Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1934)
- Date
- 1934-08-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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16. August 1934 I i •lit Nr. 33 Seite 13 Die Frankfurter Woche. Sara Landau ,-j"37* , ,Lüge ist die Anmut, ein Hauch die Schönheit. Ein Weib voll G'ttesfurcht, sie verdient sich Ruhm." Mit diesen Worten . des jüdischen Sängers möchten wir voll-Wehmut ein Wort der Erinnerung einer edlen.Frau, einer Tochter aus Adelsgeblüt, einer Enkelin S. R. Hi^schs,* 'Frau Sara L andau geb. Hirsch, widmen. Eine Lieblingstochter war sie ihrem unvergeßlichen Vater,, dem . Jesajas-Erklärer Julius Hirsch i und ihre^ lebensfrohen,. gütigen Mutter, der . Tochter des isel. Rabbiners' Adler aus Lübeck., Mit hellem Verstand und mit pochendem Herzen .durchlebte sie in ihrer Jugend die letzten Jahre S. R. Hirschs, den strahlenden Sonnenuntergang dieses großen Genius: mit leuchtendem Auge hatte sie das Wachsen und Werden der Bibelforschung ihres Vaters verfolgt, der seiner klugen Tochter gern von einzelnen Ergebnissen und Gedanken Mitteilung machte. Sara Landau lebte und webte ganz in der Hirschisehen Atmosphärel In ihr zu atmen, in ihr aufzugehen war.ihr höchstes'Lebensgiück. Die schlich^ ten und oft beengenden Verhältnisse des äußeren Lebens kamen ihr gar nicht zum Bewußtsein über dem starken Puls religiösen Lebens, über der großen Schau der G'tteskämpfe, die vor ihren Augen sich abspielten, daran ihr der Atemder Welt hing. Ihre Aufgabe als Weib und Mutter fand sie an der Seite eines ihr gleichgesinnten, man darf wohl' sagen, zu ihr: aufblickenden Mannes, des frommen braven Emanuel Landau* 'Die hochstehende Frau packte unverdrossen und froh das nüchterne, harte Leben an und war die treu? Helferin ihres Mannes im aufreibenden Kampfe des Lebens, ohne je den Adel der Persönlichkeit und des Geistes zu verlieren. Nur kurze Zeit war ihr das Glück an der Seite des Gatten beschieden. Aber mit derselben seelischen Energie und im Pflichtbewußtsein gegenüber ihren Kindern überwand sie die Tränen der Witwenschaft, um den beiden Töchtern die Lebensfreude, vor allem den Ernst und die Weihe jüdischen Seins zu erhalten. Und es war ihr vergönnt, obwohl jeder Tag sie von neuem mit schweren Sorgen und Lasten bedachte,: ihre Kinder selbst dem Glücke entgegenzuführen und sich an der Frömmig-1keit auch ihrer Ehkelschar unendlich zu freuen. Die älteste Töchter, die sie' zur Mechuttenes des sei. Rabbiners Dr. David Spiegel in Altona machte, betrauert heute vom heiligen Lahde her die Mutter, die immer um sich die Stimmung heiliger Erde verbreitete; die zweite Tochter blieb in ihrer Nähe und konnte zur Freude der Dahingegangenen einem Manne die Hand reichen, dessen Lebensberuf die Thoraverbreitung ist. Jetzt ist Frau Sara Landau plötzlich nach kurzem Erholungsaufenthalt in den Bergen, abberufen worden. Aber in ihrer ganzen Lebenshaltung verdient sie für' alle Zeiten in unserem Gedächtnis zu bleiben. Sie war das Vorbild einer Frau von unendlicher Arbeitswilligkeit, Schlichtheit und G'ttesfurcht. Es ist keine Uebertreibung, wenn man sagt: Sie hat vom Leben nichts gefordert als nur die Freude der Mizwa. Sie braucht sich ihrer großen Ahnen nicht zu