Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1934)
- Date
- 1934-08-02
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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2. August 1934 D I 1 i t Nr. 31 Seite 15 Vermischtes- Köln, 31. Juli. Die hiesige Orts- und Jugendgruppe der Agudas Jisroel hat die „drei Wochen" zur Intensivierung ihrer Erez Jisroel-Arbeit genutzt. Es galt, im Verlauf einiger Veranstaltungen die Mitglieder beider Gruppen mit den Problemen in und um Erez Jisroel, wie sie zur Zeit liegen, vertrauter zu machen. Das Problem, das unserer Jugend am stärksten zu schaffen macht, und dem sie sich innerlich tief verbunden fühlt, ist die Frage der eigenen Vorbereitung für eine eventuelle Uebersiedlung ins heilige Land. Dieser Vorbereitungsarbeit, die im wesentlichen der Noar Agudati leitet, galt ein Referat von Abraham W o 1 f am Donnerstag, den 5. Juli in der Jugendgruppe über „Wesen und Ziel des Noar Agudati". Den eingehenden Ausführungen des Redners, die gedanklich auf beachtlicher Höhe standen, folgte eine angeregte Diskussion. (Es erscheint nur recht verwunderlich, man verzeihe diese öffentliche Kritik, wie wenig die Eltern ihr Interesse an den Fragen, die ihre Kinder zutiefst angehen, durch ihr Erscheinen bei derartigen Referaten an den Tag legen. Ist es dann schwer zu verstehen, wenn vielfach darüber geklagt wird, daß die Jugend ihren Weg sich allein sucht?) Am Schabbos, den 7. Juli berichtete Herr Rabbiner Dr. Wolf, ebenfalls in der Jugendgruppe, über seine Erez Jisroel-Reise.und trug seine Pläne für eine Mittelstandssiedlung vor. Der große Abend der Woche wurde der Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Dr. Isak Breuer, Frankfurt a. M., über „Erez Jisroel". Eingeleitet wurde der Abend durch Worte des Gedenkens auf Oberrabbiner Dr. Spitzer Hamburg, den der Vorsitzende der Ortsgruppe in seiner Bedeutung für die Gesamtheit, für Agudas Jisroel und insbesondere die deutsche Agudo schilderte. Darauf folgte das Breuer'sche Referat, das formvollendet in Inhalt und Sprache ein ununterbrochener großer Genuß wurde. Neben all dem gewaltig Großen, das von Dr. Breuer rückhaltlos als Leistung anerkannt wurde, neben dem Aufblühen des Landes in wirtschaftlicher und allgemein zivilisatorischer Beziehung wies er mit liebevoll geschärftem Blick auf die Mängel hin, die in jüdischer Beziehung sich eingestellt haben und bisher hoch nicht sich beheben ließen. Die Stellung der großen Organisationen in Palästina, ihr Kampf gegeneinander, in ihrer weltanschaulichen Divergenz begründet, das Fehlen eines ausgeprägten Verantwortlichkeitsgefühls der Lehrenden gegenüber der Persönlichkeitsentwicklung im Jüdischen bei den Lernenden und vieles andere Ausgeführte bewegte die vielhundertköpfige Zuhörerschaft, unter der sich auch Düsseldorfer Agudisten und Siegburger agudistische Hachscharisten befanden, tief. Besonders wertvoll war das Beisammensein der Aguda-Jugend mit Herrn Dr. Breuer nach dem Vortrag, bei dem vielerlei praktische Erez Jisroel-Fragen besprochen wurden. Bad Kissingen, 25. Juli. Um irrigen Gerüchten entgegenzutreten, sei betont, daß in Bad Kissingen sämtliche öffentlichen staatlichen Badeanstalten zum Gebrauche von kohlensauren Bädern sowie die Trinkquellen allen Kurgästen ohne Ausnahme — also auch den jüdischen Gästen — wie bisher uneingeschränkt zur Verfügung stehen. London, 28, Juli. Der Frankfurter Raw, Gemeinderabbiner Josef J. H o r o v i t z , ist gegen Ende voriger Woche, aus Holland kommend, in London für einen kurzen Aufenthalt eingetroffen. Der Zweck seines Besuches ist, mit mehreren prominenten Persönlichkeiten der englischen Judenheit über einige aktuelle Fragen zu verhandeln. Die Verehrung, die Herrn Rabbiner Horovitz auch in London entgegengebracht wurde, fand ihren schönsten Ausdruck in einem Empfangsabend, zu dem Herr Hermann Schwab (früher Halberstadt) sein Haus in Golders Green zur Verfügung gestellt hatte. Als Redner kamen die Herren Schwab, Halberstadt, Rabbi Dr, E, Münk, H. A. Goodman, sowie der Frankfurter Raw selber zu Wort. Der starke Besuch dieser von der Londoner