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Der Israelit · 1934-07-19 · Heft 29 (19.7.1934) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 29 (19.7.1934)
Date
1934-07-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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20JUL34 Frankfurt a. M. MLjJüK 1931 7. Ab 5694 Nummer 29 London, 17. Juli. Allen Versprechungen der türkischen Regierung zum Trotze, scheint die jüdische Tragödie in Thrazien in verschärftem Maße anzudauern. Sie besteht aus zwei zugleich laufenden Akten: Die Tausende . von Flüchtlingen in Konstantinopel und an der griechischen Grenze sind dem bittersten Elende ausgesetzt. Die Juden aber, die in der Heimat an den Dardanellen geblieben sind, haben unter einem Terror zu leiden, der auf die völlige Ausrottung hinausgeht und dem Einhalt zu gebieten, die Behörden weder den Willen noch die Kraft haben, In einem offiziellen türirischen Berichte wird zugegeben, daß in K i r - Ii 1 i s s e 65 jüdische Häuser geplündert wurden und 3000 Juden aus diesem Gebiete flüchten mußten. Es wird bekannt, daß man in Häusern von höheren Polizeioffizieren geraubtes jüdisches Gut vorfand. Englische Blätter sind der Meinung, daß die von der türkischen Regierung angekündigten Maßnahmen gegen die Urheber nur der Beruhigung des Auslands dienen sollen, in der Lage der Juden aber keine Aenderung schaffen "werden. Ein Communiq u e über eine außerordentliche Sitzung des Ministerrates in Ankara ist auch nicht dazu angetan, diese Meinung zu •entkräften. Die Juden, heißt es darin, hätten in Thrazien die schon an sich judenfeindliche Bevölkerung durch ihr Festhalten an eigener Sprache -und eigenen Gewohnheiten herausgefordert. Der Einfluß anderer Länder wird verzeichnet. Es "wird zugegeben, daß der im Juni bekanntgegebene Beschluß der Regierung, die Juden aus den Dardanellen zu entfernen, die dortigen Antisemiten zu dieser blutigen Akitvität ermutigt hätte, die dazu führte, daß 3000 Juden in panischer Angst geflüchtet seien. „Die Regierung mißbilligt und verspricht usw. ..." Auf den gleichen Ton ist eine Erklärung des Minister p'räsidenten Ismed Pascha in der Türkischen Nationalversammlung abgestimmt. Er erklärt, daß es den jüdischen Flüchtlingen in Konstantinopel freistehe, in die Heimat zurückzukehren und verspricht, die Schuldigen streng zu bestrafen. Offizielle Berichte wollen wissen, daß viele dieser Flüchtlinge dieser Aufforderung Folge geleistet hätten. Andere nehmen die Versprechungen mit großer Skepsis auf. Der zweite Stavsky-Prozeß in Jerusalem. Jerusalem, 17. Juli. Am Montag, den 16. Juli, wurde vor dem .Appellationsgericht in Jerusalem das B e r uf u n g s v e r f a h r e.n im Stavsky-Prozeß eröffnet. Das Richterkollegium besteht durchwegs aus Engländern, die nach der Tradition der Heimat in roten Talaren und grauen Perücken am Richtertische sitzen. Der Zudrang und das Interesse des Publikums waren infolge der am gleichen Tage in Tel Awiw satttfindenden Bestattung von Bialik nicht sehr groß. Es fiel auf, daß Stavsky ungefesselt und in bürgerlicher Kleidung vor seine Richter geführt wurde. Einzig das große Polizeiaufgebot deutet die Wichtigkeit der Verhandlung an. Die ganze Vormittagssitzung nahm die Rede des Verteidigers Horace Samuel ein, in der ier die Berufung und den Antrag auf Freisprechung Stavskys begründete. Die Hauptrolle dabei spielen zwei