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Der Israelit · 1934-07-26 · Heft 30 (26.7.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 30 (26.7.1934)
Date
1934-07-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 30 Der Israelit 26. Juli 1934 den auch dann anzunehmen haben, wenn der Angestellte ein Verhalten zeigt, das sich als ein Verstoß gegen allgemeine Pflichten des Volksgenossen darstellt oder mit der moralischen Auffassung des Volkes nicht im Einklang steht. Andererseits ist aber zu erwägen, daß das fragliche Abkommen in erster Linie ein Verschulden der Angestellten im Auge hat, welches sich auf seine Pflichten aus dem Arbeitsvertrag . . . bezieht. Auch ist zu bedenken, daß den Bestimmungen über die Zahlung des Uebergangsgeldes Billigkeitsrücksichten mit zugrunde liegen, und die Billigkeit es erfordert, bei der Prüfung der Frage, ob ein Verschulden vorliegt, einen nicht allzu strengen Maßstab anzulegen. Von diesen Erwägungen ausgehend, kann das Gericht ein Verschulden nicht annehmen, wenn die Klägerin ihr Verlöbnis mit einem nichtarischen Arzt, das zur Zeit der Kündigung bereits vier Jahre bestanden hat, nicht zur Auflösung gebracht hat. Nach dem heute im deutschen Volke herrschenden allgemeinen Rasseempfinden und Rassebewußt-* sein war es allerdings auf der einen Seite ihre Pflicht, von einer ehelichen Verbindung mit einem Nichtarier abzusehen und an ihrer Absicht auf Eingebung der Ehe mit ihrem Verlobten nicht festzuhalten. Auf der anderen Seite läßt sich indes nicht verkennen, daß die Klägerin sich verpflichtet halten mußte, ihrem Verlobten, mit dem sie bereits vier Jahre lang verlobt war, die Treue zu halten, und daß von jeher gerade im deutschen Volke der Gedanke der Treue besonders lebendig ist. Wenn nun die Klägerin in diesem Konflikt der Pflichten nicht den richtigen Weg gefunden hat, so kann ihr das . . . nicht zum Vorwurf gemacht werden." Verbot des öffentlichen Auftretens konfessioneller Jugendverbände. Hildesheim, 20. Juli. Der hiesige Regierungspräsident hat eine Verordnung erlassen, durch die den konfessionellen Jugend- und Standesvereinigungen, mit Ausnahme der Hitler-Jugend, jede öffentliche Betätigung außerhalb des kirchlichen und religiösen Bereiches untersagt wird. Verboten ist danach insbesondere im Regierungsbezirk Hildesheim jedes geschlossene Auftreten in der Oeffentlichkeit, jede Art von politischer Betätigung, jede öffentliche Sportausübung einschließlich des gemeinsamen Wanderns und der Errichtung von Ferien- und Feldlagern, das öffentliche Führen oder Zeigen von Fahnen, Bannern und Wimpeln. Polen. Nachspiel zu den antisemitischen Ausschreitungen in Warschau. Warschau, 17. Juli. Vor dem Warschauer Kreisgericht fand die Verhandlung gegen eine Reihe von Personen statt, die vor einiger Zeit an den Ausschreitungen der Nationalradikalen in dem Warschauer Viertel Powonzek teilgenommen haben. Sieben Nationalradikale, die im Zusammenhang mit der Ermordung des jüdischen Bürgers Jecheskel D a 1 m a n n verhaftet worden waren, wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Dagegen wurden die drei jüdischen Lastträger Sender Friedlaender, Moses Lippe und Jacob K r i m b a n d , die sich an der Abwehr der Angriffe beteiligt hatten, wegen „Störung der öffentlichen Ordnung" zu je sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Jüdische Volksschulen in Polen werden geschlossen. — Die Kinder müssen am Sabbat zur Schule gehen. Warschau, 17. Juli. Aus einer Anzahl von Städten in Polen, so auch aus L u b 1 i n und S i e d 1 i c e wird gemeldet, daß die örtlichen Behörden die hauptsächlich von jüdischen Kindern besuchten Volksschulen, in denen an Sabbat- und jüdischen Feiertagen kein Unterricht erteilt wird, und die deshalb als „Sabbat- Schulen" bezeichnet werden, schließen. Infolge