Agudas Jisroel einberufenen Versammlung — der um so beachtenswerter ist, als viele Zuhörer aus ganz anderen Teilen Londons erschienen waren — dokumentiert nicht allein die Popularität, deren sich Herr Rabbiner Horovitz in allen Kreisen der westeuropäischen Orthodoxie erfreut, sondern ist darüber hinaus ein erfreuliches Zeichen dafür, daß auch in London der fundamentale jüdische Begriff der Verehrung unserer Talmide Chachomim noch in aller Lebendigkeit erhalten geblieben ist. Diesem Ziel dient vor allem die hiesige unter der Leitung des un- ermüdlichen Harry A. Goodman arbeitende Agudas Jisroel, von deren Tätigkeit während der letzten Monate ich in einer späteren Nummer zu berichten gedenke. E. St. Szighet (Rumänien), 28. Juli. Die Marmarozer Agudazentrale hat in diesem Sommer drei große Hachschara-Farmen eingerichtet und zwar in Szighet selbst mit 62, in Viseul-de-Sus mit 40 und in S o c a 1 mit 20 Chaluzim. Parallel mit der Eröffnung dieser Farmen hat im ganzen Lande eine große Aktion für Keren Hajischuw eingesetzt. Vorige Woche fanden an der hiesigen Beth Jakob- Schule die Schlußprüfungen statt. An der Feier, die "einen sehr imposanten Verlauf nahm, nahmen sämtliche Vorstandsmitglieder der Agudazentrale und der orthodoxen Gemeinde teil. Die Prüfungen wurden durch die Mitglieder des Rabbinats abgenommen. Die Prüfungsfragen wurden in überaus klarer und treffender Weise beantwortet. Der besondere Dank aller Teilnehmer an der Schlußfeier wurde der Lehrerin Frl. Chaja Haß votiert. Die Frankfurter Woche. Israelitischer Brotverteilungsverein. Der Israelitische Brotverteilungsverein, dessen Leistungen von allen bewundert werden, die einen Einblick in sein segensreiches Wirken haben, durchlief einen mühsamen Werdegang, bis er seine heutige Größe erreichte. Mehr als fünf Jahrzehnte mögen es her sein, daß die jüdisch warmfühlende Frau Hannah Goldschmidt, Schwester der uns allen noch in bester Erinnerung befindlichen Brüder Samuel, Michael und Isaak Mainz, anfing, auf Sabbat Woche-für Woche an würdige Arme Mehl zu schenken, damit dieselben ihre Sabbatbrote backen konnten. Und wie schön übte sie diesen jüdischen Liebesdienst! Nicht an der Türe wurden ihre Armen abgefertigt, nein, ins Zimmer mußte jeder zu ihr kommen, um seine kleinen und großen Sorgen ihr anzuvertrauen. Keiner ging von ihr, ohne getröstet, beraten und aufgerichtet zu sein, ohne neuen Mut für den schweren Daseinskampf gefaßt zu haben. Ja, waren ihre Schützlinge durch Krankheit oder sonstwie nicht imstande, sich die Sabbatbrote zu backen, so soll es in der „guten, alten Zeit" vorgekommen sein, daß Frau Goldschmidt selbst noch diese Arbeit leistete. Kein Wunder, daß immer neue Kunden ihr zuströmten, so daß im Laufe der Jahre sie ihre gleichgesinnten Brüder bitten mußte, gemeinsam mit ihr der Not abzuhelfen. Auch in der berühmten „guten, alten Zeit", gab es immer Arme und Bedürftige, so daß Frau Hannah und ihre Brüder Mainz nach mitfühlenden Freunden Umschau halten mußten, damit „ihre Armen" auch Brot für die Wochentage erhalten konnten. Jetzt war es an der Zeit, weitere Kreise zu gewinnen, die durch regelmäßige Beiträge ihr Scherflein für die Brotverteilung beitrugen. Auf diese Weise entstand, sich immer weiter und weiter ausbreitend, im Jahre 1892, der Israelitische Brotverteilungsverein mit dem Motto: „Brich dem Hungrigen Dein Brot." Und wahrlich, der ins Leben gerufene Verein hat es getreulich in die Tat umgesetzt, dieses schöne Motto. Wackere Frauen und Männer brachten die Mittel auf, damit. Monat für Monat mehrere hundert Laibe Brot an eine Reihe würdiger verarmter Familien auf Grund von Brotscheinen, die der Verein gratis verteilte, ausgegeben werden konnten. Längst weilt die Gründerin nicht mehr unter den Lebenden; sie hat sich durch ihr karitatives Hilfswerk ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Der Weltkrieg kam und später die Inflation. Immer größer wurde die Zahl derjenigen Famili.en, die im Israelitischen Brotverteilungsverein ihren einzigen Retter aus Not und Verzweiflung sahen. Immer größer wurde die Zahl der Petenten, immer