Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1934)
- Date
- 1934-06-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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er Israeli Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. M. 28. Juni 1934 15. Tammus 5694 Nummer 26 Volks bürge rrecht und Ras s e Gesetzgebung. Berlin, 27. Juni. Wie aus München gemeldet wird, hielt Reichsjustizkommissar Dr. "Frank in der unter Teilnahme ausländischer Juristen in der Aula der .Münchener Universität abgehaltenen Festsitzung der Akademie für deutsches Recht anläßlich ihres einjährigen Bestehens eine Ansprache, in der er sich u. a. mit dem Grundsatz des Volksbürgerrechts und mit der Rassengesetzgebung befaßte. Die Volkseinheit, führte der Redner aus, sei nicht gleichbedeutend mit der Summe aller Staatsangehörigen. Sie umfasse nur die nach Blut und Rasse Zugehörigen. Staatsbürger sollten nur die Volkszugehörigen sein. Auf deutschem Boden soll -der deutsche Mensch Träger des deutschen Rechts sein und von diesem Fundamentalsatz werde das deutsche Volk niemals abgehen. Die deutsche Rassengesetzgebung sei eine eminente Notwendigkeit zur Erhaltung des völkischen Lebens gewesen und deshalb in den Grundlagen auch nie veränderlich. Die Durchführung der Rassengesetzgebung sei nicht brutal, sondern stets im Rahmen des Kulturstaates vor sich gegangen, der das Reich sei. Die Rassengesetze seien auch nicht dem Haß gegen ein anderes Volk entsprungen, sondern nur der Liebe zum eigenen Volke. Konstruktive Hilfe für Polen New York, 20. Juni. In Amerika und England wird gegenwärtig eine große Hilfsaktion zu Gunsten der Juden in Polen organisiert, die im Gegensatz zu den bisherigen rein philantropischen Aktionen sich auf wirtschaftliche Maßnahmen stützt. Die jüdischen Organisationen in Amerika haben bereits unter dem Vorsitz des früheren polnischen Konsuls in Tel Awiw, B, Hausner, in einer Reihe von Konferenzen, an denen auch der polnische Botschafter in Washington, Patek, teilgenommen hat, genaue Richtlinien für die Hilfsaktion ausgearbeitet, die vor allen Dingen den Import von Erzeugnissen des jüdischen Handwerks und der jüdischen Industrie in Polen nach Amerika vorsieht. Am 6. Juli begibt sich eine Delegation der „Föderation Polnischer Juden in Amerika" mit dem Dampfer „Pulaski" der polnischen Gdingen-Amerika-Linie nach Gdingen, um die einzelnen Maßnahmen mit den jüdischen Wirtschaftsorganisationen sowie der polnischen Regierung, die hieran stark interessiert ist, zu verhandeln. Wie das „Danziger Echo" erfährt, wird die amerikanische Delegation nach ihrer Landung in Gdingen auch zu einem kurzen Aufenthalt nach Danzig kommen. In England werden ebenfalls die Möglichkeiten des Imports von jüdischen Erzeugnissen aus Polen erwogen. Aus dem Inhalt: Jüdische Aerzte und arische Patienten Seite 2 Zertifikate für Handwerker Seite 2 Zur Rettung Stavskys...... Seite 2 Die Prozesse um die „Protokolle" Seite 2 Nationalismus und Christentum - - Seite 2 Neue Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel......... . Seite 3 Hungernde Brüder in Rußland . . Seite 5 Agudazertifikate .........Seite 7! Eine bedeutsame Versammlung im Haag Seite 8 Die Sidra spricht zu uns......Seite 4 Kinderecke ............Seite 9 Beilage „Blätter des Keren Hajischuw". Das neue lettländische Unterrichtsgesetz und jüdisches