der Schließung dieser Sabbat-Schulen werden die jüdischen Kinder genötigt, die allgemeinen Volksschulen zu besuchen, in denen am Sabbat unterrichtet wird, Dadurch wird auch eine Anzahl jüdischer Lehrer brotlos. Eine Abordnung der Aguda-s Jisroel hat in dieser Angelegenheit beim Unterrichtsminister interveniert, der eine zufriedenstellende Regelung der Frage zusagte. England. Die englischen Faschisten. L o n d o n , 20. Juli. Die „Daily Mail" veröffentlicht einen bemerkenswerten Briefwechsel zwischen Lord Rothermere und Sir Oswald Mosley, dem Führer des englischen Faschismus, in dem als Ergebnis eingehender Unterhaltungen die voneinander abweichenden Auffassungen des konservativen Presselords und der jungfaschistischen Bewegung niedergelegt werden. Sir Oswald dankt zunächst dem bisherigen Verbündeten für die starke, anfeuernde und großherzige Die Woche. Berlin. Prof. Dr. Otto W a r b u r g feierte am 20. Juli in Berlin seinen 7 5. Geburtstag. Warburg, der eine Zeitlang Vorsitzender der zionistischen Organisation war, hat sich als Wissenschaftler hervorragendste Verdienste um den landwirtschaftlichen Aufbau Palästinas erworben. Wien. Die in der Taborstraße in dem von Juden stark bewohnten Bezirk Leopoldstadt gelegenen Hotels „Continental" und „Zentral" sind durch Bombenanschläge stark beschädigt worden. Budapest. Hier wird die Vereinigung der neologen Gemeinden Pest und Ofen zu einer einheitlichen Kultusgemeinde propagiert. Warschau. In der Vorstadt Praga hat ein Brand sämtliche Verwaltungsgebäude und Magazine des jüdischen Friedhofs vernichtet. Es handelt sich um Brandstiftung, da man in Naphta getauchte Lumpen und Naphta vorfand. London. Der oberste Gerichtshof für Zivilsachen in London hat eine gegen die Palestine P o - t a s h Co. Ltd. eingereichte Feststellungsklage abgewiesen, in der die Entziehung der der Gesellschaft erteilten Konzession zur Gewinnung von Mineralsalzen aus dem Toten Meere verlangt wurde. Damit ist die Rechtmäßigkeit der Konzession festgestellt. Beyruth. In der hiesigen Presse wird die freie Einwanderung deutscher Juden nach Syrien und Libanon gefordert, von deren Einströmen man einen wirtschaftlichen Aufschwung des Landes erwartet. Haifa. Die aus der Anleihe dem Technikum in Haifa zufließende Subvention der Regierung wird zum Ausbau von Lehrwerkstätten für angewandte Mechanik und Elektrotechnik sowie zur Verbesserung der Forschungsmöglichkeiten verwendet werden. In den Lehrkörper des Instituts sind eine Reihe hervorragender ehemals deutscher Technologen und Ingenieure eingetreten. Für jüdische Einwanderer aus Deutschland wurden besondere technische Klassen eingerichtet. Tel Awiw. Zu Beginn des nächsten Schuljahres wird in Tel Awiw ein technologisches Institut mit Professoren aus Deutschland und anderen europäischen Ländern eröffnet. Lehrgang vier Jahre. Vorsitzender Bürgermeister Dizengoff. Jerusalem. Der Keren Hajessod hat im ersten Halbjahr 1934 aus Palästina selber Lst. 20.000 vereinnahmt gegenüber Lst. 6000.— im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Unterstützung und führt aus, daß die Schwarzhemden danach strebten, die neue moderne Bewegung dem Lande durch britische Methoden und in Uebereinstimmung mit dem britischen Charakter näher zu bringen. Das britische Volk habe große weltanschauliche Ideen stets in eine hohe, ihm angepaßte Form gebracht und weiterentwickelt. Die Schwarzhemden hätten die Aufgabe, den neuen Glauben und das System des 20. Jahrhunderts, nämlich den Faschismus, in England zu verbreiten. Der Brief betont sodann die Uebereinstimmung mit den Konservativen in verschiedenen Fragen, wie etwa in der Aufrechterhaltung eines starken, britischen Empire, besonders in Indien, und in der Schaffung einer Luftwaffe, die hinter keiner der Welt zurückstehe. Er erwähnt alsdann