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Der Israelit · 1934-09-21 · Heft 38-39 (21.9.1934) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 38-39 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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21. September 1934 Der Israelit Nr. 38/39 Seite 7 schichtlichen Vorsehung, gerade im Zentrum Hirsch'schen Geistes, seiner Gemeinde rabbinische Führer gesandt, .deren offenkundige historisebe Aufgabe es war und ist, das Lebenswerke Hirs'chs auch in seiner praktisch-pädagogischen wie in seinex gesellschaftlichen Ausprägung vor Erstarrung, Abriegelung von den Quellen, Einseitigkeit, Kulturfexerei, .Nachahmung fremder Forrhen, zu schützen, und es immer wieder.. — wie sein Urheber es /gewollt — hineinzustellen in den Strom warmer, aus den Urquellen des reinen; Lernens gespeister jüdischer Volksfrömmigkeit. Der ver sacrum einer fürs Lernen begeisterten, durchaus nicht bourgeoisen agudistischen Jugend verdient jedenfalls ebenso sehr auf das Haben- Konto der „gebildeten" deutschen Orthodoxie verbucht zu werden, wie Herr Staatsanwalt Scholem die Soll-Posten in heißem Bemühen zu summieren versucht. Aber die „verlorene Schlacht vom April 1933", die Herr Scholem - mit" so unsäglichem Behagen seiner geliebten deutschen Orthodoxie* und ihrem Schöpfer ankreidet? Nun,— die schlichte W a h r h e i t über diese sogenannte „verlorene Schlacht"; das heißt über die Gründe, aus denen am Tage der Aussperrung der Juden aus dem deutschen Kulturbezirk diese zur Dissimilation verurteilten Assimilanten nicht — Agudisten, sondern Zionisten .oder Halbzionisten geworden sind, haben wir an dieser Stelle wiederholt klargelegt. Diese Massenbekehrung zur Orthodoxie, die wahrhaftige niUPIV die am Ende der Tage winkt, sie wäre auch dann nicht eingetreten, wenn die ganze gesetzestreue jüdische Gemeinschaft Deutschlands aus lauter Idealgestalten, aus Volljuden von höchstem geistigen Typ, bestanden und mit Engelszungen ihre Brüder zur Heimkehr gerufen hätte. ■' Zu groß ist eben der Abstand zwischen dem Maße geistiger und praktischer Bindungen, die das gesetzestreue Judentum seinen Bekennern als Preis höchsten seelischen Glückes auferlegen muß, und dem heute immer noch lockenderen Weg geistiger und praktischer Freiheit und Zeitgemäßheit, wie ihn die konkurrierenden Weltanschauungen, Nationalismus und Liberalismus, ihren Jüngern eröffnen. Die Orthodoxie ist da so wenig konkurrenzfähig, wie es das alte pharisäische Judentum vor zweitausend Jahren gegenüber dem paulinischen Judenchristentum war. Ist aber mit der angeblich „verlorenen Schlacht" etwa gar die hausbackene Argumentation gemeint, S. R. Hirsch sei ein spezifischer Anwalt deutsch - jüdischer Kultursynthese gewesen und deshalb nunmehr durch Hinauswurf der nichtarischen Akademiker und Künstler aus dem Tempel des Deutschtums „erledigt" — -so schämt man sich fast, einem Universitätsprofessor gegenüber einen solchen Unsinn erst noch; durch Beweisgründe zu widerlegen. Erstens besteht, soviel uns bekannt, bis jetzt auch für1 die Juden in Deutschland immer noch die allgemeine; Schulpflicht und damit das obligatorische Hineinwachsen in die deutsche Kultur. Zweitens existieren außerhalb Deutschlands-irt der Welt immer; noch einige Gymnasien und;Universitäten,' die in: steigendem Maße von jüdischer Jugend frequentiert werden,, und die dieser Jugend das; Problem der geistigen Einheit der, r Person-' lichkeit, für das Hirsch gelebt hat, immer aufs neue stellen. Wobei es wirklich wenig verschlägt, daß Hirsch zufällig im deutschen Kulturkreis gelebt und seine Lösungen, und Losungen in deutscher Sprache niedergelegt hat. Wir hegen sogar die Zuversicht, daß auch auf dem1 Boden des heiligen Landes und im Ringen mit dem; Geiste der hebräischeil Assimilation, der heute vom Skopusberg aus die Ueberlegenheit der autonomen Menschenvernunft über die g'ttliche Offenbarung verkündet, die Grundgedanken S> R. Hirsch^ bereiche r t un d v e r j ü