus, sei mit der Zeit von ca. 3800 Jugoslavien, Die Judenheit Jugoslaviens trauert um den ermordeten König. Belgrad, 10. Oktober. An der tiefen Landestrauer um den ermordeten König von Jugoslavien nimmt die jugoslavische Judenheit in dem Bewußtsein, daß mit König Alexander II. einer der aufrichtigsten Freunde der Judenheit unter den Monarchen der Welt dahingegangen ist, besonders erschüttert Anteil. Sämtliche Synagogen und öffentlichen jüdischen Gebäude tragen Trauerschmuck, in allen Synagogen werden Trauerg'ttesdienste abgehalten, das Oberrabbinat hat einen Trauermonat proklamiert. In den zahlreichen Trauerkundgebungen und Trauerpredigten wird darauf hingewiesen, daß König Alexander besonders freundschaftliche Beziehungen zu seinen jüdischen Untertanen unterhielt und wiederholt in öffentlichen Erklärungen sein Wohlwollen für sie bekundet hat. Senator Oberrabbiner Dr. A 1 k a 1 a y gehörte zum Kreise der persönlichen Freunde des verstorbenen Königs und wurde von diesem wiederholt zu Unterregungen in den Belgrader Konak gerufen. Die 1931 verkündete neue Verfassung Jugoslaviens enthält eine Reihe für die staatsbürgerliche Stellung der jüdischen Bevölkerung bedeutsamer Bestimmungen. Unter anderem werden durch sie Religions- und Gewissensfreiheit gesichert und die Autonomie aller anerkannten Religionsgemeinschaften einschließlich der jüdischen in allen inneren religiösen Angelegenheiten verfassungsmäßig festgelegt. Staatsbürgerliche und politische Rechte werden ausdrücklich als unabhängig vom religiösen Bekenntnis bezeichnet. Allen anerkannten Religionsgemeinschaften werden vom Staat Beihilfen entsprechend der Zahl der Bekenner der einzelnen Konfessionen gewährt und regelmäßig in den ordentlichen Staatshaushalt eingestellt. Vor einigen Jahren gewährte der damalige jugoslavische Außenminister Marinkovic dem Generaldirektor der ITA., Jacob Landau, ein Interview, in dem er erklärte, in Jugoslavien bestehe keine . Judenfrage. Das jugoslavische Volk sei völlig frei von: Antisemitismus. Die Serben empfanden im Gegenteil Achtung für ihre jüdischen Mitbürger und schätzten ihre Leistungen. Die etwa 60.000 Seelen umfassende jüdische Bevölkerung sei vorwiegend im Handel und in den freien Berufen tätig und bilde ein außerordentlich fleißiges und wertvolles Element. In ihrer Mehrheit seien die jugoslavischen Juden spanischer Herkunft und in Belgrad gebe es Familien, wie die Familie Alkalay, die bereits seit dem 16. Jahrhundert im Lande ansässig sind. Der Verband der jüdischen Gemeinden J u g o s l a v i e n s beabsichtigt, dem verstorbenen König Alexander in Belgrad und in, Jerusalem Denkmäler zu errichten* die an die Verbundenheit des Königs mit den kulturellen und nationalen Be-. strebungen seiner jüdischen Untertanen und sein Interesse für den Aufbau des Jüdischen Nationalheims ,| erinnern sollen. i Agudas J i s r o e 1 in Palästina und die Exekutive der Jewish Agency haben Beileidstelegramme an die Regierungen ~von Jugoslavien und Frankreich gerichtet. Nach der Ermordung König Alexanders wurde das Gerücht verbreitet, der Mörder sei „jüdischer" Abstammung. Auf dieses Gerücht hin wurden in Zagreb judenfeindliche Ausschreitungen versucht, die jedoch von der Polizei im Keim erstickt wurden. In einer kategorischen Erklärung stellt das Belgräder Rabbinat fest, daß an den Gerüchten kein wahres Wort ist. Wahrscheinlich ist das Gerücht dadurch entstanden, daß an der Leiche des Mörders die rituelle Zircumcision gefunden wurde, die jedoch bekanntlich auch von den Mohammedanern Mazedoniens geübt wird. An der feierlichen Sitzung des jugoslavischen Parlaments, in der die Mitglieder des neuen Regentschaftsrats vereidigt wurden, nahmen auch die Vertreter der jugoslavischen Judenheit teil und unterzeichneten das Treuegelöbnis. Der Oberrabbiner von Jugoslavien, Dr. Alkalay, hat an die jugoslavischen Juden einen Aufruf erlassen, in dem er von dem ermordeten König als' einem Beschützer der Juden und einem Herrscher, der sich stets für die Freiheit und Gleichheit aller Bekenntnisse eingesetzt hat, spricht. Der Oberrabbiner fordert die jüdische Bevölkerung auf, ihrer Dankbarkeit und Liebe für den toten König durch besondere innige Teilnahme an der Landestrauer Ausdruck zu verleihen. Rumänien. Aufruf des Königs von Rumänien zu konfessionellem Frieden. Bukarest, 10. Oktober. Anläßlich der Feierlichkeiten, die im Zusammenhang mit dem Kongreß der Vereinigung für die orthodoxe Einheitskirche in der transsylvanischen Stadt Lugosch veranstaltet wurden, richtete König Carol II. von Rumänien an die Bevölkerung Rumäniens den eindringlichen Appell, Konfessions- und Rassenfrieden zu "wahren. Als orthodoxer Christ wandte er sich zunächst an seine Glaubensgenossen mit der Forderung, alle Religionsstreitigkeiten zu vergessen und nach Kräften zur Konsolidierung und zum Fortschritt der rumänischen Nation beizutragen. „Ich bin Christ", fuhr der König fort, „aber ich wende mich gleichzeilig auch an diejenigen, die es nicht sind, mit dem Appell, zu uns zu kommen, um Schulter ah Schulter mit uns für die Einheit des vereinigten Rumänien zu kämpfen." England. „Near East and India" über die Notwendigkeit des Legislative Council für Palästina. London, 11. Oktober. Als Antwort auf die zur Frage des Legislative Council für Palästina von der außerordentlichen Tagung der English Zionist Federation gefaßte Resolution veröffentlicht die dem Colonial Office nahestehende Zeitschrift „Near East and India" einen Vrtikal, in dem sie die Einsetzung des Council als eine Notwendigkeit bezeeihnet. In dem Artikel wird darauf hingewiesen, daß das Palästina-Mandat der Mandatarmacht die Verpflichtung auferlegt, Vertretungs-Körperschaften in Palästina einzusetzen; ein1 diesbezügliches Versprechen habe England auch der Mandatskommission des Völkerbundes gegeben. Wenn die Araber und Juden sich selbst überlassen blieben, so wird in dem Artikel weiter argumentiert, würden sie niemals zu einer Verständigung kommen. Ein Legislative Council biete dagegen die Möglichkeit, sich auseinanderzusetzen. Deshalb sei die Regierung auf dem rechten Wege, wenn sie den beiden Bevölkerungsteilen eine gemeinsame Körperschaft für politische Aussprache gebe. Auch könnten sich die Araber die Vorteile nicht verhehlen, die dem Lande aus der Schaffung des Jüdischen Nätiorialheims er,-:, stehen, die unerläßlich sei auf Grund der internationalen Anerkennung der Stellung Palästinas und die Fortsetzung der jüdischen Mitarbeit bei der Erschließung des Landes erfordere. (Weitere Korrespondenzen siehe Seite 13.)

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