Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1934)
- Date
- 1934-05-17
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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17. Mai: 1934 D « r Israelit Nr. 20 Seite 3 Das letzte Verbot „Du sollst nicht gelüsten" •st das großartige Finale des Zehnworts, das die ewige Ueberlegenheit g'ttlicher Gesetzgebung über menschliche dokumentiert. Denn es wendet sich an die Gesinnung,- an das, was kein Richter kontrollieren, kein Auge beobachten kann. Es verfolgt die Sünde bis. zu ihrem Urgrund, bis zu ihrem letzten gedanklichen Keim.. Nur ein solches Gebot, nur das g'ttlichej kann; den wahren Frieden und die soziale Gerechtigkeit auf Erden zur Verwirklichung bringen. : ' '[[ Das Zweiiafelgesetz« Der Midrasch stellt die beiden Gesetzestafeln in eine innere Beziehung und Parallele. Das erste Gebot mit dem sechsten:1-die;Ehrfurcht, vor;«G'tt . mit der Ehrfurcht vor dem Leben des Menschen als des Trägers der G'ttesebenbildlichkeit; das zweite^ von der Äüsschließlicftkeit und Einzigkeit' G'ttes lind dem Verbot des Götzentums mit dem/ siebten,1 das die! Äusschließlichkeit und Einzigkeit der ehelichen und g'öschiechtjichen Beziehungen ausspricht. Das dritte Gebot 'als '(je'gehstück des. (achten stellt die Würde des . ReligiQseii 'der Würde der MenscHehpersonlichlc^t" in" ihre'r Freiheit' und Selbständigkeit^ ah die; Seilte. Beide - dürfen riieht' als Mittel zum 2Weck'':n<ißbraucfht Werden, sie!5sind Selbstzweck!'; | ...r' , 'V ''. T •' V ' ' ., Das vi(Brti';'und' 'neuiii« .''*G«b'o.t Verjj^ickefi* :sie darin, daß beide von einem Zeugnis, einer Bekundung reden. Sabbatheiligung ist die Bezeugung der G'tthörigkeit der Welt, seine Entweihung die Leugnung der G'ttesherrschaf^ über die von Ihm, geschaffene ErHe. "'Abejr ' |aücn * ^b^ertung1! des NehenrnfensCheii \dürc|i falsches Zeugnis1 vergißt, da'ß in des Menschen Ehre auch d% Seines Schöpfers mitgetroffen ist ... Das fünfte jind zehnte Gebot haben das Bajis, das Mensehenhaüs zum Ziel, d e n F r i e den im Inn ern im Verhältnis "von Eltern und Kindern, den Fr Jeden na ch auß e n« gegenüber dem Zugriff; durch : begehrliche und 'neidische Mitmenschen; ' Der Parällelismüs der beiden Tafeln kann auch kurz so ausgesprochen werden: das erste bis dritte Gebot betreffen G ' 11 s e 1 b s t ," das viert« und fünfte die G ' 11 e s w e 11, alles das, worin G'tt Seine Anerkennung erblickt: die Weihe der Arbeit, des Hauses, des heiligen Landes. In1 analoger Weise" haben das sechste bis achte Gebot des Menschen'P e r s Ott zum .Inhalt, das neunte-und zehnte d i e z ü i h m g e h ö r i g e W e 11, seine Geltung und seinen Namen draußen und alles Eigentum, auf die sich sein Leben und Wirken aufbauen. ■ Mattan Thora. l''. Von 'Jakob Cohen.*) Fürwahr,^ ein freies.Volk, nach Kampf und Siegen durstig, wie ein Leu der Wüste, . , Schaut aus nach G'ttes Will'n in ernstem Auiblick. Noch hattf zum dritten Mal sich nicht erneut des Monds;Gestalt auf Eräeh'—;,: •1> Jahrhühdertlahfje Skiaveö)' hatten1' »sie die •: Bürde def Jahrhunderte''voi1'sich geworfe'n, ": '■ •' Die hartgewordenen Züge wie verjüngt undstb'lz' an :Hältung, s ' Das Auge blitzend oft wie von Verzückung. Weite, Weite und Freiheit! der Atem stockt vor Staunen, So schreiten, schreiten sie der