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Der Israelit · 1934-09-14 · Heft 37 (14.9.1934) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 37 (14.9.1934)
Date
1934-09-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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s~\ -k: Frankfurt a. M. 14._September 1934 5. Tischri 5695 Nummer 37 Genf, 13. Sept. In der heutigen Plenarsitzung des Völkerbundes gab der polnische Außenminister Beck die längst erwartete Erklärung zur Frage des Minderheitenschutzes ab im Anschluß an den bereits früher mitgeteilten polnischen Antrag, der die Schaffung einer allgemein-gültigen Konvention zum Schutze der Minderheiten in allen Völkerbundstaaten zum Gegenstand hat. Der Minister faßte den Inhalt seiner Rede zum Schluß in folgenden Sätzen zusammen; „Ich richte heute einen dringenden Appell an die Versammlung, um von ihr die Berichtigung der begangenen Fehler zu fordern und die Schaf- Ii fung einer neuen, soliden, klaren und einheit- \ liehen Grundlage, auf der das System des internationalen Minderheitenschutzes in einer endgültigen und dauerhaften Form errichtet werden kann. Die polnische Regierung stellt derh Völkerbund zwei Fragen, von denen die erste die unverzügliche Anerkennung der Notwendigkeit einer allgemeinen Konvention über den Minderheitenschutz betrifft. Die zweite fordert die Einberufung einer internationalen Konferenz zum Abschluß einer derartigen Konvention. Die polnische Regierung erwartet eine klare Antwort auf diese beiden Fragen. Die Informationen, die mir seit der letzten Konferenz des Völkerbundes zugegangen sind, sind nicht geeignet, mich optimistisch zu stimmen. Man hat mir versichert, daß die Ansicht der Mehrzahl der hier vertretenen Regierungen sich nicht geändert habe. Ich würde wünschen, mich darin zu täuschen. In Erwartung dessen, daß ein allgemeines und uniformes System des Minderheitenschutzes in Kraft gesetzt wird, fühlt sich meine Regierung verpflichtet, von heute ab jede Zusammenarbeit mit den internationalen Organen zu verweigern, welche sich auf die Kontrolle der Anwendung des Minderheitenschutzes in Polen beziehen. Das soll nicht besagen, daß sich die Entscheidung der polnischen Regierung gegen die Interessen der Minderheiten richten wird. Diese Interessen bleiben durch die Grundgesetze Polens geschützt, welche den sprachlichen, rassischen und religiösen Minderheiten ihre freie Entwicklung sichern. Praktisch wird sich also an der Situation für diese Minderheiten nichts ändern." Die Erklärungen des polnischen Außenministers übten im Völkerbund eine sensationelle Wirkung aus und fanden, insbesondere auf französischer Seite, keinen besonders freundlichen Widerhall * Wir haben uns mit dem polnischen Antrag, der nun im Mittelpunkt der Diskussion steht, und auch die jüdischen Interessen stark berührt, in unserer Nummer 22 vom 31. Mai d. J. an leitender Stelle ausführlich beschäftigt — siehe auch die heutige Wochenrundschau — und damals bereits darauf hingewiesen, daß die Aktion Polens zur Ausdehnung des Minderheitenschutzes auf alle Staaten zwar durchaus ehrlich gemeint sei, daß sich aber die polnischen Urheber des Antrages zweifellos keiner Täuschung darüber hingäben, daß die Großmächte sich schwerlich dazu verstehen würden, auch ihrerseits internationale Bindungen gegenüber ihren Minderheiten von der Art, wie sie den neugebildeten Staaten auferlegt wurden, zu übernehmen. Man mußte daher längst erwarten, daß Polen an die Ablehnung seines Antrages die Konsequenz knüpfen werde, nunmehr seinerseits der lästigen Fesseln des von außen auferlegten Minderheitenschutzes ledig werden zu wollen. Daß die Großmächte, selbst Frankreich, irgend welche Zwangsmittel in Anwendung bringen werden, um Polen zur. aktiven Mitarbeit in