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Der Israelit · 1934-06-28 · Heft 26 (28.6.1934) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 26 (28.6.1934)
Date
1934-06-28
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 4 Nr. 3 Der Israelit Keren Ha jischuw- Blätter 28. Juni 1934 Sehr wichtig ist auch die Frage der Zusammenfassung der Muchschorim, welche in größeren oder kleineren Städten bei Handwerkern untergebracht sind oder in handwerklichen Betrieben arbeiten, die nicht einer agudistischen Leitung unterstehen. Wo es möglich ist, die jungen Leute einer landwirtschaftlichen Hachscharah einzugliedern, ist dieses Verfahren natürlich besonders wertvoll. Im anderen Falle, und dieser dürfte in Zukunft der häufigste sein, müßte Sorge getragen werden, durch Errichtung von Muchschorim-Heimen den jungen Leuten eine preiswerte und gut geleitete Unterkunftsstätte zu bieten. Ganz besonders wichtig ist die Frage der Hachscharah lür Mädchen. Es ist wohl das natürlichste, daß junge Mädchen, welche nach Erez Jisroel streben, in erster Linie dem hauswirtschaftlichen Beruf zugeführt werden. Diejenigen von ihnen, welche durch ihre bisherige Beschäftigung in Kinderheimen, Haushaltungsschulen oder in Privathaushaltungen eine entsprechende Vorbildung gehabt haben, werden von selbst auf diesen Beruf hingewiesen. Für Erez Jisroel aber käme auch eine Vorbereitung auf gärtnerischem und landwirtschaftlichem Gebiet, vor allem auf dem der Milchwirtschaft und Geflügelzucht in Betracht. Wir haben bisher in einigen Hachscharoth jungen Mädchen Aufnahme gewährt, denen die Führung des Hauswirtschaftsbetriebes für die jungen Leute oblag. Manchen war gleichzeitig Gelegenheit geboten, sich im Garten oder auch im Geflügel- und Kuhstall zu beschäftigen. Im allgemeinen war in den Hachscharoth so viel hauswirtschaftliche Arbeit, daß zu anderer Betätigung wenig Zeit blieb. In einigen Ländern des Ostens wurde von den rabbinischen Instanzen die gleichzeitige Aufnahme junger Mädchen in eine Jungen-Hachscharah untersagt. Es ergibt sich daraus die Notwendigkeit, auch eigene Hachscharoth für junge Mädchen zu errichten und unser Augenmerk müßte in naher Zukunft hierauf in erster Linie gelenkt sein. Wir glauben, daß es möglich sein müßte, in Deutschland Betriebe ausfindig zu machen, in denen junge Mädchen zu ihrer Ausbildung Aufnahme finden könnten. Es läßt sich nicht leugnen, daß die Zahl junger Agudisten in Erez Jisroel noch nicht sehr groß ist. Hieraus hat man früher, gerade uns, der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, einen Vorwurf gemacht. Man hat uns gefragt, was habt Ihr getan, wo ist Euer Boden, wo ist Eure Kolonie, wo ist Eure Kibbuz? Inzwischen sind'hunderte junger Leute von Deutschland nach Erez Jisroel hinübergewandert und unter ihnen viele, viele Agudisten, Sie haben gezeigt, daß man nach Erez Jisroel gehen kann, ohne daß starke Organisationen mit großen Geldmitteln ihnen den Boden aufbaureif zur Verfügung stellen, Sie haben gezeigt, daß man hierzu zwei kräftige Arme, einen festen Charakter und ein heißes, von Liebe zum Lande der Väter erfülltes Herz benötigt. Fachliche Kenntnisse werden dem jungen Olim den Weg erleichtern, aber unentbehrlich ist die geistige Einstellung auf das, was man in Erez Jisroel zu erwarten hat, welche Aufgaben des jungen Agudisten harren und welche Verantwortung er vor den Augen der agudistischen Welt trägt. Unser Streben muß es sein, recht viele, von der Wahrheit ihrer Aufgaben erfüllte charakterfeste junge Menschen nach Erez Jisroel zu bringen, welche in gemeinsamer Arbeit Erez Jisroel den Stempel aufdrücken, den der neue Jischuw bisher leider nicht getragen hat. Mögen unsere Hachscharoth in ihrem Bestand gesichert und so ausgebaut werden, daß sie unserer Jugend die wahre Vorbereitung als Träger jüdischen Geistes, als Pioniere agudistischer