Sonn' entgegen, ein; sechzig Myriaden-Volk, Im Morgenstrahl, der Sand1 zu ihren Füßen schimmernd,; ' 1 : > In goldhen Wolken' hochgewirbelt zu lichtfrohen Wolken.;Jnd wie sie schreiten, pocht mit goldnem Klang dks: Blut in ihren Pulsen; ' Und ihre SeeT ist1 Kraft und Jubel, ist Jubel'über; der vergangnen Tage Wunder, 4) Nach der Zeitschrift; Hatekufa, Tisicnri/KisleW ^480, 5. Buch, Warschau übersetzt.' Des | Väterg'ttes Wunder in der Knechtschaft < Land, draus sie erhobner Hand gezogen, Und j an des Schilfmeers Fluten, die ihnen sich . gespaltet, nicht den Feinden, Bis zum Refidimtag, dem Siege in Refidim, dem ersten ihrer Bahn — Noch klang der Siegesjubel ob des Feindes Reihn in ihren Ohren, : . , Sein wildes Brüll'n beim Ansturm, das;: wirre Durcheinander seiner Flucht, i : Sie. sehen noch die Hände Mosches hochgereckt ' I gleich Fahnen über ihrem Haupt, Mo s c h e s , des'G't'tes m'a'n n e s! Ja, er ist es, der vor ihnen schreitet, Den G'ttesstab in seiner Hand, den wunderkräftigen,. Wie eine Feuersäule, voll von Kraft und Glück, Und hinter ihm gehn sie in Treu'n, wohin er" je auf' G'ttiäs Göheiß sie führt. riSo schreitet sie' dahin die Schären der Erlösten, : die Heilbeglückten, '! Nur einen Wunsch im! Herzen, eine Hoffnung: Voll Streben nach der Sonne, der Freäheitssonne, die dort drüben überm ,Väterland erstrahlt, Dem Land der Lust, ^hr Erbe mit starker Hand neu zu gewinnen ... Scholar erklingt! Das Volk bleibt stehen. Umwittert vom Geheimnis, : Erhebt da drüben sich' ein1 duiikler stunitoepBerg, des plumpe Zinnen Wie starr, wie eingetan in Bann des Schweigens; zu seinen Häupten eine Wolke, Gleichsam des Denkens Last, sich langsam ballend, aufwärtssteigend, ♦Als Wolle sie der Soüne Strählen scheuchen, hinein in G'ttes Himmel wachsen. Erhabnes Schweigen rings um diesen Berg und feine Stille, Der . Matten Grün darauf gebreitet, ein Quell in leisem Plätschern, : :.: < '-. nun] •> Die Schicht des Manna silbern auf dem Grün ■weithin; '•: : 1 . Halt macht das Volk. Hier wird es lagern. Es spannt die Zelte, , : . : Geht aus, Manna zu sammeln auf dem-Felde,; noch eh's die heiße Sonne schmilzt. Da sprach der Heilige: „Es irren des ewjgen Lichtes Funken .t. Ueber die Erde hin und würgend will sie Finsternis bedecken, .;. Es strebt des Menschen Herz zu Mir und bleibet am Geschöpf auf seinem Wege haften, Bückt sich der Sonne, betet'zum Stief, dem Holz bringt er ein Opfer, Ein jeglich Volk mit seinen Götzen! und ist blinder noch als sie, wie sie vergänglich. Sieh da, dies einz'ge Volk, Mein Licht im Herzen und nach Reinheit strebend, Die Kinder Abrams, Meines Lieblings, der über alle Himmelssterne - y "'' Zu Mir den Weg fand, zu Mein.es Lichts verborgin^j|Qüellen,||; " J'" ' :iU\r "'; ' Und diesen ftg^j[4ä'' 'deÄ' ^eiffeni überkam zur [ew'geh Hut., ' /',,). «'',■;•} ' ' V". So will auch' Meinen' Bund; dein1.Kinder^ be- ( Wahren, mach' sie zürn'ew'gen ybljk.! :>< ':' Nachdem im Tiegel sie des li'eids geläutert, geb';Ich;dielThöra.'ihnen,::i u: ■ Die . Lebe'nslehre, "Will durch' Mosche, Meinen Knecht, sie geben." Er sprach's und blickt zu Mosche nieder, der-den Berg emporstieg, Wief träumerisch die Augen, Freiheit atmend^ ein: Planen auf der Stirn,; Ein reines; mit jedem. Schritt an Lauterkeit ge-: winnend.