Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1934)
- Date
- 1934-05-17
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Zum Jubiläum von Tel Awiw. Mit zwei Bildern. In Tel Awiw, der Frühlingsstadt von Erez Jisroel, wird das 25jährige Städtejubiläum mit einer großen Warenschau und anderen Feierlichkeiten sozusagen unter den Augen der ganzen modernen Welt gefeiert. Verschiedene Namen werden als erste Gründer oder Initiatoren der Stadt genannt. Benjamin Münz, der spezielle Berichterstatter des Warschauer „Jiddischen Togblattes" in Palästina, nennt Herrn Akiba das ganze weite Rußland in all seinen europäischen und asiatischen Teilen. Er fühlte den Puls der Großstadt und dachte unentwegt an Ere2 Jisroel, nach dem die Gedanken dieses frommen Zionsfreundes gingen. Jischuw Erez Jisroel, diese Mizwo der 613 Gebote, schien ihm nicht genügend gepflegt. Und daß man damals so viel und nur von Kolonisation sprach, gefiel ihm auch nicht. Die Juden sind Städtebewohner und müssen den Aufbau Palästinas auch mit dem versuchen, was in ihnen sitzt: dem Hang zur Stadt, zu Handel und Industrie. Mit diesen Gedanken und Erwägungen, fuhr er 1904 nach Erez Jisroel. Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen aus den Golusländern hineintragen, die Stützpunkt und Wegweiser der Kolonien sein soll. Heute, nach 25 Jahren Tel Awiw, versteht es jedes Kind, daß man eine Stadt haben muß neben der Landwirtschaft. Damals war es aber ein kühner Traum, und Herrn Weiß war es vergönnt, seine Erfüllung in einem Maße zu erleben, das noch weit über alle Träume hinausgeht. Zunächst fuhr Akiba Weiß zurück nach Lodz, um sein Geschäft zu liquidieren und alle anderen Beziehungen abzuwickeln. Es geschah in einem Fieber und einer Eile, die man um so weniger verstand, als das Geschäft allezeit gut ging und Weiß zu den wohl- ______[,,„l,^,lMJJIi,L, ^'wSv&Sm T^^^M ^^d^m^^ä^^^^ WS^^ ^j^^S^ Bgjte* ~~ j^^--*6^ C5?4 ^tfj^^%^ BS&JW*'. \*£&r~ -x&fe'&^t'j'r ''Ä f^V*^ "^^\^J^^4Jv^ä^ßk W^^^ß-J^m is§s3W ^^^^U^^^^äBSfM ^^^^Sd^iSPs^äSk ^sa^5;sC-^KaW£^^^^8! ^^^^^^^^^^M ' - afit ' ^^fliBi Pr*~ . -"t*- .r lät^Ss^BSaSk " ''• * :^ * ' ~] . •: '^mtirr'' ^^^trttSlf^' "r iImMPtf- ^-tdBBMwBBßaysA Tel Awiw vor 25 Jahren Tel Awiw heute Weiß, den man heute noch in den Straßen von Tel Awiw zufrieden lächelnd herumspazieren isehen kann, als den Mann, in dessen Kopf zuerst der Gedanke des Städtebaues in Palästina entstanden und dessen Kraft und Energie es zu verdanken ist, daß vor 25 Jahren dort auf dem weißen Sande der Grundstein gelegt und die Voraussetzungen geschaffen wurden zu der Stadt, die heute eine ungeahnte Blüte erlebt. Akiba Weiß ist ein L o d z e r Jude. Auf der Petrikauer Straße in Lodz hatte er sein Juwelier- und Uhrengeschäft. Weiß war dort als Gemeindemitglied von religiöser Gesinnung sehr geschätzt, war Vorsteher einer großen Betschul, Verwaltungsmitglied verschiedener Gesellschaften; ein Jude mit einem warmen Herzen, das allem Guten und insbesondere den Angelegenheiten des Klall entgegenschlug. Vor seinem Laden stand der Juwelier und betrachtete das bewegte Treiben der großen Handelsmetropole. Lodz stand damals im Brennpunkte der Prosperität, war Handelszentrum für Es erging Akiba Weiß bei der Landung in Jaffa, wie es jedem anderen Juden damals bei der1 Ankunft in Palästina erging: ein wehes Gefühl ob der Oede, der Sandflächen rings umher bemächtigte sich seiner. Weiter im Lande Sümpfe und Wüsten. Die Stadt Jaffa: eine Kette von schmutzigen Straßen und baufälligen Hütten, die nachts nur vom Mondlicht ein wenig erhellt werden. Schmutz und Enge in den Gassen, kaum eine halbwegs menschenwürdige Wohnung zu bekommen. Im Nordteile der Stadt wohnten kaum in anderen, besseren Verhältnissen als die Araber die Juden. Der Mangel an primitivsten sanitären Einrichtungen bewirkte Krankheiten in einer Fülle, wie man sie auch im Städtchen des armen Polen nicht kannte. In den ersten sechs Wochen seines Aufenthaltes in Palästina reifte in ihm nach und nach der Plan aus, den er zunächst wie ein Geheimnis mit sich allein herumtrug: es muß eine jüdische, rein jüdische Stadt erbaut werden, eine Stadt, in die die Juden all ihre habenden Männern der Stadt gehörte. 1906, im Hochsommer, kam er mit Familie zum zweiten Male in Jaffa an, dieses Mal in, der festen Absicht, dort zu bleiben. Und and lese m Tage begann der Bau von Tel Awiw. Schon am ersten Tage begann er .seine Pläne zu propagieren. Er wurde von den meisten ausgelacht, aber einige, unter, ihnen der heutige Bürgermeister Dizengoff, schlössen sich seinen Gedankengängen an. Mit ihnen gründete er eine Gesellschaft unter dem Titel ,, Achusath Bsi}ith'\ die gleich 60 Mitglieder zählte. Es waren die ersten Gründer von Tel Awiw. Zunächst mußte man einen geeigneten Boden in gesunder Lage suchen, was nicht gerade leicht war. Es mußten 60 feste städtische Steinhäuser auf einmal errichtet werden, um der Niederlassung von vornherein das Gesicht einer Stadt zu sichern. 40.000 Francs gaben die Juden in Jaffa jährlich für Miete aus, um in licht- und luftlosen Baracken zu hausen. Diese Summe mußte gleich dem Häuserbau zur Verfügung ge-