Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1934)
- Date
- 1934-08-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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9. August 1934 Der Israelit iSr. 32 £>eue / Thedaismus will diesem Weckruf das Ohr des thoratreuen jüdischen Volkes öffnen. Steht erst einmal das ganze thoratreue jüdische Volk wie ein .Mann auf, um dem Weckruf zu gehorchen, so erachtet der Thedaismus das thoratreue jüdische Volk für stark genug, um mit Hilfe G'ttes die Führung, des Nationalheims an sich zu bringen und in ihm die Herrschaft der Thora zu verwirklichen. 9, Der Thedaismus anerkennt keinen Gegensatz zwischen Erez Jisroel und Gola. In seiner Ablehnung des zionistischen Nationalismus vermag der Thedaismus eine ehrliche Beziehung zwischen den Söhnen der Gola und ihren jeweiligen Wirtsvölkern herzustellen und zu pflegen. Von der Errichtung einer Thoraheimstätte in Erez Jisroel und von der Aufrüttelung der Gola für dieses Ziel erwartet der Thedaismus zugleich die geistige Ueberwindung des Zionismus und die Genesung und Stärkung der ganzen Gola. Ist erst die Welt-Orthodoxie für Erez Jisroel geeint, so ist sie auch unter sich geeint. (Wir sind mit den Ausführungen unsres geschätzten Mitarbeiters vollkommen einverstanden und glauben, daß in der Tat die Kritik, die in dem Wiener Blat-Vgeübt worden ist, in den entscheidenden Punkten auf vollkommenem Miß verstehen, beruht. Nur würden wir im Interesse der Sache empfehlen, auf die Einführung der schon sprachlich schwer zu rechtfertigenden Wortbildung „Thedaismus" zu verzichten und es beim Agudismus schlechtweg bewenden zu lassen. Red. d. Isr.) Korrespondenzen- Deutsches Reich. Trauerkundgebungen zum Ableben des Reichspräsidenten von Hindenburg. Berlin, 3. Aug. Alle führenden Organisationen der deutschen Judenheit haben in telegraphischen und brieflichen Trauerkundgebungen ihrem Schmerze um den Heimgang des Reichspräsidenten von Hindenburg Ausdruck verliehen, darunter die Reichsvertretung der deutschen Juden, die Vertretung der unabhängigen Orthodoxie, der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden. Letzterer hat durch ein Rundschreiben an alle seine Gemeinden am letzten Freitag ersucht, entweder im Rahmen des Sabbat-G'ttesdienstes oder in einer besonderen Feierstunde des heimgegangenen Reichspräsidenten zu gedenken. Daneben liegt eine große Anzahl von Trauerkundgebungen einzelner jüdischer Gemeinden vor. Trauergedenkfeier des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. B e r 1 i n , 6. Aug. Die Trauergedenkfeier, die' die Bundesleitung des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten" am Sonntag, den 5. August veranstaltete, nahm eindrucksvollen Verlauf. Rabbiner Dr. Leo Baeck feierte Hindenburg in Anknüpfung an ein Wort des Propheten Jesajas als den Fels, der fast unvermittelt aus der Ebene aufragte, die im weiten Kreis um ihn herum war. Der Redner stellte die allgemeine historische Bedeutung des dahingegangenen Reichspräsidenten dar, wie die besondere Bedeutung, die das geschlossene Bild seiner Persönlichkeit für die deutschen Juden von heute haben kann und soll. Er habe in Wahrheit keine Parteien gekannt, habe stets das Ganze gesehen und im Ganzen den Einzelnen. Oft werde die Stunde kommen, da das deutsche Volk und wir deutsche Juden in der Mitte dieses Volkes Hindenburgs gedenken und ihn I Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez JisroeL (Nach Palnews.) Jerusalem. Nach dem letzten Bericht der Palestine Potasch Co., die bekanntlich die Mineralien des Toten Meeres ausbeutet und hauptsächlich nach England exportiert, wurde ihre Arbeit stark erweitert. Sie arbeitet in drei Schichten und beschäftigt zur Zeit 469 jüdische und arabische Arbeiter. Einer Vergrößerung der Werke steht Arbeitermangel, insbesondere