-- "i." ■ -i ■'>'■: Nun bleibt er stehn und das Gesicht er wendet; mit einem Blicke höh'rer Freude Ii Umfaßt das Volk da unten er, das er geliebt, ge-1;tragen,:-' ■ '!;;'>; i.. i ,;;tlii •': Der; Wüste Flächen und die weite Welt und all das Meerydes' reinen Himmels;1' - Also iYer^^ileti.^'.die;' tilgen.- ^m^grgchpljen;' in; Gebet und Liebe. > ' Ihm ist's, als schaue er des Schöpfers Antlitz und harre auf Sein Wort. Das war ein Augenblick des Schweigens, ganz voll Licht und U^geheirrinis, Als G'tt und Mensch sich trafen, in einem hocherhabnen Plan sich trafen. Des Dienstes Enget,standen, die Fittige gesenkt . . in Demut. G'tt streckt gleichsam die Rechte aus und hob Mosche zur Höhe Und sprach: ,:f<Ein Kleinod hab' ich aufbewahrt aus Zeiten Vor der Weltenschöpfung schon, Behütet ist's bei Mir, ein Teures, das die Welten aufwiegt. Ich bin bereit, es Israel zu geben zum Geschenk. Und wenn in Treu und Einfalt sie's bewahren, strahlt's ' : ■ \ Mit allem Wunderglanz der Schönheit ihnen, tränkt ihre Seele ' i' : .':[;! Mit Kräften der Unsterblichkeit, daß immer höher sie zur Heiligkeit siqh heil'gen; Und Mir soll'n sie zum Lieblingsvolke sein, zu künden Meinen Plan" den Völkern,. Mit Mir gemeinsamrals.^er Erde erste, d.ije Schöp- } ,fung zu voUendjen/V, . .. Und; der Heilige, gelobt sei Er, sprach zü Mosche': „Geh hin ,zum Volk und weihe sie; sie sofin die Kleider waschen, _ , Und' sbll'h bereitet 'sein zum dritten Tage, denn am dritten'Tage' " ' '' '? Steig' Ich herab vor allem Volk zum Sinaiberge —-." Wie der Schöpfung erster Donner Ueber1 des CHaös'1 Wüten freudig rdllte,' ■>' l)'' So fiel iAs' Volk die" Kunde: G'tt,* G'tt selbst wird v uns erscheinen! ■!': ^' *' : Und einen Nachhall jenes Donners, gleich einer Himmelsstimme, hört noch heut' die Braut* Wehn ihr der Braut'gam naht zuerst. Ein Freudenheben faßt das Volk, Und; eine Welle dprvKeduscha umspület jeden; jeglicher strebt}. .;> . " T So.Leib wie Seei*! zu,reinigen, zur]Kindesunschuld zurückzufinden,, , (; Solch großem ^.u^enblick gemäß. Gelenkt sind ' alle Augen Hinüber zu des Felsens Zacken, die Wolken des .:i Geheimnisses^bedecken, ■ , Die ihre Boten in (die Hohe schicken, verborgne (, Kunde in sich tragend, .. ' '„ Im Flammenglanze steht die Wüste da voller Erwartung, Still liegen ihre mächtigen Sandesdünen, auf den grünen' Matten . Ruht wie Glanz ein Sehnsuchtsstrahl, und wie voll Ehrfurcht Träuft's aus den Dornen und dem tränenden Gestrüpp. . , , t Es sinkt der Tag; die weite Fläche wie voll verhaltener Sehnsucht; E^h1 Meen von Flammen an 4fm AbendhimmeL jund es brennt iin Sonnengknz die Wüste. Wje, sie noch;nie gebrannt; Tal, Berg und Wolke allzumal- ^. •.. Im Angesicht des Rauchs auf Sinai; auch , die; nackten Zacken des Gesteiüs i; Sind glühendrot von Feuer wie die Wolkenballen ihm zu Häupten,; Alles nach Wunder dürstend und im Schweigen der G'ttesnähe----Und in der Flamme Mitten Inmitten dieser Stille steht das Volk, auch selbst entflammt Vbn glühendem Sehnsuchtsbrande ... ■ Es" war am dritten Tage, . :j Die. Wüstensonne, nackt und'wild, war; kaum eri strahlt --H.;i U; :• Und es erjbebt die große Wüste von einem End* zum andern,/,, Stöhnt in Angstgesföhn .gleich einem Stummen, Es schwankt das Lager! . Zerbirst der Berg und will; der Himmel auf die Erde schmettern?;Vpm Himmel und vom Berg her fährt der Sturm