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Der Israelit · 1934-08-09 · Heft 32 (9.8.1934) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 32 (9.8.1934)
Date
1934-08-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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9. August i934 Der Israelit Nr. 32 Seite 5 der Vereinsleiter nach dieser Richtung gerade heute vermieden werden sollte. Die meisten jüdischen Vereine, die regelmäßige Zusammenkünfte veranstalten, verfolgen rein religiöse und Lern-Zwecke; diese Zusammenkünfte, einerlei ob sie sich in engerem Kreise oder in großen Versammlungen vollziehen, sind also kein Luxus, den man nach Belieben einschränken kann, sondern sie gewähren der jüdischen Bevölkerung, insbesondere der Jugend, die unentbehrliche geistige Nahrung, ohne die sie in dieser schweren Zeit seelisch verhungern und moralisch zusammenbrechen müßte. Es ist daher Aufgabe der jüdischen Gemeinden, bei allem Verständnis für die Wünsche der Behörden, diesen den legitimen, harmlosen und moralisch unentbehrlichen Charakter dieser Vereinstätigkeit nachzuweisen, die keinerlei Kontrolle und Ueberwachung zu scheuen hat. Zunächst möchten wir annehmen, daß der Wunsch nach Einschränkung überhaupt nicht von behördlicher Stelle ausgegangen ist. Der Samstag als Staatsjugendtag* Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Unterricht veröffentlicht den Wortlaut eines von ihm mit dem Jugendführer des Deutschen Reiches abgeschlossenen Abkommens über die Erziehung der Schuljugend im nationalsozialistischen Staat. In diesem Abkommen wird der Sonnabend als schulfreier Tag für die der Reichsjugendführung unterstellten Schüler bestimmt. In Punkt 6 heißt es: ,,Die nicht der Hitler-Jugendbewegung angehörigen Schüler und Schülerinnen haben am Sonnabend pflichtmäßigen Unterricht. Dieser Unterricht soll nach einem festzulegenden Lehrplan in mindestens zwei Unterrichtsstunden den Schülern und Schülerinnen das nationalsozialistische Gedankengut nahebringen. Die nichtarischen Schüler sind von diesen Stunden befreit. Die Schulaufsichtsbeamten haben bei ihren Besuchen der Anstalten diesem Unterricht besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden." Durch diese Verfügung ist den jüdischen Schülern und Schülerinnen, die trotz der Möglichkeit des Dispenses die Schule immer noch am Sabbat besuchen und dort schreiben und zeichnen, die erwünschte Gelegenheit gewährt, nicht nur ihren g'ttesdienstlichen Pflichten am Sabbat nachzukommen, sondern auch einem etwas tieferen quellenmäßigen Eindringen in das religiöse Schrifttum nahegeführt zu werden, als es der gewöhnliche Religionsunterricht mit seinen homöopathischen Dosen in der Regel ermöglicht. Es ist die wichtigste Aufgabe der Gemeinden, folgen." Arnold B. Ehrlich übersetzt den zweiten Satzteil: „Bis aufs Blut hast du gehaßt . . ." Um den Sinn des Satzes, insbesondere auch die Häufung des Wortes m zu verstehen, müssen wir darauf achten, daß hier (vergl. auch 1. M. 25, 30) ein Wortspiel vorliegt und zwar von o- und Edom, was übrigens die mir vorliegende Warschauer Mikraot gedolot-Ausgabe dadurch zum Ausdruck bringt, daß sie bei den Worten m *b OK das Alef von S7 durch einen Zwischenraum von Lamed trennt und dem Dalet von dt annähert, um den Gleichklang mit ms anzudeuten. Die heilige Schrift enthält in Bezug auf Edom-Esau mehrfache Wortspiele. So dürfte z. B. auch im vorangehenden Vers. Ez. 35, 5, dt» eine Anspielung auf Edom sein, ebenso in Obadja 1, 13. In unserm Satze liegt m. E. noch ein anderes Wortspiel vor und zwar zwischen und wy Esau. Heißt es doch auch Jer. 49, 8 „denn das Unheil Esaus habe ich über ihn gebracht" d. h., wie die Kommentatoren oemerken, das Unheil, das Esau verdient hat, eine Ausdrucksweise, die erst dann recht gewürdigt werden kann, wenn in Esau eine Anspielung auf "wy „sie taten" gesehen wird, der Satz also die Andeutung enthält: das Unheil, das sie selbst bereitet . . . Auch unser Satz Ez. 35, 6 bringt zum Ausdruck, daß Edom Maß für Maß Vergeltung empfängt und zwar enthält er diesen Gedanken nicht nur im zweiten Satzglied, sondern auch im ersten. Meines Erachtens ist nämlich '3 als ein Zitat aufzufassen, als eine Art Schlachtruf, der das Prinzip Edoms darstellt und ihm in den Mund gelegt wird. Zwischen '3 und Bit»' ist gedanklich mnx zu ergänzen. Edoms Devise sei tvys a~tb und daher wird ihm in gleicher Weise vergolten. Daß das Verbum bisweilen weggelassen wird, geht aus mehreren Bibelsteilen hervor, z. B. Ps. 8, 4: „Wenn ich den Himmel dafür Sorge zu tragen, daß dort, wo die beiden freien Stunden nicht mit dem Gemeindeg'ttesdienst zusammenfallen, für die Schuljugend eine besondere g'ttesdienstliche Veranstaltung stattfindet und daß Lehrkräfte und Räume für einen zusätzlichen jüdischen Unterricht bereit gestellt werden. Jedenfalls eröffnet sich hier wiederum eine Von Dr. Isaac Breuer. In Nr. 24 der in Wien erscheinenden Zeitschrift „Unser Wort" findet sich unter der Ueberschrift „Orthodoxie und Erez Jisroel" eine Stellungnahme zu meinem Versuch, die Weltorthodoxie in ihrer Beziehung zu Erez Jisroel aufzurütteln, die, bei offensichtlich bestem Willen zum Verstehen, dermaßen von Mißverständnissen strotzt, daß ich dazu nicht schweigen darf. Der Verfasser stellt fest, 1. ich sei der Meinung, daß ,,wir uns auf den Boden der Tatsachen stellen und den Erfolg der zionistischen Arbeit in Erez Jisroel als gegeben betrachten müssen." 2. Der „weltliche Aufbau, wie ihn die Zionisten sich vorgestellt haben," vollziehe sich; es hätten aber „die bedeutendsten Wortführer des glaubenstreuen Judentums diesen Gedanken des weltlichen Aufbaus abgelehnt." Sie hätten den „unverfälschten religiösen Gedanken als die absolute, unveränderliche Grundlage jeder jüdischen Gemeinschaftsarbeit gefordert." 3. Ich versuchte, das in Deutschland unter der Devise Thora-im-Derech-Erez „mißlungene kul* turelle Exempel auf das politische Gebiet zu übertragen. Hier wie dort soll eine SynthesQ zwischen den areligiösen Tatsachen und den heiligen unveränderlichen Grundideen geschaffen werden." Es frage sich aber, ob „der Wiederaufbau von Erez Jisroel mit der ungeheuerlichen Verunglimpfung des Heiligen Landes . . . nicht ein viel zu teuerer Preis wäre." Der Verfasser fragt, 1. ob nicht die „Verbeugung", die die „Anerkennung" der von den Zionisten in Palästina geschaffenen areligiösen Tatsachen bedeute, uns zu „Mitschuldigen an dem historischen Verbrechen, das heute in Erez Jisroel geschieht, mache." 2. Ob nicht der Zionismus' die letzte gewaltigste Versuchung des Judentums sei, und „ob . . . sehe, (so rufe ich aus) was ist der Mensch . . ." Vgl. auch Ps. 10, 4; 64, 7 u. a. m. Demgemäß wäre also unser Satz etwa folgendermaßen zu übersetzen: „Denn (du sprichst) „zu Blut mache ich dich," darum soll Blut dich verfolgen^ Da du Blut nicht hassest, soll Blut dich verfolgen." Kleines Feuilleton. Meiers Hildesheimers letzter Kaddisch. Von Hermann Schwab in London. Fünfunddreißig Jahre sind seit dem Tode Esriel Hildesheimers vergangen, aber der 4. Tamus — sein Sterbetag — stellt seine ragende Persönlichkeit alljährlich erneut in das Licht der Gegenwart, Eine Welle liebevollen und dankbaren Gedenkens geht zu den Stätten seiner Wirksamkeit und seiner Ruhestatt auf dem Bes-Aulom der Adaß Jisroel-Gemeinde in Berlin. An diesem letzten 4. Tamus hatte sich die kleine Gemeinde des Golders-Green Bes-Hamedrasch in London im Hause von Dr. Eli Münk um den jüngsten Sohn des „Rebbe", um Meier Hildesheimer versammelt. Die Innigkeit seines Gebetes und der Wohllaut seiner Stimme gaben dem Älltagsmorgen einen beinahe festlichen Anstrich und sein Jisgadal Wejiskadasch um den Vater gaben den Gedanken Raum, zu den glücklichsten Jahren der deutschen Judenheit zurückzufinden. Niemand im Kreise konnte ahnen, daß es Meier Hildesheimers letzter Kaddisch sei, und daß das jüdische Volk in wenigen Wochen den jähen Heimgang kleine Aussicht, dem religiösen Abstieg der deutschen Judenheit, der mit der Preisgabe des Sabbats, von frühester Jugend an, begonnen hat, eine rückläufige Bewegung entgegenzustellen, die sich die Sabbatruhe mit all ihren unendlichen Segnungen wieder zu erobern sucht. Auch bedeutet der volle Dispens am Sabbat jetzt gewiß kein großes Opfer mehr für den Schüler. der Versuch, sich mit ihm zu verständigen, nicht die Falle schließt." 