schämen und die Ahnen ihrer nicht. Wie ihr noch nicht lang aus diesem Leben geschiedener Bruder Markus Hirsch b"sr. und wie der ganze Kreis ihrer Geschwister trug sie ganz das Gepräge Hirschischen Geistes. Ihr Andenken wird zum Segen sein! Dr. C. in A. Bei der Bestattung am Dienstag Nachmittag zeichnete Gemeinderabbiner Jos. Horovitz in ergreifenden Worten die ganz in ihrer Familientradition wurzelnde Persönlichkeit der Heimgegangenen, die ein leuchtendes Beispiel dafür sei, wie aus engstem Kreise größte erzieherische Wirkungen auf die Umgebung und für die Dauer erzielt werden könnten. Der Schwiegersohn der Heimgegangenen, Lehrer Wahrhaftig aus Darmstadt, nahm rührenden Abschied von der verehrten Mutter, die ihre Absicht, ihrer älteren Tochter nach Erez Isroel zu folgen, nicht mehr habe verwirklichen können, nun aber ihre letzte Ruhestätte neben dem geliebten Gatten finde.; Ein zahlreiches Trauergefolge legte für die Verehrung Zeugnis ab, deren sich die Heimgegangene erfreute. rr'axan- Ein Achtzigjähriger. Der hier in weiten Kreisen rühmlichst bekannte Schriftsteller Rabbi Jehudo Lab in begeht am 18. Elul, s. G. w., in erfreulicher körperlicher und geistiger Frische seinen 8 0. Geburtstag. Herr Labin hat sich durch eine ganze Reihe von nützlichen agadischen Werken einen Namen gemacht und es wäre erfreulich, wenn ihm in seinem hohen Alter noch: die Genugtuung zuteil würde, daß Freunde der populären jüdischen Wissenschaft ihm die Mittel zur Verfügung stellten, um die zahlreichen Manuskripte aus seiner Feder, die noch der Drucklegung harren, zu edieren. Herr Labin fungiert seit 55 Jahren als n'Vt7 liax an den d">ktu □■>»■> und es ist zu hoffen, daß er. sich auch in diesem Jajire und weiterhin dieser. heiligen Funktion in Jugendfrische wird widmen können. Jahresabschluß der Stadt Frankfurt. Nach einem Berichte der „Frankfurter Zeitung" bemerkte der Stadtkämmerer der Stadt Frankfurt bei der mündlichen Erläuterung des jetzt vorliegenden Jahresabschlusses und Voranschlags, daß in Frankfurt, wohl nicht zuletzt durch die Abwanderung jüdischer Firmen und Einzelpersönlichkeiten, die sonst beobachtete Äufwärtsbeweguhg der Steuererträgnisse gehemmt worden sei. Vonder Jüdischen Bahnhofshilfe'' in Frpnkfurt a. M. Von. ,allen Zweigeh der sozialen Arbeit ist die Bahnhofshilfe vielleicht: der am:'-! wenigsten in der Oeffentlichkeit bekannte. Und doch verdient..dar*.tagraus, tagein am Bahnhof für die Ankommenden und Abreisenden geleistete Dienst, der sich aus' so vieler Kleinarbeit zusammensetzt, weitgehendes Interesse und rege Unterstützung. Während es seit langem eine evangelische und eine katholische Deutsche Bahnhof smissiqnJibt, existiert die jüdische Bahnhofsmission seit etwa 2Q Jahren. Seit 10 Jähren hat auch die Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jüdischen Frauenbundes eine Beamtin angestellt, die mit> einigen wenigen ehrenamtlichen Helferinnen in treuer -Sorge für. die Nöte aller Reisenden bis heute den oft schwierigen Bahn- Glückwunschliiseräte für rwn in drei Größen1 zum Söndertarif | Allen lb. Verwandten u. Freund, herzl. ♦ \Q mm 2 sp. ♦ naita na'nni na^ris i 3 _ J Josef Kaufmann, Berlin N. Onmstr. 