Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1934)
- Date
- 1934-06-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 24 Der Israelit 14. Juni 1934 Ein neues Responsenwerk. Der unermüdliche „Reischer" Raw, Sejmabgeordneter Oberrabbiner Aron Lewin in Rzeszow, der in den letzten Jahren neben seiner vielseitigen rabbinischen und politischen Tätigkeit noch Zeit fand, aus den Schätzen seines beweglichen Geistes zwei Bände eines wertvollen Kommentarwerkes zu den fünf Büchern der Thora auf den Büchertisch zu legen, überrascht die jüdische Welt soeben durch Herausgabe eines Bandes von Responsen unter dem Namen: fsn 'JaK Wer sich dem Studium der mehr als 100 Nummern des Buches widmet, das wohl zu einem Drittel aus halachischen und agadischen Deroschaus zu ^nan raff und naier nzv, und auch aus selbständigen halachischen Erörterungen besteht, hat das Gefühl, durch einen Zaubergarten des Geistes zu wandeln, der in buntester Abwechslung in allen Farben und Formen die Blumen und Früchte rabbinischen Geisteslebens vor uns ausbreitet. Neben der eigentlichen Halacha, deren Anwendung auf das vielgestaltige Leben den Kernbestand des Werkes bilden, finden sich in reicher Fülle historische, lexikalische, grammatische Erörterungen und vor allen Dingen fesselnde prinzipielle Auseinandersetzungen über grundsätzliche halachisch-logische Fragen. Die halachische Auseinandersetzung ist durch ein staunenswertes nwpa» das oft zu den überraschendsten und treffendsten Analogien aus ganz o"v führt, auf der einen Seite ausgezeichnet, auf der anderen Seite durch Gründlichkeit und Klarheit der Diktion, die .die schwierigsten Objekte sprachlich mit Meisterschaft dem Verständnis näher führt. Einige in den Responsen behandelte Fragen seien hier verzeichnet: Rechtsfragen der Platzinhaber bei dem Umbau einer Synagoge (6, 42), Segensspruch beim Trinken von Mineralbrunnen durch Röhrchen (36), Eruw-Fragen (20, 26), Verwendung von Friedhofswuchs als Sukkobe- .deckung (95), Chasokofragen bei Schochtim (9, 47), Proportion zwischen der Besoldung des Rabbiners und des Schochets (69), Ordnung der Talmudtraktate beim Dafjaumi (53). Neben den in der Abteilung p» ntyn behandelten Aguno- und sonstigen eherechtlichen Fragen, die einen großen Raum einnehmen, bieten die dem oswn ]S?in gewidmeten Responsen ein besonderes Interesse, weil sie sich vielfach mit den Schwierigkeiten befassen, die durch die Verwicklung des Din Thora mit dem bürgerlichen Rechte entstehen. In einem längeren Responsum spielt hierbei auch die parlamentarische Tätigkeit des Verfassers hinein, wobei es sich um die Anwendung des Mieterschutzrechtes im Rahmen der jüdischen Gerichtsbarkeit handelt (40). Die Lektüre der Droschaus wird jedem Kenner reichen Genuß gewähren. Wir wünschen dem Buche eine rasche und ausgiebige Verbreitung in allen Kreisen der thorabeflissenen Welt. Vermischtes. Berlin, 10. Juni. Der Zentralausschuß der Deutschen Juden für Hilfe und Aufbau teilt mit: In letzter Zeit sind leider wieder von Schwindlern, die sich als Werber des Zentralausschusses der Deutschen Juden für Hilfe und Aufbau ausgaben, betrügerischer Weise Beträge vereinnahmt worden. Wir weisen nochmals darauf hin, daß jeder Werber, der im Auftrage des Zentralausschusses der Deutschen Juden für Hilfe und Aufbau vorspricht, im Besitze eines von uns ausgestellten Lichtbildausweises sein muß, und wir bitten, im Zweifelsfalle sich den Ausweis vorlegen zu lassen. Berlin, 5. Juni. In der am 25. April ds. Js. stattgefundenen Generalversammlung