Mangel , an Facharbeitern entgegen. — Tel Awiw, Die Wohnungspreise sind in der letzten Zeit erfreulicherweise wesentlich zurückgegangen. Es stehen Wohnungen frei und teilweise sind solche unter den Höchstsätzen, die von der Regierung festgesetzt worden sind, zu haben. Dagegen ist ein Anziehen der Wohnungspreise in Jerusalem festzustellen. — Te 1 A w i w. Der palästinensische Notenumlauf hat sich im Jahre 1933/34 sprunghaft von 2,82 auf 4 Millionen Pfund gesteigert, was sich aus der außerordentlichen Entwicklung aller Wirtschaftsfaktoren erklärt. Da die Halbpfund-Noten und Metallmünzen nur 16 Proz. des gesamten Geldumlaufes ausmachen, entstehen große Schwierigkeiten im kleinen Zahlungsverkehr. — Haifa. Die skandinavischen Schiffahrtsgesellschaften sind in der letzten Zeit in stärkstem Maße auf den Ausbau ihres Palästinadienstes bedacht. Die dänische Torm-Steamship Co. in Kopenhagen verfügt jetzt außer den gewöhnlichen Frachtdampfern, die im Fruchttransport tätig sind, über vier neue schnelle Spezialschiffe für den palästinensischen Citrusdienst. Auch die schwedische Orientlinie ließ Ende Mai ein Spezialschiff für Orangentrahsport vom Stapel laufen. Der Handel Palästinas mit den skandinavischen Ländern ist in starker Zunahme, wobei es sich allerdings zumeist um Export nach Palästina handelt. — Jer u s a 1 e m. Der Juli-Bericht des Direktors der Agrikulturabteilung der Regierung erwähnt eine Reihe agrartechnischer Fortschritte, die sich iri der palästinensischen Landwirtschaft durchzusetzen "beginnen, so z. B. für die Konservierung von sommergeerntetem Futter, für die Räucherung von Citruspflanzungen und bei dem Studium der Citruskrankheit. — Jerusalem. Ibn Saud wendet sich nach der erfolgreichen Beendigung seines Krieges mit dem Jemen, nunmehr der wirtschaftlichen Entwicklung seines Landes zu: Telefon, Radio und Automobile sind eingeführt. Es gilt jetzt Automobilstraßen anzulegen sowie die Hedschasbahn auszubauen. Zur Ausbeutung der Goldvorräte und Erdölquellen will Ibn Saud Konzessionäre aus Europa und Amerika heranziehen. —Haifa. Der Automobilverkehr Bagdad—Haifa mit 36 Stunden Fahrzeit wird jetzt aufgenommen. Das hierfür gebaute Spezialfahrzeug enthält 16 Sitze und Kühlanlagen für Wasser und Lebensmittel. — Tel Awiw. Trotz der Steigerung der von den jüdischen Kolonien nach Tel Awiw gelieferten Lebensmittelmengen bleiben diese doch weit zurück hinter dem wachsenden Lebensmittelbedarf der Stadt. Tenuwa setzt täglich mehr als 12 000 Liter Milch in Tel Awiw ab. Die Obstmengen aus den jüdischen Kolonien reichen nicht aus, so daß große Mengen aus den Nachbarländern, der Türkei, Rumänien, Bulgarien und Hartobst sogar aus entfernteren Ländern importiert werden müssen. — Tel Awiw. Die Agri- Bank, in deren Händen die Parzellierung des neuen Merkas von Tel Awiw sowie der Arbeiterkolönien im Norden von Palästina lag, befaßt sich zur Zeit mit der Parzellierung des südlich von Tel Awiw gelegenen Geländes. Die Histadruth hat auf dem Gelände 1000 Plätze für Arbeiterhäuser erworben. Es wird dort ein neuer Vorort entstehen, der mit Tel-Awiw durch eine direkte Straße verbunden sein wird, Für die weitere Entwicklung der neuen Wohnstadt wird von der Agri-Bank Reserveland bereitgehalten. Die Bank hat ferner die Organisation der neuen Kolonie Jioknam bei Haifa, deren Gründer Jehoschua Chankin ist, in die Hand genommen. Es handelt sich hier um eine Bodenfläche von 20.000 Dunam und es werden dort 600 Familien in Wirtschaften von je 50 Dunam angesiedelt. — Tel Awiw. Die hier neu gegründete Strumpffabrik, die ihre Produktion zunächst in kleinerem Maßstabe mit 4 Maschinen und 24 Arbeitern aufgenommen hat, wird ihre Produktion zum Winter wesentlich erhöhen. herbeisehnen ^.würden. Das Mitglied der