aber auch die Programmpunkte, an denen er trotz der Meinungsverschiedenheit festhalten müßte. Zur Judenfrage habe man sich verpflichtet, daß es in England unter dem Faschismus weder rassenmäßige noch religiöse Verfolgungen geben werde. Man werde von den Juden wie von jedem andern auch fordern, daß sie die britischen Interessen voranstellen müßten. Wenn man sie nicht zur Mitgliedschaft zulasse, so liege das an. ihren scharfen Angriffen gegen den Faschismus und an der Errichtung einer internationalen Bewegung, die die Rasseninteressen über die nationalen Interessen stelle. Der Brief schließt damit, daß es unmöglich sei, den Ausdruck Faschismus aufzugeben, weil sich in diesem Begriff eben das ganze Ziel der Bewegung verkörpere. In seinem sehr viel kürzeren Antwortschreiben weist Lord Rothermere darauf hin, daß er stets den Standpunkt vertreten habe, daß sich eine Bewegung, die sich selbst als „faschistisch" bezeichne, in diesem Lande niemals durchsetzen könne. Ferner habe er es in den Unterredungen absolut klar gemacht, daß er niemals eine Richtung unterstützen werde, die irgendwelche antisemitische Tendenzen habe. Angesichts der bevorstehenden schweren Auseinandersetzung zwischen Konservativen und Sozialisten und der besonderen Ueberzeugungsgabe Mosleys habe er ihn unterstützt in der Hoffnung, daß er sich mit den Konservativen verbünden werde, um gemeinsam den Sozialismus zu beseitigen. Trotz des Schreibens Mosleys sehe er nicht ein, warum man sich nicht auf dieser Linie treffen könnte. Auf dem Wege zur Unabhängigkeit Transjordaniens. London, 20. Juli. Das Colonial Office veröffentlicht soeben Ergänzungen und Abänderungen des transjordanischen Vertrags, die am 2. Juni in Jerusalem unterzeichnet wurden. Auf Grund der neuen Bestimmungen wird in, Transjordanien ein englischer Geschäftsträger eingesetzt, durch dessen und des High Commissioner Vermittlung die Regierung Transjordaniens mit allen Mächten in Verbindung treten kann. Das Abkommen sieht ferner vor, daß Transjordanien eigene Konsuln in den benachbarten arabischen Staaten haben soll, wo das Bedürfnis hierfür besteht. Gleichzeitig verpflichtet sich Emir Abdullah, daß Transjordanien künftighin die normalen Ausgaben der Zivilregierung und -Verwaltung selbst tragen wird. Der Arbeitermangel in Palästina. — Anfragen im Unterhaus. London, 18. Juli. Im Unterhause richtete Captain Strickland an den Minister die Frage, ob er im Hinblick darauf, daß der Bericht des Landwirtschaftsdepartments der Palästinaregierung für Juni 1934 über die Ernte-Aussichten Arbeitermangel besonders in den Dörfern der Ebene und an den Hügelabhängen in dem ausgesprochen arabischen Distrikt Gaza-Meschdel feststellt, der auch durch die Zuwanderung von Beduinen aus der Sinai-Halbinsel nicht behoben wird, von der Art befriedigt sei, wie die Statistik über die Arbeitslosigkeit unter den Arabern Palästinas geführt wird. Sir Philip Cunliffe-Lister antwortete, er habe den erwähnten Bericht nicht erhalten, würde aber die Feststellung von Arbeit er mangel in einem - einzelnen Beruf oder Distrikt nicht als ein Anzeichen für die Unzuverlässigkeit der Arbeitslosen-Statistik für ganz Palästina betarchten, der zufolge es Ende April 14.000 arbeitslose Araber gab. In den letzten Jahren seien verschiedene Maßnahmen getroffen worden, um das System der Sammlung statistischer Daten zu verbessern; jetzt habe man die Errichtung eines statistischen Zentralbüros vorbereitet und man hoffe, durch dieses mit der Zeit genauere Statistiken über Arbeitslosigkeit und andere Gebiete erhalten zu können. Rumänien. Das rumänische Judentum begeht den 15. Jahrestag der Emanzipation. Bukarest, 11. Juli. Auf Anregung der Union rumänischer Juden fanden am letzten Sonntag überall im Reich

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