Arbeit in Erez Jisroel dienen können. Und nun zum Schluß gestatten Sie mir, noch ein persönliches Wort an Sie, meine verehrten Freunde, zu richten. In den 14 Jahren der Tätigkeit der Palästina-Zentrale hat es an Kritik nicht gefehlt. Diese Kritik, von welcher Seite sie auch kam, wurde von den Mitgliedern der Palästina- Zentrale gerne entgegengenommen. Kam sie doch aus liebeerfülltem Herzen und aus dem Gefühl heraus, daß für Erez Jisroel und in Erez Jisroel nicht genug geschähe, daß in ganz anderem Ausmaße die Kräfte angespannt und eingesetzt werden müßten. Wir haben diese Kritik entgegengenommen, weil wir sie als berechtigt empfunden haben. Was wir nicht immer als berechtigt empfunden haben, war die Tatsache, daß diese Kritik sehr häufig in der Richtung fehlte. Es hat, wir dürfen es wohl sagen, lange gedauert, bis wir die uns nahestehenden Kreise aufgerüttelt und an die Notwendigkeit, ihre Blicke auf Erez Jisroel zu lenken, erinnern konnten. Wie dringend notwendig nicht nur das Sammeln von Geldern, sondern die Bereitstellung von Menschen, die Bereitstellung von jungen Menschen für Erez Jisroel ist, das liegt wohl heute vor aller Augen klar. An Geld hat es uns stets gefehlt und fehlt es uns auch heute noch. An Menschen, an Olim, die opferbereit sind, fehlt es heute nicht. Aber die besten von ihnen auszusuchen, sie für ihren Beruf vorzubereiten, ihnen das geistige Rüstzeug für diesen Kampf mit auf den Weg zu geben, ihren Mut zu stählen und ihnen durch Schaffung einer bescheidenen Existenz das Gefühl zu geben, einstmals auf eigenem Boden sich und den Ihrigen den Auftieg zu ermöglichen, das ist die Aufgabe, die nicht nur uns, der Palästina-Zentrale, die Ihnen allen, die uns allen, zugeteilt ist, die wir als heiße Verpflichtung in uns fühlen müssen. Bauen wir nicht auf andere, berauschen wir uns nicht an schönen Worten, sondern denken wir daran, daß jeder, der mit Herz und Hand durch Geldspende aus eigenem Besitz, durch Sammeln im Freundeskreise, vor allem aber durch eigene . Bereitstellung die Hachscharah junger bewußter thoratreuer Juden für Erez Jisroel ermöglicht, an der Mizwas Jischuw Erez teil hat. Denken Sie daran, meine verehrten Freunde, daß Sie nicht uns allein die Arbeit und die Verantwortung für Jischuw Erez Jisroel al pi din tauroh überlassen dürfen, daß auf Ihnen in gleicher Weise wie auf uns diese Verpflichtung lastet, die freudig auf sich zu nehmen eine Ehrenpflicht eines jeden von Ihnen sein möge. IDarum dev üemn j$ajisdguii) nötig Ist So sehr wir überzeugt sind, daß eine unfruchtbare negative Kritik an den unerfreulichen Erscheinungen in Erez Jisroel und der Diaspora an und für sich zwecklos ist, so halten wir es doch andererseits für unsere Pflicht, durch Hinweis auf einzelne Symptome religiöser Verwilderung, das Gewissen derjenigen unserer Gesinnungsgenossen wach zu schärfen, die noch immer glauben, daß der Keren Hajischuw eine kleine und nicht für die Totalität agudlstischen Denkens wichtige Aufgaben zu lösen hat. In diesem Sinne seien die Registrierungen, die unter dieser Rubrik erscheinen, gewürdigt. I. Aus Nr. 24 des zionistischen Zentralorgans, Haolam" entnehmen wir eine erschütternde Schilderung über den Wandel der religiösen Gesinnung bei den Jemeniten in Erez Jisroel aus der Feder des Herausgebers, M. Kleinmann. Der Autor schildert, wie er noch vor 10 Jahren in Tel Awiw von einem jemenitischen Lastträger bedient wurde, der in den kurzen Ruhepausen zur Erholung den Sohar aus seiner Brusttasche herauszog, um darin zu lernen, und wie es sich herausstellte, daß dieser Lastträger, der mit spielender Leichtigkeit und der bekannten Unermüdlichkeit eines Jemeniten seiner Arbeit nachging, nicht nur etwa in dem Sohar lernte, sondern sich als richtiger Talmid Chochom erwies, wie überhaupt damals Thorakenntnis und Thoraanerkenntnis fast ausnahmslos bei