Fragen des Minderheitenschutzes zu zwingen, ist kaum anzunehmen. Auf der anderen Seite darf man, solange das Regime Pilsudskis in Polen herrscht, durchaus . davon überzeugt sein, daß auch ohne internationale Bindungen Polen seine Minderheiten, insbesondere auch die Juden gerecht zu behandeln bemüht sein wird. Es ist überhaupt, wie wir seinerzeit ausführten, außerordentlich fraglich, ob es im wohlverstandenen Interesse gerade der; jüdischen Minderheit liegt, ihr Schicksal an eine übernationale, der Gefahr härtester Zusammenstöße mit den einzelnen Nationalismen jederzeit ausgesetzte Instanz zu knüpfen. Solange das Golus dauert, bleibt den Juden der einzelnen Länder nichts anderes übrig, als der Weg der friedlichen Auseinandersetzung und Verständigung mit der Staaisnation und das Vertrauen auf den Schutz des Allmächtigen, in dessen Händen mit und ohne Völkerbund das jüdische Schicksal wohlgeborgen ist. _ Aus dem Inhalt: Befreiung jüdischer Arbeitsloser von der Meldepilicht am Samstag .... Seite 2 Arierparagraph und Sondermaßnahmen Seite 2 Polizeiverordnung für jüdische Jugemdverbände ........Seite 2 Ueberiall aui einen Roschhaschonoh- G'ttesdienst in Griechenland . . . Seite 2 Minoritätenrecht, Nationalitätenkongreß und Sowjetrußland .....Seite 1 u. 3 Wachtposten in Palästina .....Seite 3 Soziale Liebeswerke in Jerusalem . . Seite 4 Wege der Tschuwah.........Seite 4 Ein Jahr „Hilfe und Aufbau".....Seite 5 Frontkämpferkreuz ........Seite 5 Palästinaberichte........... Seite 7 Roschhaschanahglückwunsch des Präsidenten Roosevelt .....Seite 7 o^x ]ix*i n» n "\b Ti^sn 'Wi 'lyw' rmKn *»aasr *]ion 212 Man liest dieses Jahr mehr denn sonst von Vorbereitungen für die Hohen Feste: in Konzertsälen, unter Mitwirkung namhafter Künstler. ( Ob solche „Einführung" Heimführung derer, die heute in großer Zahl mit der Seele die jüdische Heimat suchen, bringen wird, muß abgewartet werden. Unsre Alten, die nicht warteten, bis sie des Jahres Schlußtage zu Slicha.us weckten, sondern täglich dreimal "O1? n^D sagten, nicht Tschuwah erst als Posten in die Jahresbilanz einstellten, sondern täglich beteten K^Wn/ die im Schma nicht nur Jomkippurs Abschiedsakkord hörten, sondern es täglich als Bekenntnis aussprachen, sie konnten einer „Ankurbelung der Andacht" solcherart entbehren. Obgenannter Vers aus den Psalmen 69, allen geläufige Worte, führt uns mitten in die innerste Welt unserer Festgebete hinein. . Es heißt im Vorsatzenyty ">2W ">3 "KW „es sprechen von mir alle auf dem Markte," ">fiW. mJVÜl "DIP' „und ich bin Motto und Motiv für die. Lie-; der der Trunkenheit." ">3K1 ich aber "»nbflrl'' ich lasse als einzige Antwort und Abwehr mein Gebet zu Dir emporsteigen. Nicht nur daß, auch w i e wir in gehobenen Momenten der geheiligten Tage beten sollen, sagt uns der Psalmdichter mit diesem Spruche: Es muß das •>3X» das ganze Ich mit dabei sein — dies erste Voraussetzung eines jeden Gebetes. Was würden alle prunkvollen G'tteshäuser, aller Sang und Klang und Lichterglanz nützen, wo das Ich fehlte! Hillel, der bescheidenste aller Weisen, sprach, als er einmal zum glanzvollen Feste der Wassergabe erschien: ]ND DK Wir wissen in diesem Zusammenhange, wie das gemeint war: Nicht die Lichter und nicht die Lieder machen es: ]N3 *>ik DK, das 'JK nur. Ist der ganze Mensch mit allem, was er in der Seele trägt, mit dabei, dann ist alles da . . . T^Sn: Es muß mein Gebet sein, nicht das Gebet des Buches, nicht der Lippen, nicht Schema und Formel, sondern mein eigenes tiefes Erlebnis, immer von neuem. Und dann, mein Gebet in anderem Sinne: eine stille Aussprache zwischen mir und meinem G'tte. int» nnv ,T3r Selbst an den heiligen Tagen lasse man sich von der An- (Fortsetzung auf Seite 3.)

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