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Der Israelit · 1934-06-07 · Heft 23 (7.6.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 23 (7.6.1934)
Date
1934-06-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 23 Der Israelit 7. Juni 1?34 anderen Arbeiterorganisationen im heiligen Lande, Zu der letzteren Frage liegt ein ausführliches Memorandum der Poale Agudas Jisroel-Organisation vor. Gemäß diesem Beschluß des Zentralrates trat der Waad hapoel mit dem Rabbinischen Rate und der Zentralratskommission am Donnerstag Vormittag zu einer mehrstündigen Sitzung zusammen, über deren Ergebnis noch berichtet werden wird. Mit warmen Worten des Dankes an alle Erschienenen wurde die Zentralratssitzung durch den Präsidenten Oberrabbiner Lewin um die zweite Morgenstunde des Donnerstag geschlossen. Oberrabbiner L e w i n gab dabei dem Bedauern des Zentralrats Ausdruck, daß es dem allverehrten Führer, Rabb. Dr. Pinchas Kohn, aus persönlichen Gründen diesmal nicht möglich ge wesen sei, an der Zentralratstagung teilzunehmen und entbietet ihm die Grüße und die Huldigung des Zentralrates. Korrespondenzen* Deutsches Reich. Um den Kibbuz Rodges. Frankfurt a. M., 5. Jun In der vorletzten Nummer unseres Blattes war in einer Notiz über die „Kinder- und Jugendalijah aus Deutschland nach Erez Jisroel" bemerkt worden, daß die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendalijah in Berlin keinen Anspruch auf das Vertrauen ortho doxer Kreise erheben könne, weil sie u. a. Kinder in Ben Schemen unterbringt. Daß daneben, so hieß es dann weiter, „auch Kinder in dem Kibbuz Rodges untergebracht würden — der übrigens auch nicht allen religiösen Ansprüchen genüge — könne das Verbrechen an der jüdischen Kindesseele, wie es durch die Auslieferung jüdischer Kinder an den Radikalismus von Ben Schemen liegt, nicht gutmachen." Gegen den Zwischensatz, daß der Kibbuz Rodges „nicht allen religiösen Ansprüchen genüge", wenden sich zwei uns zugegangene Zuschriften der Herren Rabbiner Dr. U n a in Mannheim und Rudi Herz, zur Zeit Berlin. Herr Rabbiner Dr. Una fordert uns auf, die in dieser Bemerkung liegende Behauptung durch einwandfrei bewiesene Tatsachen zu stützen, damit evtl. Abhilfe geschaffen werden könne; sonst sei sie eine „Verleumdung", (sie!) Wir haben dazu folgendes zu bemerken. Unsere Einstellung zu der Erziehung im Kibbuz Rodges ist unseren Lesern aus mehreren Erörterungen, die im Oktober vorigen Jahres im „Israelit" erschienen, nicht unbekannt. Wir haben damals dargelegt, daß wir an der praktisch-religiösen Lebensführung im Kibbuz Rodges keinen Zweifel hegten, daß es aber mit der Ausübung der praktischen Mizwos nicht getan sei, daß es vielmehr für die Erziehung darauf ankomme, welcher Geist in der Gemeinschaft lebt; ob das religiöse Moment (besser gesagt die Tauroh) als entscheidend und ausschlaggebend im Mittelpunkt steht, ob die Herzen am wärmsten für die Tauroh oder für die nationale Renaissance schlagen, ob der Chofez Chajim oder Theodor Herzl als nationaler Heros verehrt werde. In einer Erwiderung, die uns darauf vom Brith Chaluzim Dathiim zuging, wurde das Ueberwiegen des Nationalen gegenüber dem Religiösen bestritten und nur noch behauptet, daß beide, selbst in den extremsten Aeußerungen aus den Kreisen des Brith Chaluzim Dathiim, nebeneinander ständen. Das Religiöse ohne das Nationale sei sinn- und wertlos. Sowohl der Chofez Chajim, als auch Theodor Herzl seien nationale Heroen, wenn auch auf einer absolut verschiedenen Ebene. Dieser Erwiderung gegenüber stellten wir dann fest, daß das Nationale im Judentum ein rein religiöser Begriff ist, daß jeder Versuch, das Nationale aus dieser religiösen Einordnung herauszulösen und es als einen selbständigen Faktor gleichwertig neben das Religiöse zu stellen, der Tradition widerspricht und zur pädagogischen