2 i ♦t 11 ♦ t »♦♦♦♦♦•< ♦♦♦♦♦♦♦♦ *»■*■*■—* ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦*♦♦♦<- T...... ♦ I Unserer werten Kundschaft wünscht ♦ :cr> nnaan mio navim na'Mf 15 ™m *sp- J Adolf Hirschmann & Co. t; 4 50 ♦ Frankfurt a. M,( Gwinnerstr. 6 J ♦ Allen Verwandten, Freunden und Be- ♦ i kannten nur auf diesem Wege die herzl. J \ triTD-Wüasche : 20»«_2sP- | S. Feldstein und Frau, Regina ♦ ♦ geb. Lichter i ♦ Frankfurt a. M, Sandweg 56 ♦ Die Beträge wolle man auf Postscheckkonto Nr. 19 802 überweisen, den Text durch Postkarte einsenden. Texte, die bis zum 5. September in unserem Besitze sind, werden in der Rosch-ha-schono-Nummer, später eintreffende in der darauffolgenden veröffentlicht. Frankfurt a. M. Die Anzeigen-Verwaltung des Israelit Sammelinserat Ablösung für Erez Jisroel. Wer seine Glückwünsche zu Gunsten von Erez Jisroel abzulösen und keine Anzeige zu veröffentlichen wünscht, wolle dem nach Belieben festzusetzenden Ablösungsbetrag eine Gebühr von 1.50 Mark für die Veröffentlichung von Namen und Wohnort im Sammelinserat beifügen. hofsdienst verrichtet. Er gliedert sich in Hilfeleistungen, Unterkunftsbesorgungeh und Ueberweisungen an soziale Einrichtungen. Die Hilfeleistungen erstrecken sich auf die Betreuung von Schutzbedürftigen 'jeden Alters. Unzählige Auskünfte werden tagtäglich erteilt über Ankunft oder Abfahrt der Züge, den stellensuchenden Mädchen werden die Adressen der Arbeitsvermittlungsstelle angegeben, Paßauskünfte werden erteilt, die* entsprechenden Konsulate genannt, hungrige mittellose Durchwandernde, soweit die Mittel erlauben, gespeist u. a. m. Als Unterkunft für eine Nacht wird, soweit die Reisenden über Mittel verfügen, ein einfaches Hotel oder ein Heim genannt. Als jüdisch-soziale Unterkunftsstätten existieren, seit das Heim in der Einhorngasse geschlossen wurde, nur zwei für Frauen: Die Wohnräume der weiblichen Fürsorge, Bäckerweg 26, und das ebenfalls von der Weiblichen Fürsorge unterhaltene Zimmer für Durchwanderer, Obermainanlage 20. Die Ueberweisung der Reisenden an für.sie in Betracht kommende Einrichtungen gliedert sich derart, daß Unterstützungsbedürftige bis 21 Jahre dem städtischen Jugendamt, ältere dem städtischen Fürsorgeamt überwiesen werden. Jüdische Reisende, die Unterstützung, .benötigen, werden zudem auch der Jüdischen Wohlfahrtspflege zugeführt, welche die Bahnhofshilfe in jeder Weise fördert. Die jüdische Wanderfürsorge steht selbstredend mit ihr in besonders reger Verbindung, und benutzt sie bei der Abreise ihrer Schutzbefohlenen. Bis Mai 1933 arbeitete die jüdische Bahnhofshelferin nach einem mit den beiden anderen Konfessionen festgesetzten Stundenplan und erhielt auch wie diese'eine monatliche Subvention vom städtischen Fürsorgeamt. Infolge der politischen Umgestaltung wurde die Subvention gestrichen und die Beteiligung an den bisjetzt gemeinsam abgehaltenen Sammlungen unmöglich, Auch das Zusammenarbeiten der jüdischen Bahnhofshilfe mit der evangelischen und katholischen Mission wurde untersagt. Außerdem hat die Leitung der interkonfessionellen Bahnhofshilfe,' in der der Jüdische Frauenbund seit über 20 Jahrein ve'rtreten war, diesem mitgeteilt, daß die Reichsbahn sich gezwungen sieht, die Plakate auf den Bahnhöfen und in den Zügen, auf denen auch die Adresse der Jüdischen