Momente: das immer noch ungeklärte Geständnis von Abdul Medschid und das Minderheitsvotum des Richters d e Valero, der von der Unschuld Stavskys überzeugt ist. Eine Sensation rief die Mitteilung des Verteidigers hervor, daß Abdul Medschid dieser Tage sein erst zurückgenommenes Geständnis in einer Aussprache mit dem Advokaten Dr. E 1 i a s h erneuert hat. Der Verteidiger verlangt eine (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Judentragödie in der Türkei Seite 1 und 8 Bialiks letzte Fahrt ... Seite 2 und 8 Arisch-jüdische Mischehen . . . Seite 2 Das Ehrenkreuz ......Seite 2 Status quo an der Klagemauer . . Seite 2 Kostbare Minuten .........Seite 3 Das thoratreue Erziehungswesen im Heiligen Lande......Seite 3k Zur Weltanschauung der jüdischen Frontsoldaten ........Seite 5 Rückwanderung jüdischer Ausländer aus Deutschland .......Seite 6 Agudas Jisroel zum Stavskyprozeß Seite 6 Christliche Jugendbünde in England im Kampfe gegen den Antisemitismus Seite 8 Palästinaberichte .........Seite 8 Tischohbeawnacht in Jerusalem . Seite 10 jvinK Trfr Tison ]»aV „Daß ihr erzählt dem kommenden Geschlecht." Hätten wir heute noch die Sänger und Psalmisten mit der Kraft des Wortes, dem Erleben der Zeit Ausdruck zu geben, sie würden uns wahrscheinlich, gleich den Korahiden auf den Stufen des Altares, sagen: |nnK in1? 11301! ,,Auf daß davon noch sprechen die kommenden Generationen! ..." Wie werden die kommenden Generationen von unserer Zeit, ihren stummen Leiden und ihrer Bereitschaft, sich zur Höhe zu ringen, sprechen? Völker errichteten ragende Denkmäler ihren Siegen und Siegern, von? ihren Niederlagen schweigen sie. Auch wir taten es auf unsere Art mit unseren Fest- und Feiertagen. Aber wir errichteten auch, und noch mehr, Denkmäler unseren Niederlagen, auf daß kommende Generationen daraus lernen. E i n en Tag haben wir für das Estherwunder, acht Tage für den Makkabäersieg, aber drei volle Wochen künden das Unglück vom neunten Aw. Kinothlieder weinen um die Zerstörung, Slichot berichten über spätere Leiden und Schickungen. Was haben w i r den kommenden Zeiten als Denkmäler unserer Tage zu bieten? Mit Wehmut und Stolz sehen wir auf das deutsche Mittelalter zurück, da Heilige und Reine ihre Liebe zu G'tt und der Thora mit ihrem Herzblut besiegelten. Voll Ergriffenheit, aber mit weniger Stolz schauen wir auf den Zusammenbruch der spanischen Glanzperiode zurück, da einer halben Million Auswanderer eine fast ebenso große Zahl von Juden gegenüber stand, die nicht die Kraft hatten, das Los der Heimatlosigkeit auf sich zu nehmen und sich ins Marranentum flüchteten. Eine spätere Zeit wird, wenn sie die Geschichte unserer Tage schreibt, kein Marranentum zu verzeichnen haben, da es heute kein Hintertürchen gibt, um sich aus der jüdischen Schicksalsgemeinschaft ins andere Lager hinüberzuschleichen. Aber auch das Heroentum des deutschen Mittelalters wird nur in wenigen Beispielen aus dem Dunkel der Geschehnisse hervortreten. v Und viele viele Schwache wird der Chronist zu verzeichnen haben, die der Religion, wo sie im Drange der Zeit mit Besitz und Genuß in Kollision kam, das kleine Opfer des Verzichtes weigerten. Aber eines wird der spätere Geschichtsschreiöer unserer Zeit doch zugute halten müssen: Das Dreigestirn des jüdischen Volkes, Thora, Awodah (Fortsetzung aui Seite 3,)

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