3. Warum das Kompromiß, das ich hinsichtlich unserer Arbeiter organisatorisch ablehne, geistig geschlossen werden dürfe. Wie man sieht, ist der Verfasser der Meinung, daß ich einer Verständigung mit dem Zionismus das Wort rede. Es ist mir einfach rätselhaft, wie er einem solchen Irrtum verfallen konnte. Gewiß: ich anerkenne, daß die zionistische Arbeit in Erez Jisroel auf dem Gebiete der Wirtschaft Erfolg gehabt hat. Mir scheint, daß jeder ehrliche Mensch, der seinen Augen Gelegenheit gab, zu sehen, das gleiche Anerkenntnis aussprechen muß. Wäre die Bekämpfung des Zionismus auf Verfälschung der von ihm geschaffenen Tatsachen, auf bewußte Verkleinerung seiner wirtschaftlichen Leistungen angewiesen, so wäre1 sie aussichtslos. Gewiß: ich behaupte, daß die Vorsehung der zionistischen Bestrebung, in Palästina eine nationale Heimstätte für das jüdische Volk zu errichten, durch den Weltkrieg, durch die aus seiner Konstellation hervorgegangene Balfour-Deklaration und durch die Ereignisse der Nachkriegszeit in einer geradezu ins Auge springenden wunderbaren Art zu Hilfe gekommen ist, Ich fciehe daraus die Folgerung, daß wir nicht damit rechnen dürfen, es werde sich der Zionismus als eine vorübergehende Erscheinung erweisen, daß wir vielmehr das jüdische Nationalheim in Palästina und seine notwendigen Rückwirkungen auf die ganze Gola als eine von der Vorsehung dem thoratreuen jüdischen Volk gestellte Aufgabe erkennen müssen, deren Lösung wir nicht ablehnen, sondern beherzt und entschlossen in Angriff nehmen sollen, da wir sonst die Gefahr laufen, daß sie ohne uns und gegen uns, also falsch, gelöst wird und der Sache G'ttes auf Erden, von uns im Stich gelassen, unermeßlichen Schaden zufügt. Im Hinblick auf diese Aufgabe behaupte ich seit mindestens fünfzehn Jahren, nicht also dieser kraftvollen und jugendfrischen Persönlichkeit beweinen müsse. Meier Hildesheimers letzter Aufenthalt in London war eine Summe mühevollster Arbeit. Trotz sengender Sonne war er den ganzen Tag unterwegs und war glücklich, daß ihm Erfolg beschieden war. An den Schabosaus scheute er nicht den halbstündigen Weg von seiner Wohnung zu dem Golders Green Bes-Hamedrasch, und es war der Zauber seiner Persönlichkeit, der den Raum hell werden ließ, den er betrat. Er war in London wohlbekannt; auch hier hatte er das Erbe seines Vaters angetreten, der in den jüdischen Kreisen Englands in hohem Ansehen stand. So sei äus vergilbten Blättern berichtet, wie das jüdische England den Tod des „Rebbe" beklagte. □maK D'33 rnssri. Meier Hildesheimer sprach am liebsten von seinem Vater, und es dürfte gewiß in seinem Sinne sein, wenn auch dieser Kaddisch noch einmal gesprochen wird. Jewish Chronicle vom 16. Juni 1899 enthält neben einem Leitartikel über den Tod Esriel Hildesheimers eine Würdigung aus der Feder von Elkan Nathan Adler, dem Sohn von Rabbi Nosson Adler, aus welcher einige Sätze wiedergegeben werden mögen: „Mit schmerzlichem Bedauern müssen wir von dem Heimgang von Dr. Esriel Hildesheimer berichten, dem Gründer und Rabbiner der Adaß Jisroel-Gemeinde in Berlin. Esriel Hildesheimer wurde am 17. Mai 1820 in Halberstadt geboren — er starb als ein 80jähriger — gleich seinen Freunden, den großen Führern der Orthodoxie, Dr. Nathan Adler, unserem verstorbenen Chief-Rabbi, und S. R. Hirsch in Frankfurt a. M. . . . Einen großen Teil der Arbeitskraft Esriel Hildesheimers beanspruchte das Rabbiner-Seminar.

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