der Kantorenvereinigung Groß-Berlin ist der Vorstand einstimmig wie folgt gewählt worden: Hans Auerbach, 1. Vors., Dr. Fritz Salomonski, 1. Schriftf. Dem Vorstande gehören lerner ah die Herren: Hoffmann, L. Ruschin und I. Schreiber. Die Vereinigung wird demnächst der Oeffentlichkeit ihr Programm unterbreiten, das besonders der Förderung von Kantoren subventionierter Gemeinden gewidmet sein soll; sie will aber auch versuchen, das Interesse an der Stellung und der Tätigkeit des Kantors allgemein zu heben. In diesem Sinne erwartet sie auch die allseitige Hilfsbereitschaft. Kopenhagen, 3. Juni. Am gestrigen Abend hielt im Rahmen der Machsike Hadaß und der Agudogruppen hier Rabbiner Wolf Jacobson einen Hesped auf den Hamburger Raw Oberrabbiner Dr. Spitzer V'SI Der Trauerredner, ein Schüler und Vertrauter des großen Toten, verstand es, dem Publikum, das die Machsike Hadaß-Synagoge füllte, die Persönlichkeit des großen Toten nahezubringen. Am Namen des Hamburger Raw — Awrohom Schmuel Binjomin — entwickelte er die Wirksamkeit des seltenen Mannes, des Wahrhaften „Ner Marowi": als Awrohom war er der Liebling G'ttes, weil er viele Schüler ausstellte, die er zur Wahrheit und Wahrhaftigkeit, dem Grundzug seines Wesens — erzog: 'anis omas? jnr. Als Schmuel machte er das Wort wahr: ivxv Va 'Vxibeo nxv bx nun!? nxn er sah nicht nach Gewinn, sondern darauf, machasik Hadaß zu sein; diesem Streben opferte er buchstäblich Leben und Gesundheit, als Binjomin wird er noch nach seinem Hinscheiden weiterwirken als Vorbild, als das Gewissen aller ehrlichen Jehudim! n"a o-n jviwia Im Anschluß an den Hesped wurde sofort ein Schiur ^"Si ]i«an rmvi gelernt, zu bekunden, daß Kopenhagens Judenheit, soweit sie in Oberrabbiner Spitzer b"ST den Führer der westeuropäischen Judenheit erblickte, sein Gedächtnis nicht durch Wort, sondern durch „Lernen" in seinem Sinne ehren will! J. S. Gießen, 10. Juni. Seit dem Hinscheiden unseres noch in aller Erinnerung stehenden verewigten Provinzialrabbiner Dr. L. Hirschfeld s. A., war es zum ersten Mal, daß eine orthodoxe Organisation es uns ermöglicht hatte, wieder einmal aus berufenem Munde den Geist zu vernehmen, von dem das Wirken des Verewigten beseelt war. Wie groß das Bedürfnis nach einem belehrenden Worte in den Kreisen der jüdischen Bevölkerung Gießens vorhanden ist, erwies die über Erwarten große Beteiligung bei dem Vortrag, den am Samstag, den 2. Juni die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" in der Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft veranstaltet hat. Herr Rabbiner H. Mayer, Frankfurt a. M,, der als Sprecher dieser Organisation aufgetreten ist, verstand es, in meisterhafter Rede die Probleme aufzurollen, die die Gegenwart an jeden jüdischen Menschen stellt, wenn er die Zeichen der Welt verstehen will. Wenn auch nicht jeder der Zuhörer sofort fähig gewesen sein dürfte, die praktischen Konsequenzen, die von ihm verlangt wurden, zu ziehen, so sind wir doch davon überzeugt, daß gerade die heutige Zeit dazu angetan sein dürfte, durch Wiederholung derartiger Veranstaltungen, die sich aber auch auf das Flachland unseres verwaisten Rabbinatsbezirkes ausdehnen müßten, dem religiösen Leben Oberhessens einen starken Impuls zu vermitteln. Baaila, 10. Juni. Es ist uns durch die Zusammenarbeit mit der Zentrale der Zeire Agudas Jisroel gelungen, hier in Banila die erste Mädchenhachscharah Rumäniens zu eröffnen. Sie besteht aus 14 Mädchen, die im Sommer auf den Feldern des hiesigen Schloßgutes