Schulwesen- Riga, 24. Juni. Nach den Bestimmungen des soeben von der Regierung angenommenen neuen Unterrichtsgesetzes werden jüdische Schüler in Lettland nur noch jüdische oder lettische, nicht aber Schulen anderer Minderheiten besuchen können. Analoge Bestimmungen wurden für sämtliche Minderheiten getroffen. Bezüglich der Wahl von Hebräisch oder Jiddisch als Unterrichtssprache in jüdischen Schulen wird nach einer Erklärung des Unterrichtsministers Prof. Adamowicz den Eltern freie Hand gelassen. Jede Minderheit bekommt für ihr Schulwesen eine ihrem Anteil an . der Gesamtbevölkerung entsprechende staatliche Beihilfe. Die Gewerbeschulen werden voraussichtlich durchwegs zur lettischen Unterrichtssprache übergehen müssen. Da Lettisch auch als einzige Amtssprache gelten wird, hat bei der jüdischen Bevölkerung ein intensives Studium der lettischen Sprache eingesetzt. Die Talmud Thora-Schule in Erez Jisroel. Eine Schicksalsfrage für das alte und neue Palästina. Ueber die Erziehungsfragen in Palästina äußerte sich vor kurzem eine führende Persönlichkeit der Agudas Jisroel bei dem Erez Jisröel- Abend im Frankfurter Saalbau, daß solange nicht aus dem alten Jischuw selber eine geniale Persönlichkeit erstehe, die das Signal zu einer organischen Weiterentwicklung der Talmud. Thora Schulen von innen heraus geb.e, diese alten Erziehungsstätten bei all ihrer Einseitigkeit aLs1 die einzigen echten Pflanzstätten' jüdischen Geistes unangetastet bleiben und in erhöhter Treue geh e g ,t undgepflegt werdenmüßten. Nur an Geld fehle es, dürfe es aber nicht fehlen, um diese Talmud Thora-Schulen durch Berufung pädagogisch vollwertiger und vor allen Dingen gut und regelmäßig bezahlter Lehrkräfte und durch hygienisch einwandfreie Schulräume auf die Höhe der Zeit zu bringen. Dieses Wort sollte sich jeder einprägen, der nicht eines Tages mitten im wirtschaftlichen: Aufbau und Aufblühen. von Erez Israel eine geistige Zerstörung Jerusalems erleben will im Sinne von b^p fjijn natpj nö'HTP' einer Vernichtung1 der Seele bei gesundem lebendigem Leibe. Die Frage der Chedarim undTalmu!d Thora-Schulen in Palästina ist eine Lebensfrage des Jischuw und nicht allein des alten Jischuw. Denn es ist einmal so, daß der neue Jischuw, bei all seiner Kraft und Größe, wie ein Riese auf den Schultern des Zwergleins, auf dem alten Jischuw sitzt, so daß mit dem Wanken der Grundmauer auch der stolze Bau an Halt verliert. Eine Generation, die ohne Liebe zu den alten jüdischen Heiligtümern, ohne Verwurzelung im Boden der Geschichte und der Religion groß wird, eine Generation, die gelernt hat, Jesajas wie Shakespeare zu lesen und in den Gesetzen der Thora „beachtenswerte Bestimmungen einer alten Kultur" zu schätzen, mit denen sich für die Gegenwart nichts anfangen ließe, eine solche Generation wird auch dem neuen Jischuw verloren gehen. Zahlreiche junge Menschen, die heute schon im Verkehr und in der Unterhaltung in einem fließenden Hebräisch ihre völlige Ignoranz, soweit die Quellen in Betracht kommen, dartun, sind die ersten lebendigen Zeugen für diese traurige Perspektive. Diesem Gesichtspunkte dürfen sich auch diejenigen unter uns nicht abwenden, die über eine Reform der Chedarim und Talmud Thora-Schulen dauernd ihre Betrachtungen anstellen. Die genialen Persönlichkeiten zu dieser „Rechtsreform" sind aus (Fortsetzung auf Seite 3.)