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Der Israelit · 1934-08-02 · Heft 31 (2.8.1934) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 31 (2.8.1934)
Date
1934-08-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ein Centraiorgan Üir das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. M- 2. August 1934 21. Ab 5694 Nummer 31 Reichspräsident v. Hindenburg $■ t^km In dem Augenblick, da wir zur Presse gehn, erreicht uns die Trauerkunde, daß der, allverehrte greise Reichspräsident, um dessen Leben das gesamte deutsche Volk, ja 'darüber hinaus eine ganze Welt in aufrichtiger, liebevoller Teilnahme seit Tagen bangte, heute Früh um 9 Uhr sanft hinübergeschllimmert ist in die Ewigkeit. Deutschlands jüdische Bürger fühlen sich in diesem Augenblicke, mag, was immer, in diesen schweren Jahren schmerzlichen Erlebens über sie hingegangen sein, in unverbrüchlicher Einheit1 des Empfindens verbunden, in tiefer ehrfurchtsvoller Trauer geeint allen Menschenbrüdern, die auf deutschem Boden atmen. Ein wahrhaft Großer ist dahingegangen, ein Held des Schwertes nicht nur, der fest und knorrig wie die deutsche Eiche im Boden des Vaterlandes und seines Volkstums wurzelte und beide zu schützen wußte mit starker, niemals erzitternder Hand, sondern auch ein Held der Sittlichkeit, einer ernsten, strengen, den kategorischen Imperativ des Königsberger Weisen verkörpernden Lebensauffassung, eines starken*: alle Ungerechtigkeit verabscheuenden Pflichtgefühls, ein Held der Ritterlichkeit und der instinktsicheren Treue, ein Mann tiefsten g'ttverbtindenen r e Ii g i ö s e n Innenlebens, der sich jeden Tag in demütigster Verantwortlichkeit vor dem' Angesichte' des Höchsten wußte, und dem sein ganzes großes'und kleines Leben ein wahrhafter!!1 Dienst an der Nation war. Y So konnte Paul von Hindenburg zum Symbol eines über alle internationalen Mißverständnisse und über alle Zeitlichkeit' hinaus ewigen Deutschtums werden, das seine Eigenständigkeit hineinlebt in den Chor der Rassen und Nationen und das Bewußtsein der eigenen Art mit der Ehrfurcht vor der fremden harmonisch verbindet. n i Hindenburgs: * Andenken wird ewig lebendig bleiben im Herzen der deutschen Juden. Möchte er vor G'ttes Thron Fürsprecher sein dem inneren und äußeren Frieden und der Größe seines Volkes, dem Frieden und dem Glück der Menschheit. Das? Problem der jüdischen Auswanderung aus Deutschland- Wir veröffentlichen an anderer Stelle dieser •Nummer — neben zwei Berichten über die Lage der jüdischen Emigranten in Spanien und Frankreich— die Ausführungen, die der High Commissioner James Macdonald bei einer Pressekonferenz in London über den Stand des von ihm geleiteten großen Hilfswerks gemacht hat, und die eigentlich zum ersten Male etwas Boden unter den Füßen spüren lassen. Die feste Ziffer der aus den derzeitigen zeitweiligen Aufenthaltsländern nach Uebersee zu verpflanzenden Flüchtlinge gewährt ganz gewiß eher Aussicht auf die Bereitschaft der paar Einwanderungsländer zur Aufnahme als das ungewisse Dunkel, das bisher über diesen Dingen schwebte. Auch Gelder lassen sich leichter beschaffen, wenn man positiv weiß, wie hoch der Bedarf ist. Im Zusammenhang damit möchten wir auf einen uns besonders beachtenswert scheinenden Aufsatz hinweisen, den Ernst Kahn in London an der Spitze des Juli-August-Heftes der Zeitschrift „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik", des Organs der Zentralwohlfahrtsstelle, veröffentlicht. Kahn warnt vor allem, wie das früher übrigens auch schon von anderer sachkundiger Seite geschehen ist, vor dem beliebten Agrar-Optimismus, der sich vermißt, den der Landwirtschaft nun einmal höchst ungünstigen allgemeinwirtschaftlichen Entwicklungstendenzen in den Arm zu fallen und sich und anderen einreden will, man,könne in exotischen Gebieten, wie Angola, Ecuador oder Columbia landwirtschaftliche Siedlungen für jüdische Massen; aufbauen. Auch wenn die dafür erforderlichen phantastischen Summen aufzubringen wären, so würde infolge der niedrigen Agrarpreise und der Konkurrenzunfähigkeit gegenüber den zu höchster Produktivität entwickelten bevor2Ugten Ein2elgebieten ein Fiasko unausbleiblich sein. Trotzdem glaubt Kahn nicht, daß ein Grund zur Verzweiflung vorhanden sei. Zunächst sucht er die ziffermäßige Bedeutung des deutschjüdischen Auswanderungsproblems auf das rechte Maß zurückzuführen. Er schreibt:' Man spricht immer wieder von 600 000 deutschen Juden, während die Zahl heute näher an 400 000 liegen dürfte. Sie wird heute auf 420 000 bis 430 000 geschätzt. Von diesen 420 000 bis 430 000 Menschen ist natürlich nur ein ganz kleiner Teil überhaupt auswanderungsfähig. Nur eine ganz beschränkte Zahl kann vor allem hoffen und erwarten, im Ausland noch einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Estist bekannt, daß die deut- (Fortsetzung auf Seite 3.)

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