Bahnhofshilfe vermerkt ist, umzuändern, d. h. die jüdische Adresse zu übertünchen. Es wird betont, daß es reine Zweckmäßigkeitsgründe sind, die zu dieser Maßnahme veranlassen (durch dauernde Schädigung der Plakate erwachsen der Reichsbahn untragbare Kosten), und daß die , Hilfstätigkeit auf den Bahnhöfen Juden gegenüber keineswegs eingeschränkt werden soll; Seit Juni 1933 ist die Jüdische Bahnhofshilfe auf sich selbst und die Unterstützung .ihrer Freunde, deren Zahl diese orientierenden Angaben gerne vergrößern möchten, angewiesen. Die neueste Statistik, der nur einige Zahlen . entnommen wurden, gibt Bericht über ihre Tätigkeit. Es wurden betreut vom 1. 1. bis 31. 5. 1933 185 Juden; vom 1. 6. bis 31. 10. 1933 619 Juden. Diese Zahlen sind ein beredter Beweis dafür, welche Wichtigkeit gerade; in dieser Zeit der starken Juden Wanderungen der Jüdischen Bahnhofshilfe zukommt. Darum darf es uns nicht gleichgültig sein, daß die Anschrift der Bahnhofsliilfe des J. F. B. auf den gemeinsamen Schildern der Konfessionen in den Eisenbahnwagen 3. Klasse der Personenzüge entfernt wurde, und daß an manchen Stationen mit den gedruckten Hinweisen der örtlichen jüdischen Hilfsstelle, die im Bahnhofsgebäude bezw. auf dem Bahnsteig aushingen, ebenso verfahren worden ist. Wir verkennen unsere Pflicht nicht und sind bemüht, die Wiederherstellung des früheren Zustandes zu erreichen, wobei wir uns des Verständnisses der Bahnhofsmission überzeugt halten. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Samstag morgen nach Schul im Hörsaal: Dinim, Herr R.-A. Dr. E. Posen — 11 Uhr im Vereinslokal (ebenso Sonntag morg. 8 Uhr) Gemoro, Herr J. Soffer. — Mikroschiur des Herrn Rabbiner H. Mayer Schabbos 3/4 Stunde vor Mincho im Vereinslokal. — Eine Stunde vor Nacht, Midrasch Herr Louis Kahn. Sonntag und Mittwoch morgens nach Schul, oik "n, Sonntag vorm. 9 Uhr. im Vereinslok. „Mögen Awrohom", Herr R.-A. Dr. Schlesinger. Montag morgen nach Schul (auch Donnerstag): Mischna- Mitgliederlernen, abends 7 Uhr im Vereinslokal (auch Mittwoch) Gemoro Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer. Dienstag (auch Donnerstag) abends 6 Uhr Gemoro, Herr R.-A- Dr. E. Posen. Dienstag (auch Freitag) nach Schul: Mischna. Herr R.-A. Dr. E. Posen. Jahrzeitsstiftungen. Schabbos, 18. August: Isidor Heller-Stiftung. 18. ., Mendel Apelt „ Donnerst., 23- „ Aron Wolf; Gebetzeiten. aiüs^niw Freitag abend 7.10 ,; , Samstag nttawn 6.45 Samstag morg. 8.00 Samstag nachm. 1.00 und 5.00 Samstag abend 8.30 Wochengottesdienst; Morgens 6.30 .,.,'/;» i Nachmittags 7.00 Tefillinlegen am Morgen 4.25 Familiennachrichten, Geburten: Ein Sohn. Jac. Serlui u. Frau geb. Wolf, Amsterdam, Uithoornstr. 8, Barmizwoh: Albert, Sohn des Herrn Ludwig Westheim, Eckenheimerldstr. 3, NSn 'D mv, Synagoge Friedberger Anlage. Verlobte: Erna Löb, Birkenau, Simon Dobrzinsky, Frankfurt a. M. — Lilli Eschwege, Frankf.-Mmit Harry Peper, Amersfoort/Holland. Vermählte: Adblf Fiebermann, Frankfurt-M-, Senta Fiebermann geb. Hahn, Kitzingen a. M., 19. August 1934. — Else Katzmann mit Richard Worm, Würzburg, 26. 8. 34. - Salli Nußbaum. Rhina mit Bertel Strauß, Lengfeld (22; 8. Hotel Ullmann Ffm.) Silberne Hochzeit: Benjamin Löb u. Frau, Birkenau 1 0., 29. Elul 5694.