ausgebildet werden. Der Verwalter, Herr Brecher, der nie bei ^a-Arbeit zurücksteht, hat die Bedeutung von A. J. erkannt und durch günstige Bedingungen die Hachscharah ermöglicht. Die interne Leitung hat eine nxi^n» die politisch-aufklärende Herr M, Horowitz, Sohn cles hiesigen Rabbiners, die geistige Gretel Hirschheimer. Wir hoffen, daß die Hachscharah mit Recht den Namen „Musterhachscharah" trägt. G. H. Norderney, 12. Juni. Vom Staatlichen Nordseebad Norderney Betriebsgesellschaft m. b. H. wird uns geschrieben: „Obwohl wir bereits seit langer Zeit stets darauf hingewiesen haben, daß der Besuch nichtarischer Gäste im staatlichen Nordseebad Norderney nicht erwünscht ist, werden aus diesen Kreisen in letzter Zeit wiederholt Versuche unternommen, die Genehmigung für einen Kuraufenthalt auf Norderney zu bekommen. Im Interesse aller Nichtarier bitten wir Sie, in Ihrer Presse darauf hinzuweisen, daß es zwecklos ist und nur unnötige Kosten verursacht, wenn von diesen Personen eine Reise nach Norderney unternommen wird." (Es ist geradezu unbegreiflich, daß es immer noch aller Selbstachtung bare Juden geben soll, die um solche Ausnahmen nachsuchen, statt von ihnen, würden sie gewährt werden, keinen Gebrauch zu machen. Red. d. „Israelit".) SprechsaaL Oberrabbiner Dr. Spitzer und die Frankfurter Jeschiwah. Man schreibt uns: Zum Nachrufe auf Oberrabbiner Dr. Spitzer ^~XT» ist noch zu bemerken, daß Oberrabbiner Dr. Spitzer Schüler der Frankfurter Jeschiwa war, die für ihn die entscheidende Epoche brachte. Der 18jährige, hochbegabte, aber, wie nicht anders zu erwarten, in jeder Hinsicht unfertige junge Preßburger Bachur, kommt nach Deutschland, wird Schüler der Frankfurter Jeschiwa und erfährt von seinem großen Lehrer, Rabbiner Salomon Breuer b"2ir eine Förderung, deren sich kaum ein anderer Schüler in solchem Ausmaß rühmen könnte. Lange Jahre hindurch durfte er in dessen Nähe weilen, von ihm nicht nur Mehrung und Vertiefung seines Thorawissens, sondern vor allem jene Formung seiner Persönlichkeit erfahren, die für sein ganzes Leben bestimmend wurde. Von ihm betreut, konnte er auch den akademischen Bildungsgang einschlagen und vollenden. Seine Fürsorge geleitete ihn nach Ungarn zurück, bahnte ihm den Weg zu den dortigen rabbinischen Stellen, sowie er auch seiner persönlichen Empfehlung später die Berufung auf Jen Hamburger Posten dankte. Wenn Oberrabbiner Spitzer V"xt in Hamburg der Thorawahrheit sein Leben weihte, dann war sich keiner mehr als der Heimgegangene bewußt, was er seinem großen Frankfurter Meister zu danken und welches Verdienst der Frankfurter Jeschiwa gebührt. Herr Rabbinatsassessor Dr. Schlesinger '"l hat denn auch an der Bahre des Heimgegangenen der Trauer der Frankfurter Jeschiwa Ausdruck verliehen. In einem Augenblick, in dem unsere Thorainstitutionen, unter ihnen an erster Stelle die Frankfurter Jeschiwa, den schwersten Kampf' um ihre Existenz ringen, ist es in erhöhtem Maße geboten, daß die weite Oeffentlichkeit sich bewußt wird, welche Bedeutung den Institutionen zukommt, die auf ihre Opferfreudigkeit mehr denn je angewiesen sind. Eine Würdigling des heimgegangenen Hamburger Raws vermag es eindrucksvoll zu beleuchten. Heißes Wasser am Sabbat. Nachdem die modernen Wohnungen und Anstalten mit Heiß wasseranlagen für Sommer und Winter versehen sind, wird das heiße Wasser am na» für alle möglichen Gelegenheiten benutzt, wie z., B. für Tee, Kaffee, zum Wärmen des Essens, zum Reinigen der Hände, zum Spülen von Geschirr usw. . Man muß sich aber dabei klar sein, daß bei jedesmaligem Ab-, zapfen des heißen Wassers eine gleiche Menge kalten Wassers selbständig nachfließt, die also am na» frisch gekocht wird. Es ist daher nicht erlaubt, daß ein Jehudi den Warmwasser-Hahn am Schabbos öffnet. D. Die Frankfurter Woche, Geschichtskurs in der A. J.