Verwahrlosung auf religiösem Gebiete führen müsse. Die Woche. Berlin. Wie die „Frankfurter Zeitung" meldet, hat der Stadtrat von Bruchsal in einer seiner letzten Sitzungen beschlossen, Nichtariern den Besuch des städtischen Schwimm- und Sonnenbades zu verbieten. Hamburg. Verschiedenen ausländischen Blättermeldungen entgegen, wird offiziell mitgeteilt, daß die Hamburger Synagoge Kohlhöfen nicht unter Druck der Behörde verkauft wurde, daß der Verkauf ohne jegliche Einwirkung von außen aus freiem Entschluß der Gemeinde erfolgt ist, weil die Synagoge infolge der Uebersiedlung der Gemeindemitglieder nach anderen Stadtgegenden nicht mehr genügend besucht werde und zu große Zuschüsse erfordere. Alles auf den G'ttesdienst bezügliche bewegliche und eingebaute Inventar bleibt Eigentum der Gemeinde. Stuttgart. Das Studentenkorps „Suevia" in Tübingen wurde aufgelöst, zum Teile wegen der an das Corps ergangenen Aufforderung, die jüdischen „Alten Herren" auszuschließen. Ebenso wird aus Heidelberg berichtet, daß das dortige Studentencorps „Vandalia" aus einer Reihe studentischer Verbände ausgeschlossen wurde, weil es sich geweigert habe, jüdische „Alte Herren" auszuschließen. Warschau. Eine Protestkundgebung in Warschau gegen Drosselung der Palästinaeinwanderung war von über 3000 Personen besucht. In einer Entschließung wird scharfer Protest gegen die Behinderung der jüdischen Einwanderung und Bedrohung der jüdischen Arbeit in Palästina eingelegt. Reval. Der Senat der Universität D o r p a t hat den Antrag einiger antisemitischer Professoren, den Numerus clausus für Juden und die übrigen nationalen Minderheiten einzuführen, abgelehnt. Jerusalem. Aus Teheran eintreffende Nachrichten , schildern das Los der aus Afghanistan nach P e r s i e n infolge der scharfen antijüdischen Politik der neuen afghanischen Regierung geflüchteten Juden als außerordentlich tragisch. Die Jewish Agencz sandte 30 Zertifikate für afghanische Flüchtlinge, doch verweigert ihnen der englische Konsul in Persien Einreisevisum, weil sie über keine Heimat-Dokumente verfügen. — Sir Herbert Samuel, der sich zur Zeit in Palästina aufhält, war in Jerusalem und in Tel Awiw Gegenstand vieler Huldigungen. Ein neuer Platz am Strande von Tel Awiw soll nach Sir Herbert Samuel benannt werden. — Sir Herbert Samuel stattete dem Emir von Transjo.rdanien Andulah in seiner Residenz Amman einen Besuch ab, der mit Rücksicht darauf, daß der Emir gerade jetzt seine Reise nach London angetreten hat, von politischer Bedeutung ist. — Der in Verbindung mit dem Arlosoroffprozeß stehende Prozeß gege.n die Mitglieder des revisionistischen Geheimbundes „Brith Habirjonim", dessen Gründer und Vorsitzender A c h i M e i r war, ist auf den 12. Juni angesetzt. — 63 orientalische Juden, unter ihnen Greise und Kinder, die am 28. Mai mit einem Segelboot aus Aegypten nach Palästina gekommen waren, wurden bei der Landung als illegale Einwanderer verhaftet und in Ketten in das Gefängnis von Gaza gebracht. Tel Awiw. Ueber die Zusammenstöße in Tel Awiw im Anschluß an den Proteststreik wurde die Untersuchung eingeleitet, die sich vornehmlich auf die revisionistischen Redner auf der Demonstrationsversammlung erstreckt. Die Irijah hat einen Antrag der Histadruth, die Revisionisten für die Ruhestörung verantwortlich zu machen, mit Stimmenmehhreit abgelehnt, dagegen eine Entschließung angenommen, die Ruhestörung mißbilligt. New York. Im Hause der Jüdischen Kulturgesellschaft wurde eine Ausstellung der jüdischen Presse in Amerika veranstaltet. Ausgestellt sind etwa 1000 Tages-, Wochen -und Monatszeitungen, die in den letzten 64 Jahren, seitdem in Newyork die erste jüdische Zeitung zu erscheinen begonnen hat, herausgegeben worden sind.