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Der Israelit · 1934-08-09 · Heft 32 (9.8.1934) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 32 (9.8.1934)
Date
1934-08-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a» M. 9. August 1934 28. Ab 5694 Nummer 32 Judenfeind che Ausschreitungen in Algerien. Par , 7. August. Die im Laufe der Nacht und des heutigen Vormittags in Paris eingelaufenen Meldungen über Zusammenstöße zwischen Mohammedanern und Juden inConstantine lassen erkennen, -daß die Unruhen weit umfangreicher wären, als anfänglich zugegeben wurde. Die bisher bekannt gewordene Zahl der Opfer beträgt 25 Tote und an die. hundert mehr oder weniger schwer Verletzte. Die Toten sind fast sämtlich Juden (22), und unter ihnen befinden sich Greise, Frauen, mehrere Mädchen und sogar vier jüdische Kinder im Alter von zwei, bis zehn Jahren. Die-'Rühe' scheint zwar gegenwärtig im großen und ganzen wiederhergestellt zu sein, doch kam es gestern', erneut zu Zusammenstößen, bei denen wieder ztyei Araber und zwei Juden getötet wurden. I; Der Landwirtschaftsminister Q u e u i 11 e , der ■d^n in Urlaub befindlichen Innenminister vertritt, ist heute morgen aus der Provinz nach Paris zurückgekehrt, um die etwa noch notwendig werdenden Anordnungen sogleich treffen zu können. Er bat den neuernannten Präfekten von Constantine, der seinen Posten noch nicht angetreten hatte, dies sofort zu tun. Der Generalgouverneur von Algerien, der sich in Paris befand und im Begriffe war, im Auftrag der Regierung eine Reise nach Kanada' anzutreten, ist bereits mit dem Flugzeug nach Algier zurückgekehrt. Den Anlaß zu den Zusammenstößen gab ein an sich geringfügiger Zwischenfall: Ein betrunkener jüdischer Soldat war am Samstag abend während der Gebetsstunde in eine Moschee eingedrungen und von den empörten Gläubigen verprügelt worden. Als diese Nachricht in der Stadt bekannt wurde, strömten die Muselmanen zu Hunderten in das jüdische Geschäftsviertel der Stadt, richteten dort beträchtliche Verwüstungen an und zogen erst gegen Morgengrauen wieder ab. Nach einer Schiichtungskonferenz 'zwischen den Vertretern der beiden Bevölkerungsschichten, die am Sonntag vormittag im Rathaus stattfand, schien der Zwischenfall erledigt. Am Nachmittag veranstalteten jedoch extreme mohammedanische Elemente neue Ausschreitungen, an denen bald große Teile der arabischen Bevölkerung Constantines und der umliegenden Ortschaften teilnahmen. Sieben jüdische Geschäftshäuser wurden in Brand gesteckt, die anderen geplündert. Die jüdische Bevölkerung hatte sich in ihren Häusern verbarrikadiert, jedoch gelang es den Arabern, in die Häuser einzudringen, ohne daß die Sicherheitskräfte der Stadt sie daran hindern konnten. Erst als gegen Abend aus Algier eine Brigade Gendarmerie, zwei Bataillone Senegalesen und eine Feuerwehrabteilung mit Spritzen anruckten, gelang es, die Ruhe einigermaßen wiederherzustellen. In drei kleinen Ortschaften der Umgebung jedoch' dauerten die Kämpfe weiter an. Etwa 50 Verhaftungen wurden vorgenommen, wobei es sich meist um Araber handelt, die beim Plündern von jüdischen Warenhäusern festgenommen wurden. So wurden, wie der Havas-Korrespondent berichtet, mehrere Araber verhaftet, die in einem Auto die geplünderten Waren abtransportieren wollten, ein anderer, als er im Begriffe war, einem von ihm erschlagenen Juden die Brieftasche wegzunehmen. Nach demselben Bericht befinden sich unter