n g t au s dem lebendigen Quell, a 11 j ü d i s c h e r h(e i 1 i g e r Wissen s.c h a f t, dereinst den Sieg; davontragen werden : über alle, die ihn ver-' Kannten, : (Schluß folgt.) , Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez JisroeL Tel A w i w. Das American Economic Committee hat eine Zählung der industriellen Neügründungen in Palästina durchgeführt und festgestellt, daß in den ersten sieben Monaten des Jahres 1934 mindestens 115 Industriebetriebe in Palästina neu eröffnet wurden. Dabei ist zu berücksichtigen, daß das Committee keineswegs sämtliche Firmen erfassen konnte. In 87 Betrieben werden insgesamt 815 Personen beschäftigt. Das investierte. Kapital von 81 Betrieben beträft Lst. 170.000 Die neuen Firmen wurden vo'n American Economic Committee in folgende Gruppen eingeteilt: Metalle und Metall- . waren:-47; Holzindustrie: 14; Nahrungs- und Gehußmittel: . 13; chemische Betriebe! 12; Druckereien, Papierwaren- und Büroartikel- Industrie: 9; Baumaterialerzeugung: 8; Glas-, Spiegel- und Keramik-Werkstätten: 5; Kleiderindustrie, Textilwarenerzeugung, Lederfabriken und Gerbereien: je 4; Elektro-: artikel, Automobil-Industrie und Garagen, medizinische Artikel: je 3; Tapezierer-Werk - . statten, Malerfirmen, fabakerzeugung: je 2; ferner 8 verschiedene Betriebe. Knaop vor der Eröffnung stehen folgende 28 Industriebetriebe: 5 Metallwarenfabriken, 4 Lederfabriken und Gerbereien, je 3 chemische Nahrungsmittel- Spinnerei- und Weberei- Betriebe, je 2 Glas- und Spiegelfabriken und keramische Fabriken. Das Verzeichnis ist keineswegs vollständig. Auch wurden alle kleinen Werkstätten außer Acht gelassen. J erusalem: Die Registrierung neuer jüdischer "Geschäftsunternehmungen hat in der ersten September-Woche die Rekordziffer 45 erreicht. Es handelt sich in der Mehrzahl um Handels- und Industrieunternehmungen von deutschen Juden, besonders in Tel Awiw. 106 Aerzte und Aerztinnen, meist aus Deutschland* haben sich registrieren lassen. Die Gesamtzahl der Aerzte beträgt 1765, die der Zahnärzte 522, Tel Awiw, 15 führende Hotels in Tel Awiw haben sich zu einem Hotelierverband zur Wahrung der gemeinsamen Interessen und zur Entwicklung des Hotelgewerbes zusammengeschlossen. Es wurde ein Preisausschreiben für ein Werbeplakat und ein Werbemotfo veranstaltet. — T e 1 A w i w. Hinter der Ackerbauschule Mikwe Jisrael wird eine neue Arbeiterstadt errichtet, um dem Wohnungsmangel abzuhelfen. Das neue Viertel soll 1000 Ein-Familienhäuser und 1000 Einzelwohnungen umfassen, so daß es 2000 Familien oder 8 bis 10 000 Personen beherbergen kann. Die Textilfabrik Lodzia wird ein neues Fabrikgebäude in diesem Arbeiterviertel errichten. Auch sonst geht die Bautätigkeit unvermindert weiter. Die Einnahmen aus städtischen Steuern im Vierteljahr April bis Juni betrugen Lst. 63.000. Jerusalem. Der Keren Kajemeth hat. im Juli 1934 Lst. 34.000 vereinnahmt gegenüber Lst. 24.000 im gleichen Monat des Vorjahres. In den 10 Monaten Oktober bis' Juli wurden 214.000 Lst. gesammelt gegen 153.000 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Besonders stark is't die: Steigerung der Einnahmen in EnglancJ und . in Palästina'," aber auch Deutschland ist 'an die vierte Stelle der äri den Sammlungen beteiligten. Länder vorgerückt.: Die neue i Sammelkampagne des, Kqren Kajemeth :steht unter der Parole: Aufbau ,der Haifa-Bey. Jerusalem. 'Die "palästinensische 'Post hat in" dne ersten vier Monaten des Finanzjahres" Lst: 108.000 vereinnahmt. Tel Awiw. In einem Supplement zur außerordentlichen Ausgabe des Regierungsblattes veröffentlicht die Regierung einen Bericht über den Alkoholkonsum Palästinas, der auf Grund der Ziffern in den Jahren 1928—-1932 zu dem- Ergebnis kommt, daß trotz der Zunahme der. Bevölkerung,, und insbesondere [der nichtmoslemitischen, Her Konsum alkoholischer Getränke in den letzten 5 Jahren keine be-' merkenswerte Zunahme erfahren habe. Dagegen ist im.Jahre 1 933 eine sehr beträchtliche Zunahme des Alkoholverbrauchs