-Jugendgruppe, Ein Geschichtskurs unter Leitung des Herrn S. Schachnowitz beginnt diesen Montag, 8.45 Uhr abends, in den Räumen der A. J.-Jugendgruppe Schwanenstraße 12. Der Kurs behandelt Anfänge und Entwicklung des Chassidismus. Kulturbund Deutscher Juden. Vom Kulturbund Deutscher Juden wird uns geschrieben: Die Resonanz, die unser Konzert gefunden hat, wirkt sich außer in erhöhtem Interesse unseres Frankfurter jüdischen Publikums an unserer Arbeit, vor allem in Anfragen von auswärtigen Gemeinden aus, die Orchesterkonzerte übernehmen wollen. Eine' Erweiterung der Zusammenarbeit mit den bildenden Künstlern konnte durch die Herstellung einer Postkartenserie erfolgen. Aus dem reichen Bestand der Arbeiten haben wir je ein Sujet ausgewählt und hoffen den einzelnen Künstlern damit ein Publikum zu gewinnen. Die Postkarten sollen einzeln und in Serien bei unseren Veranstaltungen den Besuchern angeboten werden und in unseren Kartenvorverkaufsstellen aufliegen. Dieser ersten Serie soll bald eine zweite folgen; bei der auch die Künstler des gesamten Rhein-Mainbezirks Berücksichtigung finden können. — Ein kleiner Wettbewerb für den Umschlag unseres Programmheftes soll der weiteren Zusammenarbeit mit den bildenden Künstlern eine Anregung bringen. Die Juni-Veranstaltungen sind in Vorbereitung. Am Dienstag, den 12. Juni, abends 8.30 Uhr, findet der Lichtbildvortrag von Dr. Max O s b o r n „Alte und neue Kunst in Palästina" in der Frankfurt-Loge statt. Donnerstag, den 21. Juni, abedns 8.30 Uhr in der Frankfurt-Loge folgt das zweite Orchesterkonzert, das am Montag, den 25. Juni wiederholt wird. Hierzu ist folgendes Programm in Vorbereitung: Arnold Schönber.g „Verklärte Nacht"; Bernhard S e k 1 e s „Kleine Fugen über Themen aus Mozarts Figaro- Ouverture" (Ur-Aufführung); Mozart-Arien; Mozart: Jupiter-Symphonie. Im Anschluß an diese beiden Konzerte beginnt die erste Konzertreise des Kulturbundorchesters unter Hans Wilhelm Steinberg in den Rhein-Ruhr- Bezirk. Palästinafahrten der Lloyd Triestino. In den nächsten Monaten fahren folgende Dampfer in der Palästina-Linie aus: 20. Juni: D. „Gerusalemme"; 27. Juni: D. „Italia"; 4. Juli: D. „Pilsna"; 11. Juli: D. „Italia"; 18. Juli: D. „Carnaro"; 25. Juli: D. „Italia"; 1. August: D. „Carnaro"; 8. August: D. „Italia"; 15. August: D. „Pilsna"; 22. August: D. „Italia"; 29. August: D. „Pilsna"; 5. September: D. „Italia"; 12. September: D, „Pilsna"; 19. September: D. „Gerusalemme"; 26. September: D. „Pilsna"; 3, Oktober: D. „Gerusalemme"; und in der Folge werden abwechselnd die Dampfer „Gerusalemme" und „Pilsna" in der Palästina-Linie fahren. Der Dampfer „Pilsna" ist ein Schwesterschiff der „Gerusalemme" und sind auch dieselben Umbauten vorgenommen worden, so daß auch die „Pilsna" nun über Einrichtungen der I. Klasse und der Touristenklasse verfügt. Franz Rosenzweig-Briefe. Der Schocken-Verlag bereitet die Herausgabe einer Auswahl von Briefen Fra n z Rosenzweigs vor. Besitzer von Briefen, insbesondere solcher vor dem Jahr 1923, werden gebeten, sie an Frau Edith Rosenzweis, Frankfurt a. M., Wolfsgangstraße 4, zu senden. Rückgabe der Originale und Nichtveröffentlichung vom Adressaten bezeichneter Stellen wird zugesichert.