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Der Israelit · 1934-07-12 · Heft 28 (12.7.1934) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 28 (12.7.1934)
Date
1934-07-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Energische Maßnahmen gegen antisemitischen Terror in Polen. Nafionalradikale Verbände aufgelöst. Aus dem Inhalt: Jüdische Heldengedenldeier . . . Seite 2 Luftschutz auch für die jüdische Bevölkerung .........Seite 2 Jüdische Tragödie an den Dardanellen Seite 2 und 5 Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel Seite 3 Die religiöse Schule in Polen . . Seite 4 Chajim Nachman Bialik......Seite 5 Was will der Jischmv Hathora? . Seite 6 Jüdische Namen ........, . Seite 7 Der Wiener Prozeß um das Ritualmordmärchen .....Seite 7 Zur Lage der Juden in Spanien . Seite 8 Paläsünaberichte .....Seite 8 und 9 Kinderecke ...........Seite 13 Warschau, 10. Juli. Sämtliche Verbände der Nationalradikalen, des von* der nationaldemokratischen Partei abgesplitterten extrem antisemitischen Flügels sind wegen Bedrohung der öffentlichen Ordnung behördlich aufgelöst worden. Gleichzeitig wurde die Wiederaufnahme der Tätigkeit dieser Verbände unter anderem Namen, sowie das Tragen von Uniformen und Abzeichen der nationalradikalen Gruppen verboten. In dem Äuflösungsbefehl wird die Ueberführung der noch nicht internierten Mitglieder der Hauptleitung in die Isolierungslager angeordnet. Die Auflösung der nationalradikalen Verbände, denen die Schuld an den letzten judenfeindlichen Ausschreitungen in Warschau und anderen Städten zufällt, wird damit begründet, daß die Tätigkeit der Nationalradikalen, die sich u. a. auf die Hervorrufung von Straßenunruhen, Verbreitung von Rassenhaß und Propaganda gegen die Regierung erstreckt, in Widerspruch zum Strafgesetz steht. Die nationalradikale Organisation war am 14. April nach ihrer Loslösung von der nationaldemokratischen Partei als politischer Verband legaliliert worden. Im Mai wurde die Wochenschrift ,iSztafeta" als Organ der neuen Partei in eine Tageszeitung umgewandelt, die eine beispiellose Hetze gegen die Juden führte und die unglaublichsten Verleumdungen gegen sie vorbrachte. Die demonstrativ aufreizende Kolportage des Blattes in den Straßen Warschaus hat wiederholt zu blutigen Zusammenstößen geführt. Vor einiger Zeit wurde zunächst die Druckerei der Zeitung behördlich geschlossen, später wurde das Blatt selbst verboten. Es wurde jedoch wiederholt der Versuch gemacht, die verbotene Zeitung in Geheimdruckereien herzustellen und sowohl in Polen als auch im Ausland zu verbreiten. Unter anderem wurde auch in Danzig judenfeindliche Propaganda mit Exemplaren der verbotenen „Sztafeta" getrieben. Während der Hauptschriftleiter der Zeitung, Jan Mosdorf, ins Ausland floh, wurde der Redakteur Dziarmaga in ein Isolierungslager gebracht. Die Lokale und Büros der Naticnalradikalen waren bereits nach der Ermordung des Innenministers Pieracki polizeilich geschlossen und versiegelt worden. Justizminister Michalowski hat der Presse Mitteilungen über den Stand der Untersuchung des; Mordes am früheren Innenminister gemacht. Auch dieser Mordfall war, obwohl der ermordete Minister wiederholt energisch gegen antisemitische Uebergriffe aufgetreten war und beabsichtigt hatte, die Auflösung der antisemitischen nationalradikalen Partei durchzuführen, von antisemitischen Zeitungen in- und außerhalb Polens zum Anlaß judenfeindlicher Propaganda gemacht worden, indem man versuchte, einen Zusammenhang zwischen den Juden und den mutmaßlichen Mördern zu konstruieren. Wie der Justizminister nunmehr mitteilt, ist es den Mördern gelungen, ins Avisland zu. fliehen, und es bestehe wenig Hoffnung, ihrer habhaft zu werden. Dagegen wurden drei Komplizen festgenommen, diese sind Ukrainer. Eine Reihe von Mitgliedern der nationaidemokratischen Jugendorganisation wurde wegen Teilnahme an den Ausschreibungen gegen Juden m C'zenstochau zu Gefängnis verurteilt. In der Urteilsbegründung heißt es, die Jugendorganisation wolle durch Zerstörung jüdischen Eigentums und Ueberfälle auf Juden einen gewaltsamen Umsturz herbeiführen. Die Tätigkeit des nationaldemo^ kratischen Jugendverbandes sei als Verschwörung gegen den Staat anzusehen. Von Amitai. 1. Weite Kreise der deutschen Judenheit sind — über den Rahmen der Agudas Jisroel hinaus, — in den letzten Wochen aufs stärkste für die agudistische Erez Jisroel-Bewegung ergriffen worden. In einer Reihe von Großstädten haben unter ungewöhnlichem Andrang des Publikums führende Persönlichkeiten der Agudas Jisroel, in erster Linie Dr. Isaac Breuer, über den religiösen Aufbau Palästinas, über die Notwendigkeit einer selbständigen Ideologie der religiösen Arbeiterschaft dort und über die Pflicht, sich für dieses Ziel mit allen Kräften einzusetzen, gesprochen. Diese Gedankengänge finden ein starkes Echo. In Berlin, Breslau, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Leipzig, Köln usw. ist das Anwachsen einer Bewegung zu konstatieren, welche sich die Verantwortung für die gegenwärtige und zukünftige religiöse Lage Erez Jisroels und der daraus resultierenden Aufgäben zum Inhalt macht. Die Bildung von Komitees ist verschiedentlich in Angriff genommen., Persönlichkeiten, die bisher Hemmungen hatten, für Erez Jisroel mitzuarbeiten, weil sie die nationalistische Begleitmusik der Zionisten störte, haben sich entschlossen, dem von der Aguda propagierten religiösen Aufbauwerke ihre Kräfte zu widmen. E i n e Gruppe aber innerhalb der deutschen Judenheit sieht , sich veranlaßt, in Wort und Schrillt aufs heftigste diese auf den Aufbau von Erez Jisroel gerichtete Bewegung zu bekämpfen, nämlich ausgerechnet die zionistische. — Während in Erez Jisroel selbst jede Kraft freudig gefördert wird, die sich am Aufbau beteiligt und man mit Spannung und liebevollem Interesse jede agudistische Leistung dort registriert und keineswegs die Bewertung dieser Leistung von der organisatorischen Zugehörigkeit zum Zionismus abhängig macht, fühlt die deutsch-zionistische Landesorganisation sich scheinbar in ihren Grundfesten bedroht, wenn eine andere jüdische Gruppe das Monopolrecht der Zionisten'auf Erez Jisroel nicht anerkannt, wenn diese Gruppe, gestützt auf die Entscheidung' ihrer großen rabbinischen Führer m.Selbständigkeit, aber in nicht minder heißer Hingabe, die Zusammengehörigkeit von Kneseth Isroel amd Erez Jisroel unter dem Primat der Thora proklamiert. Diese zionistische Opposition :istiiverständlich; es mag hinter ihr die Befürchtung schlummern, daß allmählich die Stimme der Orthodoxie das tausendfältige Stimmenge- (Fortsetzung auf Seite 3.)

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