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Der Israelit · 1934-10-18 · Heft 42 (18.10.1934) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 42 (18.10.1934)
Date
1934-10-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Frankfurt a. 18. Oktober 1934 9. Marcheschwan 5695 Nummer 42 Warschau, 15. Oktober. Der Unterrichtsminister hat die berühmte „Jeschiwath Chachme Lublin", an deren Spitze vor kurzem als Nachfolger des heimgegangenen Gründers der Jeschiwah, Rabbi Meir Schapiro, Rabbi Zwi Arje Fr.ommer trat, als Hochschule anerkannt. Den Bachurim werden dieselben Begünstigungen wie Universitätshörern, darunter eine generelle, Fahrpreisermäßigung auf den polnischen Staatsbahnen, zugestanden. Tagung des Beirates der Reichs Vertretung. B e r 1 i n , 15. Oktober. Der Beirat der Reichsvertretung trat am Sonntag zu einer Tagung zusammen, die durch den Präsidenten, Rabbiner Dr. B a e c k , mit einer Ansprache eröffnet wurde. Die Reichsvertretung wolle nicht Interessen dienen, sondern der Idee. Sie wolle verhindern, daß die deutschen Juden bloßes Objekt der Geschichte werden, sondern ihre Stellung wahren als Gesamtpersönlichkeit im Denken, Schaffen und Aufbauen. Nach einer Begrüßung durch Dir. Stahl namens der Berliner jüdischen Gemeinde ergriff Ministerialrat a.D.-Dr. Otto Hirsch das Wort zu einem Referat über die innere Lage im deutschen Judentum und seine Organisationen. Das Referat trug zunächst einen im wesentlichen theoretischen Charakter, indem es die Beziehungen der Organisationen zu den Gemeinden und umgekehrt und die Methoden, nach denen Landesverbände, Großgemeinden und Kleingemeinden ihre Aufgaben zu lösen suchen, beleuchtete. Die Reichsvertretung sei vor dem 17. Dezember 1933 eine Verwaltungsgemeinschaft gewesen, die auf die Aufgabe der inneren Formung verzichtet habe. Heute dürfe man jedoch feststellen, daß die Reichsvertretung als Gesamt-- Vertretung eine „totale Zuständigkeit" besitze. Redner fügte hinzu, daß man Wert darauf gelegt 'labe, mit der unabhängigen Orthodoxie, die als solche in der Reichsvertretung nicht vertreten st, gute Beziehungen zu pflegen. Namens des Präsidialausschusses beantragte Dr. Hirsch, einen Haushaltsausschuß einzusetzen, der aus 20 Mitgliedern bestehen und den Haushaltsplan der Reichsvertretung verabschieden,,,seine'Einhaltung überwachen und die Rechnung der Reichsvertretung prüfen solle.. Damit soll den Forderungen der Berliner jüdischen Gemeinde auf stärkere Berücksichtigung der großen Steuerträger Rechnung getragen werden. Der -Antrag wurde angenommen. In einer Resolution drückt der Beirat dem Präsidialausschuß sein Vertrauen aus, beantragt die „organische Weiterentwicklung" der Reichsvertretung zu beraten. Dieser Ausschuß, der zunächst 9 Mitglieder umfaßt und Kooptationsrecht haben soll, setzt sich aus dem Präsidenten und den beiden stellvertretenden Vorsitzenden des Präsidialausschusses und 6 weiteren Mitgliedern zusammen. In der Nachmittagssitzung berichtete Dr. Rudolf C a 11 m a n n , Köln, > Mitglied des Beirates der Reichsvertretung, über Schul - und Bildungsfragen. In der Vergangenheit sei das Lernen eine edle Muse gewesen, um seiner selbst willen geübt. Seine traditionelle Form entspreche nicht dem heutigen Wollen und Können. Die Form früherer Frömmigkeit könne nicht mehr die heutige Form sein. Bei allem Drange zur religiösen Erneuerung beständen tiefe Gegensätze. Auf der einen Seite wolle man Religion, auf der anderen Seite wird bestritten, daß eine eigentliche