Bundesleitung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Dr. Ernst F r a e n k e 1, würdigte die Persönlichkeit des verblichenen Generalfeldmarschalls vor allem unter dem Gesichtspunkte des Soldaten. Im Gedenken an diesen Mann, in dem Treue, Gerechtigkeit und Kameradschaftlichkeit verkörpert waren, werde das deutsche Volk immer neue Kraft schöpfen, in seinem Willen zum Wiederaufstieg. Hindenburg-Erinnerung. Berlin, 3. Aug. Der verstorbene Reichspräsident, der anläßlich seines Amtsantrittes im Jahre 1925 die Vertreter der drei großen Konfessionen, unter ihnen den Vorsitzenden des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Kammergerichtsrat Leo Wolff, empfing, erklärte bei dieser Gelegenheit, er betrachte diesen gemeinsamen Empfang der Vertreter der verschiedenen Bekenntnisse nicht als bloße'Form, und gebe erneut die Versicherung, daß er in seinem hohen Amte alle Bekenntnisse und Weltanschauungen mit gleicher Gewissenhaftigkeit achten und stets den Geist innerer Volksgemeinschaft schützen werde. An den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat Hindenburg, als ihm der Bund anläßlich seines 85. Geburtstages das Gedenkbuch für die jüdischen Kriegsgefallenen überreicht hatte, ein Schreiben gerichtet, in dem es hieß: „In ehrfurchtsvoller Erinner rung an die auch aus Ihren Reihen für das > Vaterland gefallenen Kameraden nehme ich das Buch entgegen und werde es meiner Kriegsbücherei einverleiben." Jugendalijah aus Deutschland nach Palästina. Berlin, 5. Aug. Die „Jüdische Jugendhilfe" veröffentlicht einen Arbeitsbericht. Danach sind von ihr bisher 4 Gruppen nach Palästina geschickt worden. Zunächst 60' Jugendliche im Februar nach En Charod, dann eine Mädchengruppe auf die Mädchen-Lehrfarm der Frau Ben Zwi, des Vorsitzenden des Waad leumi, eine dritte Gruppe waren 20 religiöse Jugendliche, die nach dem Kibbuz Rodges kamen, die vierte Gruppe, bestehend aus 40 Jugendlichen, ist Ende Juli nach Tel Joseph abgereist. Nach Rodges sind inzwischen weitere 40 religiöse Kinder gesandt worden, ferner 16 nach Haifa' i in die Handwerkerschule und 12 Mädchen in das Heim der Misrachi-Frauenschaft nach Jerusalem. Im Herbst soll eine große Gruppe nichtreligiöser Jugendlicher nach Dagania kommen, zwei weitere Gruppen nach Mischmar haemek und nach Pardeasana. Zertifikate im Rahmen der Jugendalijah können nur für Jugendliche vom vollendeten 15. bis vollendeten 17. Lebensjahr beantragt werden. Die Gruppen bestehen zur Hälfte aus Nichtzahlenden, 'zur Hälfte aus solchen Jugendlichen, für die zwei Jahre lang monatlich ein Beitrag von Lst. 4.— bezahlt werden kann. Die Anmeldung soll mindestens ein Jahr vor der Alijah erfolgen. Der Bericht schließt mit folgendem Ausblick: .„Je schwieriger es wird, für unsere schulentlassenen Jugendlichen Lehrsteilen zu finden, und je früher die Jugendlichen auf Hachscharah gehen wollen, desto mehr wird der Weg der Jugend-Alijah beschritten werden müssen. Wir glauben, daß es ein Glück ist, im Alter von 15 bis 17 Jahren die Einordnung in Palästina schon vornehmen zu können. In diesem Alter ist die Bindung an das Land und die Bindung an die Gemeinschaft leichter durchzuführen als später. "Die Einordnung geht bei all diesen Jugendlichen viel müheloser vor sich, als bei den älteren Chaluzim. Mehr und mehr werden Jugendliche ZU uns kommen, die vorher noch keinen anderen Beruf ausgeübt haben und direkt von der Schule zur Hachscharah gehen wollen., Wenn diese Hachscharah — wie bei unseren Jugend-Alijah-Gruppen — im Lande selbst durchgeführt werden kann, so ist das die beste Gewähr für eine richtige Einordnung. Die Altersschichtung unserer Olim verschiebt sich immer mehr nach unten. Immer jüngere CHawerim und Chaweroth wollen zur Alijah gehen. Die chaluzische Alijah von 1933 und 1934 wird immer mehr zugunsten der Jugend-Alijah abnehmen."