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Der Israelit · 1934-08-30 · Heft 35 (30.8.1934) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 35 (30.8.1934)
Date
1934-08-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Derisrciel Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann Frankfurt a. M« 30. August 1934 19. Elul 5694 Nummer 35 Unzuverlässigkeit kein Gruppenmerkmal. Eine wichtige Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs zu Braunschweig« Einem jüdischen Kaufmann hatte ein. Polizeipräsidium die beantragte Erlaubnis zum Groß handel mit unedlen Metallen verweigert, weil der Kaufmann nichtarischer Abstammung und nicht deutscher Staatsangehörigkeit sei. Auf Klage des Kaufmanns hat der Verwaltungsgerichtshof zu Braunschweig durch Entscheidung vom 6. Juni 1934 (P. R. 134/134) den Versagungsbescheid aufgehoben. Nach Erörterung des in Frage kommenden .Reichsgesetzes über den Verkehr mit unedlen .Metallen vom 23. Juli 1926 (RGBl. I S. 415) wird in der Begründung u. a. ausgeführt: Nach pflichtgemäßem Ermessen habe danach die zuständige Behörde nur zu prüfen, ob Tatsachen vorlägen, welche die Annahme rechtfertigten, daß der Antragsteller die für den Gewerbebetrieb erforderliche Sachkenntnis oder Zuverlässigkeit nicht besitze. Zuverlässigkeit im Sinne des Gesetzes sei eine Charaktereigenschaft, Unzuverlässigkeit ein Mangel des Wesens des Betreffenden. Dabei sei zu beachten, daß das Gesetz bei der Prüfung der Frage der Zuverlässigkeit auf die Person des betreffenden Antragstellers abstelle und nicht etwa Personengruppen in den Kreis seiner Bestimmungen über die Zuverlässigkeitsfrage ziehe. Die Ausländereigenschaft allein reiche nicht aus, die nachgesuchte Erlaubnis zu versagen, da sie sich nicht als eine Tatsache darstelle, welche ohne weiteres die Annahme der Unzuverlässigkeit des Antragstellers rechtfertige. Auch die Tatsache der nichtarischen Abstammung des Antragstellers könne den Versagungsbescheid nicht begründen. Es möge richtig sein, daß, wie die Handelskammer ausführe, im Handel mit Altmetallen seit langem beobachtet sei, daß durch das Eindringen und die Betätigung von aus dem Osten Zugewanderter, teilweise staatenloser Händler, eine gewisse Unruhe in das Geschäft gebracht sei. Und es möge auch zugegeben werden, daß eine faktische Vermutung dafür aufgestellt werden könnte, daß ■gerade staatenlose zugewanderte jüdische Händler, auch als Einzelperson betrachtet, der gewerbspolizeilichen Zuverlässigkeit im Sinne des Gesetzes entbehrten. Selbst wenn man aber dieser, anscheinend von der Handelskammer zugebilligten Annahme zustimmen wollte, so müsse doch dem einzelnen ostjüdischen Händler die Möglichkeit der Entkräftung dieser Vermutung gegeben werden, da es sich nur um eine faktische Vermutung, nicht um eine bindende Rechtsvermutung handele. Es werde ihm nicht zu versage nsein, seinerseits den Nachweis seiner Zuverlässigkeit, soweit er überhaupt geführt werden könne, zu erbringen. Dieser Nachweis sei dem Antragsteller im Fragefalle aber gelungen. Zur ersten Jahrzeit für Chofez Chajim. Am kommenden Dienstag, den 24, Elul (4. September), rundet sich ein Jahr seit dem Tode des Chofez Chajim Die Kunde vom Heimgang dieses führenden Gaon der Lehre und des Mussar schlug damals wie ein Blitz in die gesamte Judenheit der Welt ein. In einem schweren Jahre für. Judenheit und Judentum überall haben wir inzwischen zu erfahren bekommen, was wir mit diesem genialen Führer, Tröster und Geulahverkü ncl e r verloren haben. Es sind noch mehr der bedeutenden Führer im Laufe dieses Jahres von uns gegangen: Rabbi Meiir Schapiro aus Lublin, Rabbi Mosche Mordechai Eppstein, der Czor tk o w e r Rebbe, und zuletzt