- An diesem Standpunkt halten wir fest, undschon aus dieser einen Erwägung heraus entspricht für uns der Kibbuz Rodges nicht allen religiösen Anforderungen. Indessen sind seit jener Polemik im Oktober zwei weitere Tatsachen zu unserer Kenntnis gekommen, die uns befürchten lassen, daß der von uns charakterisierte Geist auch schon zu konkreten Auswirkungen auf dem Gebiete der Praxis geführt hat. Im Kibbuz Rodges werden die Kühe am, Sabbat durch Juden gemolken, und es wird auf diese Weise zwar ein neues Gebiet für die „Awoda iwrith" erobert, auf der anderen Seite aber eine revolutionäre Auflehnung gegen die vieltausendjährige b&~)V> msisn ^D3 geübte religiöse Praxis vollzogen, wobei ein Kn"*nm tiok in Frage kommt. Man stützt sich bei dem Vorgehen, wie wir hören, auf das halachische Gutachten eines Talmid Chochom in de"r Diaspora, ohne jedoch die Zustimmung des zuständigen Oberrabbinats in Jaffa erlangt zu haben. Dieses schweigt; es protestiert nicht, lehnt es aber auch ausdrücklich ab, etwa seine Zustimmung zu dem hier neu produzierten nn»n zu geben. Unter diesen Umständen hätte eine verantwortungsbewußte Leitung von dem *tf>Vt keinen Gebrauch machen dürfen. Das Ganze, aber ist symptomatisch, denn es zeigt, wohin eben die Nebenordnung der nationalen Erfordernisse neben die religiösen allmählich führen kann. Des weiteren wird von Kennern der Verhältnisse Klage geführt über die starke Anpassung, die sich im Habitus der im Kibbuz tätigen Mädchen an die myas- Begriffe der modernen Chaluzoth vollzogen hat. Auch hier eine Entwicklung, die nicht zufällig, sondern symptomatisch ist. Wir müssen also dabei bleiben, daß der Kibbuz Rodges „nicht allen religiösen Ansprüchen" genügt. Mehr haben wir nicht gesagt und mehr wollten wir nicht sagen. An dem guten Willen der Leitung von Rodges, die ihm anvertrauten Jugendlichen im Geiste des überlieferten Judentums zu erziehen, zweifeln wir auch heute nicht, und es ist selbstverständlich tausendmal besser, daß jüdische Kinder aus Deutschland, wenn sie heute schon nach Erez Jisroel gebracht werden sollen, im Kibbuz Rodges Aufnahme finden, als wenn sie irgend einer anderen Aufnahmestelle des Berliner Komitees übergeben werden. Das schließt aber die Verpflichtung nicht aus, um die Errichtung weiterer Erziehugnsstätten, auch für solche Kinder bemüht zu sein, deren Eltern weitergehende Ansprüche in Bezug auf die religiöse Erziehung stellen. Tagung orthodoxer Lehrer. Frankfurt a. M„ 29. Mai. Im Hörsaal der Israelitischen Religionsgesellschaft trat der „Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands" zu einer stark besuchten hessischen Bezirkstagung unter Vorsitz von Studienrat Dr. Max Münk, Frankfurt a. M. zusammen. Im Mittelpunkt der Tagung stand ein Referat von Rechtsanwalt Dr/ Isaak Breuer über die Erziehungsaufgaben der Gegenwart, in welchem er die Lehrer dazu aufrief, beim Unterricht sowie in Arbeitsgemeinschaften darauf hinzuarbeiten, eine gesetzestreue jüdische Bewegung zu schaffen, die im engsten Anschluß an Bibel und Talmud das Wesen der jüdischen Nation von Grund auf den Kindern übermittelt. Die Ausführungen Dr. Breuers fanden bei den Zuhörern starken Beifall. Es wurde beschlossen, das Referat zu veröffentlichen. Ferner wui^de sofort die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft der Mitglieder des Frankfurter Bezirks vorgenommen, die die pädagogischen und methodischen Gesichtspunkte, die im jüdischen Unterricht mehr hervortreten sollen, im einzelnen klar stellen und in ihrer Anwendung auf die Unterrichtszweige genau bearbeiten soll. Im weiteren Verlauf der Tagung wurde eine Reihe wichtiger Verbandsangelegenheiten besprochen. Vertreter der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums und der Israelitischen Religionsgesellschaft gaben in Begrüßungsansprachen ihrer Sympathie für den gesetzestreuen Lehrerbund Ausdruck. (Weitere Korrespondenzen Seite 11.)

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