den Jemeniten heimisch war. 10 Jahre später, also jetzt, schildert Kleinmann den Eindruck einer jemenitischen Synagoge: „Ich fand keine Gemeinde vor, die mit Andacht betet, wie dies noch vor 11 Jähren der Fall war, auch die traditionelle Sabbatkleidung der Jemeniten hat aufgehört, nur zwei bis drei alte Leute tragen sie noch. Die meisten beteten in ihrer Arbeitskleidung. Die Jugend war überhaupt nicht in der Synagoge vertreten, statt dessen fand ich sie auf den Straßen von Tel Awiw, ohne daß man ihnen irgendwie den Sabbat angemerkt hätte, auch die weibliche Jugend, die sich früher auszeichnete durch ihre Züchtigkeit, hat sich völlig geändert. Die jemenitische Jugend „europäisert" sich, oder noch besser sie ,,tel-awiwisiert" sich und die jemenitischen Mädchen kennen schon alle Geheimnisse des nächtlichen Meeresstrandes in Tel Awiw, Auch die Alten lernen nicht mehr. Eine vollkommene Umstellung ist in dieser ehemals so köstlichen Gemeinde zu erkennen und zwar nicht nach der guten und sympathischen Seite." II. Nr. 49 der „Jüdischen Rundschau" bringt in ihrem hebräischen Fernunterricht ein Gedicht von Salman Schneur und bemerkt dazu, daß es ein weitverbreitetes' Lied der Cha- 1 u z i m sei, welches dem Gedanken Ausdruck verleiht, „nehmt Euer Schicksal selbst in die Hand, wartet nicht untätig, bahnt den Weg für Eure Zukunft im eigenen Lande," Wir geben im folgenden eine teilweise Uebersetzung dieses Liedes für Leser, die des Neuhebräischen unkundig sind, wieder: „Bahnet den Weg, schaffet einen Pfad, wartet nicht auf den Moschiach, allen Völkern hat er sein Antlitz enthüllt, nur sein eigenes Volk hat er vernachlässigt. Barbaren hat er in seiner Gnade erlöst, nach unserem Volke hat er nicht gefragt. Den Weg bahnet, helft einer dem anderen. Wer ist denn sonst für uns? Elijahu wird den Weg nicht bahnen. Tausend Mal haben wir ihn gerufen, er aber antwortete uns nicht. Seine Religion hat er' vertauscht, seine Kleider verändert, das Bild Fremder ist in seinen Händen bahnet also Ihr den Weg." III. Ein allem Augenschein nach von zionistischer Seite gefördertes Landschulheim ist in Kaputh bei Potsdam eingerichtet. Nr. 48 der „Jüdischen Rundschau" berichtet aus der Feder des Leiters, wie die jüdischen Feiern dieser Kinder gestaltet werden. Der Autor versichert uns, was wir ihm auch ohne weiteres geglaubt hätten, daß der Weg der Orthodoxie dort nicht eingeschlagen werden konnte, da die Formen der Orthodoxie zu starr und unwandelbar seien, um sie Kindern für die Dauer annehmbar zu machen-. Er berichtet uns dann weiter über die Sabbatfeiern in Kaputh. „Diese Feier hat nach längerer Entwicklung nunmehr eine feste Form bekommen, Festkleidung, Lichterglanz, Scholaum alechem, Kiddusch am Freitag Abend, dann wird etwas vorgelesen, oder zusammen musiziert. Sabbat Morgen haben die Kinder noch einen Kiddusch gewünscht, und das war der Grund, warum man ihn einführte, danach hörten wir uns ein Musikstück, von Geigen, oder Harmonium gespielt, an. Der Sabbat Vormittag ist nicht einfach frei, sondern ist auch teilweise mit einem jüdischen Geschichtsunterricht besetzt. Daß mehr aus „technischen Gründen" (wir nehmen an, weil am Wochentage dies eine Störung des Sportes oder des Neuhebräisch geworden wäre) auch ein Teil des Musikunterrichts zu dieser Zeit, stattfinden mußte, schien uns den Sinn des Tages nicht zu störe n." Der Bericht schließt mit den Worten: „Es muß in der Absicht eines solchen Unternehmens stets die Aufgabe liegen, etwas für das jüdische Volk allgemein Gültiges und nicht für einen kleinen Kreis etwas zu leisten und da fühlten wir, daß uns dazu die Autorität fehlt, die keine Persönlichkeit, sondern nur der Boden von Erez Jisroelverleiht. Unser Bemühen hier wird darum immer nur zur Halbheit und Unvollkommenheit verdammt bleiben," E.

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