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Der Israelit · 1934-06-14 · Heft 24 (14.6.1934) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 24 (14.6.1934)
Date
1934-06-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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>el, ind >pe er Israeli Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. M. 14. Juni 1934 1. Tammus 5694 Nummer 24 Schwere judenfeindliche Ausschreitungen in Warschau. Ein Toter, mehrere Verwundete. Warschau, 11. Juni. Zu schwersten judenfeindlichen Ausschreitun-, gen ist es in der Nacht vom 8. zum 9. Juni in Warschau gekommen. Ausführliche Schilderungen der Ereignisse, die ein wirkliches Bild über ihren Umfang hätten vermitteln können, sind bisher nicht zur Veröffentlichung zugelassen worden. Die jüdische Presse mußte sich mit der Wiedergabe eines kurzen Communiques begnügen, während die polnische Presse die Berichterstattung über diese Vorfälle überhaupt unterließ. Erst jetzt werden nähere Einzelheiten durch einen in der „Gazetta Polska" veröffentlichten Bericht bekannt. Diesem Bericht zufolge haben sich die Ereignisse in der Weise abgespielt, daß in dem Viertel Powonzek im Anschluß an eine kirchliche Prozession eine Bande von etwa dreißig mit Stöcken, Gummiknüppeln, Eisen- Stangen Und ähnlichen-Gegenständen bewaffne- " ten Exzedenten einen Ueberfall auf die J. L. P e ■ rez-Bibliothek verübte. Drei Fenster wurden mit den Rahmen herausgerissen, alle Fensterscheiben mit Steinen und Ziegeln eingeworfen. Nachdem dieses Zerstörungswerk vollbracht war, richtete die Terror-Bande ihren Angriff gegen die im selben Hause befindliche Bäckerei des Leib Salzmann. Auch dort wurden sämtliche Fensterscheiben zertrümmert und die Einrichtung des Ladens demoliert. Während dieser Ausschreitungen kam der Eigentümer des Hauses, der 35jährige Jecheskel Dalmann an. Die Rowdys wandten sich sofort gegen ihn und schlugen ihn nieder. Nachbarn zogen den Ueberfallenen in eine Wohnung. Dalmann wurde im Rettungs-. "wagen ins Krankenhaus überführt, wo er im Laufe der Nacht seinen Verletzungen erlag. Nach diesen Exzessen drangen die Huligans in die Wohnung der Channah J e r u c h a n o w i c z ein und wollten sodann den Bruder des ermordeten Dal-; mann, einen . Autodroschken-Besitzer, zwingen,) Sie, ohne daß sie ein Ziel angaben, fortzufahren. Als der Chauffeur sich weigerte, diesem Verlangen zu entsprechen, wurde er schwer mißhandelt. Die Täter flohen dann in der Richtung nach dem Militärfriedhof. Auf dem Weg überfielen sie noch die Wohnung des jüdischen Bürgers S e i tm a n n. Das Polizeikommissariat entsandte ein Ueberfallkommandp an die Stätte der Ausschreitungen, außerdem wurde eine Reserve-Polizeiabteiluhg in das Powonzek-Viertel abkommandiert. 11 Teilnehmer an den Ausschreitungen wurden verhaftet. Die angerichteten Verwüstungen wurden photographisch festgehalten. Die Polizeiwachen im Viertel wurden verstärkt. Diesem Bericht der „Gazetta Polska" ist noch hinzuzufügen, daß eine Anzahl der Verhafteten mangels Beweisen bereits wieder freigelassen! worden ist. In: einem Communique der Warschauer Rettungswache wird mitgeteilt, daß die "Wache am Freitag abend in folgenden Fällen eingi'iff: 10.15 Uhr abends erste Hilfe geleistet dem Jecheskel Dalmann; fünf schwere Wunden am Kopf festgestellt; im Krankenhaus gestorben. 10 Uhr abends: erste Hilfe geleistet dem 52jährigen Schneider Jizschak Großberg; Wunden an der Stirn und im Gesicht. 11.30 Uhr nachts: 33jähriger Abraham Zimmermann, innere Verletzungen durch Tritt in den Unterleib ins Krankenhaus eingeliefert. 