wurde dem deutschen Judentum eine seiner beliebtesten führenden Persönlichkeiten mit Dr, Meier Hildesheimer genommen. "Wir denken dieser Männer, wenn wir in diesen Tagen vor Morgengrauen beten: ivzyb omaa önwa rm D*»Kn ms nana» wa« /nman n» b'nri psi und flehen ihr." JTDT herab für Israels Gemeinschaft in den Stunden, da der Weltenlenker auf dem „Throne des Erbarmens sitzt", um Gericht über Welt und Menschen zu halten. In Polen und den anderen Ostländern rüstet man. sich, den ersten Jahrzeitstag würdig und sinnig zu begehen. Auch unter der Thorajudenheit des Westens wird man den Gedenktag nicht vorübergehen lassen, ohne daraus neuen Auftrieb für rnifl und T\2WT\ zu gewinnen. Aus dem Inhalt: Anmeldung der Landhandelsbetriebe . Seite 2 Friedensappell der jüdischen Arbeiter in Palästina.......... Seite 2 Bericht der Mandatskommission . . . Seite 3 Genfer Kindereien ........ . Seite 4 Einwanderungs- und Niederlassungs- . Seite 4 Das Bildungsideal 5, R. Hirschs . . . . Seite 5 Wirtschaitsnachrichten aus Erez Jisroel ............ Seite 12 Ausschreitungen in Litauen..... Seite 14 Ausschreitungen in Tunis 3 und 13 Scheveninger Brief ........ Seite 8 Beilage: „Erziehung und Lehre". Leistung für Lehre und Land! Eine Elulaufforderung! Von W. S. Jacobson in Kopenhagen. Vielfach'gedeutet haben unsere Alten diesen Monat Elul, sie sehen in seinen Anfangsbuchstaben angedeutet alle die Aufgaben, die uns jetzt mit aller Macht in ihren Kreis ziehen: unsere Beziehung zu G ' 11, unser Verhältnis zum Neben menschen, unsere Stellung zu unserer Jugend, das sind nur einige, die bekanntesten, Hinweise, die sie aus dem Namen des Monats herauslesen, nicht um uns geistvolle Anegungen zum Nachdenken zu geben, sondern um uns die ganze ungeheure Schwere unse£e,§ jüdischen Berufes in Erinnerung zu bringen. Es ist der Monat, da Moses auf dem Berg weilte, um die nach iieißem Beten und Ringen erwirkten zweiten Luchaus entgegenzunehmen; es ist der Monat, von dessen erstem Tag an wir auf dem Widderhorn blasen, um uns die „Bindung" des Jizchok ben Awrohom im Gedächtnis lebendig werden zu lassen, die große Leistung, nur möglich, weil der Sohn ganz und bis ins Letzte in den Wegen des Vaters ging und aufging, (Rausch Ifaschono 16a), es ist der Monat, da wir morgens und abends dem Psalm 27 die Sehnsucht des eigenen Herzens erlauschen: ,.Eines erbat ich von G'tt, dies wird auch in Zukunft mein Begehren sein: in Seinem Haus zu weilen!" In G'ttes Haus zu weilen: dies ist der Inhalt all dessen, was da nun um uns und in uns klingt: daß der Strom des Lebens uns nicht fortschwemme, daß wir immer wieder zurückfinden, daß wir nicht müde werden, sondern immer wieder erstarken und den „Kampf des Menschen auf Erden" siegreich führen. Der Einzelne ist schwach und einsam, aus dem Zusammenschluß "wachsen die Kräfte. Dies ist der Sinn der jüdischen Gemeinschaft, ihr Sinn und ihr Segen: „Einer stehe dem andern bei und rufe dem Bruder zu: Sei stark!" Dies ist der Sinn unserer Gemeinschaft, der Sinn der Agudas Jisroel Und darum: Mag die gegenwärtige Situation es. auch schwer, zum Teil gar unmöglich machen, in großen Versammlungen eindringlich zu den Menschen von dem Segen dieses Zusammenschlusses zu sprechen, ja glaubt ein Teil unserer Jugend vielleicht gar, daß der Anschluß an die große, nach weltlichen Prinzipien errichtete Gemeinschaft der Juden ihr größeres Heil und greifbareren Nutzen bringe, w i r wollen es wissen: Für den, der an die Thora glaubt, dem heilig und verpflichtend ist auch das Häkchen ihres kleinsten Buchstaben, für ihn kann und darf es nur d i e Organisation geben, die ihr Daseins- (Fortsetzung auf Seite 3.)

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