Erziehung zur Religion not- (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Der Wiener Prozeß um „Protokolle der Weisen Zions"....... , . Seite 2 Der österreichische Kulturrat .... Seite 2 Die neue Territorialistenpartei . . . . Seite 2 Extremistenpolitik....... . . Seite 4 Die fragliche Milderung in Rußland . Seite 4 Die wirtschaftliche Lage in Transjordanien und Syrien.......... . Seite 6 Gemeinden und Reichsvertretung . . . Seite 7 Das Essener Urteil .........Seite 7 Orthodoxie und Neologie in Ungarn Seite 8 und 9 Landesversammlung der Agudas Jisroel in der Tschechoslovakei .... Seite 9 Berichte aus Erez Jisroel . . Seite 8 und 13 Die Judenheit Jugoslaviens in Trauer um ihren König .... Seite 2 und 10 Kinderecke ............ Seite 14 Von Isaac Breuer in Frankfurt a. M. IX. „Die Aguda hat sich in Polen ein Bollwerk geschaffen. Wenn aber Erez Jisroel, G'tt behüte, im Geiste der Linken erbaut wird, der alles verheeren wird; was uns . heilig ist: wird da;si;nicht auch für Polen Folgen haben? Schließlich wird bereits heute Erez Jisroel in wachsendem Maße das Zentrum'aller, Länder, und sein geistiger' Einfluß auf die ganze Gola wird jeden Tal stärker: wenn aber ErezJisroel nicht unser wird, kann auch die Gola nicht unser bleiben!" „Wird Erez Jisroel im Geiste der Thora aufgebaut, so wird dies der größte Kiddusch Haschern sein. Wird es aber umgekehrt, G'tt behüte, im Geist der Awodah sarah aufgebaut, so wird dies; ein Chillul Haschern sein,; so furchtbar, wie er seit der Tempelzerstörung seinesgleichen < nicht hatte! Die Verantwortung hierfür aber fällt; dann auf alle Thoratreueh insgesamt, deren durch Ambitiönchen und kleinliche Interessen verursachte Zerrissenheit die Schuld an all dem Greuel trägt!" Mindestens zur Rettung von Erez Jisroel müssen Misrachi. und Aguda zusammengehen. Und wenn die thorafremden Arbeiter sich unter Zurückstellung aller trennenden Momente zu einer jedoch: die Einsetzung eines Ausschusses, um j Liga für, das arbeitende Erez Jisroel zusammenschließen konnten: „warum soll da eine Liga für das Erez Jisroel der Thora oder eine Liga für das heilige Erez Jisroel unmöglich sein?" Wie diese Liga freilich praktisch ihren einheitlichen Willen durchsetzen soll und auf welchen Gebieten im Einzelnen ein solcher einheitlicher Wille zustande kommen kann, darüber läßt sich Amiel zunächst nicht weiter aus. IX. „Ambitiönchen und kleinliche Interessen": stehen wirklich keine anderen treibenden Kräfte hinter dem wahrhaft tragischen Auseinanderfallen der Thoratreuen in Aguda und Misrachi? Der Misrachi ist älter als die Aguda. Der Zionismus traf das thoratreue Volk in einem Zustand organisatorischer Anarchie. Als der Zionismus auf der Basler Tribüne namens des jüdischen Volkes seine nationalistischen Forderungen erhob und das jüdische Volk selber in die Geschichte rief, ohne der Thora auch nur Erwähnung zu tun, hatte das thoratreue Volk kein Organ, das auch nur faktisch imstande gewesen wäre, die Antwort der Thora in die Welt zu rufen, die „Krone" der Thora auch nur defensiv zu schützen, geschweige denn, die Thora selber in die Geschichte einzuführen: und damit der Pseudo-Geschichtlichkeit des Zionismus die Meta¬ Geschichte des Volkes G'ttes entgegenzustellen. Damals hätte die — Aguda gegründet werden müssen. Statt dessen entstand der — Misrachi. Warum Vorwürfe machen? Es ist so ungemein leicht und bequem, auf Grund der Erfah- (Fortsetzung auf Seite 3.)

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