den Toten zahlreiche jüdische Geldverleiher, die von ihren arabischen Schuldnern ermordet worden sind. Die Art der Verwundungen zeigt fanatische Grausamkeit. Den meisten Opfern wurde der Hals durchschnitten, die Mädchen und Kinder sind in der Mehrzahl erwürgt worden, und den Frauen wurde der Schmuck aus den Ohrläppchen gerissen. Die Stadt befindet sich heute früh im Belagerungszustand, Das arabische Viertel ist von starken Truppenabteilungen mit aufgepflanztem Bajonett umstellt. Jeder Verkehr ist unterbrochen. Der Bahnhöf ist von Truppen besetzt. Aus dem Inhalt: Die Tragödie der illegalen Einwanderer Seite 2 Bundeskanzler SchuSehnigg Über die , Seite 2 Stadtratswahlen in Jerusalem . . . . Seite 2 Erwachsenenbildung ..... . Seite 4 Der Samstag als Staatsjudentag' . . Seite 5 Klarheit. Von Dr. Isaak Breuer . . . Seite 5 Meier Hildesheimers letzter Kaddisch Seite 5 Hindenburg-Gedenkfeiern . Seite 7 Japan und die Ansiedlung deutscher Juden Seite 8 Das Märchen-von der jüdischen Weltherrschaft Seite 9 Kinderecke .....'". . . Seite 12 Die Sidra spricht zu uns...... Seite 4 Arbeiterproblemafik im heiligen Lande« Mit der Bereicherung und Ausweitung des jüdischen Lebens im heiligen Lande, die gerade im letzten Jahre unter dem Drucke der Ereignisse in vielfach gesteigertem Tempo fortgeschritten ist, erwachsen ganz naturgemäß denen, die dieses Leben ganz und gar den Maßstäben des G'ttesgesetzes anpassen, ja es zu einer G'tt verherrlichenden Ausprägung des Thorageistes gestalten möchten, mit jedem Tage neue, schwere Probleme. Eines der verhängnisschwersten ist das der jüdischen Arbeit und des jüdischen Arbeiters. Die geschichtliche Entwicklung hat es gewollt, daß — abgesehen von dem mehr oder minder geschlossenen Kreis des alten Jischuw, der ganz in der Atmosphäre des Beshamidrasch und der Jeschiwah verharrt — das wirtschaftliche und kulturelle Leben des neuen Palästina fast gänzlich von thorafremden, in der Gola bereits der geistigen Assimilation verfallen gewesenen Elementen aufgebaut worden ist. So hat ganz unter der Hand, ohne daß es dem weiten Kreis des thoratreuen jüdischen Volkes eigentlich mit voller Intensität zum Bewußtsein gekommen ist, im heiligen Lande die ganz aus der sozialistischen Internationale hervorgewachsene organisierte jüdische Arbeiterpartei, die H i s t a - druth hoowdim, das Monopol im Wirtschaftsleben erobert und es zugleich dank ihrem vorzüglichen organisatorischen Apparat fertiggebracht, auch die politische Oberherrschaft innerhalb der zionistischen Organisation sowohl, als auch in den nationalen. Vertretungskörpern innerhalb des heiligen Landes zu erlangen. Der innere Widerspruch, an dem die Histadruth hoowdim krankt, daß sie auf der einen Seite ein Bestandteil der zweiten Internationale ist, ihre Programme und Rezepte ebensowohl wie ihre antireligiöse Weltanschauung fix und fertig vom Marxismus empfängt und auf der anderen Seite dennoch, aus Gründen der Selbsterhaltung, die Parole der ausschließlich jüdischen Arbeit im heiligen Lande, also eine rein nationalistische Parole zu verkünden gezwungen ist, dieser innere Widerspruch hat bisher sich keineswegs als Moment der Schwäche für die Arbeiterorganisation erwiesen. Immerhin treibt er mit innerer Notwendigkeit dazu, die Parole von der jüdischen Arbeit allmählich in die der {gewerkschaftlich organisierten Arbeit (Fortsetzung aui Seite 3.)

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