15 jähriger Israel Schuldiger, 35jähriger Arbeiter Jizchak Webermann, Verletzungen an Kopf, Stirn und im Gesicht. Leon Schwarzmann, Tritt in den Unterleib, ins Krankenhaus eingeliefert. 17jähriger Ignaz F 1 e c k s i 1 b e r , Verletzungen im Gesicht, 12jähriger Henryk S z u 11 i, Kopfverletzung durch Steinwurf und noch zwei jüdische Verwundete. Zahlreiche Juden sind aus dem Überfallenen Viertel in das Stadtinnere geflüchtet. Einer Abordnung der Warschauer Jüdischen Gemeinde bestehend aus dem Präsideriten Mazur und dem Vorsitzenden der Repräsentanten-Versammlung Trockenheim, die mit den zuständigen Beamten des Regierungs-Kommissariats eine Beratung (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Antisemitische Exzesse in Polen Seite 1, 2 und 10 Baseler Prozeß um die zionistischen Protokolle ........Seite 2 Ungarisch-jüdische Landesversammlung Seite 2 Das Todesurteil im Prozesse Arlosoroff Seite 4 und 10 Mißverstandene und mißdeutete Talmud- und Soharstellen.......Seite 6 Nichtjude verteidigt das Hebräische in der Synagoge ....... Seite 9 J^rusalemer Gespräche .....Seite 11 Der Chofez Chajim in der Kriegszone Seite 13 Hoar Agudati und Erez Israel Das Land der unmittelbarsten G'ttverbundenheit, das Tor der innigsten Beziehungen zwischen G'tt und Israel: Des Wortes von Angesicht zu Angesicht, des Wortes G'ttes, das Einzelnen, Begnadeten vernehmbar 'wurde, daß sie Künder, Propheten wurden; des Wortes Israels in seinen Gebeten, die durch jene Pforte Eingang finden; das Land, in dem die Rauchsäule der Opfer ewig in das Tor des Himmels hinaufragte, in dem die Mizwoth ihren eigentlichsten Sinn erfüllten — dies Land war auch nach der Zerstörung des Tempels das Ziel der Sehnsucht und glühenden Liebe unserer Großen und unseres Volkes. Nicht mit Macht wollten sie es erobern, solange die Erlösung fern ist — sondern als Einzelne teilhaftig werden der Heiligkeit des Bodens. Nicht erst im Tode — um dem Ort der Auferstehung näher zu sein — schon bei Lebzeiten, um den Charakter des Landes zu aktualisieren. Die „Gefahr der Reisen" ist durch die Technik klein geworden. Das jüdische Leben hier ist. erschüttert durch die äußere Lage oder nicht gefährdet durch die Arbeit für Erez Israel — die materielle Lage dort ist so gut oder besser als irgendwo — Furcht vor dem Zionismus oder der verantwortungsvollen Schwere der Mizwoth hatlujoth ba'arez können dem vereinigten Willen der thoratreuen Gesamtheit nichts bedeuten — die schwerlastende Hand der Völker über dem Land hat sich gehoben: was hindert uns heute noch, der alten Sehnsucht zu folgen, für die uns der alte Jischüw leuchtendes Vorbild ist? Haben wir diese Sehnsucht noch? Ist sie schon verschüttet, verdorrt, in der langen Trennung; verkümmert in unserer Isolierung in der Emanzipation, zerrissen wie jedes jüdische Gemeinsamgefühl in unserer Gespaltenheit? Oder fühlen wir nicht mehr, was das heißt: Keduschah, Kirwath haschem? Es gilt hier nicht Erez Israel- Ideologie und Schlagwörter nachzusagen. Es gilt hier tief in sich hineinzuhorchen, ob noch ein Laut von Chibbath ha'arez, eine Regung hörbar ist und jeden Funken anzufachen zur Flamme. Lernt die Stellen aus dem Schrifttum, in der die Weisen das Land beschreiben; lest die Erzählungen. Lernt um! Ihr werdet bald euch der Frage gegenübersehen: Sind wir würdig? Jeder Ort der Keduschah, jede Zeit der Keduschah stellt besondere Anforderungen an uns. Nicht nur die Mizwoth hatlujoth ba'arez, alle Mizwoth müssen dort ganz anders gehalten werden als irgendwo auf (Fortsetzung auf Seite 3.) m

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