eingetreten, und zwar hat sich der Weihkonsum um 34 Proz., der-Spirituosenkonsum um: 16 Proz. gesteigert. Die, diesjährige Traubenernte ergab für die Kellereien gegen-v über dem Vorjahre einen Mehrertrag von etwa .10 Proz. ' ' 'W Hl Korrespondenzen. Deutsches Reich. Der Äustausöh der Arbeitsplätze Jugendlicher. Berlin, 12. Sept. Die „Frankfurter Zeitung" befaßt sich in ihrer Sonntagsausgabe mit der Auswirkung der neuen Anordnung des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung über die „Verteilung von Arbeitskräften", durch die .Arbeitnehmer .unter 25 Jahren in gewissem Umfange ihre Arbeitsplätze mit älteren erwerbslosen Arbeitern und Angestellten tauschen sollen. Das Blatt meint, daß von dieser - Aktion nicht alle Jugendlichen von ihren Arbeitsplätzen entfernt werden sollen. Unter den Ausnahmen, die die Anordnung vorsehe, nämlich diejenigen Jugendlichen, die schon mindestens ein Jahr im Arbeitsdienst oder in der Landhilfe tätig waren, würden Nichtarier nicht betroffen, da sie vom Arbeitsdienst und von der Landhilfe grundsätzlich ausgeschlossen seien. Deshalb sei die Befürchtung aufgekommen, daß den Nichtariern schwerwiegendste Nach7 teile entstehen könnten. „Wenn dabei offenbar auch die Sorge mitspielt," fährt die „Frankfurter Zeitung" fort, „daß schon die bevorstehende Umschichtungsaktion junge Nichtarier zur Aufgabe ihrer Beschäftigung zwingen werde, ohne ihnen — (wie anderen Altersgenossen) — die Aussicht auf vermehrte Chance nach Ableistung eines Dienstjahres zu geben, so findet diese Befürchtung im Gesetz offenbar keine Stütze. Die Frage, ob der Jugendliche seinen Arbeitsplatz gegebenenfalls verlassen muß, ist nicht nur von der Anwendbarkeit der sogenannten „Ausnahmen" .abhängig, also davon, ob er verheiratet, unterhaltspflichtig ist, ob er schon im Arbeitsdienst war usw. — sondern Voraussetzung;:eines Austausches ist überdies die Möglichkeit, dem Jugendlichen andere Betätigung zu verschaffen, worunter wiederum die Maßnahmen des Arbeitsdienstes, des Landjahres oder auch die Unterbringung weiblicher Arbeitskräfte in der Hauswirtschaft zu verstehen sind. Nicht nur Präsident Syrup hat soeben erst zum Ausdruck gebracht, daß man den jüngeren Arbeitskräften nicht zumuten könne, der Arbeitslosigkeit mit all ihren materiellen und moralischen Folgen anheim zu fallen, sondern dieser Grundsatz ist auch im Gesetz selbst verankert; in § 7 Abs. 2 heißt es nämlich: „Die Maßnahme darf nicht zu einer Verminderung der Gefolgschaft oder zu einer unfreiwilligen Arbeitslosigkeit der zur Entlassung kommenden Arbeitskräfte führen." Die „Frankfurter Zeitung" meint, daß anders die Dinge allerdings bei Neueinstellung von Arbeitnehmern unter 25 Jahren lägen.' Wenn auch hier nach den Grundsätzen der Reichsregierung kein Unterschied nach Rassezugehörigkeit gemacht werden dürfe, „indirekt aber* müsse die Rasseverschiedehheit mit der Länge der jZeit :auch auf dem rein wirtschaftlichen Gebiet dadurch zur Auswirkung kommen, daß Jugendliche; im .»Besitze des Arbeitsdienstpasses usw. bevorzugt vermittelt werden'sollen,' daß gerade dieser Punkt gewohnheitsrechtlich eine ständig; wachsende Bedeutung gewinnen wird, und daß mithin t die Nichtarier unter 25 Jahren leicht in das Kontingent derer geraten könnten, denen eine Eingliederung in den Wirtschaftsprozeß praktisch so gut. wie. verwehrt ist. Streng genommen würde sich dieser Nachteil sogar auf sie beschränken, denn jeder andere kann sich Ja durch Arbeitsdienst oder .Landjahr normale Aussichten im beruflichen Leben erwerben." Das Blatt ist der Ansicht, daß es möglich wäre, der besonderen Lage 'der Nichtarier durch entsprechende Richtlinien an die'Arbeitsämter Rechnung zu tragen. Der Rückgang der jüdischen Studierenden an den , deutschen Hochschulen. f Berlin, 1.7. September. In: der Hochschul-Statistik für das Sommerhalbjahr 1933 werden Zahlen veröffentlicht, die zum ersten Male einen Rückschluß auf die Auswirkung

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