stärker wuchs die Zahl der Laibe Brot, die monatlich umsonst zur Verteilung gebracht wurden. Bestände dieser seit vielen Jahrzehnten so segensreich wirkende Wohltätigkeitsverein nicht bereits, es wäre heiligste Pflicht aller Israeliten in Frankfurt, ihn sofort ins Leben zu rufen. Beugt doch gerade dieser Verein vor, indem er den Hunger der Armen stillt, daß nicht in einer weit größeren Anzahl von Familien Krankheiten, wie Tuberkulose usw. Platz greifen. Bittere Not brachte es mit sich, daß heute viele hunderte würdige Familien in regelmäßiger monatlicher Belieferung ihr Brot empfangen, die noch vor wenigen Jahren selbst zu eifrigen Spendern dieses Hilfswerkes zählten. Gerade diese Familien werden in diskretester Weise versorgt, so daß die einzelnen Familienmitglieder keine Ahnung haben, woher der Brotsegen auf den sonst so leeren Tisch kommt. Infolge der immer wachsenden Anforderungen sind die Mittel des Brotverteilungsvereins fast erschöpft. Sollen sie nicht ganz versiegen und die Armen dadurch dem Hunger preisgegeben werden, dann ist mehr als je die verständnisvolle Hilfe aller derjenigen Glaubensgenossen nötig, die heute noch in der Lage sind, spenden zu können. Seit über einem Jahrzehnt hat der Israelitische Brotverteilungsverein die Einrichtung der monatlichen Brotstiftung getroffen. Solche Brotstiftungen sind von Mk. 1.— monatlich an erwünscht und wirken besonders segensreich. Ein besonders erhebendes Gefühl ist es, sobald man selbst am gedeckten Tische sitzt, das Bewußtsein zu haben, daß zur gleichen Stunde würdige, unverschuldet verarmte Familien von dem gespendeten Brot ihren Hunger stillen. Das Postscheckkonto des Israelitischen Brotverteilungsvereins ist Frankfurt a. M.. Nr. 53 934. Der stellvertretende. Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde gestorben. Nach schwerer Krankheit ist am 20. Juli der stellvertretende Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde, R.-A. Dr. Eduard Bärwald, im Alter von 58 Jahren gestorben. Dr. Bärwald stammte aus einer altangesehenen Familie; sein Vater war Direktor der höheren jüdischen Lehranstalt „Philanthropin". Von Jugend auf hatte der Verstorbene stets außerordentliches Interesse für jüdische Angelegenheiten bekundet und sich, abgesehen von seiner Arbeit in der Gemeinde, insbesondere auch als Vorsitzender der liberalen Fraktion des Preußischen Landesverbandes und als Mitglied des Conseil der Jewish Colonisation Association (JCA) betätigt. Dr, Bärwald verstand es stets, bei voller Wahrung des eigenen Standpunktes die Auffassung anderer zu würdigen, und war bemüht, das Zusammenfassende und Einende über das weltanschaulich Trennende zu stellen. Unbestechliche Objektivität und gütige Vornehmheit der Gesinnung sicherten ihm das Vertrauen aller Kreise der Gemeinde ohne Unterschied der religiösen oder politischen Richtung. Familien-Nachrichten. Barmizwoh: Salomon, Sohn des Herrn Abraham Blinder, Ffm-, Uhlandstr. 19, ntn nans snip ras? rr*i/ Synagoge Friedberger Anlage. — Siegmund, Sohn von Dr. med. Oscar Dzialowski, Leipzig, Lessingstr. 9, rmn 'o 'p na». V erlobte: SemmiOppenheimer(Rhina-Hünfeld)- Berlin mit Hertha Salomon. Küstrin-Neustadt. Briefkasten. „Szered". 1) Freitag. 2) 8. EM, 3) Kxn~>a mp» »n. Sabbat-Anfang und Ausgang a?» msr O r t Anfang Uhr | Min. Datum Ausgang Uhr | Min. Frankfurt am Main 7 25 4. 9 00 Berlin 7 30 Aug. 8 45 München 7 15 1934 8 30 Köln 7 30 9 10 Stuttgart 7 30 23. 8 50 Breslau 7 30 nx 8 22 Nürnberg 7 15 •rxnn 8 40 Hamburg 7 35 9 06 Würzburg "7 30 8 55 Ein in den allerersten, vornehmsten u. hochangesehensten Familien des In- und Auslandes wohleingeführter Herr, der infolge seiner Reisetätigkeit erste, glänzende Beziehungen zu allen Kreisen hat, vermittelt streng diskret u. coulant unter Verschwiegenheit nur seriöse, gute und reiche Partien In der Schweiz, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Tschechoslovakei, Ungarn, Palästina und England ganz besonders bekannt. Ausführliche Offerten mit Rückporto unt. „Massel 17" an die Exped. d. Bl, Rechneigrabenstr.7 Ovth. 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